WorldWine Portrait

Dezember 2002

"Ich habe einfach viel Glück gehabt!"

von Erich Grasdorf †

 
 
Ende der achtziger Jahre - der Glykol-Skandal war noch frisch in Erinnerung - gab es unter den Weinfreunden der Welt nur wenige, die ihr Geld auf eine Zukunft für den österreichischen Wein verwettet hätten. Mitten in die sich vorsichtig breit machende Aufbruchstimmung hinein, schlug die Nachricht wie eine Bombe ein: Ein Wein aus dem österreichischen Kamptal hatte die versammelte nicht-französische Chardonnay-Elite Europas in blinder Vergleichsprobe deklassiert.
 
 
Ins Rampenlicht stellt sich Willi Bründlmayer selbst
nur ungern, obwohl der Star aus dem Kamptal dort eigentlich
hin gehört. Vor allem mit seinen Grünen Veltlinern Lamm
nd Käfertal gehört er derzeit zu den besten
Erzeugern Österreichs. (Firmenfotos)

 

Der Winzer, dem diese Sensationsmeldung zu verdanken war, hieß Bründlmayer, Willi Bründlmayer - seither einer der berühmtesten seiner Zunft. Sein Licht aber stellt der ruhige, sympathische Winzerstar gerne unter den Scheffel, die vollmundige Art vieler Kollegen ist ihm fremd. Seine Weine braucht er ohnehin nicht mehr anzupreisen, denn sie gehören zum Besten, was das Land zu bieten hat.

"Goût de terroir", hat ein nicht genannt sein sollender Weinmacher aus der Neuen Welt einmal gesagt, "ist die europäische Ausrede für unsaubere Weine". Es ist einer jener Sprüche, die so sinnvoll klingen und doch nur Unsinn verbreiten. Es stimmt, dass kellertechnische Missetaten zuweilen dem Terroir angelastet und als Gott-gegeben geschluckt werden. Es stimmt aber ebenso, dass nur das Terroir für unverwechselbare, eigenständige Weine sorgt.

Wer erfahren möchte, was selbst kleinste Unterschiede im Terroir ausmachen können, sollte sich einmal durch das Angebot eines guten österreichischen Weinguts probieren. Wie dem von Willi Bründlmayer, dem ruhigen Winzerstar aus Langenlois am Kamp - gut eine Autostunde westlich von Wien - , dessen Karriere für den Aufstieg des Weinbaus in Österreich schlechthin steht.

Wohlüberlegte Investition

"Meine Vorfahren haben Ackerbau und Viehwirtschaft betrieben, Weinbau nur im Nebenerwerb, und das seit mindestens Mitte des 16. Jahrhunderts. Unser Name sagt es: Wir waren Meier, also Bauern, wahrscheinlich mit einem ergiebigen Brunnen auf dem Hof." Den Schritt vom Nebenerwerb zum Vollwinzer haben Willis Eltern vollzogen. Sie kauften schwer zu bearbeitende Hanglangen, die günstig zu haben waren. Gut 60 Hektar erwarben sie in Langenlois und Umgebung, was man aus heutiger Sicht eine wohlüberlegte Investition nennen könnte. Der eigentliche Grund aber war, dass Mutter Bründlmayer auch mal Urlaub machen wollte, und mit dem Vieh im Stall war das nicht möglich. Sagt der Sohn heute: "Das war eine - im Nachhinein gesehen - goldrichtige Entscheidung. Doch meine Eltern haben 20 Jahre dafür gebüßt, bevor sich Qualitätsdenken auch im hiesigen Weinbau durchsetzte."


Zu den Dingen, die der junge Bründlmayer sofort änderte, als er das Gut vom Vater übernahm, gehörten die Etiketten. Das Verhältnis zwischen "Grüner Veltliner" samt Lage - ganz groß geschrieben - und dem Namen Bründlmayer, der ganz klein gehalten war, kehrte er um. "Ich habe mir gesagt: Grünen Veltliner hat bei uns jeder. Aber ein Bründlmayer ist nicht jeder."

Der Junior überlegte lange, ob er in den Betrieb einsteigen und unter der Regie des Vaters arbeiten sollte. "Es gab ja in der Nachbarschaft genügend abschreckende Beispiele so genannter ewiger Erben." So schloss er zunächst einmal sein Volkswirtschaftsstudium ab, schaute sich in den Walliser Steillagen um und arbeitete im Burgund. Die Entscheidung wurde ihm dann 1976 abgenommen. Der Vater erkrankte schwer, Mutter und Schwester - damals mitten im Medizinstudium - konnten das Weingut nicht führen, und so blieb ihm nichts übrig, als Hals über Kopf das Gut zu übernehmen.

Organischer Weinbau

Fast zeitgleich entstand in den siebziger Jahren die Diskussion um ökologischen oder biologischen Weinbau. Bründlmayer diskutierte wenig und handelte lieber. Mehrer Jahre lang probierte er alles Mögliche, und "eigentlich bin ich damit bis heute nicht fertig. Inzwischen sind wir so weit, dass wir sogar mit Backpulver statt mit Pestiziden und Herbiziden spritzen. Dennoch habe ich nie "Bio-Wein" auf meine Etiketten geschrieben. Diese Art Weinbau zu treiben war für mich nur eine der Möglichkeiten, die Qualität meiner Weine zu verbessern." Und das gelang gründlich: Immerhin konnte der Grüne Veltliner von der Ried Lamm in einer umfangreichen Blinddegustation schon gegen eine ganze Phalanx großer, weißer Burgunder gewinnen. [...]

@@Weingut St. Antony - Rheinhessen (Deutschland)
Wörrstadter Strasse 22 - 55283 Nierstein
Tel: 06133-5482, Fax: 06133-59139, E-Mail: info@st-antony.de, Homepage: www.st-antony.de
Besitzer: Detlev Meyer
Weinberge bewirtschaftet (ha): 28
Weinbergslagen: Nierstein: Orbel, Ölberg, Pettenthal
Rebsorten: Riesling 75, Silvaner, Weißburgunder, Spätburgunder
jährliche Flaschenfüllung: 180.000
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