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den bisherigen Portraits und Reportagen
2004
Weingut direkt
...
... aus
dem Internet
von Eckhard Supp
Weine direkt beim Weingut kaufen, und dennoch
die Auswahl zwischen vielen Anbietern zu haben - das ist die
Vermarktungsidee, die Weinhändler Thorsten Wießner aus Hamburg
jetzt entwickelt und perfektioniert hat, Weingut direkt. Was
andere vor ihm vergeblich versuchten, will Wießner jetzt in
Form eines ausgeklügelten Streckengeschäfts verwirklichen: Der
Winzer schickt seine Weine direkt an den Kunden ...
abgerechnet aber wird über Wießner, der den Shop betreibt und
vermarktet.
Wer etwas über Thorsten Wießners neue Internetidee erfahren
will, muss in Hamburgs Großmarkt erst einmal in die
Fleischerhalle. Hier ist der Wießner'sche Großhandel nicht
zu Unrecht ansässig, denn die Familie begann ihr Geschäft
vor Jahren mit Schwein, Rind und Kalb, nicht etwa mit edlen
Tropfen aus französischen oder italienischen Landen. Hinter
üppig bestückten Fleisch- und Wurstregalen tauchen dann aber
doch die ersten Weinflaschen auf - ein durchaus beachtliches
Angebot, in dem so manches Etikett ausgesprochener
Spitzenweinen neugierig macht.
Weinfreak mit Ideen Wießner,
der Weinfreak und Experte der Familie - er sitzt gelegentlich
sogar in Verkostungskommissionen des Hamburger Weinsalons -
hat hinter den Fleischregalen der Familie einen Weinhandel von
erstaunlicher Vielseitigkeit und Originalität aufgebaut. Er
beliefert den Hamburger Fachhandel mit Kleinstmengen "in
time", d. h. post- oder Lieferwagen-wendend, er verkauft
Wein an Selbständige zu Gastronomie-Einkaufspreisen und
wickelt den Versand - in neutraler Verpackung - für andere
Internethändler ab, die nur noch die Rechnung schreiben und
eintreiben müssen. Was auffällt ist, das die Gastronomie in
seinen Konzepten als Kunde nicht auftaucht: "In der
Hamburger Gastronomie wird die Zahlungsmoral derzeit immer
schlechter", erklärt er diese "Abstinenz".

Seit einigen Monaten trägt Wießner sein
Konzept eines neuen Internet-Portals im Kopf:. Mit ihm will er
ausschließlich deutschen Winzern die Möglichkeit geben,
über einen gut aufgestellten Internetshop Weine direkt an den
Endverbraucher zu verkaufen, und zwar so, dass beide - und
natürlich auch Wießner - einen Vorteil daraus haben. Die
Idee klingt einfach: Der Kunde muss weder im Weingut
vorstellig werden, noch sich durch unzählige, mehr oder
weniger gute, oft gar nicht auf den online-Verkauf angelegte
Websites "klicken", sondern kommt über die
Wießner'sche Plattform direkt zum Shop der teilnehmenden
Weingüter.
Ein Klick, ein Fax - und
der Wein ist auf dem Weg
Die online-Bestellung landet bei
Wießner, der
schickt ein Fax an das Weingut und das wiederum sorgt für den
direkten Versand an den Kunden. Die Rechnung schreibt Wießner,
der dabei das Zahlungsrisiko trägt und seinerseits an das
Weingut den üblichen Großhandelspreis zahlt. Versandkosten
werden nicht in Rechnung gestellt, und der Wunsch vieler
Spitzenweingüter, ihre Weine nur direkt oder über den
Fachhandel zu verkaufen, ist respektiert.
Die Vorteile für den Winzer liegen auf der
Hand: Seine Weine sind in einem großen Angebot präsent,
dessen Suchmaschine bei der Eingabe bestimmter Weintypen
automatisch auf sie verweist. Sie haben kein Rechnungsrisiko
und profitieren von den derzeit bereits 800 Kunden Wießners.
Hinzu kommt, dass sie ihren Shop innerhalb gewisser Grenzen
selbst gestalten können. Kostenpunkt: Eine einmalige
Einrichtungsgebühren von 220,- EUR für den Shop, in der die
Präsentation von 20 Weinen inbegriffen ist. Hinzu kommt eine
Monatsgebühr von 8,- EUR, was insgesamt nicht nach
übermäßiger finanzieller Belastung klingt.
Wie kommt ein Fleischgroßhändler mit
kaufmännischer und technischer Ausbildung in der
Elektronikbranche zu einem solchen Konzept? Zu einem, das
schon andere vor ihm zu realisieren versuchten, die meist aber
an ihren unrealistischen Vorstellungen oder an der praktischen
Durchführung ihrer Ideen scheiterten.
"Zuallererst", erklärt Thorsten Wießner"; bin
ich persönlich Rheingau-Fan. Hinzu kommt, dass ich der
Meinung bin, dass wir Umsatz im eigenen Land generieren
müssen, wenn wir einen Ausweg aus der Krise finden
wollen." Deshalb, und wohl auch, weil er Versand-,
Rechnungs- und Steuerprobleme vermeiden wollte, bietet
Wießner seinen Shop auch ausschließlich deutschen
Weingütern an. Geschaltet ist er noch nicht, Wießner sucht
noch nach Weingütern, die die kritische Masse für einen
sinnvollen Start - das wären etwa 15 Shops - komplett machen
würden.
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