WorldWine Verkostungsreport

Januar 2014

Österreichs Klassiker

Unsere Topweine
 

Eigentlich war Österreich in letzter Zeit so gut wie jedes Jahr Gegenstand eines meiner großen Verkostungsreports, nur 2013 habe ich es nicht ganz geschafft. Zwar konnte ich den Großteil der Weine noch im Dezember verkosten, aber es waren einfach zu viele, um das Resultat noch vor dem Jahreswechsel veröffentlichen zu können. "Österreichs Klassiker" hieß das Thema, das ich der Ausschreibung gab, und 100 der besten Winzer des Landes schickten insgesamt 320 Grüne Veltliner oder Rieslinge des Jahrgangs 2012 bzw. Zweigelts oder Blaufränkische aus 2011 und 2010.


Krems, Und und Stein bilden das Zentrum des österreichischen Weißweinbaus an der Donau (Fotos: E. Supp)

Ja, natürlich war auch der eine oder andere "falsche" Jahrgang, die eine oder andere nicht ausgeschriebene Rebsorte dabei, aber auch diese Weine habe ich verkostet und in den Report mit aufgenommen. Besonders erfreulich - und das spiegelt sich im außergewöhnlich guten Gesamtresultat dieser Probe - war die Tatsache, dass fast Alles mitmachte, was in Österreich Rang und Namen hat. Aus den Top Ten meiner bestbewerteten Betriebe - Grundlage: die Verkostungen der letzten 10 Jahre - waren nur zwei nicht angetreten (ein weiterer erzeugt schlichtweg nicht die Weine, die ich verlangte), aus den Top 50 nur 13, plus einiger "Sortenfremdlinge".

Auffällig gering war nur die Teilnahmebereitschaft in der Wachau, wo mit Prager, FX Pichler, Hirtzberger, Knoll, Alzinger und der Domaine Wachau ein Großteil der Renommierbetriebe fehlte. Anfangs bedauerte ich das ein wenig, aber nach Abschluss der Proben musste ich dann feststellen, dass ich die Weine der Genannten nicht eine Sekunde lang vermisst hatte. Die Qualitätsdichte und das Qualitätsniveau in ganz Österreich sind inzwischen so hoch, dass man als Weinfreund hervorragend ohne diese Renommiernamen und ihre oft überteuerten Weine zurecht kommt. Ott, Stadt Krems, Bründlmayer, Geyerhof, Nigl, Rudi Pichler, Gritsch, Nikolaihof auch wieder Jamek und einige andere produzieren längst (oder schon lange) Weine auf einem Niveau, von dem auch manche der so genannten großen Namen gelegentlich nur träumen können. Die Karawane ist weitergezogen, die alten Helden könnten, wenn sie nicht bald wieder auf den Boden zurückkommen, am Wegrand liegenbleiben.

Die große Überraschung bei dieser Verkostung waren aber nicht die exzellenten Weißen, sondern die Roten, ganz gleich, ob es sich um reinsortigen Zweigelt bzw. Blaufränkisch oder um Verschnitte aus bzw. mit den beiden Sorten handelte. Unter unseren Top 40, den Weinen mit eindeutigen 5 Sternen (ohne die Fragezeichen) waren immerhin 17 Rote, 23 Weiße, von denen wiederum der größte Teil auf den Namen Grüner Veltliner hörte. Persönlich, weil ich die Sorte sehr mag, freute ich mich darüber, dass auch der Zweigelt, reinsortig oder im Verschnitt, unter den Topweinen gleich mehrfach vertreten war.Insgesamt hat der 2011er Jahrgang bei den Roten sowohl in der Breite als auch in der Spitze sogar den sehr guten 2009er noch einmal in den Schatten gestellt, und das will schon etwas heißen.

Sie können unsere Arbeit durch eine Spende unterstützen.

Sämtliche Weine der Verkostung

Altenburger - Hirsch
Hirsch - Nikolaihof
Nikolaihof - Weixelbaum
Weixelbaum - Zöhrer

Die letzten Verkostungsreports

Die Türkei gibt Gas
Champagnersaison
Samba e saudade
Baden - Pinot rot

zum kompletten Degustationsarchiv (Reports & Highlights)
zum Weinarchiv (+ 50.000 verkostete Weine)

Unsere Top 25

    ***** Kollwentz - Römerhof (Großhöflein) - Burgenland Eichkogel 2011

    ***** + Bernhard Ott (Feuersbrunn) - Feuersbrunner Spiegel Wagram Grüner Veltliner 2012

    ***** + Stadt Krems (Krems) - Wachtberg Kremstal DAC Grüner Veltliner 2012 Reserve

    ***** + Pöckl (Mönchhof) - Burgenland Rosso & Nero 2011

    ***** Geyerhof (Furth) - Gaisberg Kremstal DAC Grüner Veltliner 2012

    ***** Nigl (Senftenberg) - Kremstal Grüner Veltliner Herzstück vom Kirchenberg 2012

    ***** Gernot & Heike Heinrich (Gols) - Leithaberg DAC Blaufränkisch 2011

    ***** Winkler-Hermaden (Kapfenstein 105) - Südoststeiermark Olivin 2011

    ***** Rudi Pichler (Weissenkirchen) - Hochrain Wachau Grüner Veltliner 2012 Smaragd

    ***** Willi Bründlmayer GmbH (Langenlois) - Zöbinger Heiligenstein Kamptal Riesling Alte Reben 2012 Reserve

    ***** Josef Jamek GmbH (Weissenkirchen) - Achleiten Wachau Grüner Veltliner 2012

    ***** Judith Beck (Gols) - Neusiedlersee Pannobile 2011

    ***** Hans & Anita Nittnaus (Gols) - Burgenland Pannobile rot 2011

    ***** Krutzler (Deutsch-Schützen) - Südburgenland Blaufränkisch Perwolff 2011

    ***** Helmuth Renner & Mitges. (Gols) - Altenberg Burgenland 2011

    ***** Familie Wellanschitz - Donatus Weingut (Neckenmarkt) - Burgenland Blaufränkisch Hussi unfiltriert 2011

    ***** Gritsch (Spitz An Der Donau) - Setzberg Wachau Riesling 2012

    ***** Markus Altenburger (Jois) - Leithaberg Blaufränkisch 2011

    ***** Bernhard Ott (Feuersbrunn) - Feuersbrunner Rosenberg Wagram Grüner Veltliner 2012

    ***** Nigl (Senftenberg) - Pellingen Grüner Veltliner Privat Erste Lage 2012

    ***** Geyerhof (Furth) - Steinleithn Kremstal Grüner Veltliner 2012

    ***** Bernhard Ott (Feuersbrunn) - Engabrunner Stein Wagram Grüner Veltliner 2012

    ***** Geyerhof (Furth) - Johannisberg Kremstal Riesling 2012

    ***** Schloss Gobelsburg (Gobelsburg) - Renner Kamptal Grüner Veltliner 2012 Reserve

    ***** Nikolaihof Wachau (Mautern) - Wachau Neuburger 2012


Die Klassiker sind eine Seite

Die Klassiker sind eine Seite der Medaille, sozusagen der Himmel. Die Hölle findet derzeit mal wieder im Lidl Regal als "Wein des Monats" statt: Pannonia Exclusiv Zweigelt No. 1 halbtrocken, 12 % vol. Alkohol für 2,29 Euro in der Aktion. Damit macht sich Österreichs Weinwirtschaft ihr Image in Deutschland endgültig kaputt; denn vermutlich werden von diesem Wein allein so viel Flaschen verkauft wie von den oben genannten zusammen. Dennoch gebührt Dir natürlich Dank und Applaus für die geleistete Verkostungsarbeit und das Ergebnis.

Mario, hätte die ÖWM in den

Mario, hätte die ÖWM in den letzten fünf, sechs Jahren in Deutschland so intensiv gearbeitet, wie in den beiden Jahrzehnten davor, gäbe es diesen merkwürdigen Zweigelt vielleicht gar nicht.

Einmal ganz davon abgesehen,

Einmal ganz davon abgesehen, dass diese Probe nichts mit dem Wein bei Lidl zu tun hat, wäre meine Frage folgende.
Was hat die "Österreichische Weinwirtschaft" oder die ÖWM damit zu tun, wenn Lidl einen halbtrockenen Zweigelt um 2,29 Euro anbietet? Falls es sich noch nicht herum gesprochen hat: Österreich ist ein demokratisches Mitglied der EU-Familie und innehalb dieser herrscht für einwandfrei Produkte freier Warenverkehr. Ich habe mir diesen angeblichen "merkwürdigen" Zweigelt besorgt: der Wein trifft vielleicht nicht jedermanns Geschmack, aber es handelt sich um ein einwandfreies Produkt. Merkwürdig wäre allerdings wenn ein halbtrockener Rotwein mehr Flaschen verkaufen würde als all die guten österreichischen Weine zusammen. Das könnte man dann aber wohl kaum der österreichischen Weinwirtschaft anlasten.

Peter, natürlich hast Du

Peter, natürlich hast Du Recht, was deine Bemerkungen über den freien Warenverkehr angeht. Und vielleicht war es auch nicht ganz glücklich, dass Mario diesen Zweigelt gerade hier zur Diskussion gestellt hat. Aber das Auftauchen eines solchen Weins im Discount, nachdem die österreichischen Weine sich vor nicht allzu langer Zeit in diesem Distributionskanal mal sehr rar gemacht haben, steht natürlich schon im Zusammenhang mit der generellen Entwicklung des deutschen Marktes für österreichische Weine, auch wenn diese sicher im Rahmen von solchen Kommentaren immer nur verkürzt wiedergegeben werden kann. Aber das wäre tatsächlich mal ein gutes Thema für eine unserer ausführlicheren Analysen. Wer weiß, vielleicht nehme ich mir das wirklich mal vor.

Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment

CAPTCHA

Bitte tragen Sie die untenstehenden Zeichen in das Eingabefeld ein. Captcha hilft uns bei der Vermeidung von automatisierten Eingaben.