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30. Dezember 2012

Bordeaux im BiB: Schmucklos, praktisch ... und sogar recht gut

von Eckhard Supp - Es gibt viele Dinge, die ich in meinem Leben nie verstanden habe. Eines davon ist die Tatsache, dass Wein im BiB - Bag-in-box alias Weinschlauch für all diejenigen, die sich mit Abkürzungen nicht so gut auskennen - hierzulande nie richtig populär wurde. Ich habe die praktischen 3-l-Kartons, deren Inhalt durch weitestgehenden Luftabschluss auch nach dem ersten "Anzapfen" im Extremfall tage- oder sogar wochenlang haltbar bleibt, bereits Ende der 1970er Jahre in Australien kennen- und schätzen gelernt. Bereits damals waren die Weine im BiB von durchaus guter Qualität, und meinen knappen Budgets kamen die Preise ohnehin entgegen. Selbst im Weinland aller Weinländer, in Frankreich, kommt heute jeder fünfte Liter Wein aus dem Karton mit dem Plastikzapfhahn. Und bei uns? Fehlanzeige! Sieht man von der einen oder anderen löblichen Ausnahme ab, so hat sich der Schlauch nie wirklich durchgesetzt.


Nein, teure Kultweine werden auch in Bordeaux nicht in den Weinschlauch gefüllt, aber die eine oder andere gute Basisqualität kann man durchaus finden. (Foto: E. Supp)

Umso überraschter war ich deshalb, als ich dieser Tage via Facebook - wozu die Social media doch alles gut sind! - von www.villavitis.de eine Anfrage erhielt, ob ich mich für eine kleine Probe von Weinen aus dem Schlauch interessiere. Natürlich interessierte mich das, und so bekam ich kurz vor Weihnachten drei Muster mit Weinen aus dem Bordelais, einen weißen generischen Bordeaux, und zwei Rote (Lussac-St. Émilion und Bordeaux Supérieur).

Beginnen wir mit den Roten, die beide aus dem sehr guten Jahrgang 2009 stammten. Der Supérieur Château Les Charmettes, ein Merlot-Cabernet-Verschnitt war recht rustikal, aber auch sehr geradlinig, allenfalls die Nase war mit einer Spur Kümmel und Backwerk ein wenig untypisch. Deutlich besser zeigte sich der Merlot aus Lussac-St. Émilion (Château Croix de Rambeau): er war reintönig und sortentypisch im Duft, besaß ausreichend Stoff und zeigte gute Balance am Gaumen. Auch der Weiße (Lynch Box von Michel Lynch) ohne Jahrgang war durchaus angenehm, im Duft eine Spur zu grasig-mineralisch und am Gaumen etwas zu einfach, ohne große aromatische Tiefe. Auch hier wieder fand ich eine Geradlinigkeit, die den Wein zum idealen Pizza-Pasta-Partywein machte.

So weit, so gut. Blieb nur noch die Frage nach den Preisen. Und da musste ich dann doch schlucken. Während der Supérieur ca. 5,60 EUR / l kosteten sollte, waren die beiden anderen mit 7,50 bzw. knapp 8 Euro nicht mehr wirklich billig, pardon preiswert. Beim Blättern in meinen Verkostungsnotizen des 2009er Jahrgangs und nachfolgender Suche nach dem einen oder anderen Preis im Internet fand ich flaschengefüllte Vertreter von absolut vergleichbarer Qualität und gleichem Preis. Ich weiß nicht, ob mein Eindruck verallgemeinerbar ist. Aber wenn die Weine im Weinschlauch nicht deutlich billiger angeboten werden als solche in der Flasche, dann braucht man an das Geheimnis hinter der Erfolglosigkeit des Weinschlauchs hierzulande im Grunde keinen Gedanken mehr zu verschwenden. Alles klar?

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