WorldWine Verkostungsreport

November 2010

Österreich - rot

Unsere Topweine
 

Österreich ist und bleibt (vor allem) ein Weißweinland - allenfalls vielleicht ein Weißwein- und Blaufränkischland, mit dem Zweigelt als interessanter Zugabe. Dass dem trotz aller Fortschritte bei den anderen roten Sorten noch (immer) so ist, hat  unsere umfangreiche Rotwein-Blindprobe gezeigt, die wir dank der hervorragenden Vor- und Zuarbeit durch das österreichische Weinmarketing in den letzten Oktobertagen in Hamburg organisieren durften, und mit der wir ein fast komplettes Bild der österreichischen Rotweinspitze nachzeichnen konnten.

Dass dem so ist, stellt dabei mitnichten nur die persönliche Meinung des Chronisten dar, sondern war grosso modo auch die Meinung aller anderen Verkoster (zwei weitere Journalisten, drei Sommeliers und ein Weinhändler), die - in unterschiedlicher Zusammensetzung - an den drei Probetagen fast 250 Weine mitverkosteten (die restlichen Proben aus diesem Report stammen von verschiedenen Gelegenheiten im letzten Jahr).


Rust am Neusiedlersee ist eigentlich für seinen süßen Ausbruch bekannt, aber von hier - und aus den benachbarten Gemeinden - kommt auch der Großteil der absoluten Spitzen-Rotweine des Landes.

Warum dem so ist, das hat allerdings verschiedene Gründe, wobei wir zunächst einmal der Versuchung widerstehen wollen, diese Rotweinprobe mit unserem Weißweinreport vom vergangenen September zu vergleichen. Zu unterschiedlich waren die Jahrgänge der mehrheitlich angestellten Weine: der hervorragende 2009 bei den Weißen, die sprichwörtliche Achterbahn des 2008ers bei den Roten, wobei die wenigen angestellten 2009er durchaus auf die Spitzenprodukte dieses Jahrgangs neugierig machten.

Dass Blaufränkisch der ungekrönte König in Österreichs Rotweingärten ist, zeigt schon die Statistik. Obwohl die Sorte nur etwa ein Drittel der angestellten Weine ausmachte, stellte sie - reinsortig oder im Verschnitt - den Großteil (fast 2/3) der Weine mit Spitzenbewertungen. Interessant auch der Zweigelt, vor allem aus dem saftigen, fruchtigen Jahrgang 2009, und auch beim Sankt Laurent gab es den einen oder anderen interessanten Vertreter zu verkosten, obwohl der wohl besser in Cuvées aufgehoben wäre, weil er zu wenig eigenes, im internationalen Vergleich darstellbares Charakterprofil mitbringt.

Blaufränkisch, Blaufränkisch, Blaufränkisch

Was den Blau-/Spätburgunder betrifft, über den Gerhard Retter, der hierzulande wohl bekannteste österreichische Sommelier, nach der Probe auf Facebook schimpfte, wie ein Rohrspatz ("Wobei, ehrlich, die Pinots waren erschreckend. So viel Oxidation, krautige Noten und grüne bittere Tannine also wir sind in der Dichte kein Pinot Land."), so fiel unser Verdikt zwar nicht ganz so bescheiden aus, aber viel Staat war mit den meisten Ösi-Pinots wirklich nicht zu machen. Richtig ist die Analyse Retters vor allem dahingehend, dass den Weinen der klare, identifizierbare Charakter fehlt und dass sie noch ein gutes Stück von der Qualität der besten deutschen Spätburgunder entfernt sind, von den Franzosen  ganz zu schweigen.

So hart, wie Gerhard Retter in seinem Urteil über den Pinot, sind wir allerdings bei den anderen französischen Sorten. Cabernet Sauvignon und franc haben für meine Begriffe in Österreich überhaupt nichts verloren - Sorry, liebe Familie Kollwentz, aber Ihr hattet Euren ja nicht angestellt! -, und bei Syrah oder Merlot frage ich mich, mit wem die Alpenwinzer da in Konkurrenz treten wollen. Etwa mit der Rhône oder mit Bordeaux? Vielleicht mit den Südafrikanern, den Australiern? Liebe österreichische Freunde! Nur für den Fall, dass Ihr es noch nicht mitbekommen habt: Kaiser Franz Josef und Kaiserin Maria Theresia waren gestern! In Eurem Reich geht die Sonne inzwischen sehr wohl gelegentlich unter!


An der Rotweinbereitung gibt es in vielen österreichischen Kellern nicht mehr viel auszusetzen. Sie sind "state of the art" wie hier bei Gernot und Heike Heinrich in Gols. Für den Charakter und die Komplexität der Weine gilt das leider immer noch zu selten.

Anstatt Euch mit solchen Spielereien zu verlustieren, solltet Ihr Euch lieber auf das konzentrieren, was Ihr wirklich könnt! Das sind Blaufränkisch, Blaufränkisch und noch einmal Blaufränkisch, gerne auch in Cuvées und dann gern auch mit der einen oder anderen französischen Sorte, wenn Ihr Zweigelt und Sankt Laurent nicht mögt.

Aber! "Cuvée" alleine ist auch noch keine Erfolgsgarantie. Es muss eine Cuvée sein, die wirklich regional- oder lagentypisch ist, mit der Ihr einen Alleinstellungsanspruch geltend machen könnt und mit der Ihr den Menschen außerhalb Eures Landes einen wirklichen Grund geben könnt, warum sie denn, bitte schön!, ausgerechnet österreichischen Rotwein trinken sollten. Blaufränkisch mit Finesse und Charakter - gibt es schon, aber noch zu wenige -, saftigen Zweigelt und tiefgründige, komplexe, elegante Cuvées, in die Ihr dann auch gerne Eure anderen Sorten verschneiden könnt, das wären echte Renner, auch hierzulande!

Ach, und noch etwas, das ich fast vergessen hätte! Ja, die Zeit der überkonzentrierten, dicken Weine ist vorbei! Da habt Ihr Recht! Aber bitte verwechselt doch nicht Eleganz mit Magersucht, Geschmacksarmut mit Finesse! Zur Eleganz gehört immer auch eine gewissen Dichte. Die hat allerdings beileibe nicht nur etwas mit dem Alkoholgehalt zu tun, denn sonst hätten wir nicht bei so vielen Weinen mit 14 und mehr Vol.-% das Gefühl gehabt, dass sie dem unmittelbaren Hungertod ins Auge blickten.

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Sämtliche Weine der Verkostung

Arachon-Heinrich
Heinrich-Renner
Renner-Zull

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Unsere Top 25

    ***** Ernst Triebaumer (Rust) - Mariental Burgenland Blaufränkisch 2007

    ***** Schloss Halbturn (Halbturn) - Burgenland Pinot noir 2007

    ***** Kollwentz - Römerhof (Großhöflein) - Point Burgenland Blaufränkisch 2007

    ***** Gerhard Markowitsch (Göttlesbrunn) - Carnuntum Rosenberg 2008

    ***** K & K Kirnbauer (Deutschkreutz) - Mittelburgenland Girmer 2008

    ***** Walter & Evelyn Skoff (Gamlitz) - Südsteiermark Zweigelt Reserve 2006

    ***** Birgit Braunstein (Purbach) - Felsenstein Neusiedlersee-Hügelland Blaufränkisch 2007

    ***** R. & R. Schwarzböck (Hagenbrunn) - Niederösterreich Capreal vom Bisamberg 2008

    ***** ? Walter & Evelyn Skoff (Gamlitz) - Südsteiermark Zweigelt Barrique 2008

    ***** ? Feiler-Artinger (Rust) - Burgenland Zweigelt & More 2008

    ***** ? Günther Dopler (Tattendorf) - Thermenregion Pinot noir 2007

    ***** ? Wieninger (Wien) - Wien Pinot noir Grand Select 2007

    ***** ? Birgit Braunstein (Purbach) - Leithaberg DAC Blaufränkisch 2008

    ***** ? Gager (Deutschkreutz) - Mitterberg Blaufränkisch 2008

    ***** ? Feiler-Artinger (Rust) - Neusiedlersee-Hügelland Solitaire 2008

    ***** ? Hans Igler (Deutschkreutz) - Mittelburgenland Ab Ericio 2008

    ***** ? Hans & Anita Nittnaus (Gols) - Burgenland Comondor 2007

    **** + Fred Loimer (Langenlois) - Dechant Kamptal Pinot noir 2005

    **** + Hans & Anita Nittnaus (Gols) - Burgenland Pannobile rot 2006

    **** + Wendelin (Gols) - Burgenland Zweigelt Klassik 2009

    **** + Hans & Christine Nittnaus (Gols) - Burgenland Zweigelt Zwickl 2009

    **** + Johanneshof - Reinisch (Tattendorf) - Frauenfeld Thermenregion St. Laurent 2008

    **** + Gager (Deutschkreutz) - Mittelburgenland Cuvée Quattro 2008

    **** + Ing. Franz Netzl (Göttlesbrunn) - Carnuntum Anna-Christina 2008

    **** + Hans Igler (Deutschkreutz) - Biiri Mittelburgenland Blaufränkisch 2008


Sehr geehrtes

Sehr geehrtes Verkosterteam!

Immer sehr interessant und lehrreich, wie österreichische Weine ausserhalb von Österreich gesehen werden.
Eine Frage drängt sich für mich -bin neben meiner Lektorentätigkeit auch ein kleiner Garagenwinzer nördl. von Krems, vor allem im Weissweinbereich tätig- auf:
Wurden die Weine vor der Verkostung in ungefähre Preisgruppen unterteilt oder wurden alle Weine gemeinsam in willkürlicher Reihenfolge verkostet?

Ich selbst kann mich nicht beklagen, da mein Blaufränkisch 2009 Klassik Na Alsdann aus dem Burgenland 3 Sterne bekommen hat und dies zu einem Endverbraucherpreis von 6,5 €.
Ganz offen gesagt kann ein Klassikwein fast nicht mehr erreichen, da wir Winzer ja nicht stärker extrahieren können wenn nicht eine Abrundung im Holzfass bzw. eine längere Reifung im Keller oder in der Flasche erfolgt.
Grundsätzlich ist also eine Bewertung für Klassikweine keine wirklich hohe Bewertung und soll es ja auch nicht sein.
Wäre ja eine völlig verkehrte Welt wenn solche Weine 90 und mehr Punkte bekommen würden.

Interessant ist es aber, wenn Klassikweine von einfacherer Struktur die für den baldigen Konsum bestimmt sind mit Topweinen verkostet werden.
Nehmen wir das Beispiel, dass ein absoluter Topwein genau vor einem Klassikwein verkostet wird.
In solchen Fällen wird der Klassikwein meist runtergewertet.

Noch kein großes Problem solange man den Preis einsehen kann.

Es macht aber nun einen großen Unterschied ob ein Wein 15 € + kostet und nur 3 oder 4 Sterne bekommen hat oder ob ein Wein 5 bis 6 € kostet und 3 Sterne bekommt.

Nochmals, keine Unzufriedenheit von meiner Seite, aber da ich selbst als Diplomaabsolvent mehr als 80 Seminare pro Jahr abhalte (Weinakademie Österreich, auch Diplomakurs; Sommelierausbildung, IHK Deutschland für die österr. Weinmarketing usw) weiss ich aus der Praxis um die Möglichkeiten der Fehlbeurteilung in Blindverkostungen.

Würde mich also sehr interessieren, wie hier genau vorgegangen wurde.

Und ein Punkt der mich mehr als verwundert hat war die Einschätzung der österr. Pinots in Bezug auf grüne Tannine.
Grüne Tannine sind absolut unreife zu stark extrahierte Tannine.
Setzt also voraus, dass entweder der Jahrgang schlecht war, das Anbaugebiet zu kühl für die jeweilige Rebsorte war und/oder das Verständnis des Winzers katastrophal in Bezug auf den Ausbau war??

Dies bei einer Sorte die ja nicht für ihren Tanninreichtum bekannt ist.

Habe die Kritik von Gerhard noch nicht gelesen aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die in dieser extremen Weise auf die österr. Pinots zutrifft.

Wir werden sehen wie dies in Bezug auf Stilistik und genereller Qualität aussieht, da wir in einer Woche in Geisenheim mit dem Club der Weinakademiker drei der besten deutschen Pinots mit drei der besten österr. Pinots in einer Blindverkostung beurteilen werden.

Mit besten Grüßen
Ferdinand Mayr

Hallo Herr Mayr, danke für

Hallo Herr Mayr,

danke für Ihre ausführliche Stellungnahme.

Was die Anordnung der Weine angeht, haben Sie natürlich im Prinzip Recht, dass es für einen "einfachen", preiswerten Wein schwer ist, neben den Schwergewichten zu bestehen. Ich persönlich - und diese Verkostungsnotizen wie auch die Bewertungen stellen lediglich meine Wertung dar, da wir mit den teilnehmenden Verkostern keine (!) Jurywertung ermittelt haben (das wäre schon wegen der nur sporadischen Teilnahme Einiger auch nicht sinnvoll gewesen) - halte es in der Regel so, dass die Weine mindestens zwei Mal in unterschiedlicher Richtung (von links nach rechts, dann von rechts nach links) verkostet werden. Das gleicht evtl. unfaire Gegenüberstellungen einigermaßen aus. Häufig verkoste ich dann noch einmal die besten, mittleren, schwächsten eines Flights direkt gegeneinander, was noch einmal die Bedingungen korrigiert.

Aber sehen Sie die Sache auch einmal anders herum. Denn es kommt durchaus vor, dass ein so genanntes Schwergewicht bei uns deutlich schlechter abschneidet als ein benachbarter "einfacher" Wein - und das ist dann eine auch so gewollte, deutliche Ansage von uns an den Verbraucher!

Was die Preise angeht, so lasse ich (mit Ausnahme der Rubrik "Weine des Monats") schon lange die Finger davon. Als ich vor vielen Jahren einmal versuchsweise Preise veröffentlichte, konnte ich mich vor Beschwerden von Winzern und Händler nicht mehr retten, die mir vorwarfen, dass die Weine gerade bei ihnen sehr viel weniger oder sehr viel mehr als angegeben kosteten. Wenn ich Preise "ab Hof" nannte, führte das nicht selten zu sehr unschönen Auseinandersetzungen zwischen Winzern und ihren Wiederverkäufern, in denen ich dann regelmäßig "zwischen den Stühlen" saß.

Ich bin tatsächlich auch Ihrer Meinung, dass ein Wein, der 5 EUR kostet und drei, vielleicht sogar mal vier Sterne erhalten hat, für den Verbraucher sehr viel interessanter ist, als eine 50-EUR-Flasche, die mit viel Mühe gerade die vier Sterne erreicht hat.

Um dem Verbraucher diese Orientierung wenigstens ein Stück weit zu ermöglichen, prüfe ich derzeit die Anbindung an eine Wein-Suchmaschine. Haben Sie hinter den Weinbeschreibungen die drei "xxx" bemerkt? Genau da gehts es - eventuell! - in Zukunft direkt zu Preisvergleichen im Internet!

Noch eine abschließende Bemerkung zu den Pinots und Gerhard Retters Bemerkung. Ich selbst habe auch nicht übermäßig viel grüne Tannine feststellen können - und ich bin in dieser Hinsicht wahrscheinlich eher überempfindlich -, wie sie meinen Beschreibungen entnehmen können, aber im generellen Urteil geben ich Gerhard Recht: die von uns verkosteten (!) Pinots litten mit wenigen Ausnahmen (Halbturn, Dopler, Wieninger etc.) an einem deutlichen Mangel an Finesse und Tiefe.

Auf Ihre Vergleichsverkostung deutscher und österreichischer Pinots bin ich gespannt. Welche Weine haben Sie dazu ausgesucht? Wenn Sie mir das Resultat zeitnah schicken, veröffentliche ich das gerne. Unsere eigene nächste große Spätburgunder-Verkostung (Deutschland) wird wahrscheinlich im Dezember stattfinden und nach Weihnachten veröffentlicht werden.

Das Bekenntnis zu

Das Bekenntnis zu Blaufränkisch unterschreibe nicht nur ich, sondern auch Winzer Erwin Tinhof aus Eisenstadt: "Das Burgenland kann und muss sich über Blaufränkisch profilieren", sagte er mir bei einem Besuch im Frühjahr.

Werter Herrr Supp, Ihnen

Werter Herrr Supp,

Ihnen scheinen viele österreichische Rotweine als zu kurz und schlank. Jedoch sollten Sie wissen, dass solche Weine mit der Reife an Komplexität gewinnen, während Konzentrations-Weine a la Übersee sprichwörtlich wie Marmelade zerfließen...

Herzliche Grüße,
Anna Schwarz

Weingut Schwarz
Kleine Zeile 8
A-2172 Schrattenberg

Hallo Frau

Hallo Frau Schwarz,

vielleicht erzählen Sie das einfach Ihren Kollegen Triebaumer, Kollwentz, Markowitsch, Braunstein etc. etc., dass sie nur Übersee-Marmelade produzieren. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Ihr Urteil wirklich teilen werden.

Herr Supp, Zunächst finde

Herr Supp,

Zunächst finde ich, dass Sie eine unverschämte Person sind, da Sie Namen von Weingütern in Bezug auf mein Komentar nennen, welche ich schätze, und niemals mit meiner Kritik gemeint habe. In Summe haben Sie den österreichischen Rotwein schlechtgeredet und auch so beurteilt... (denken Sie mal drüber nach!!!)

Anna Schwarz

Sehr geehrter Herr Dr.

Sehr geehrter Herr Dr. Suppe,

Dieser "Weinguide" ist so altbacken wie überflüssig und uniform. Sie bewerten Dinge, deren Abgründe Sie nicht zu verifizieren verstehen. Opportunes Verhalten sollte fast Ihren Namen tragen! Ich dachte Sie ordnen Kraft dem Finessenreichtum unter? Herzlichen Glückwunsch sie haben sich soeben selbst entlarvt!
Wie kann ein Wein wie bei Lehrners Dürrau als negativen Beigeschmack Jugend inne haben? Warum ist Tannin etwas schlechtes? Ihr Zugang ist ein ewig gestriger kombiniert mit einem Hauch Pseudomodernismus.. Vielleicht sollten Sie sich wieder mehr den (wirklich großartigen!!) Reiseberichten widmen.
P.S. Weninger haben Sie - so scheints - einfach nicht verstanden. Der Alte Rebe (sowohl aus 2006 als auch aus 2007) sind Weine die enorm an Zeit verlangen. Etwas was wieder die Frage aufwirft ob solche Verkostungen überhaupt Sinn machen - wenn die leichtverständlichen (á la Point von Kollwentz oder Rosenberg von Markowitsch - die letztendlich im Keller entstehen!!) brillieren.

Anmerkung der Redaktion: Wir veröffentlichen in der Regel nur Kommentare mit voller Namensnennung und weisen unter Pseudonym oder anonym abgegebene Kommentare zurück. Da Clemens Mally als Mitarbeiter der Internetseite CaptainCork jedoch hinlänglich bekannt ist, machen wir in diesem Fall eine Ausnahme.

Hallo Ferdinand, kurz zum

Hallo Ferdinand,

kurz zum Thema Pinot:

möglicherweise war meine Formulierung zu schwach was die "grünen Tannine" angeht!
Gemeint hab ich auf jeden Fall die "bittere Kratzigkeit" am Gaumen welche ich mir für mich selbst einfach nur durch fehlende pysologische Reife erklären kann den die gleichzeitig war häufig die Frucht ja sehr reif und der Alkohol sehr hoch!

Klar waren auch Top Pinot`s dabei aber im Durchnitt war ich wirklich nicht sehr angetan!

Die Stillfrage ist ein anderes Thema irgendwie machen wir mit unseren Pinot`s alles!
Es gibt nachwievor scheinbar keinen typisch österreichischen Still! es geht schlicht weg von fein, zart elegant hin zu Power, Süße, Toasting!
Da ist es schwer als Konsument den Überblick zu behalten!

Vieleicht ist der St. Laurent einfach der "österreichischere Pinot"?!

Beste Grüße

Gerhard

Gerhard, ich kann das mit

Gerhard,

ich kann das mit den Tanninen bestätigen. Fand sie zwar nicht übermäßig grün und bitter - das hat mich bei anderen Rebsorten mehr gestört -, aber gelegentlich zu klebrig und auch trocken. Was mich noch mehr als dieser Mangel an Balance störte, war das fehlende aromatische Profil zahlreicher Weine. Wie Du, tue ich mich schwer, bei den österreichischen Pinots so etwas wie Terroircharakter zu entdecken.

Übrigens, wenn ich weiter oben einige Winzer, die von mir die höchsten Bewertungen erhalten haben, noch einmal namentlich erwähnt habe, dann nur, um zu zeigen, dass ich (wie auch die anderen Verkoster der Runde) keineswegs nur die dicken, alkoholischen "Marmeladen" für gut befunden haben. Oder würde man den Marienthal von Triebaumer und andere aus der Liste wirklich als "Überseewein" charakterisieren?

Auch die Aussage, Kollwentz oder Markowitsch machten nur "leichtverständliche" Weine, die "letztlich im Keller entstehen", halte ich nicht nur für inkompetent, sondern auch für eine ziemlich grobe Beleidigung.

Insgesamt, und da nehme ich eine Bemerkung aus meinem Einleitungstext auf, litt diese Probe wohl darunter, dass der 2008er Jahrgang bei Österreichs Roten eine echte qualitative Berg-und-Tal-Bahn ist. Da erhoffe ich mir vom 2009er deutlich mehr Ausgewogenheit, sozusagen mehr Basisqualität. Ob dann die Topweine dieses Jahrgangs, wenn sie in der Flasche sind, ebenfalls deutlich "überdrüber" sind, werden wir sehen.

andi kollwentz, markowitsch,

andi kollwentz, markowitsch, gager, tesch, kirnbauer usw. die sind alle protagonisten dieses marmeladigen weinMACHENS.. wieingers grande select schmeckt nur nach kaltmazeration - sonst nichts! alles leichtverständliche weine! marienthal schließ ich mich an - das ist schlicht und einfach großartig aber sonst?
ich kenne keinen produzenten bei dem zusatzstoffe wie gummi arabicum und traubenkerntannin so eindeutig nachvollziehbar sind wie bei den weinen gagers (evtl. auch pfneisl oder salzl im seewinkel). vor kurzem war ich bei einer verkostung die sich "zweigelt außerhalb des mainstreams" bezeichnete - mit dabei war der olivin (auch hier sehr gut bewertet) ein wein der enorm aufkonzentriert wurde und dem der letzte druck wirklich fehlt. sie geben ihm noch zeit.. richtig handgemachte weine wie weningers alte reben die eingangs betont reduktiv sind und eine gewisse strenge (in der jugend) aufweisen gehen bei ihnen unter.

glauben sie, dass ein 53er lafite in seiner damaligen machart dem charakter eines aufkonzentrierten steinzeiler entsprach? natürlich nicht! diese weine müssen einiges an säure und ungestümen tannin mit sich gebracht haben und waren ganz bestimmt auch zum teil reduktiv oder bretanomyceslastig. das alles sind faktoren die sie zu wahren langstreckenläufern machten die es heute nicht mehr gibt. eben deswegen um leute wie sie oder einen parker zu beeindrucken - deswegen, weil die weine schon trinkreif auf den markt gebracht werden. ich möchte nochmals betonen dass es sich bei dem "Dr. Suppe" in meinem ersten mail um einen tippfehler handelt für den ich mich entschuldigen möchte.

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