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Der Wein - Basiswissen (17)

Wo wächst der Wein? (B)


Alle Fotos: © Eckhard Supp

 

Qualitätinseln im Rebenmeer

Auch im heutigen Anbaugebiet Nahe, das sich von Bingen aus nach Süden und Südwesten erstreckt, wurden noch bis in die 1920er-Jahre weltberühmte Weine erzeugt. Nach dem Zweiten Weltkrieg aber setzten die Winzer der Region vor allem auf Massenerzeugung und lieferten einen Großteil der Grundweine für die berühmt-berüchtigte Liebfrauenmilch, einen lieblichen Weißwein, dessen Name ursprünglich auf die rheinhessische Lage Liebfrauenstift Kirchenstück in Worms zurückgeht, und der – leider muss man hier sagen! – noch immer ein Drittel der deutschen Weinexporte stellt. Auch hier besann sich in den 1990er-Jahren eine kleine Gruppe von Erzeugern auf ihr wirkliches Qualitätspotenzial; die Region wurde zusammen mit dem Rheingau zum Vorreiter der Entwicklung des so genannten Ersten oder Großen Gewächses in Deutschland.

Das milde Klima und die sehr unterschiedlichen Bodenformationen bilden auch hier ein ideales Terrain für Riesling. Während das Nahetal oberhalb von Bad Kreuznach durch steile Felswände und Porphyrböden geprägt ist, die für filigrane Weine sorgen, zeigen die Weine der Lagen in und um die Stadt mit ihren tiefgründigen, schweren Böden dichteren, kräftigeren Stil. Im Bereich der unteren Nahe und ihren Seitentälern bieten die sonnenbeschienenen Südlagen das richtige Terroir für rassige, fest strukturierte Weine.


Obwohl auch im Rheingau die maschinellen Vollernter im Vormarsch sind, wird noch immer ein Großteil der Lese per Hand eingebracht. Der Grund: die steilen Hänge und die Notwendigkeit, das Traubengut für bestimmte Qualitäten schon im Weinberg auszulesen.

Mehr noch als das der Nahe ist das Image des benachbarten Rheinhessen vom Massenweinbau geprägt. Das Anbaugebiet, das sich linksrheinisch entlang der Achse Bingen–Alzey–Worms erstreckt, wird im Westen von den Ausläufern des Nordpfälzer Berglands, im Osten vom Rheintal begrenzt. Hier wird eine fast unüberschaubare Vielzahl von Rebsorten kultiviert, und die Region war in der jüngeren Geschichte ein bevorzugtes Testgebiet für zahlreiche deutsche Neuzüchtungen. Müller-Thurgau führt die Hitparade der Sorten an, gefolgt vom roten Dornfelder, von Silvaner, Riesling, Portugieser, Kerner, Scheurebe, Bacchus und Spätburgunder.

Zwar vermarktet der Großteil der Winzerbetriebe seine Weine als Fassware, aber aus dem riesigen Rebenmeer ragen auch einige Qualitätsinseln heraus: so die Gegend um Bingen und Ingelheim mit dem berühmten Scharlachberg und die Rheinfront zwischen Nackenheim und Oppenheim. Vor allem an Letzterer mit ihren nach Süden ausgerichteten Tonschieferböden, dem so genannten Rotliegenden, einer geologischen Verwerfung, die quer zum Rheingraben verläuft, findet der Weinbau ideale Bedingungen. Zu den besten Lagen dieses „roten“ Hangs gehören Hipping, Oelberg und Pettenthal in Nierstein, Rothenberg in Nackenheim und Sackträger in Oppenheim – hier entstehen Rieslinge, die es hinsichtlich Kraft und Finesse mit jedem Rheingauer aufnehmen können.

Kraft durch Wärme

Während die winzige Hessische Bergstraße, die 1971 aus rein politischen Gründen durch Abspaltung von ihrem badischen Gegenstück entstand, über die Landesgrenzen hinaus trotz schöner Rieslinge bzw. Grau- oder Weißburgunder kaum von sich reden machen kann, konkurriert die Pfalz (ehemals Rheinpfalz), die im Süden an Rheinhessen anschließt, mit diesem um die Krone des produktivsten Anbaugebiets. Das nach Baden sonnenreichste und wärmste Anbaugebiet Deutschlands besitzt eine Vielzahl unterschiedlicher Bodenformationen, die von Buntsandstein über Lehm, Mergel, Keuper, Muschelkalk, Porphyr und Granit bis zu Schiefer reichen.

Der pfälzische Rebsortenspiegel wird immer noch von Weißweinsorten beherrscht, obwohl die Roten seit dem Ende der 1990er-Jahre auf dem Vormarsch sind. So hat sich Dornfelder auf den den dritten Platz hinter Riesling und Müller-Thurgau geschoben, danach folgen Kerner, Spätburgunder, Silvaner und Weißburgunder. Zunehmend interessante Resultate werden auch aus Grauburgunder, Chardonnay und sogar Cabernet Sauvignon erzeugt.

Noch wärmer als in der Pfalz ist es im südlichen Baden, dem drittgrößten deutschen Anbaugebiet, das sich fast 500 Kilometer weit vom Neckar im Norden bis zur Schweizer Grenze im Süden erstreckt. Der größte Teil der Weinbergsflächen liegt im Rheingraben und seinen Seitentälern und wird wird vom Schwarzwaldmassiv vor den rauen Ostwinden geschützt, während die Vogesen auf der gegenüberliegenden Rheinseite die stärksten Regenfronten abfangen. Im Unterschied zu anderen deutschen Anbaugebieten besitzt Baden eine sehr große Bandbreite verschiedener Bodenarten. Kalk-, Ton- und Mergelböden wechseln sich im Rheintal ab, Löss und Vulkangestein dominieren am Kaiserstuhl, Muschelkalk und Keuper im Nordosten, und die Hügel des Bodensees werden von Moränenschotter gebildet.

Entsprechend vielfältig ist das Spektrum der Weine, die vor allem aus Spätburgunder, Müller-Thurgau, Grauburgunder, Riesling, Gutedel und Weißburgunder gekeltert werden. Während die Weine Tauberfrankens denen im benachbarten Franken gleichen, und an der Bergstraße sowie im Kraichgau die weißen Burgundersorten gute Bedingungen finden, ist die Ortenau ein ideales Terrain sowohl für Riesling, hier Klingelberger genannt, wie auch für Spätburgunder. Auch der Breisgau mit seinen kalkhaltigen Böden eignet sich für Spätburgunder, während am benachbarten Kaiserstuhl und am Tuniberg zusätzlich auch die weißen Burgundersorten gedeihen. Hier bringt sogar der Müller-Thurgau sehr gute Resultate.

Vom Ländle an den Main

Dass die Weine aus dem württembergischen Ländle, der Schwesterregion Badens, über die regionalen Grenzen hinaus kaum bekannt sind, liegt vor allem am enormen Weinkonsum seiner eigenen Bevölkerung, dem höchsten Deutschlands. Trotz seiner südlichen Lage steht Württemberg unter dem Einfluss kühlen, kontinentalen Klimas, was nicht immer perfekte Reifebedingungen für die Trauben garantiert. Hier werden – sieht man vom Riesling ab – die für Deutschland ungewöhnlichsten Rebsorten kultiviert: Trollinger, in Südtirol als Vernatsch bekannt, Schwarzriesling alias Müllerrebe oder Pinot meunier (in der Champagne) und schließlich Lemberger bzw. Limberger, der in Österreich unter der Bezeichnung Blaufränkisch bekannt ist – allesamt Rotweinsorten, deren klimatisch bedingter, oft ungenügender Farb- wie Tanningehalt die Weine jedoch häufig zu leicht und dünn ausfallen lässt, um international konkurrenzfähig zu sein.

Zur Förderung zumindest der Farbextraktion wird hier noch weithin mit der Methode der Maischeerhitzung gearbeitet, was der geschmacklichen Komplexität der Weine andererseits aber nicht förderlich ist. Auch die wirtschaftliche Struktur des Gebiets, das von großen Genossenschaften und einer übermächtigen Gebietswinzergenossenschaft beherrscht wird, hat die Entwicklung echten Qualitätsweinbaus nicht begünstigt. [...]

Weingut Karl Pfaffmann - Pfalz (Deutschland)
Allmendstraße 1 - 76833 Walsheim
Tel: 06341-61856, Fax: 06341-62609, E-Mail: info@weingut-karl-pfaffmann.de, Homepage: www.weingut-karl-pfaffmann.de
Besitzer: Helmut & Markus Pfaffmann
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Den Lemberger trinken wir

Den Lemberger trinken wir wirklich sehr gerne selbst.
Gerne sehen wir aber auch, wenn die Weine aus dem Ländle überregional wahrgenommen werden.
Falls Interesse an einem Verkostungspaket besteht bitte einfach kurz melden.

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