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Karl Schefer hatte einen Traum: den Traum von
einer Weinhandlung, die ihren Kunden ausschließlich Bioweine
anböte. Und das in einwandfreier Qualität. Das aber war
im Jahre 1980 nicht eben einfach, zum einen, weil es noch
nicht sehr viele Biowinzer gab, zum anderen, weil deren Weine
oft schlicht miserabel waren und fast ausschließlich von
Kupfer-Wolle-Bast-Frauen und Latzhosenträgern getrunken
wurden. Denen war nicht so wichtig, was in der Flasche,
sondern was drauf war: die Bio-Knospe.
Ausstieg zum Einstieg Das
hat sich inzwischen entscheidend geändert. Nicht nur die Zahl
der Biowinzer hat deutlich zugenommen, auch ihre Weine lassen
sich qualitativ mit traditionell erzeugten vergleichen.
Immerhin sind heute einige der besten und teuersten Weine der
Welt "bio", auch wenn es bei manchen gar nicht auf
dem Etikett steht. Oder nur ganz klein. Niemand kauft heute
noch schlechten Wein für gutes Geld, nur weil er damit sein
ökologisches Gewissen beruhigt. Aus dem einstigen
Pioniergeschäft mit Bioweinen ist ein wirtschaftliches
Erfolgsmodell geworden. Aus dem operativen
Geschäft seiner ganz persönlichen Erfolgsgründung Delinat
hat sich Karl Schefer inzwischen zurückgezogen, nicht ohne
die Firma vorher selbst zum Weinerzeuger zu machen. Mit Hilfe
etlicher Aktionäre erwarb er in der provençalischen
Appellation Coteaux Varois ein heruntergekommenes Weingut mit
insgesamt 42 ha Rebfläche, das Château Duvivier, in der
Gemeinde Pontevès, knapp eineinhalb Autostunden von Nizza
entfernt. Kupfer,
Kräuter und Nematoden
Jeder Biowinzer hat seine eigenen
Methoden, einig ist man sich nur hinsichtlich weitest gehender
Chemie-Abstinenz. Dazu kommt: Die unterschiedlichen Klimazonen
stellen unterschiedliche Anforderungen. Was im Süden
funktioniert, kann im Norden schief gehen. Das steht dem
direkten Erfahrungsaustausch und dem Sammeln allgemein
gültiger Erkenntnisse entgegen. Auf die kürzeste Formel
gebracht, gilt allenfalls: Je weiter südlich, desto einfacher
ist biologischer Weinbau.
Angesichts dieser Schwierigkeiten wollte
Schefer auf Duvivier nicht einfach Wein erzeugen, sondern eine
Institution für experimentellen Weinbau schaffen. Die
Ergebnisse der Forschungen von Duvivier sollen allen
Delinat-Lieferanten zugänglich gemacht werden. Dazu wurden
bereits 1995 mit Hilfe von Pierre Basler von der
Eidgenössischen Forschungsanstalt in Wädenswil vier
Versuchsreihen gestartet. Bei der ersten geht es um die
richtige Wahl der Gras- und Kräutermischung für die
Begrünung zwischen den Rebzeilen, mit deren Hilfe die Erosion
gestoppt, die Artenvielfalt der Weinbergsfauna gesichert und
ein Feuchtigkeitsreservoir geschaffen werden soll.
Im zweiten Versuch geht es um den oft
geäußerten Vorwurf, dass Biowinzer oft kein anderes Mittel
gegen den Falschen Mehltau wissen als Kupfer (Bordeauxbrühe),
von dem man weiss, dass er die Böden dauerhaft kontaminiert.
Basler versucht deshalb, Kupfer nur noch in minimalen
Dosierungen spritzen zu lassen. Die beiden letzten
Versuchsreihen drehen sich um pilzresistente
Rebsortenzüchtungen und um Nematoden alias Fadenwürmer.
Bio und bessere Weine Für
die Weine auf Duvivier ist der Önologe Antoine Kaufmann
verantwortlich, der zuvor im Wallis, in Neuchâtel, in
Venetien, Australien, dem Napa Valley und zuletzt bei
Jean-Daniel Schlaepfer, einem der dezidiertesten Schweizer
Vertreter des Bioweinbaus gearbeitet hatte. Zusammen
mit seinem Freund François Pillon betrieb Schlaepfer in Peney
bei Genf das 25-ha-Weingut Domaine des Balisiers. Als es den
beiden dort zu eng wurde, kauften sie die Domaine de
Lauzières in Mouriès, im AC-Gebiet Les Baux-de-Provence,
2001 von der renommierten Revue des Vins de France mit dem
Titel "Entdeckung des Jahres" ausgezeichnet. Lautet
Schlaepfers Credo: "Bio ist gut für die Gesundheit der
Umwelt, der Mitarbeiter und der Kunden, aber es macht den Wein
per se nicht besser", so sieht das Peter Fischer
entschieden anders. Fischer, Urenkel des Alleskleber-Erfinders
"Uhu"-Fischer sieht den Zusammenhang zwischen
biologischem Weinbau und Weinqualität sehr viel enger:
"Ich wollte die best möglichen Weine mache. Und der
sicherste Weg dahin war der Bioweinbau. Fischer ist Eigner des
Château Revelette im provençalischen Val Durance, einem der
kühlsten Gebiete der Gegend.
Bio
allein ...
Während Fischer und Schlaepfer mit ihren
Philosophien noch um den tieferen Sinn des Bioweinbaus ringen,
macht man auf Château Duvivier indessen erste Versuche mit
der verschärften Version, dem biodynamischen Weinbau nach den
Ideen des Anthroposophen und Alkoholverächters Rudolf
Steiner. Bedeutendster Vertreter der Adaptation dieser
Methoden auf den Weinbau ist Nicolas Joly, Loirewinzer und
Besitzer des einzigartigen Weinbergs Coulée de Serrant.
Wie die Burgunder Domainen Leflaive und
Leroy, Olivier Humbrecht aus dem Elsass, Gaston Huet an der
Loire oder Ron Loughton auf Jasper Hill in Australien, sind
sich nicht nur Anhänger der biodynamischen Idee, sondern auch
Erzeuger einiger der größten Weine ihrer jeweiligen
Anbaugebiete. Eines aber wissen sie alle: biologisches oder
biodynamisches Arbeiten alleine macht noch keinen guten Wein.
Dazu braucht es viel Schweiß im Weinberg und sorgfältiges
Vinifizieren im Keller.
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