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verantw gem.§ 6 MDSV
Dr. Eckhard Supp
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Amtsgericht
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WorldWine
Reportage
Die bisherigen Portraits und Reportagen
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Verkannte Neuzüchtungen
von Dagmar
Ehrlich
Der
deutsche Sprachraum gilt
traditionell als Hochburg der Rebenzüchter. Kaum ein anderes Land
des Weltweinbaus hat dabei in den letzten hundert Jahren so viele
Vinifera-Neuzüchtungen hervorgebracht wie Deutschland. Allerdings gehören Weine aus Faberrebe, Ortega, Kerner,
Optima, Perle, Bacchus, Rieslaner oder Scheurebe nicht eben zu den
qualitativen Aushängeschilder: Es sind eher für den Verschnitt
geeignete Brot- und Butterweine. Dennoch verfügen einige der neuen
Sorten - die richtige
Behandlung vorausgesetzt - über ein viel höheres
Qualitätspotenzial als ihnen meist zugetraut wird.
In den sechziger Jahren wurden
langsam und spät reifende "klassische" Sorten wie der
Riesling, die Burgundersorten oder auch der Silvaner über große
Strecken von Neuzüchtungen verdrängt. Wie schon 1882 der Schweizer
Hermann Müller, Vater des Müller-Thurgau, wollten deren Väter dem
Weinbau Reben an die Hand geben, die die Fähigkeit zu höheren
Mostgewichten, optimale Anbaueignung auch in weniger guten Lagen und
geringere Neigung Qualitätsschwankungen zeigten als die
Traditionssorten des deutschen Weinbaus.
Hauptzuchtziel waren also sichere und
mengenmäßig stabile Erträge, nur in zweiter Linie spielten qualitative
Überlegungen eine Rolle.
Riesling immer dabei
Die Praxis der meisten Winzer, die
die neuen Sorten auspflanzten, war ein getreues Abbild dieser
Philosophie - einer Philosophie, die Deutschland vor allem im
Export über Jahre hinweg erheblich schadete. Erstaunlicherweise
aber wissen meisten derjenigen, die diese neuen Sorten auf Grund
ihrer Entstehungsgeschichte und der mediokren Qualität ihrer
Weine gerne in Bausch und Bogen
verschmähen und lieber Weine aus so genannten Edelsorten trinken
nicht, dass bei vielen dieser Neuzüchtungen
der Riesling als Vater- oder Muttersorte Pate gestanden hatte.
So auch im Fall der Scheurebe, die Anfang des 20.
Jahrhunderts von Georg Scheu aus Riesling und Silvaner gekreuzt
wurde. Sie läuft vor allem in den höheren Prädikatsstufen und bei niedrigen
Hektarerträgen zur Hochform auf. Dann entwickeln ihre Weine ihr
schillerndes, explosives, fast exotisches Aroma und ihre Säure
präsentiert sich Riesling-typisch und vielschichtig.
Qualitativ hochwertige Resultate
liefert auch der Rieslaner, eine Würzburger Kreuzung aus Silvaner
und Riesling. Vor allem, wenn die Trauben Vollreife erreichten,
schmecken seine Weine herrlich rassig und gefallen mit erdigem
Cassis-Aroma. Allerdings konnte sich die Sorte bis heute kaum über
die Grenzen seiner fränkischen Heimat hinaus durchsetzen, weil sie
sehr hohe Anforderungen an die Lage stellt.
Weiße und rote
Kreuzungen
Exzellente Resultate kann auch die aus Weißburgunder und Müller-Thurgau gekreuzte
Huxelrebe liefern,
vorausgesetzt man drosselt ihren Ertrag konsequent. Der Lohn sind
Weine, die im Bukett dem Muskateller ähneln, aber eine wunderbare,
Riesling-artige Säure besitzen.
Auch die Faberrebe, eine der wenigen
Züchtungen, in denen der Riesling keine Rolle spielte - sie wurde
von Georg Scheu aus Weißburgunder und Müller-Thurgau gekreuzt -,
zeigt sowohl im Anbau wie in der Qualität klare Stärken. Sie gedeiht
auch in schwierigen Lagen und kann in reifen Jahrgängen wundervolle
Prädikatsweine liefern, die sich durch gute Säure und hohe
Mostgewichte auszeichnen.
Fragwürdige Erfolge
Zu den wenigen erfolgreichen roten
Neuzüchtungen gehört der Dornfelder, eine Kreuzung aus Helfensteiner
und Heroldrebe, der zur Zeit der absolute Shootingstar der deutschen
Weinszene ist. Seine
Anbaufläche verdoppelte sich innerhalb von nur vier Jahren
und ist wächst weiter. Die Sorte ist im Anbau unempfindlicher als
die meisten anderen roten Reben, dabei aber gleichmäßiger in der
Reife. Die dunkel-violetten, fruchtigen und harmonischen Weine
entsprechen zudem sehr weitgehend dem aktuellen Publikumsgeschmack.
Beim 1969 gezüchteten Kerner, einer
Kreuzung aus dem roten Trollinger und Riesling, die inzwischen an
vierter Stelle der in Deutschland meist verbreiteten Rebsorten
steht, kann die Beliebtheit in der Winzerschaft, die vor allem der geringen Frostempfindlichkeit und
der Ertragssicherheit zu
verdanken ist, nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Sorte nur
selten die Qualität ihres großen Vorbilds Riesling erreicht, das
ihre Züchter geleitet hatte.
Riesling-ähnlicher wirkt da der Ehrenfelser, eine Züchtung aus dem
Rheingauer Geisenheim, die sich jedoch auf Grund der geringen
Alterungsfähigkeit ihrer Weine nicht durchsetzen konnte, obwohl die Erträge
hoch sind und sie auch in kalten, schwierigen Lagen gut
ausreift. Die
Entdeckungsreise lohnt Fast so populär wie
Kerner ist Bacchus, der Platz fünf der deutschen Rebsortenliste
hält. Die Kreuzung aus Riesling x Silvaner mit Müller-Thurgau
verdankt ihre Popularität allerdings eher der Tatsache, dass sie
auf fast jedem Kartoffelacker gedeiht und mit ihren hohen Erträgen
bei gutem Mostgewicht ein beliebter Verschnittpartner ist. Summa
summarum kann man sagen, dass die gängigen Vorurteile gegenüber
vielen der Neuzüchtungen langsam verblassen, denn die besten
liefern eindeutig überzeugendere Qualitäten als der Großteil der
Modeweine vom Schlage eines Pinot grigio - und das zu günstigeren
Preisen. Grund genug für jeden Weinfreund, auch einmal bei den
verkannten Neuzüchtungen auf Entdeckungsreise zu gehen.
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Verwöhnter
Nordwesten
von Eckhard Supp
Der Weinbau im amerikanischen Nordwesten ist sehr
viel jünger als der im südlichen Kalifornien, hat aber in den
letzten Jahren eine fast unglaubliche Expansion erlebt. Washington
State, wo europäische Kulturreben noch vor wenigen Jahrzehnten fast
unbekannt waren, ist heute der zweitgrößte Weinerzeuger der USA,
und die Weine des Staates genießen in Amerika so etwas wie
Kultstatus: Preise von 60 Dollar und mehr pro Flasche sind keine
Seltenheit. Obwohl das Potenzial des Weinbaus in Washington
unbestritten ist, lässt das Qualitätsniveau der Weine noch manche
Frage offen. Für die erfolgsverwöhnten Winzer könnte der Moment
der Wahrheit gekommen sein.

Weinbau im Wüstenklima, das Columbia-Valley-Gebiet
in Washington State ( Fotos: E. Supp)
Großer
Verkostungsreport Washington / Oregon
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“Walla, Walla, Walla, Walla …”. Was wie
schlechte Faschings-Kreativität klang, war in Wirklichkeit banale
Realität. Insgesamt sechs Mal war das merkwürdige Wort auf dem
Etikett einer der Flaschen unserer kleinen Verkostung zu lesen: als
Herkunftsbezeichnung, als Sitz des Erzeugers und schließlich tauchte
es noch im Weinnamen auf. Dabei steht „walla“ in der Sprache der
Indianer des amerikanischen Nordwestens für Wasser, Walla Walla
bedeutet viel Wasser, und um Wasser zu verkosten, hatten wir die weite
Reise ja eigentlich nicht unternommen.
Walla Walla oder balla, balla
Ein wenig „balla, balla“ hatten wir uns kurz zuvor
gefühlt – wir, die Gruppe Weinjournalisten aus verschiedenen europäischen
Ländern, die auf Einladung der Washington Wine Commission Gelegenheit
bekommen sollten, den Weinbau des nordwestlichsten US-Bundesstaats
kennen zu lernen, Washington State, wie die Amerikaner ihn zur
besseren Abgrenzung von Washington DC meist nennen. „Balla, balla“
fühlten wir uns deshalb, weil die Diskrepanz zwischen den bis zum Anschlag mit
riesigen Traubenpaketen vollgepackten Rebzeilen und dementsprechend dünnen,
kurzen Weinen einerseits und dem Stolz der Winzer – sie heißen hier
nicht zu Unrecht Traubenerzeuger – wie den ebenso stolzen Weinpreisen andererseits
kaum zu verstehen war. Süditalienische oder spanische Kooperativen hätten
bei vergleichbaren Maximalerträgen für ihre Weine wohl kaum mehr als
zwei oder drei Dollar die Flasche erzielt, hier dagegen galten zehn bis 20 Dollar für die Weißen und 20 bis 50 oder
gar 60 Dollar für die Roten als absolut normal. Was, um Himmels
willen, sollte europäische Verbraucher motivieren, solche
Fantasiepreise für mäßige Weine zu bezahlen?
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Pionier-Betrieb Chateau Ste Michelle
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Zum Glück gab es dann aber auch wirklich gute, dichte und komplexe,
fruchtige und strukturierte Weine zu genießen und zu bewundern. Sie
zeigten, dass der Weinbau in Washington State nicht ganz zu Unrecht
einen guten Ruf genießt. Aber fangen wir von vorne an! Washington
State ist der nördlichste US-Bundesstaat an der Westküste und grenzt
im Norden an Kanada, im Süden an Oregon, einen weiteren Weinbaustaat,
der in jüngster Vergangenheit von sich reden gemacht hat. Auch wenn
es die geografische Lage suggeriert: Washingtons Weinbaugebiete sind
alles andere als „cool climate“-Regionen. Weinbau wird hier fast
ausschließlich im Hinterland getrieben und gut 99 Prozent der Reben
wachsen im Einflussbereich des mächtigen Columbia River und seiner
Zuflüsse (auf der Karte gelb, s.u.), während der Puget Sound im Umfeld der
Hauptstadt Seattle (auf der Karte rot) nur vereinzelte, kleinere Rebflächen
besitzt.
Weinbau
in der Wüste
Im Unterschied zur kühlen,
regenreichen Küstenregion ist das Klima am Columbia River und seinen
Zuflüssen – von zwei hohen Bergketten vor dem feuchten Meeresklima
abgeschirmt – nämlich heiß und trocken. Nur 160 mm Regen fallen
hier im Jahr – in Seattle sind es 1.000 mm und direkt an der Küste
sogar mehr als das Fünffache davon – und bis Anfang des 20.
Jahrhunderts war in dieser wüstenähnlichen Landschaft an Acker- oder
Weinbau überhaupt nicht zu denken. Erst mit dem Aufkommen der künstlichen
Bewässerung, die sich der enormen Wassermengen bediente, die der
Columbia aus den Rocky Mountains zum Ozean führt, wurde das Gebiet
einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeuger der USA, ein
wahrer Garten Eden für Äpfel, Gemüse und in neuerer Zeit auch
Weintrauben.
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Gigantische Trauben-"Wände"
zeugen von viel zu hohen Erträgen
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Es sollte bis in die 1960er Jahre dauern, bis europäische Qualitätsreben
der Vinifera-Familie am Columbia River Einzug hielten. André
Tschelistcheff, einer der Väter der Weinindustrie Kaliforniens, war
auch Initiator und önologischer Berater des ersten Qualitäts-Projekts
in Washington, Chateau Ste. Michelle, dessen Kellerei allerdings
fernab der Weinberge in Woodinville, einem Vorort von Seattle
angesiedelt wurde – ein Beispiel, dem viele Kellereigründungen späterer
Jahre folgen sollten.
Explosion in
den neunziger Jahren
Noch 1981 gab es im gesamten Staat nur 19 Wein erzeugende Betriebe,
und 1989, als deren Zahl auf 60 gestiegen war, wurden gut 3.500 Hektar
Weinbergsfläche kultiviert. Beim Vergleich dieser Zahlen mit europäischen
Verhältnissen muss allerdings berücksichtigt werden, dass
Traubenproduktion und Weinerzeugung sich in Washington lange Zeit
getrennt voneinander entwickelten: Während vor allem Gemüse- und
Obstbauern das Geschäft mit den Trauben in die Hand nahmen, beschränkten
sich die Gründer der neuen „wineries“ meist auf die Kellerarbeit
und kauften ihr Traubengut bei den alteingesessenen Farmern.
Im Sog der Entwicklung des kalifornischen Weinbaus und getragen von
der zunehmenden Popularität des neuen Modegetränks in fast allen
Staaten der USA erhöhte sich die Zahl der Weinerzeuger in den
neunziger Jahren dann auf fast 200 und die der Traubenproduzenten
stieg auf über 300, die mehr als 12.000 Hektar Rebfläche
bewirtschafteten – fast soviel wie im Napa Valley. Insgesamt 11.000
Arbeitsplätze hängen derzeit direkt oder indirekt von einer
Weinindustrie ab, die 2001 bereits mehr als 64 Millionen Flaschen Wein
vermarktete und ein Geschäftsvolumen von 2,4 Mrd US$ bewegte.
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Walla Walla: An der Three Rivers Winery
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Im Zuge der Einrichtung von Appellationen (American Viticultural Area,
AVA) wurden auch in Washington Anbaugebiete definiert. Wichtigstes
dieser Gebiete ist das Columbia Valley (seit 1984 AVA), das sich fast
175 Kilometer weit in nord-südlicher wie in ost-westlicher Richtungs
erstreckt und bis ins benachbarte Oregon hineinreicht. Noch vor dem
Columbia Valley wurde Yakima 1983 zur Appellation erklärt, ist aber
heute genauso Teil dieser Groß-Appellation wie Walla Walla (1984) und
Red Mountain (2001), während der geographisch riesige, weinbaumäßig
aber eher zwergenhafte Puget Sound (1995) eigenständig blieb. Für
die kommenden Jahre ist die Einrichtung weiterer Appellationen und
Sub-Appellationen geplant, deren Namen aber teilweise schon heute auf
Weinetiketten auftauchen: Horse Heaven, Columbia Gorge, Alder Ridge,
Canoe Ridge, Zephyr Ridge, Wahluke Slope & Mattawa, Cold Creek,
Columbia Basin & Snake River und Wallula Area.
Klimafragen und Sortenwahl
Was Böden und Mikroklimate betrifft, unterscheiden sich diese
Appellationen zwar teilweise recht deutlich voneinander, besitzen aber
auch viele Gemeinsamkeiten: Die Böden bestehen vor allem aus Sand und
Kies, gemischt mit verschiedenen Lehm- und Schlammanteilen, und liegen
auf einem Untergrund aus Basalt-Verwitterungsgestein, das eine gute
Drainage garantiert, was insbesondere bei der noch immer betriebenen
üppigen Sprinkler-Bewässserung von nicht zu unterschätzender
Bedeutung ist. Denn auch wenn sich als Konsequenz einer groß
angelegten Studie unter Federführung von Chateau Ste. Michelle das
Prinzip der Defizit-Irrigation mittels Tröpfchen-Bewässerung als
sinnvollstes herausgestellt hat, so gibt es – wie man auf einer
Fahrt durch das Land leicht konstatieren kann – immer noch viele
Farmer, die am althergebrachten Fluten mittels riesiger
Sprinkleranlagen festhalten.
Die enormen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht – in der
Reifeperiode können es mehr als 15 oC sein – , die für deutliche höhere
Säurewerte als in Kalifornien führen, veranlassten die
Weinbau-Pioniere in Washington, anfänglich vor allem auf weiße
Sorten und hier besonders auf die deutschen Starreben Riesling und Gewürztraminer
zu setzen. Dieser Irrtum wird aber bereist seit Mitte der neunziger
Jahre korrigiert, und der Sortenspiegel weist heute fast zwei Drittel
rote Sorten auf. Chardonnay ist mit 3.000 Hektar zwar immer noch die
meist kultivierte Einzelsorte, dicht dahinter aber rangieren bereits
Merlot (2.900 ha) und Cabernet Sauvignon (2.600 ha). Die anderen roten
(Syrah, Cabernet franc, Pinot noir, Lemberger, Sangiovese) und weißen
(Riesling, Sauvignon blanc, Semillon, Chenin blanc, Gewürztraminer)
Sorten folgen mit gebührendem Abstand.
Auch wenn die Jugend des Weinbaus in Washington noch kein
definitives Urteil zulässt, scheinen die Weine gegenwärtig ein größeres
Qualitätspotenzial für Syrah im Yakima Valley, für Cabernet in
Walla Walla widerzuspiegeln. Das richtige Rebenalter einmal
vorausgesetzt, könnte der Weinbau Washingtons es durchaus erlauben,
an Qualitäten anzuknüpfen, wie sie in Europa vor der Reblaus erzeugt
wurden, denn sämtliche Reben sind hier Direktträger: Die Reblaus
konnte sich auf den sandigen Böden nicht verbreiten.
Paradigmenwandel zu mehr
Qualität
Eine solche Entwicklung würde aber voraussetzen, dass man sich stärker
als bisher an der Erzeugung hochwertigen Traubenmaterials orientierte.
Die aktuellen, meist im doppelten Kordon erzogenen Reben sind viel zu
häufig auf hohe Erträge getrimmt, um wirklich auf breiter Front
Qualität liefern zu können. Voller Stolz zeigten die Winzer ihren
Besuchern auch auf unserer Reise Weinberge, in denen gigantische
Cabernet Trauben – bis zu 45 pro Stock konnten wir gelegentlich zählen
– wahre „Beeren-Wände“ bilden. Hinzu kommt, dass auch die
Kellerarbeit noch lange nicht auf dem Niveau des kalifornischen oder
europäischen Weinbaus steht – auffällig ist zum Beispiel, dass
viele Fassproben deutlich sauberer sind als die endgültigen Füllungen,
was Fehler beim Ausbau vermuten lässt.
Dass der amerikanische Markt bereit ist, für solche Weine die erwähnten
Preise von 50 und mehr Dollar zu bezahlen, kann wohl nur mit der
Unerfahrenheit der Konsumenten und dem hohen Absatzanteil auf dem
lokalen Markt der Boom-Stadt Seattle, in deren überhitzer
Yuppie-Kultur auch die Gastronomie Phantasiepreise verlangen darf,
erklärt werden. Immerhin aber kann man im Gespräch mit den
Weinmachern einen klaren Paradigmenwandel erkennen. Nicht nur, dass
viele von ihnen inzwischen Wert auf eigenen Weinbergsbestand legen,
der sie von den mengenorientierten Traubenproduzenten unabhängig
macht. Auch Dogmen wie die des systematischen Aufsäuerns der Rotweine
fallen nach und nach, da viele Önologen zur Überzeugung gelangt
sind, dass reifes Traubengut und eine solide Tanninstruktur im
Zusammenspiel mit dem ohnehin hohen Alkoholgehalt der Weine für
ausreichend Stabilität und Alterungsfähigkeit sorgen.
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Vier der Protagonisten des Weinbaus in Washington:
Bob Betz (Chateau Ste Michelle), Brian Carter (Washington Winery),
Rick Small (Woodward Canyon) und Mark Maiocco (Yakima Cellars)
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Zu den Betrieben, in denen dieser Paradigmenwandel am weitesten
fortgeschritten ist, gehört unzweifelhaft der Pionierbetrieb
Chateau Ste Michelle der Stimson-Lane-Gruppe – zu ihr gehören in
Washington auch Columbia Crest, Northstar und die Snoqualmie Winery,
in Kalifornien Conn Creek und Villa Mt. Eden sowie in Australien die
Petaluma-Gruppe –, der mit dem roten Col Solare einen der ganz
wenigen auch international konkurrenzfähigen Spitzenweine des
Staates hervorbringt. Auch wenn die vollmundige Selbstdarstellung
einiger Betriebe der Gruppe – bei Northstar liest sich das ganz
unbescheiden: „... will produce the world’s best Merlot and
provide the definitive showcase for Columbia Valley grapes (...wird
der Welt besten Merlot erzeugen und eine ultimative Bühne für
Trauben des Columbia Valley darstellen)“ – der Realität noch um
Meilen, wenn nicht Welten voraus eilt, so kann man doch nicht umhin,
dem Chefönologen Bob Betz eine der besten Produktpaletten des
Staates und die weitest reichenden Visionen zu bescheinigen.
Qualitätsorientierte Erzeuger
Bob Betz ist übrigens im Privatleben auch
einer der erfolgreichsten Garagenwinzer, die in den letzten Jahren
auch in Washington von sich reden machen konnten. In seinem
Miniaturkeller in einem Gewerbegebiet des nördlichen Seattle
verarbeitet er ausschließlich zugekaufte Trauben, erzeugt aber mit
sehr traditionellen Methoden – die Maischegärung findet in
offenen Bottichen statt, wobei der Tresterhut von Hand untergestoßen
wird – exzellente Rote mit Namen, die eindeutig auf ihre französischen
Vorbilder Bezug nehmen: Clos de Betz, Syrah La Serenne oder Cabernet
Sauvignon père de familie heißen sie.
Die Erzeugerbetriebe, die vergleichbare Qualitäten
erzeugen, kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Woodward
Canyon in Walla Walla mit seinen exzellenten Cabernet-Sauvignon-Füllungen,
die Yakima Cellars in Yakima City, ein Betrieb, der praktisch nur
aus einem schönen Verkaufsraum und einem Hangar im nahen
Industrieviertel besteht, aber wunderbare Sangiovese und Cabernet
Sauvignon in die Flasche zaubert, die McCrea Cellars aus Rainier mit
ihrer Syrah Boushey Grande Côte Vineyard, Three Rivers und Dunham
in Walla Walla oder auch noch JM Cellars in Woodinville gehören
dazu.
Zu ihren Verfolgern, die zwar ein gutes Sortiment
aber keinen ausgesprochenen Spitzenwein vorzeigen können, obwohl
sie das Zeug dazu hätten, gehören Namen wie Bookwalter, Columbia
Crest, Canoe Ridge, Pepper Bridge, R. Sandidge, DeLille, L'Ecole No.
41, Seven Hills, Hedges, Washington Winery oder Arbor Crest. Daneben
gibt es allerdings auch viel zu viele Erzeuger, deren Existenz man
besser verschweigt, und die das Gesamtbild deutlich negativ
beeinflussen. Noch nie hatten wir es bei unseren Verkostungen (vgl.
dazu unseren großen Verkostungs-Report in dieser Ausgabe von Eno
WorldWine) jedenfalls in den letzten Jahren mit Regionen zu tun, in
denen fast ein Viertel der getesteten Weine nicht mehr als zwei
unserer fünf Sterne verdient hatten.

On the road in WallaWalla
Natürlich kann man vieles im Staate Washington mit
der Jugend des dortigen Weinbaus und der Unerfahrenheit seiner
Protagonisten entschuldigen oder mit der übertriebenen, patriotisch
motivierten Akzeptanz der Weine durch den Verbraucher. Solche
Entschuldigungen helfen jedoch nicht mehr viel in einer Situation,
in der sich auch auf dem amerikanischen Markt nicht nur die
kalifornische, unter enormen Übermengen leidende, sondern auch die
australische Konkurrenz immer drängender bemerkbar macht. Beide
bieten Weine ähnlichen Stils und konsistenterer Qualität zu
wesentlich interessanteren Preisen. Die Winzer von Washington werden
sich wohl nicht nur in diesem Winter warm anziehen müssen, wenn sie
ihren guten Ruf wirklich einlösen und ihre hohen Verkaufspreise
rechtfertigen wollen.
Die besten Erzeuger von Washington:
Chateau Ste Michelle & Col Solare, Woodinville, WA 98072, Tel:
425-4881133, Internet: www.ste-michelle.com
Woodward Canyon Winery, Lowden, WA 99360, Tel: 509-5254129, Internet:
www.woodwardcanyon.com
Yakima Cellars, Yakima, WA 98901, Tel: 509-5770461
McCrea Cellars, Rainier, WA 98576, Tel: 800-3786212, Internet:
www.mccreacellars.com
Three Rivers Winery, Walla Walla, WA 99362, Tel: 509-5269463, Internet:
www.threeriverswinery.com
Betz Family Winery, Woodinville, WA 98072, Tel: 425-4151751, Internet:
www.betzfamilywinery.com
JM Cellars, Woodinville, WA 98702, Tel: 206-3210052, Internet:
www.jmcellars.com
Dunham Cellars, Walla Walla, WA 99362, Tel: 509-5294685, Internet:
www.dunhamcellars.com
Bookwalter Winery, Richland, WA 99352, Tel: 509-6275000, Internet:
www.bookwalterwines.com
DeLille Cellars, Woodinville, WA 98072, Tel: 425-4890544, Internet:
www.delillecellars.com
R. Sandidge Winery, Prosser, WA 99350
Canoe Ridge Vineyard, Walla Walla, WA 99362, Tel: 509-5270885, Internet:
www.canoeridgevineyard.com
Pepper Bridge Winery, Walla Walla, WA 99362, Tel: 509-5256502, Internet:
www.pepperbridge.com
L'Ecole No. 41, Lowden, WA 99360, Tel: 509-5250940, Internet:
www.lecole.com
Hedges Cellars, Benton City, WA 99320, Tel: 509-5883155, Internet:
www.hedgescellars.com
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