WorldWine Portrait

Juli 2002

Neuer Wind in der Emilia Romagna

von Erich Grasdorf †

 
 
Die mittelitalienische Weinregion Emilia Romagna steht nicht im besten Ruf. Lange Zeit galt sie als Synonym für Lambrusco, allzu oft eine rotschäumende, klebrige Katastrophe von einem Wein, mit dem 1980 noch jede zweite Italo-Flasche gefüllt war, die in den USA geöffnet wurde. Seit einigen Jahren aber tut sich etwas in der Region, und dank innovativer Persönlichkeiten wie Elena Pantaleoni gewinnt auch der Qualitätsweinbau wieder an Bedeutung.
 
 
Das Weingut La Stoppa von Elena Pantaleoni inmitten
seiner Weingärten ( Firmenfotos)

 

"Man muss mit dem arbeiten, was einem gegeben ist, nicht dagegen." Elena Pantaleoni wiederholt es noch einmal etwas ausführlicher, wie um sicher zu sein, dass die Botschaft rüberkommt: "Ich kultiviere dieselben Rebsorten, die hier schon seit einem Jahrhundert wachsen, ohne mehr zu erwarten, als das, was sie geben können." Sagt es ernsthaft, schaltet dann ein großes Lächeln ein und blickt mit wachen Augen hinter ihrer klugen Brille hervor. "Una simpaticona" nennt man eine Frau wie sie auf der Alpensüdseite.
Die Rebsorten von denen sie spricht sind die heimischen Barbera, Bonarda und die weiße Malvasia di Candia aromatica sowie die so genannten internationalen Cabernet Sauvignon, Merlot und Pinot noir, die aber auch schon lange in dieser Gegend heimisch sind. Man erkennt es an Flaschen, deren vergilbte Etiketten die italianisierten Namen Bordo und Pino tragen und aus Zeiten stammen, als EU-Reglements noch in ferner Zukunft lagen.

Qualität aus dem Weinberg

Die Gegend, das ist der Norden der Emilia Romagna, das sind die Colli Piacentini an der Grenze zur Lombardei. Das Weingut Elena Pantaleonis heißt La Stoppa und liegt in der Nähe des Flusses Trebbia. Die Reben, auch ertragsstarke wie die Barbera, bringen im Valle Trebbiola relativ wenig Ausbeute. So findet eine natürliche Mengenbegrenzung statt, wobei man durch entsprechenden Anschnitt noch nachhilft. Auch das hohe Durchschnittsalter der Reben sorgt für konzentrierte Weine mit viel Charakter. Dieser Charakter, davon ist Elena Pantaleoni fest überzeugt, wird im Weinberg geprägt: "Darum investiere ich meine Energie in die Pflege und Verbessung des Rebbestandes. Das heißt natürlich nicht, dass wir hier ohne Technologie und Barriques arbeiten. Aber damit verfeinern wir unsere Weine nur, wir verfälschen sie nicht."


Die Intellektuelle im Weinbau: Elena
Pantaleoni ist "una vera simpaticona".

Elena und ihr Oenologe Giulio Armani haben sich um einen 52-Hektar-Besitz zu kümmern. Davon sind 22 Hektar Wald, 30 stehen unter Reben. Jahr für Jahr werden Parzellen gerodet und neu bestockt. Und das nur mit den besten Klonen aus eigenen Kulturen. La Stoppa gehört der Familie Pantaleoni seit 1973. Der Vater, ein Druckereibesitzer kaufte das Gut aus Passion für den Wein - Investitionen in darniederliegende Weingüter zahlen sich ja selten aus. Die Familie hatte keine landwirtschaftlichen Kenntnisse, keinen bäuerlichen Hintergrund. So übernahm die Mutter die Geschäftsführung der azienda und engagierte Leute, die etwas von Weinbau verstanden.

Tochter Elena studierte in Piancenza. Nicht etwa Önologie, sondern Linguistik. Trotzdem trat sie vor elf Jahren in das Unternehmen ein. Seit fünf Jahren gehört es ihr und sie leitet es allein: "Wenn ich Zeit habe oder wenn es nötig ist, gehe ich in den Keller oder in den Weinberg. Aber meine eigentliche Aufgabe ist es, La Stoppa vorwärts zu bringen." Das hat die 37-jährige, ledige Chefin bisher gut gemacht. Im Gambero Rosso, der italienischen Weinbibel, hat sie es bisher zweimal auf die Höchstnote der "tre bicchieri", der "drei Gläser" gebracht.

Erfolgreiche Frauen

Elena Pantaleoni, die eher wie eine Intelektuelle denn wie eine Managerin wirkt, gehört zu einer Generation junger Frauen, die sich in der internationalen Weinszene einen Namen machen. In Italien gehören etwa die Schwestern Lungarotti dazu, sowie  Elisabetta Forradori und Cristina Gemigniani. Letztere ist Chefin der Fattoria Zerbina in Faenza. Von der Zerbina heißt es, das sei das interessanteste Weingut der Region. Wenn man auf die gesammelten "tre bicchieri" schaut, ist da etwas dran. Auf die Frage, was sie denn von Cristina Gemigniani und deren Weinen halte, antwortet Elena Pantaleoni: "Siamo amiche, wir sind Freundinnen" – als sei damit alles gesagt. Obwohl zwischen Piacenza in der Emilia und Faenza in der Romagna Weinwelten liegen, haben die beiden jungen Frauen die gleichen Ziele. Eines davon ist es, die Region wieder auf die Weinkarte zu bringen, ihr eine Identität zu geben.

Das ist auch bitter nötig. Die Emilia Romagna steht nicht im besten Ruf. Obwohl sich einige Weingüter stark verbessert haben, gibt es sie immer noch die "Rachenputzer und Sauerblümchen" wie es im Gambero rosso heißt. Erschwerend kommt der emilianische Lambrusco hinzu, nur allzu oft eine rotschäumende, klebrige Katastrophe von einem Wein, mit dem 1980 noch jede zweite Italo-Flasche gefüllt war, die in den USA geöffnet wurde. Er war zeitweise zwar ein merkantiler Erfolg, verschwand aber aus der Berichterstattung der Weinjournalisten. Und mit ihm die Emilia samt der Romagna. Außerhalb der Region aber blieb Lambrusco ein Unwein und verstellte den Blick auf die charaktervollen Weine der Region. Elena Pantaleoni, Cristina Gemigniani und ihre Freunde sind gut unterwegs, der Emilia Romagna zu mehr Ansehen zu verhelfen.

Az. Vitivinicola La Stoppa, Fraz. Ancarano, I - 29029 Rivergaro, Tel: 0523-958159, Fax: 0523-951141, e-mail: lastoppa@tin.it, Internet: www.lastoppa.it

Weingut Kopp - Rheingau (Deutschland)
Waldbachstraße 11 - Hattenheim - 65347 Eltville
Tel: 06723-885335, Fax: 06723-885556, E-Mail: info@weingut-kopp.de, Homepage: www.weingut-kopp.de
Besitzer: Michael Kopp
Weinberge bewirtschaftet (ha): 4
Weinbergslagen: Hattenheim: Schützenhaus, Engelmannsberg, Wisselbrunnen
Rebsorten: Riesling, Spätburgunder, Weißburgunder
Weinnamen: Kopp à Cabana
jährliche Flaschenfüllung: 40.000
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