Homepage
Basiswissen
Editorial
EWW-News
Das Dokument

Gewinnspiel
Lexikon K&K

Modern Cooking
Neue Produkte

Portraits
Reportagen

Veranstaltungen
Verkostungen
Weinhighlights
Weinreisen
Weinwissen
Weltstatistik

Service/Archiv
EWW mobile
Fotoarchiv
Kartensuche EU

Kartensuche NAm
Kartensuche Oze
Kartensuche SAm

Leserbriefe
Linkpartner
Magazinarchiv
Newsarchiv
RSS Feeds
Terminplaner
Verkostungsarchiv
Volltextsuche
Weingutsdaten

Verlag
Anzeigenpreise
Mediastatistik

ENO-Bücher
Eno-Verlag

© 1997 - 2008 by
ENO-Verlag
GmbH

Postadresse:
Perckentinweg 27a

D - 22455 Hamburg
Tel: +49-40-47193475
Fax:+49-40-47193556 

info@enobooks.de
 

Geschäftsführer + 
verantw gem.§ 6 MDSV
Dr. Eckhard Supp
Firmensitz:
D - 63069 Offenbach
Amtsgericht OF
H-Reg. 5 HRB 842
U-ID: DE 114377683

Der ENO-Verlag hat auf die Gestaltung und den Inhalt der auf seinen Seiten verlinkten Fremdangebote keinen Einfluss und distanziert sich ausdrücklich von ihnen. Sobald uns rechts- bzw. sittenwidrige Elemente zur Kenntnis gelangen, werden die betreffenden Links entfernt.

PageRank Checker

e-mail-Brief.gif (300 Byte)

WorldWine Reportage

Die bisherigen Portraits und Reportagen     
   

 

 

 

 

Okanagan - Kanadas Napa 
Valley spricht deutsch

von Erich Grasdorf

Im letzten Herbst war ein Schwarzbär aus den Bergen herabgestiegen und hatte sich an der Lese beteiligt. Beat Mahrer von der Red Rooster Winery konnte anschließend nachrechnen: Ein Haufen Bärendreck entsprach exakt dem Verlust von einer Flasche Wein. Denn Meister Petz hatte die Weißburgundertrauben gleich kiloweise geerntet. Womit er sich als Kenner auswies, denn der Pinot gehört zu den Sorten, die im Okanagan Valley besonders gut geraten.


Die Red Rooster Winery von Beat und Prudence Mahrer (Alle Fotos: Firmenfotos)

 

  
Okanagan? Nie gehört? Nun, das drei bis vier Autostunden östlich von Vancouver gelegene Tal war von jeher die Früchte- und Gemüsekammer British Columbias. Neben Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pfirsichen, Aprikosen und allerlei Beeren wurden auch Tafeltrauben angebaut. Und ein Teil von ihnen zu Gelee, Saft und Obstwein verarbeitet. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Nur dass aus den Tafeltrauben im Laufe der Jahre Weintrauben wurden. So sehr, dass Okanagan in den letzten zehn Jahren ganz wesentlich dazu beitrug, British Columbia mit seinen 2.000 Hektar Weinbaufläche zur zweitgrößten Erzeugerprovinz Kanadas zu machen.

Das Okanagan Valley ist 250 Kilometer lang und verläuft ziemlich genau in nord-südlicher Richtung. Seine Fläche ist zu mehr als der Hälfte von zwei bis fünf Kilometer breiten Seen bedeckt, deren größter, der 130 Kilometer lange Okanagan Lake, im Norden, die wesentlich kleineren Skaha-, Vaseux- und Osoyoos-Lakes dagegen weiter südlich liegen. Das Tal endet an der Grenze zum heißen US-Bundesstaat Washington, dem letzten, bis nach Kanada reichenden Zipfel des großen amerikanischen Wüstensystems.

Deutsche und Schweizer

Wenn man in Mitteleuropa bisher überhaupt kanadischen Wein erhielt, stammte er aus dem Osten, zumeist aus Ontario. Dass jetzt auch in British Columbia Wein erzeugt wird, liegt unter anderem an Helmut Becker, Rebenzüchter und Dozent an der Forschungsanstalt in Geisenheim. 1976 bereiste er das Okanagan Valley, erkannte sein Potenzial und startete erfolgreiche Versuche mit Weiß- und Grauburgunder sowie Gewürztraminer. Er versorgte interessierte Obstfarmer mit Setzlingen der drei Sorten, die noch heute das Rückgrat des Weinbaus im Tal bilden.

Zu den ersten, die keine Tafel-, sondern Weintrauben ernteten und verarbeiteten, gehörte vor 20 Jahren das Schweizer Brüderpaar Leo und Andy Gebert, die ihre St. Hubertus Winery im Laufe der Zeit auf beachtliche Größe ausbauen konnten. Bis die Gebäude und Rebberge 2003 von einem riesigen Waldbrand fast vollständig verwüstet wurden. Entmutigen ließen sich die beiden allerdings nicht und keltern seither als Dank an die örtliche Feuerwehr, die den Totalschaden verhinderte, einen Rotwein, von dessen Ertrag ein Obulus an die Helfer und Retter geht. Ansonsten erzeugen sie noch einige ausgesprochen konsumenten-, das heißt trinkfreundliche Weine.

  
Lang Vineyards in Naramata, Merloternte und Blick über den See

Deutschsprachige Winzer gibt es noch einige im Tal. So den bärengeschädigten Beat Mahrer. Anfang der 1990er-Jahre verkauften er und seine Frau Prudence nach einer Ferienreise kurzentschlossen ihre Anteile an einem Baseler Fitness-Studio, erwarben ein Stück Obstland, rodeten die Apfelbäume und setzten Reben. Zuerst verkauften sie ihre Trauben, später kelterten sie in ihrer Red Rooster Winery an der Naramata Bench bei Penticton dann selbst. Red Rooster ist heute der größte unter den kleinen Erzeugern und ein mit vielen Preisen ausgezeichneter Vorzeigebetrieb, der nicht nur mit seinen blitzsauberen Weinen von sich reden macht - so einem schönen Weißburgunder, der nicht nur mit seinen exotischen Aromen, sondern auch mit guter Balance zwischen saftiger Säure und spürbarer Restsüße überzeugt. Kunstsammlerin Prudence Mahrer veranstaltet in den 2003 eröffneten neuen Gebäuden auch regelmäßig Events mit ortsansässigen Künstlern.

Wein und Ahornsirup

Zu den angesehensten Erzeugerbetrieben gehört auch der von Günter und Kristina Lang aus Stuttgart. Richtig bekannt allerdings wurden die Langs in Kanada gar nicht wegen der hervorragenden Qualität ihrer Gewürztraminer, Rieslinge und Eisweine, sondern mit einer Spezialität, die man in allen kanadischen Duty-Free-Shops findet: Canadian Maple Wine aus Spätburgunder und Pinot Meunier mit 15 % Ahornsirup. Sicher nicht jedermanns Sache, aber gut für die Kasse!

Der größte Motor für die Entwicklung im Tal aber und zugleich die größte Attraktion für Weintouristen ist die Mission Hill Winery auf der anderen Seeseite, in der Nähe von Kelowna. Als Besucher könnte man hier glauben, sich ins Napa Valley verirrt zu haben, so auf Wirkung ausgelegt ist die Architektur der Kellerei- und Besuchergebäude. Besitzer von Mission Hill ist Anthony von Mandl, dessen Familie aus Wien stammt, und der sein Geld mit Limonade machte.

 
Die Mission Hill Winery mit ihrer spektakulären Architektur

Von seinem Ziel, eine der Topadressen im internationalen Weinbau zu werden, ist Mandl nicht weit entfernt, was auch die Touristen zu spüren bekommen. Durch einen Raum mit einem fast 16 Quadratmeter großen Chagall-Teppich werden sie in einen Vorzeige-Barriquekeller geleitet, dessen Wände mit Antiquitäten bestückt sind. Von der eigentlichen Weinbereitung, die nicht viel anders abläuft als allen modernen Betrieben, bekommen sie allerdings nichts zu sehen. Dennoch: Mission Hill ist sehens- und die Weine zum Teil wirklich bemerkenswert. Das gilt auch für den Pinot blanc Five Vineyards mit seinen Zitrus- und frischen Kräuteraromen, der am Gaumen hinter großer Fülle von saftiger Säure zusammengehalten wird: Ein straffer, kompletter Wein mit langem Abgang. 

Experimentierfeld

Andere Erzeuger, die man beim Besuch im Okanagan Valley nicht auslassen sollte, sind der Mission-Hill-Nachbar Quails Gate, Summerhill, Cedar Creek, Sumac Ridge sowie weiter südlich der Betrieb von Inniskillin und die Gehringer Brothers. In der Nähe der US-amerikanischen Grenze schließlich, oberhalb der Wüstenstadt Osoyoos, warten die NK'Mip Cellars auf Besucher. Der von der Regierung finanzierte, aufwändig und stilsicher gebaute Betrieb ist im Besitz der Osoyoos-Indianer oder Aborigines, wie sie sich politisch korrekt nennen.

Ganz Okanagan ist noch ein einziges Experimentierfeld, das zudem noch von nur wenigen gesetzlichen Vorschriften reguliert ist. Einzig die in allen kanadischen Weinbaugebieten vertretene Vintners Quality Alliance (VQA) macht ihren Mitgliedsbetrieben strenge Auflagen. Folge dieser Tatsache ist, dass die Weinszene alles andere als ein einheitliches Bild bietet. Zu unterschiedlich sind die Weinstile, die Ausbildung der Weinmacher und sogar die Rebsorten. Viele der Letzteren wurden von Einwanderern entsprechend ihrer Vorlieben mitgebracht, ohne Rücksicht darauf, ob sie für die extremen Temperaturen überhaupt geeignet waren.

So pflanzten die Geberts beispielsweise Ehrenfelser, der hier zu großer Form aufläuft. Auch Auxerrois, Chenin blanc, Kerner, Muskat Ottonel, Viognier, Blaufränkisch, Gamay, Malbec, Petit Verdot, Zinfandel sowie die Hybriden Vidal und Maréchal Foch sind vertreten. Die größten Rebflächen allerdings belegen Burgunder- und Bordeauxsorten und auch der Riesling spielt fast immer mit. Dabei liegt - trotz überraschender, reinsortig ausgebauter Cabernet francs - übers Ganze gesehen die Stärke doch bei den Weißweinen, die zumeist saftige Säure besitzen und in ihrer Frische an Weine aus Neuseeland erinnern. Vor allem Sauvignon blanc, Riesling, Grauburgunder und - eben! - Weißburgunder zeigen Klasse. Was der Schwarzbär aus den Bergen ja auch gefunden hatte ...

Die bisherigen Reportagen und Portraits

Ein Teil der älteren Artikel ist nur zu mit Acrobat Reader zu öffnen. Sie können hier ihn kostenlos herunter laden.

Get Acrobat Reader 

Verzeichnis nach Ländern

Allgemeines Bio allein macht keinen guten Wein (2003)
Die Gesundheitsdebatte (2003)
Verkannte Neuzüchtungen (2002)
Kork - Die unendliche Geschichte (2002)
 
Australien Neue Welt mit Charme - Hunter Valley (2003)
Weinbau in den Roaring Fourties - Tasmanien (2002)
Edle Tropfen in down under - Südaustralien (2001)
 
Chile Die Erben der Konquistatoren (2002)
  
Deutschland Weingut direkt ... aus dem Internet (2004)
Der Bioprofessor vom Mittelrhein (2004)
Weinberg in Not - Homburger Kallmuth (2002)
Aufbruch in der Südpfalz (2002)

Weine von der Hütt' - St. Antony (2002)
Frankreich Klein und begehrt - Les-Baux-de-Provence (2003)
Champagne-sur-Loire - Bouvet Ladubay (2003)

Charles Philipponnat (2003)

Elsass von gestern? (2003)
Chablis - Der andere Chardonnay (2002)

Bordeaux-Connection (2002)

Ein Württemberger im Bordelais (2002)

Monsieur BiB - Bernard Ducourt (2002)

Achterbahn am Rhein - Das Elsass (2002)

Dom Pérignon und die Witwe - Champagne-Story (2000)

Tannat kommt von Tannin - Weine der Gascogne (2000)
Päpste, Händler, Genossen - Das Rhônetal (1999)
Süße, wilde Orchidee - Vanille auf Réunion (1999)
Kleiner Bruder mit Pfiff - Unbekannter Armagnac (1999)
Scharfes Handwerk - Das schönste Messer der Welt (1998)
Neuer Anlauf für Villages - Côtes-du Rhône auf dem deutschen Markt (1998)
Abschied vom deutschen Markt? - Das Elsaß übt sich im freien Fall (1998)
Der schüchterne Superstar - Syrah-Weine an der Rhône (1998)
Das Salz des Lebens - Guérande und seine Salzgärten (1998)
Großbritannien:  Whisky trails - Auf den Spuren der Schnapsbrenner in Schottland (1997)
 
Italien Ureinwohner - Südtirol (2003)
Neuer Wind - La Stoppa (2002)

Mode und Wein - Vittorio Giulini (2002)

Krieg der Stile - Barolo (2002)

Der Kämpfer von La Morra - Elio Altare (2002)

Marketing-Frühling in Südtirol - wein.kaltern (2002)

Im Schatten der Toskana - Die mittelitalienischen Regionen (2000)

Weinkarriere am Brenner - Das Trentino (1999)
Der Erfolg geht weiter - Italiens Prosecco sucht Identität (1998)
Die Revolution auf samtenen Füßen - Das Piemont auf dem Weg in die Moderne (1998)
Karriere mit Grenzen - Franciacorta - Italiens kleine Champagne (1998)
Der schlafende Riese - Das Piave-Gebiet (1998)
Die ideale Weinreise - Portrait des toskanischen Lebensgefühls (1997)
 
Kanada Okanagan - Kanadas Napa Valley (2006) 
Österreich Ambitionierte Genossen - Zantho (2002)
Gestörter Dornröschenschlaf - Stefan Köstenbauer (2002)

Viel Glück gehabt - Willi Bründlmayer (2002)

Miniatur-Toskana - Die Steiermark (1999)
 
Portugal Der Portwein, der keiner ist (2003)
 
Schweiz Energie pur: Marie-Thérèse Chappaz (2002)
 
Spanien Fino, Amontillado oder Oloroso - Jerez sucht seine Zukunft (2002)
Rioja 2002 - zwischen Tradition und Moderne (2002)
Das Jahrzehnt nach der Krise - Rioja wieder im Aufwind (1998)
 
Südafrika Der Visionär vom Kap - Alexander von Essen (2005)
Künstler am Kap - Christoph Dornier (2002)

Ein Land hat Hoffnung - Südafrika Teil 1 (2002)
, Teil 2 (2002)
Ästhet mit Mantra - Hamilton Russel (2002)
  
USA Der alte Mann und der Wein - Mondavi 90 (2003)
Verwöhnter Nordwesten - Washington (2002)

Burgunder-Träume in Carneros (2002)

Gallo - Ein Gigant macht sich schön (2002)

Großes Kalifornien-Dossier - Trends, Betriebe, Sorten, Export (1999)

It never rains in Southern California (1998)

Nicht nur Napa und Sonoma - Weinbau außerhalb Kaliforniens (1998)

© 2001 by Eno-Verlag, Offenbach/Germany