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14. April 2013

Cava - Prickelt's noch?

von Eckhard Supp - Das reine Vergnügen ist es heutzutage nicht oder zumindest nicht immer, Cava-Erzeuger zu sein. Diesen Eindruck jedenfalls konnte man dieser Tage im Gespräch mit Eva Plazas Torné, der Weinmacherin von Vilarnau, dem Cava-Ableger des Sherry-Hauses Gonzales Byass gewinnen, die in Hamburg Station machte. Das Ambiente war perfekt gewählt, die Weinmacherin gut aufgelegt, das Essen toll ... und doch hing über dem Ganzen ein kleiner Schatten.



Landgüter in der Cava-Region Penedès und Cava auf dem Rüttelpult bei Vilarnau. (Fotos: E. Supp / Firmenfoto Vilarnau)

Den sprach die sympathische Weinmacherin auch ohne Umschweife an. "Dem Cava geht es nicht gut. Da ist einmal die aktuelle Krise, die uns besonders hart trifft, da nicht nur der spanische Weinmarkt generell rückläufig ist, sondern die Spanier den Cava auch noch direkt boykottieren. Es ist eine Art mehr oder weniger offener Rassismus, da Cava ein katalanisches Produkt ist und die Spanier uns Kalanen jetzt noch weniger mögen."

Aber alles auf Krise und Ressentiments zu schieben, wäre ihr dann aber zu einfach. Wir sprechen eine Weile über gravierende Marketingdefizite, auch anderer spanischer Appellationen: "Das grundlegende Problem des Cava ist jedoch, dass es viel zu viel Billigware gibt, und dass sich hochpreisiger, image- und prestigeträchtiger Cava schon immer schwer getan hat." Obwohl von seiner Machart her - Cava ist flaschenvergoren - eher ein Produkt in der Champagner-Franciacorta-Klasse, gibt Eva Plazas ganz offen zu, dass er auf dem Markt eher in Konkurrenz zu Prosecco steht, und dabei nicht einmal besonders gut abschneidet.

Ein wenig nachvollziehbar wird diese Situation auch anhand der Weine, die man an diesem Abend vorstellt: Nach einem recht anständigen Aperitif-Brut (Vilarnau Brut) bekommen wir zwei Brut Nature kredenzt (Brut Nature Reserva, Brut Vintage Gran Reserva), die zwar geradlinig und fest wirken, aber kaum aromatischen Ausdruck oder Stoff zeigen. Erst die beiden Prestigeweine der Serie "Albert de Vilarnau", ein Chardonnay-Pinot noir Brut nature und der barriquevergorene Brut nature "glog en silenci ..." zeigen ein wenig mehr aromatisches Profil, lebhaftes und feines Perlage sowie eine gewisse Persistenz. Die Preise sollen zwischen 12-13 und 40 Euro liegen, was den Weinen auch nicht sonderlich hilft, da es sie ein wenig zwischen alle Stühle positioniert. Eigentlich schade!

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