WorldWine Blog

22. Februar 2013

Weinmarketing - Mit vollem Mund spricht sich's schlecht

von Eckhard Supp - Erst vor kurzem schrieb ich für die Foodzeitschrift Effilee eine Glosse, in der ich mich über allzu vollmundiges und substanzloses Weinmarketing ausließ. Anlass dafür war eine Begnung im Rahmen der letzten südafrikanischen Weinmesse Cape Wine, bei der mir ein smarter deutscher Unternehmensberater und Neuling im Weinbusiness allen Ernstes weismachen wollte, er habe jetzt einen neuen Wein auf den Markt gebracht, der ENDLICH dafür sorgen werde, dass Südafrika international Ernst genommen werden müsse, und der ganz sicher ein Modell für den südafrikanischen Weinbau schlechthin werden würde.

Eigentlich dachte ich damals, angeberischer und dümmer ginge es nicht mehr, wurde aber schon kurz nach Erscheinen des Artikels eines Besseren belehrt. Diesmal war die Mail war gar nicht an mich gerichtet, sondern an einen unserer Leser, der sie mir dankenswerterweise prompt weiterleitete. "Hand aufs Herz", hieß es darin, "Kennen Sie richtig große Weine aus Österreich? Ich meine nicht einfach entweder spannend oder elegant oder frisch oder kernig ... sondern das alles zusammen, und auch noch richtig groß! Was wir in diesem Jahr bei der Prowein erstmals vorstellen, ist einzigartig in jeder Hinsicht. Und natürlich vor allem in der Größe ... ", um dann in seltsamer, wohl eher unfreillig komischer Selbsterkenntnis fortzufahren: "Nennen Sie uns ruhig größenwahnsinnige Südburgenländer. Das kommt der Sache sehr nahe."

Marketing mit dem Holzhammer hatte ich diese Art der Werbung in Effilee genannt, aber eigentlich hätte ich auch vollmundige Dummenwerbung sagen können. Und mich wehmütig an Zeiten erinnert, als Winzer tatsächlich noch eine „Story“ zu erzählen hatten, als sie experimentierten, auch mal Niederlagen erlitten und dafür im Extremfall von der Familie enterbt wurden, immer aber wirklich Neues ausprobierten. Statt solchen Storytellings tönt es, unseligen Angedenkens an einen wirklich Großen, mehr und mehr, lauter und lauter: „I am the greatest, I am the king of the world", In Effilee stellt ich darauf die eher rethorische Frage "Es mag ja sein, dass Klappern zum Handwerk gehört, aber muss es das Handwerk deshalb gleich vollständig ersetzen?"

Die selbe Frage hätte ich auch jetzt wieder stellen können. Und wenn ich damals die Weine des Berater-Smarties wenigstens noch verkostet habe, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass ich das diesmal, wenn es nur irgend geht, vermeiden werde. Die Einladung zum Kennenlernen wahrer Größe galt für die kommende ProWein, und auf der werde ich wohl um das Südburgenland einen großen Bogen machen. Vielleicht ist das ja für den einen oder anderen ja ein ganz nützlicher Hinweis: Wenn Ihr sicher sein wollt, dass ich Euch nach Möglichkeit aus dem Weg gehen, dann schickt mir noch mehr dieser vollmundigen Einladungen! Wie heißt es doch so schön? "Werbung wirkt!" Manchmal halt nur anders, als man denkt.

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