WorldWine Gourmet Traveller

September 2003

Weißer Rabe, mitten im Nichts

von Jan Brinkmann

 
 
Mitten im gastronomischen Nichts, ganz in der Nähe der Welthauptstadt der Schützenfeste und der (kulinarischen) Langeweile, in dem kleinen Dörfchen Thönse bei Hannover, öffnet sich die Tür zu einem Gasthof, wie es ihn nördlich der Mainlinie eigentlich nicht geben dürfte. Im Gasthaus Lege, so der Name des Hauses, wird nicht nur sehr fein gekocht - auch dem Wein und dem Gast wird liebevollste Aufmerksamkeit entgegengebracht. Wir haben einen weißen Raben gefunden!
 
 

Dass es in diesem Dorfkrug so ausgesprochen liebevoll zugeht, kommt natürlich nicht von ungefähr: Hausherr und Koch Hinrich Schulze arbeitete einst bei Bertold Siber am schönen Bodensee, lernte dort eine hübsche Claudia kennen, heiratete sie und verschleppte sie 1994 - mit Zwischenetappen in Baden-Baden, der Schweiz und im Sauerland - in sein niedersächsisches Heimatdorf. Vermutlich blieb ihm dann einfach nichts anderes als wundervoll zu kochen, um jeglicher Fluchttendenz seiner (Boden-)Seejungfrau zu begegnen. Dem Gast des Weißen Raben kann das nur Recht sein, sehr Recht sogar! Der wird von Frau Claudia herzlich umsorgt und genießt das unprätentiöse Gasthof-Ambiente ebenso wie die immer noch bodenständigen Preise.


Mitten im kulinarischen Nichts öffnet sich die Tür zu einem weißen Raben (alle Fotos: J. Brinkmann)

Dass Herr Schulze mit seiner ehelichen Strategie Erfolg hatte, liegt daran, dass er wirklich ganz exzellent kocht. Kaum ein Kollegen der näheren Umgebung - das große Hannover eingeschlossen - geht beispielsweise mit Fisch so subtil um wie er. Gerichte wie Welsfilet auf Parmesansauce oder mit Kräutern gebratener Seeteufel - eigentlich ja ein Langweiler sondergleichen - gelingen ihm mit meisterlicher Selbstverständlichkeit.

Für ganze 40 Euro stellt Schulz seinen Gästen ein Fünf-Gang-Menü auf den hübsch gedeckten Tisch. Darin enthalten sind so nette Schmankerln wie die Terrine vom Stör mit  Koriandersauce, eine Taubenkraftbrühe mit würzigen Ravioli, ein Steinbuttsoufflé nebst Riesengarnelenragout und Rinderfilets mit Rotweinschalotten und Gemüsestrudel. Das Dessert, Birnenkompott mit Zitronengraseis, probiert den Spagat zwischen bäuerlichem Sonntagstisch und ein wenig (leicht angestaubter) Moderne. Aber der anspruchsvolle Gast darf stattdessen ja auch die Käseauswahl probieren.

Im unprätentiösen Gasthof-Ambiente
erfährt der Gast liebevolle Aufmerksamkeit.

Auch die Weinkarte gibt sich ausgesprochen Gast-freundlich mit neun Weinen im offenen Ausschank - fünf weiße, drei rote und ein Weißherbst -, die zu Preisen zwischen vier und fünf Euro das 0,2-l-Glas angeboten werden. Ganz offensichtlich ist Schulzes Vorliebe zu deutschen Gewächsen, deren Auswahl Freude macht. Klar, dass Baden dominiert - weil die Flaschen aus den Kellern von K.H. Johner, Salwey oder den Gebrüdern Bercher kommen, dürfte das kaum jemanden stören, der sich hier laben möchte. Aber auch Dönnhoff und das Gut Königswingert von der Nahe, Fritz Haag und Reichsrat von Buhl von der Mosel finden sich auf der Karte.

International geht es nach Frankreich (ein 97er Chassagne Montrachet „Les Ruchottes“ von Ramonet krönt die Weinliste mit seinen 113 Euro zumindest preislich mit 113 Euro), aber auch Spanien (so ein Mas la Plana Gran Coronas für 76 Euro), Italien, Österreich und die neue Welt sind gut vertreten.Bleibt eigentlich nur, Thönse ins Navigationssystem zu tippen!

Gasthaus Lege, Hinrich und Claudia Schulze, Engenser Str. 2, E - 30938 Burgwedel-Thönse. Tel / Fax: -49-(0)5139-82 33, e-mail: GasthausLege@aol.com, Mittags außer Samstag und Sonntag sowie  Dienstags geschl.. Hauptgerichte 12 bis 22,50 Euro.

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