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verantw gem.§ 6 MDSV
Dr. Eckhard Supp
Firmensitz:
D - 63069 Offenbach
Amtsgericht
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WorldWine
Reportage
Die bisherigen Portraits und Reportagen
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Bordeaux Connection
von Dagmar
Ehrlich
Rund 600 Millionen Euro setzten die
Bordeaux-Güter, die ihre Weine per Subskription "en primeur"
verkaufen, im vergangenen Jahr um. Damit brachte der schon heute
legendäre 2000er genau doppelt so viel ein wie frühere Jahrgänge
- ein sensationeller Rekord, wie das Fachmagazin "Wein +
Markt" zu Recht schreibt. Mit der Subskription des 2001er
Jahrgangs fragt sich die Weinwelt deshalb, ob auf den Höhenflug
jetzt der Absturz folgt. - :
- : - : - So etwas hatte selbst das
erfolgsverwöhnte Bordeaux noch nicht oft erlebt. Sämtliche
Tranchen des 2000er Jahrgangs, die im Frühjahr des vergangenen
Jahres "en primeur" angeboten wurden, waren im
Handumdrehen vom Markt aufgesogen. Und das zu bis dato nicht
gesehenen Preisen! Lagen die Preissteigerungen gegenüber dem
Vorjahr bei den kleineren Châteaux noch bei vertretbaren
fünf bis dreißig Prozent, so hatten sich die großen Namen
offenbar entschlossen, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen.
Subskriptionspreise mit bis zu hunderprozentigen Aufschlägen waren
die Folge. Mit ihrem Subskriptions-Umsatz
von 600 Millionen Euro erwirtschafteten nur 300 von insgesamt 10.000
Bordelaiser Châteaux über zwanzig Prozent des Jahresumsatzes der
gesamten Region - vor allem für sie boomte der Jahrgang 2000 wie
kein anderer zuvor.

Château Petrus, einer der Stars des
Bordeaux-Gebiets und der 2000er
Subskription (Foto: Supp) Das hatte
seine Gründe: Der 2000er
sei der beste Jahrgang, der je produziert worden sei, hatte der
amerikanische Weinpapst Robert Parker erklärt, und "unbedingt
kaufen" empfohlen. Die Händler reagierten über Nacht mit
Preisaufschlägen von zwanzig und mehr Prozent. Und die Weinfreunde in aller Welt
kauften, koste es, was es wolle. Obwohl die Nachfrage nach
hochklassigem Bordeaux in Amerika und Europa stagniert hatte - Märkte,
die bis dato eher als Nichttrinker-Länder gegolten hatten, orderten
alles, was Rang und Namen hatte.
Der
Trick Der entscheidende Trick der
Primeur-Subsription ist, dass die Weine in mehreren Tranchen
angeboten werden. Mit der ersten dieser Tranchen wird der Markt auf
Angebot und Nachfrage hin getestet. Verkauft sich der Jahrgang gut,
wird die zweite Tranche of wesentlich teurer. Die letzte Partie
eines Jahrgangs vom selben Château kann dann mehr als doppelt so
viel kosten wie die erste. Ähnlich wie an der Börse können die
Preise für viel gefragte Weine buchstäblich über Nacht
explodieren. So erklären sich vor allem die exorbitanten Preise der
so genannten Garagenweine - das sind Weine, die es nur in
Kleinstauflagen gibt, und in den letzten Jahren zu heiß begehrten
Sammler-Objekten avancierten. Dieses
Verfahren, das im Idealfall viel Geld in die Kassen der Weingüter
spült, kann auch für den Verbraucher vorteilhaft sein: Er deckt
sich beizeiten mit den gewünschten Weinen ein, zahlt gegen Vorkasse
und erhält seine Flaschen zwei Jahre später, wenn der Wein
definitiv gefüllt ist, zum Fixpreis, auch wenn der Tagespreis in
der Zwischenzeit deutlich gestiegen ist. Aber
Achtung! Verlässliche Vorhersagen sind bei dieser Art von
Spekulation, die nach der großen Pansch-Affäre des Jahres 1973
kreiert wurde, um den damals danieder liegenden Markt neu zu
beleben, kaum möglich. Denn mit den Bordeaux-Preisen, das
bestätigt jeder Händler, geht es wie mit den Börsenkursen: Sie
sind einem ständigen, unsteten Auf und Ab unterworfen. Lohnt
die Subskription? Die
Primeur-Subskription lohnt bei berühmten Namen fast immer, selbst
in schwächeren Jahrgängen, denn mit den Mitteln der modernen
Önologie gelingen auch in solchen Jahren hervorragende Resultate,
wie man bei Château Latour oder Château Margaux im Jahrgang 1991
sehen konnte. Auch für den jüngst vorgestellten 2001er
Jahrgang gilt diese Regel. Wo die Trauben penibel ausgelesen und
behutsam gekeltert wurden, führte die Mühe zu hervorragenden
Ergebnissen. Allerdings hingen die Trauben
des Jahrgangs fast noch am Stock, als schon weithin über die
mögliche Preisentwicklung spekuliert wurde. Nach dem gigantischen
2000er Preisniveau - so die vorherrschende Meinung - kam eine
weitere Preissteigerung nicht mehr in Frage. Nach der spektakulären
Hausse erwartete der Handel, der sich die Keller in den Vorjahren
mit vielen Kisten unbekannterer Châteaux voll stopfen musste, um
überhaupt ein paar Flaschen der berühmten Namen ergattern zu
können, eine generelle Baisse. Einige der
einflussreichsten Händler in Bordeaux griffen sogar zu offenen
Drohungen. Sie würden bei zu hohen Preisen den Markt zum Erliegen
bringen, signalisierten sie den Château-Besitzern. Und noch einen
Super-Gau wie 1997 - die Preise für diesen Jahrgang liegen heute
unter (!) dem Niveau der Primeur-Verkäufe - wollten sie nicht noch
einmal erleben. Der
2001er braucht Zeit Entsprechend
zurückhaltend wird denn auch seit dem Start der Kampagne des
2001ers geordert, fast wie beim 90er, bei dem sich die Weinfreunde
ebenfalls zunächst sehr zurück hielten. Im Unterschied zu
den 2000er Schmeichlern im Stil der Neuen Welt mit ihrer
Fruchtfülle und ihren reifen Tanninen, wird der 01er seine wahre Größe
- ganz wie der 98er - erst mit der Alterung zeigen. 2001 ist endlich
wieder ein Klassiker-Jahrgang, der das Terroir, nicht aber in jedem
Fall beste Bordelaiser Handwerkskunst widerspiegelt. Wer
beispielsweise überextrahierte, holzbetonte Weine zu keltern
versuchte, erntete nur unharmonische, bittere Qualitäten. Die gute Weine des Jahrgangs dagegen, vor allem in
den Appellationen Margaux und
Saint-Julien, sind herrlich rassig und frisch geraten und zeigen
eleganten, konzentrierten Fruchtaufbau.
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Südafrika sucht
seine Zukunft (II)
von
Eckhard Supp

Die Weinberge von Groote Post an der
Atlantik-Küste des Swartlands,
einem der Weinbaugebiete mit dem größten, noch
unentwickelten
Qualitätspotenzial Südafrikas. (alle Fotos: E. Supp)
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Das
enorme Qualitäts- und Marktpotenzial der alten Weinbaunation
Südafrika haben wir im ersten Teil unseres Berichts dargestellt.
In diesem zweiten Teil geht es um die Frage, mit welchen Weinen
Südafrika auf dem Weltmarkt Karriere machen kann, und vor welchen
Problemen das Land dabei steht.
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Das Ende des Apartheid-Regimes bot
Südafrika Erzeugern eine einmalige Chance. Vorbei die Zeit des
internationalen Boykotts, vorbei die Isolierung und Ächtung
südafrikanischer Produkte auf den wichtigsten Weinmärkten der Welt! Innerhalb weniger Jahre
schaffte es das Land, vor allem den
britischen Markt mit preiswerten, in großen Mengen
produzierten Alltagsweinen zu erobern. Im Unterschied zu Kalifornien
oder Australien, deren eigentliche internationale Karriere in den
siebziger Jahren mit Achtungserfolgen bei hochkarätig besetzten
Weinwettbewerben in Frankreich begann, startete Südafrika damit am
unteren Ende der Marktpalette, hatte aber dennoch rasch und
durchschlagend Erfolg.
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Großflächige Weinbergsanlagen,
moderne Kelleranlagen, billige Arbeitskräfte und ein niedriger
Randkurs erlauben es Südafrikas Erzeugern, mit ihren Produkten zu
sehr konkurrenzfähigen Weinen auf dem Weltmarkt aufzutreten - hier
das Weingut Alto in Stellenbosch. |
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Vor allem das wirtschaftliche Potenzial der südafrikanischen
Massensorte Chenin blanc, von der in manchen Gebieten bis zu 95 Tonnen pro Hektar eingefahren werden, wurde in diesem
Sinne voll ausgereizt. Wie so oft in der Geschichte des Weinbaus,
zog der leichte, schnelle Erfolg aber auch gravierende Probleme nach
sich und blockierte vor allem die Entwicklung eines wirklich
hochwertigen und hochpreisigen Produktspektrums. Was
Großbritanniens Einkäufer diktierten, wurde Gesetz, und mit dieser
Haltung verschlossen Südafrikas Erzeuger nicht nur die Augen vor
den Anforderungen der restlichen Märkte, die sich von denen der
Briten ja oft deutlich unterschieden, sondern eiferten auch falschen
Vorbildern nach.
Ein Beispiel für diese falschen
Vorbilder ist der neuseeländische Sauvignon blanc, für dessen
perfekte Imitation viele Südafrikaner ihre Seele verkaufen würden.
Ihnen zu erklären, dass Aroma- und Geschmacksprofil dieser
Stachelbeer-Weine durchaus nicht überall auf Gegenliebe stoßen,
ist fast zwecklos. Zu stark ist die Fixierung auf das, was der
britische Markt als Vorbild propagiert.
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Welche
Sorten für die Zukunft
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Diese Fixierung beginnt sich heute zu
rächen. Schon jetzt haben viele der britischen Einkäufer die
Kehrtwende begonnen, und reden der Abkehr der verbreitetsten Sorten Chenin und Pinotage
das Wort, ja halten südafrikanische Weine trotz ihres
lächerlich niedrigen Preisniveaus sogar generell für überteuert. Gefragt,
ob sie an die Zukunft des Chenin glaube, aus dem sie immerhin ihre
beiden vielleicht besten Weine keltert, erklärte die Weinmacherin
von Hazendal im Stellenbosch-Gebiet, die Einkäufer der britischen
Supermarkt-Ketten könnten der Sorte nichts mehr abgewinnen und
beurteilten sie nur noch negativ. Deshalb sei ihre Antwort: Nein.
Und auch in unseren jüngsten Blindverkostungen waren unter 100
angestellten Gewächsen nur drei Chenins zu finden – ein beschämender
Beweis, wie wenig die Südafrikaner selbst an ihre Stärken glauben.
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Ein Blick von den Weinbergen der
Delaire Winery an den Hängen oberhalb Stellenboschs, wo ein
schöner Cape-blend namens Botmaskop erzeugt wird, ins Tal von
Franschhoek.
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Tatsache ist, dass die Sorte von der Loire in Südafrika ein enormes
Qualitätspotenzial zeigt. Natürlich darf sie nicht in
hochproduktiven Feldern im heißen Flachland kultiviert werden,
sondern benötigt die kühleren Süd- und Osthänge. Was sie auch
benötigt, sind Winzer und Weinmacher, die an sie glauben und mit
ihr umgehend können. Wie Anton Beukes von Môreson erklärt:
„Wenn Sie hier bei uns einen Weinmacher nach den Aromen von Sauvignon blanc
fragen, rasselt er ihnen die ganze Palette herunter. Bei Chenin
blanc ernten Sie nur verlegenes Grinsen...“
Dabei gibt es sogar eine recht beachtliche Gruppe von Erzeugern
guten Chenins. Zu ihnen gehören Villiera, Old Vines, Groote Post
oder Beaumont genau so wie die erwähnten Hazendal und Môreson. Für
Ken Forrester, einen der aufstrebenden Erzeuger der neuen Generation
in Stellenbosch, ist Chenin gar „meine Saga“ und sein Grand
Chenin vielleicht einer der allerersten südafrikanischen Weine überhaupt,
die in den kommenden Jahren so etwas wie Kultstatus - die Südafrikaner
sagen Ikonen-Status – erreichen könnte. Stoff, ein feines Bukett,
aromatische Fülle und große Länge am Gaumen machen aus ihm einen
wirklichen Modellwein für Südafrikas Weinwirtschaft, der alle
Stachelbeer-Weine aus Neuseeland schnell vergessen läßt.
Einzigartige
Weine
Ähnlich steht es mit der zweiten Standardsorte des Landes, dem
Pinotage, einem einheimischen Verschnitt aus Cinsaut und Pinot noir,
der zwar zu hohen Erträgen neigt, aber bei entsprechender Pflege
hervorragende Weine geben kann. Der Vorteil des Pinotage, so erklärt
Pieter Ferreira, der Weinmacher auf Graham Beck in Robertson, liegt
darin, dass er Zucker- und Phenolreife zum selben Zeitpunkt
erreicht, was bei vielen anderen Sorten nicht der Fall ist. Wird er
aber in hochproduktiven Plantagen kultiviert zeigen seine Weine jene
garstige Rustikalität mit untrinkbar bitteren Tanninen, vor denen
sich die südafrikanischen Weinmacher zu Recht fürchten, wie der
Teufel vor dem Weihwasser. Es reicht
aber, einmal die herrlich saftigen, modernen Weine von Mont Destin,
L'Avenir, Vriesenhof, Laibach, Scali oder Kaapzicht zu probieren, um
nur die Erzeuger zu nennen, die mit exzellenten Sortenweinen auf dem
Markt sind, um das ganze, enorme Qualitätspotenzial dieser Sorte zu
erkennen. Statt auf diese beiden urtümlich südafrikanischen Sorten
aber setzen die meisten Weinmacher des Landes heute auf Syrah /
Shiraz, Cabernet, Chardonnay und Sauvignon blanc. Nun haben
zumindest die beiden Roten Standardsorten zumindest unter
klimatischen Aspekten eine gewisse Daseinsberechtigung am Kap.
Wirklich großen Chardonnay aber hat das Land bis dato nicht mehr
als ein halbes Dutzend Mal, Sauvignon blanc noch nie gezeigt, was
nicht heißen soll, dass es nicht den einen oder anderen schönen
Wein aus dieser Sorte gibt.
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Robertson, das Weinbaugebiet, in dem Graham Beck seinen modernen
Betrieb aufbaute (li), gehört zu den vielversprechenden,
noch unbekannten Regionen Südafrikas. Hier werden vor allem hervorragende
Weißweine erzeugt. Der Ziegenturm auf dem Gelände von
Fairview in Paarl nimmt dagegen traditionelle Elemente der
südafrikanischen Landwirtschaft auf.
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Am Beispiel der Syrah aber zeigt sich die Problematik des
bedingungslosen Setzens auf internationale Standard-Sorten. Nicht
nur, dass hier – neben dem französischen Original von der Rhône
– mit Australien ein absolut übermächtiger Konkurrent auf dem
Markt ist, der sein Prestige fast ausschließlich über diese Sorte
definiert. Auch andere Länder, wie die USA, wo in den letzten
Jahren massiv Shiraz ausgepflanzt wurden, sind längst auf den
"Geschmack" dieser neuen Modesorte gekommen. Da hilft es auch wenig, wenn die Südafrikaner darauf
pochen, dass die Stilistik ihrer Syrah-Weine sich deutlich von der
der australischen abhebt oder abheben soll. Für den Endverbraucher
fehlt jedem „Shiraz“ aus Südafrika die „unique selling
proposition“, die Einzigartigkeit des Angebots, die alleine Erfolg
garantiert, wenn man nicht auf alle Ewigkeit unter „auch in Südafrika
wird ...“ rangieren will.
Internationales
Prestige
Dies soll nicht heißen, dass internationale Sorten gar keinen
Platz an Südafrikas Sonne hätten. Denn natürlich werden aus Syrah
(Boekenhoutskloof, Slaley, Graham Beck, Flagstone, Hoopenburg und
Saxenburg) und Cabernet Sauvignon (Meinert, Dornier, Springfield,
Boekenhoutskloof, Thelema, Delheim, Mischa), Merlot (Thelema,
Dornier, Slaley oder Spice Route) und sogar Pinot noir (Hamilton
Russel, Flagstone, Meerlust, Vriesenhof, Bouchard Finlayson)
herrliche Weine gekeltert, die auch international konkurrenzfähig
sind. Mit ein wenig mehr Rebalter, noch strenger limitierten
Erträgen und einem besseren, imagbildenden Marketing lassen sich
auch aus diesen Weinen Stars der Weltweinszene zimmern, die das
ganze Land einen Schritt nach vorne bringen würden. Aber es wären
immer noch keine USP-, sondern allenfalls "Auch"-Produkte:
Auch (!) Südafrika keltert hervorragenden Shiraz....
Eine Möglichkeit, das Potenzial dieser Sorten mit den
Qualitäten und vor allem den Realitäten des Pinotage zu
versöhnen, liegt in der Schaffung eines typischen (!)
Cape-Verschnitts, wie ihn einige Güter in den letzten Jahren
ansatzweise geschaffen haben. Solche Weine, die ohne die Angabe von
Rebsorten vermarktet werden und werden sollten, könnten die Weine
der Paul Sauer (Kanonkop), Le Sommet (Mont du Toit), Royale (Vriesenhof),
Cobblers Hill (Jordan), Steytler Vision (Kaapzicht), Botmaskop (Delaire)
oder Vergelegen (Vergelegen) fortsetzen, die aktuell für das
internationale Prestige des Landes sorgen.
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Li: Vater und Sohn Barns vom Weingut Mischa in
Wellington, einem der jungen, aufstrebenden Betriebe des Landes. Re:
Das Barrique-Lager gehört zur Thelema Winery in Stellenbosch,
die sich durch hervorragenden Merlot und Cabernet einen Namen
gemacht hat.
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Um auf breiterer Basis Weine dieser Klasse erzeugen zu können, müssen
jedoch noch eine Reihe von Vorbedingungen erfüllt sein. Zum einen
liegen die Erträge noch immer zu hoch. Zum Beweis muss nicht einmal
der oben erwähnte Ertragsrekord mit Chenin blanc bemüht werden. Es
reicht, gute Winzer zu fragen, was sie selbst für normale
beziehungsweise niedrige Erträge halten. „Normal“ wird dann
meist mit Hekarerträgen zwischen 10 und 20 Tonnen definiert,
„niedrig“ mit sechs bis acht Tonnen. Zu
hohe Erträge
Der Kellereichef von Bergkelder erzählte so im Verlaufe einer
Diskussion über den Jahrgangsverlauf 2001/02, viele Winzer hätten
viel zu spät gespritzt: „Da hat dann manch einer statt 20 nur 10
Tonnen geerntet.“ Internationale Spitzenweine jedoch, das belegen
die Zahlen aus vielen Weinbaugebieten, sind bei Erträgen von mehr
als fünf bis sechs Tonnen pro Hektar eigentlich kaum darstellbar.
Zum Vergleich sei der Durchschnittsertrag (!) aller Weinberge
Chiles, eines der direkten Konkurrenten Südafrikas auf dem
Weltmarkt, erwähnt: Er liegt bei 48 Hektolitern pro Hektar, was
nicht mehr als sieben oder acht Tonnen Trauben bedeutet. Lynlie
Schultz, neuer australischer Weinmacher der Distell-Gruppe, erklärt,
dass oft im Weinberg falsch gearbeitet und zu viel gedüngt wird:
„Die Erträge sind entweder viel zu hoch oder aber so niedrig,
dass sie kein wirtschaftliches Arbeiten mehr erlauben!“
Das Resultat sind Weine, die zwar ausreichend Alkohol, oft aber
wenig Struktur und Frucht zeigen. Dabei spielt auch die Angst der
Weinmacher vor Tanninen eine Rolle. Geprägt von den erwähnten,
ungenießbaren Tanninen, die schlechter Pinotage entwickeln kann,
setzen sie alles daran, weiche und runde Weine zu keltern, die oft
aber keinerlei Rückgrat zeigen und auch nicht sonderlich lagerfähig
sind. Auch hier ist wieder der fatale Einfluss des britischen
Weinmarkts zu spüren, denn wer nur nach Weinen für den schnellen
Konsum aus dem Supermarkt-Regal sucht, der wird die Entwicklung, großer,
komplexer und strukturierter Gewächse kaum fördern. Wie weit die
Tannin-Phobie der Südafrikaner geht, verdeutlicht auf anekdotische
Weise der Spitzname, den sich Bruce Jack von Flagstone selbst
gegeben hat: „No fear of tannins“, keine Angst vor Tanninen.
Auch andere, liebgewordene Praktiken müssten die Südafrikaner
überdenken, wie beispielsweise das Aufsäuern der Rotweine, obwohl
dies noch bei weitem nicht mit den australischen Praktiken
vergleichbar ist. Wenn einige der Winzer behaupten, der heftige
Bakterienbefall in den Weinbergen zwänge sie dazu, entgegnet Bernd
Philippi, der Pfälzer Berater von Mont du Toit: „Alles Unsinn!
Schwefeln reicht allemal, um der Bakterien Herr zu werden.“
Terroircharakter
gefragt Was Südafrika braucht, ist eine wirkliches
Segment individueller, charaktervoller Weine mit Terroircharakter,
auch wenn das schwierig zu realisieren scheint, da beispielsweise
das südafrikanische Weingesetz völlig unverständlicherweise das Führen
von Lagenbezeichnungen auf dem Etikett verbietet – eine
gesetzgeberische Gleichmacherei, die an deutsche Widerstände gegen
Lagen-Klassifizierungen erinnert. Zu wünschen wäre auch, dass
nicht nur die Handvoll meist junger Betriebe, die eine eher moderne,
fruchtbetonte Stilrichtung verfolgen wie Mont du Toit oder Mont
Destin internationales Niveau anstreben, sondern auch die eher
traditionell arbeitenden wie Kanonkop, Welgemeend, Delheim und wie
sie alle heißen. Auch sie müssten es in den nächsten Jahren
schaffen, die Märkte mit einem Überflieger-Wein, vielleicht einer
roten Cuvée, aufzurütteln. Natürlich wird sich dabei auch der
geographische Schwerpunkt des südafrikanischen Weinbaus weiter
verschieben. Schon heute hat das traditionelle Weinbauzentrum
Stellenbosch-Paarl neue Konkurrenz bekommen, und die touristischen
Zentren wie Franschhoek oder Constantia laufen in Bezug auf
Weinqualitäten sogar Gefahr, den Zug in die Zukunft zu verpassen.
Dagegen versprechen Gebiete wie Swartland oder Robertson, deren
Potenzial wir im ersten Teil dieses Berichts erläuterten, in dieser
Hinsicht Großes. Ob Südafrika es schafft, diesen Quantensprung an
die Weltspitze zu organisieren, wird über die Zukunft und den
Charakter seines Weinbaus – und angesichts der Bedeutung von
Weinbau und Weintourismus auch über die Zukunft des Landes
schlechthin – entscheiden. |
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