WorldWine Portrait

Januar 2002

Burgunder-Träume

von André Liebe

 
 
Mit Träumen ist es so eine Sache. Manche erfüllen sich nie, bei anderen wiederum dauert es eine halbe Ewigkeit bis sie endlich Realität werden. Bei Walter Schug dauerte es immerhin dreiundreißig Jahre, bis er sich seinen größten Traum, einen der, wie er glaubt, besten Pinot noirs auf Erden zu produzieren, erfüllen konnte. Dass dieser Spätburgunder ihn, den Deutschen aus dem Rheingau, zeitlebens faszinierte, muss nicht verwundern, eher schon die Tatsache, dass er sein Meisterstück erst in Kalifornien verwirklichen konnte, wo lange Zeit guter Rotwein nur aus Cabernet oder Merlot gekeltert wurde.
 
 
Weinberge und Weingut von Walter Schug im Carneros
Gebiet, dessen Klima entscheidend von den morgendlichen
Nebeln der nahen Bay Area geprägt wird.
( Fotos: E. Supp, Schug Winery)

 

Auf dem Staatsweingut in Assmannshausen, lange Zeit der einzige Ort auf der deutschen Weinkarte, der auch außerhalb der Landesgrenzen für seinen Spätburgunder Anerkennung fand, war Walter Schug quasi mit den roten Pinot-Trauben aufgewachsen. Schugs Vater Ewald hatte das Gut zwischen 1923 und 1959 geleitet. Den Sohn jedoch, der gerade sein Weinbaustudium in Geisenheim abgeschlossen und erfolgreich ein Praktikum bei der Genossenschaft California Grape Products Corporation in Delano hinter sich gebracht hatte, hielt es nicht in den heimatlichen Gefilden. Schon 1961 lockte ihn der Ruf aus der damals noch geheimnisvollen Neuen Weinwelt.

Vom Rheingau nach Carneros

Im Carneros-Gebiet, einem der kleinsten Anbaugebiete an der amerikanischen Westküste, eine knappe Autostunde nördlich von San Francisco und am Südzipfel der berühmten Napa und Sonoma Valleys, besitzt Walter Schug heute einen 17-Hektar-Betrieb, auf dem er neben einem respektablen Chardonnay, etwas Sauvignon blanc und ebenfalls bemerkenswerten Cabernet Sauvignon und Merlot vor allem eines erzeugt: einen Pinot Noir, der es mit den besten Gewächsen des Burgund aufnehmen kann.

Man schrieb das Jahr 1961, als sich Walter Schug entschloss, den Rheingau hinter sich zu lassen. Am 6. April des Jahres ging er mit seiner Frau Gertrud in New York von Bord des Dampfers “Bremen“. Der Weinbau in Kalifornien lag zu dieser Zeit am Boden, und die Nachwirkungen der Prohibition waren noch allgegenwärtig. Auch 30 Jahre nach Al Capones besten Tagen litt die Branche unter einem miserablen Ruf. “Es fehlte überall an Fachkräften mit einer fundierten Ausbildung. Die Chancen für Europäer waren einfach enorm“, erinnert sich Walter Schug und fügt nicht ohne Stolz hinzu: “Deshalb hatte ich von Anfang an auch eine leitende Position inne.“


Walter Schug auf der ProWein Düsseldorf im März 2002, wo er seine Roten und Weißen aus Burgundersorten vorstellte (li). Ein Stück Rheingau im nördlichen Kalifornien hat er sich, vierzig Jahre nach dem Auszug aus der Heimat Assmannshausen, mit seinem Weingutsgebäude im Fachwerk-Stil verwirklicht.

Fünf Jahre arbeitete der junge Rheingauer bei der Genossenschaft, die ihm noch aus dem Praktikum heraus einen Job angeboten hatte. Anschließend hatte er bis 1973 bei Ernest und Julio Gallo die Überwachung der Vertragsbetriebe in Napa, Sonoma und Mendocino County unter seinen Fittichen. Seinem Traum allerdings, einen perfekten Pinot zu produzieren, war er in dieser Zeit noch nicht viel näher gekommen. Viel zu sehr waren die Amerikaner noch damit beschäftigt, der Weinwelt ihren eigenen, kalifornischen Weinstil zu präsentieren. Es war der Stil der wuchtigen, vom Holzausbau geprägten Chardonnays und nicht minder gewaltiger Cabernets. Wollte Walter Schug in jenen Tagen einen ordentlichen Pinot noir trinken, blieb ihm keine andere Wahl, als eine Flasche aus Frankreich zu entkorken.

Kellermeister bei Joseph Phelps

Anfang der siebziger Jahre verschlug es Schug dann zu Joseph Phelps, einem Betrieb, der noch heute zu den besten des Napa Valley gehört, und wo er als stellvertretender Direktor arbeitete. Hier sorgte er schon rasch mit zwei ungewöhnlichen Weinen für Aufsehen. “Ich habe den ersten Syrah der USA vinifiziert und auch den ersten kalifornischen Top-Cabernet.“ Trotz des Erfolgs aber träumte er noch immer davon, endlich mit dem Pinot Ernst machen zu können. “Mein Herz schlug und schlägt für diese Rebsorte, weil sie unvergleichliche Finesse und Eleganz bietet. Statt für Power und Wucht steht sie für delikate Aromen“, beschreibt er die große Liebe. [...]

Aus unserer Weingutsdatenbank

Ress Etikett Erste Lage
Erste Lage von Balthasar Ress

@@ Balthasar Ress Weingut KG - Rheingau (Deutschland)
Rheinallee 7, Hattenheim - 65347 Eltville
Tel: 06723-91950, Fax: 06723-919591, E-Mail: info@balthasar-ress.de, Homepage: www.balthasar-ress.de
Besitzer: Stefan & Christian Ress
Weinberge bewirtschaftet (ha): 42
Weinbergslagen: Hattenheim: Nußbrunnen, Engelmannsberg, Schützenhaus, Wisselbrunnen - Rüdesheim: Berg Schloßberg, Berg Rottland - Erbach: Marcobrunn - Oestrich: Doosberg, Assmannhausen: Höllenberg - Schloß Reichhartshausen
Rebsorten: Riesling, Spätburgunder, Weißburgunder
Weinnamen: Von Unserm, 55° Nord
jährliche Flaschenfüllung: 365.000
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Das Gut, 1870 vom Rheingauer Hotelier Balthasar Ress gegründet, gehört heute zu den großen familiengeführten Betrieben im Rheingau. Kontinuität im hohen Leistungsniveau und Zuverlässigkeit sind Prinzipien, die seit der Zeit gelten, als Balthasar das Weingut gründete.
Hof, Weinberge und das Wissen um die Erzeugung von Spitzenweinen wurden in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Eine solche Tradition verpflichtet zur Wahrung der Qualitätsgrundsätze und zum schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen.
Heute wird das Gut in der vierten und fünften Generation durch Stefan und Christian Ress geführt.

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