WorldWine News

Der Amarone kämpft um seine Identität


(07.11.2010) -  

Schluss mit der Vermassung und damit dem Verlust von Qualität und Identität des Amarone! Dafür kämpfen seit mehr als einem Jahr 12 (ursprünglich nur 10) Familienbetriebe des Valpolicellagebiets bei Verona. Die 12 (Allegrini, Begali, Brigaldara, Masi Agricola, Musella, Nicolis, Speri, Tedeschi, Tenuta Sant'Antonio, Tommasi, Venturini und Zenato) haben es sich auf die Fahnen geschrieben, den echten Amarone, den aus dem historischen Kernanbaugebiet mit den besten Lagen, den, der nach traditionellem Rezept erzeugt wird, zu schützen und zu promoten.

Amarone wird aus den Trauben des roten Valpolicella gekeltert (Corvina veronese, Rondinella, Molinara und andere Sorten), die nach der Ernte zunächst etwa drei Monate lang  auf Stroh, Lattenrosten oder in speziellen Kühlkammern getrocknet werden. Die dabei entstehenden rosinierten Beeren enthalten sehr viel Zucker und ergeben bei der Gärung mit besonders leistungsfähigen Hefen einen Alkoholgehalt von mehr als 15, oft sogar von mehr als 16 Vol.-%.

In den letzten Jahrzehnten wurde das einst sehr kleine Gebiet, aus dessen Trauben Amarone gekeltert werden durfte, auf immer weitere Landstriche ausgeweitet, und statt des traditionellen, langwierigen Trocknens wurde das Wasser gern auch mal mit modernen Klimaanlagen in kürzester Zeit entzogen. Allein zwischen 2008 und 2009 stieg der Amaroneabsatz von 6,75 auf 9 Millionen Flaschen, während der Umsatz im selben Zeitraum um 16 % sank - ein beispielloser Wertverfall.

Tatsache ist, dass der Amarone im letzten Jahrzehnt viele seiner traditionellen geschmacklichen Eigenschaften (aber auch Geschmacksfehler) verloren hat und zu einem modernen Wein im "internationalen Stil" gemacht wurde. Merkwürdig mutet allerdings an, dass der neuen Vereinigung zwei der besten Amaroneerzeuger, Dalforno und Quintarelli, nebst einer großen Zahl weiterer Spitzenerzeuger, der Vereinigung nicht angehören. So bleibt der Frage, ob es sich bei den "Famiglie dell'Amarone d'Arte" letztlich nur um ein gut gemeintes Marketingmanöver handeln könnte.


Kommentieren Sie diesen Artikel / Your comment

CAPTCHA

Bitte tragen Sie die untenstehenden Zeichen in das Eingabefeld ein. Captcha hilft uns bei der Vermeidung von automatisierten Eingaben.