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Zu den bisherigen Portraits und Reportagen     

 

2002 

Die Erben der Konquistatoren

Chile erobert die Weinwelt

 von Alexander Niemann

 

Chiles Weine sind im Kommen. Dies zeigen jedenfalls die Ausfuhrzahlen des Andenstaates, die im vergangenen Jahr um mehr als 16 Prozent zulegten und sich auf dem beachtlichen Niveau von 2,8 Millionen Hektolitern einpendelten. Deutschland spielt als inzwischen drittgrößter Konsument chilenischer Gewächse eine wachsende Rolle im Konzert der Abnehmerländer und erhöhte seine Einfuhren innerhalb eines einzigen Jahres um über 50 Prozent. Chile ist damit auf den Weltmärkten die unumstrittene Nummer Eins Südamerikas, wobei die Weine aus Maipo, Rapel, Casablanca oder Colchagua inzwischen auch ein ausgezeichnetes Qualitätsniveau erreicht haben, obwohl sie noch unter dem Billigwein-Image vergangener Jahre leiden. Das älteste Weinbauland der Neuen Welt erzeugt eine Fülle von Sorten und Herkunftsbezeichnungen, die auch für den anspruchsvollen Weinfreund eine willkommene Bereicherung des Angebots darstellen.

   
Wenn von Amerikas Weinbau die Rede ist, denkt jeder zuerst an Kalifornien. Eigentlich aber ist das eine schreiende historische Ungerechtigkeit, denn schon lange bevor die Nordamerikaner im 19. Jahrhundert mit dem Auspflanzen europäischer Vinifera-Reben und dem Kultivieren der einheimischen Labrusca-Pflanzen begonnen hatten, noch vor dem Start des Weinbaus in Südafrika und dem in Australien, besaßen Mittel- und Südamerika florierende Weinkulturen und exportierten ihre Weine bereits in viele Länder des Alten Kontinents. Spaniens Eroberer Cortéz hatte in den frühen Jahren der Kolonisierung erste Setzlinge nach Mexico gebracht, und Mitte des 16. Jahrhunderts – nur wenige Jahrzehnte nach der blutigen Zerschlagung des Inkareichs durch Pizzarro und nach der Gründung Santiagos durch Pedro de Valdivia – entstanden auch im heutigen Chile die ersten Rebgärten. 

Das älteste Weinbauland der Neuen Welt besitzt zahlreiche historische Kellereien wie hier 
Casa Silva im Colchagua Valley des Rapel-Gebiets südlich von Santiago. (alle Fotos: Eckhard Supp)


Der Andenstaat ist auch heute noch das bekannteste südamerikanische Erzeuger-Land, und das, obwohl seine Weinproduktion nicht viel größer als die Brasiliens ist, und die Rebfläche nur etwa drei Viertel der argentinischen darstellt. Vor allem in den USA und Großbritannien sind die Weine aus Chile seit langem begehrt, aber auch in Deutschland findet man sie inzwischen in fast jedem Restaurant und jedem guten Weingeschäft.

Weinbaugeschichte mit Hindernissen

Das war nicht immer so. Andauernde, oft blutige Auseinandersetzungen mit revoltierenden Indianern, die isolierte Lage des Landes gegenüber dem alten Europa und die Unsicherheit, die Jahrhunderte lang auf den Weltmeeren herrschte, setzten dem chilenischen Weinbau lange Zeit enge Grenzen. Auch taugte die dominierende chilenische Rebsorte, der spanische Paìs, der auch heute noch etwa 15 Prozent der zur Weinproduktion genutzten Rebflächen belegt, zu kaum mehr als rustikalen, einfachen Roten. Seine Weine entsprachen nicht im Entferntesten den qualitativen Ansprüchen, die Europas Weinfreunde an Weine im Allgemeinen und an solche aus der Neuen Welt stellten, da Kalifornien und Australien, vielleicht auch Neuseeland oder Südafrika bereits höhere Maßstäbe setzte.

Dabei genießt das Land gegenüber Europa entscheidende Vorteile. Es blieb aufgrund seiner Isolation, seiner besonderen Böden und ungewöhnlicher Anbaumethoden bis heute vollständig von der Reblaus und anderen Rebkrankheiten verschont, die Ende des 19. Jahrhunderts die Weinberge Europas verwüstet hatten und bis heute den Winzern der Welt Kopfzerbrechen bereites. In Chile reicht es meist, ein wenig Botrytis-Vorsorge zu treiben, vielleicht noch etwas Schwefel gegen Oidium zu spritzen, und die roten Spinnen werden meist nicht einmal als Problem wahrgenommen. Allerdings verführten diese paradiesischen Bedingungen – fast jedes Jahr können gesunde Trauben im Überfluss gelesen werden – die Winzer oft auch zu sinnloser Massenproduktion, die bis heute das vielleicht größte Hindernis auf dem Wege zu wirklich herausragenden Weinqualitäten ist. 

Wärme für Kakteen und kühlender Dunst für frische, filigrane Weine: Chiles Klima - hier das Casablanca-Tal - ist so vielfältig wie das weniger anderer Länder.

   
Zwar werden die einfachen Konsumweine des Landes oft noch wie früher gemacht, aber in vielen der Spitzenweingütern Chiles vollzog sich in den letzten Jahren eine technologische Revolution, die der Entwicklung ähnelte, welche Italien zehn oder zwanzig Jahre zuvor absolviert hatte. Eine Reihe moderner, eleganter Produkte entstanden, und es war bestimmt kein Zufall, dass bei dieser Entwicklung Kapitalgeber aus der europäischen und amerikanischen Weinwirtschaft das Sagen hatten. Chile wurde zum Tummelplatz des Gotha der Weinwirtschaft der Alten und Neuen Welt. Die Rothschilds aus Bordeaux, Bruno Prats vom berühmten Château Cos d’Estournel, William Fèvre aus dem Burgund, die kalifornische Kellerei Robert Mondavi, Miguel Torres aus Spanien, die Likörfirma Grand Marnier, Augustin Huneus von Freemark Abbey im Napatal und viele andere investierten massiv und verhalfen dem chilenischen Weinbau zu ersten internationalen Erfolgen.

Paradoxerweise hatte ausgerechnet der drastische Rückgang des chilenischen Pro-Kopf-Verbrauchs in den siebziger und achtziger Jahren diesen Durchbruch begünstigt, da er die alteingesessenen Kellereien zum Schritt auf die Exportmärkte und damit zur Suche nach ausländischen Partnern und zum radikalen Wandel in Weinberg und Keller zwang.

Geographische Ausnahmelage und gutes Klima

Wirklich günstige Voraussetzungen für den Weinbau herrschen beileibe nicht in ganz Chile, sondern nur im mittleren Teil des fast 5.000 Kilometer langen Landes – das entspricht der Entfernung von Sizilien bis zum Nordkap –, das nur 180 Kilometer breit ist und im Westen an den kalten Pazifik, im Osten an die über 6.000 Meter hohe Andenkette grenzt. Der Norden, wo vor allem Bergbau betrieben wird, ist ungemein heiß und bringt nur Tafeltrauben und Trauben zum Pisco-Brennen – Pisco ist ein chilenischer Brandy, der ähnlich wie Cognac hergestellt wird – hervor. Im Süden dagegen hört das Land erst kurz vor der Antarktis auf, und entsprechend kalt ist es hier.

Im Zentrum des Landes dagegen, zwischen dem 32. und 38. Breitengrad, herrscht ein gemäßigtes bis warmes Klima. Die eigentliche Weinbauzone erstreckt sich daher nur von Valparaiso im Norden bis nach Concepciòn im Süden, und ist etwa 500 Kilometer lang. Vor allem das Zentral-Tal, das zwischen die Anden und das 500 bis 800 Meter hohe Küstengebirge eingebettet ist, wird von riesigen Rebfeldern bedeckt, deren Bewässerung durch die Anden-Flüsse gesichert wird. Die geographische Lage entspricht, auf Europa übertragen, ungefähr der des südlichen Mittelmeerraums, das Klima ist aber dem von Bordeaux oder Mittelitalien ähnlicher.

Fast in allen Qualitätsweinbaugebieten ist intensive Bewässerung notwendig, da es von Oktober bis Mai keinen Tropfen regnet. Da die Abflüsse von den Anden aber aufgrund des starken Abflusses von Schmelzwasser – je heißer es ist, desto mehr Schnee schmilzt – immer reichlich Wasser führen, besteht nie wirklicher Wassermangel.

  
Auch die Böden der verschiedenen Anbaugebiete sorgen durch ihre Vielfalt – von Schwemmland mit Kies und Geröll reicht das Spekturm bis hin zu Lehm und Ton, Tuffstein und vulkanischen oder sogar schlammigen, feuchten Böden – in den einzelnen Zonen für sehr unterschiedliche Weintypen. Reben werden an den Hängen dieses Zentral-Tals bis in Höhen von 1000 Metern ü. M. kultiviert, was die Aromabildung in den Trauben aufgrund der starken Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperaturen begünstigt und die Palette verschiedener Wein-Charaktere noch größer macht. Die Weinlese, die in Chile natürlich während des europäischen Frühlings stattfindet, erstreckt sich aufgrund unterschiedlichen, teilweise recht kühlen klimatischen Bedingungen über eine lange Periode von Ende Februar bis in den Mai hinein.

Rebsorten und Weinbaugebiete

Das Sortenspektrum Chiles hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Während bis vor kurzem noch der Paìs die mengenmäßig bedeutendste Rebsorte war, belegt heute Cabernet Sauvignon die größte Rebfläche. Hinter dem Paìs folgen Merlot, Chardonnay, Sauvignon blanc, Syrah, Sémillon und Pinot noir. Cabernet steht vor allem in Maipo, Rapel und Maule. Die anderen Sorten genießen weit geringere Verbreitung.

Dabei sind alle Zahlenangaben mit Vorsicht zu genießen, denn in Chile herrschte bis vor wenigen Jahren bei zwei Sorten heillose Konfusion: beim Merlot und beim Sauvignon blanc. In der Tat ist der größte Teil der Flächen, die früher dem Merlot zugeschrieben wurden, mit Carmenère, einer alten Bordeaux-Sorte, bestockt, und selbst die Chilenen schütteln heute nur noch den Kopf bei dem Gedanken, diese beiden Sorten jahrzehntelang verwechselt zu haben. Was dagegen als Sauvignon blanc betrachtet wurde, war zum Teil nichts anderes als Sauvignonasse, in Italien auch als Tocai friulano bekannt.
   

Nur schwer verständlich ist die jahrzehntelange Verwechslung zwischen Carmenère (li) und Merlot (re, mit der breiteren Traubenschulter und den dunkleren Blättern), zumal, wenn man bedenkt, dass der Merlot mehr als einen Monat früher als Carmenère reift. Wer beide Sorten zusammen erntete, konnte in der Vergangenheit nur grüne, unreife Carmenère-Trauben einbringen. Erst seit 1999 wird Carmenère als eigenständige Rebsorte anerkannt und reinsortig gefüllt. Das beste Anbaugebiet für die Sorte ist Colchagua, wo die Hälfte der 2.200 Hektar stehen, die in Chile insgesamt mit Carmenère bestockt sind.

  

Maipo oder nicht Maipo - Die Anbaugebiete

Das nördlichste Weinbaugebiet, das von Aconcagua, besteht unter klimatischen Gesichtspunkten aus zwei Zonen: dem Valle del Aconcagua selbst, das eines der heißesten und trockensten Gebiete des Landes ist – hier arbeiten einige der renommiertesten Betriebe wie Errazuriz und Caliterra, die ihre Trauben jedoch teilweise aus anderen Teilen des Valle Central beziehen – und aus dem Casablanca-Tal. Gemäß offizieller Lesart ist Casablanca, wo aufgrund der vom Meer hereinziehenden Nebel ein relativ kühles, gemäßigtes Klima herrscht, vor allem ein Weißweingebiet, in dem fruchtiger Chardonnay und Sauvignon blanc erzeugt werden. Tatsächlich überzeugen aber gelegentlich die Rotweine vor allem von höheren Hanglagen mehr als die Weißen, und so mancher Chardonnay aus dem südlicheren Cachapoal wirkt kohärenter, strukturierter und komplexer als alle Casablanca-Chardonnays. Dieses Bild findet man vor allem beim riesigen Veramonte-Weingut  im oberen Casablanca-Tal bestätigt, dessen Rote aus Cabernet Sauvignon und Merlot zu den besten des Landes gehören, während die Weißen zwar fruchtig, aber auch einfacher gestrickt sind.

Das Tal des Rio Maipo das direkt an die Hauptstadt Santiago angrenzt, ist mit seinen Schwemmland- und Lehmböden das wahrscheinlich bekannteste Weinbaugebiet Chiles. Da Herkunftsbezeichnungen jedoch vor 1995 nicht gesetzlich geschützt waren, wurde viel Wein, der gar nicht aus dem Maipo-Tal selbst stammte, unter diesem Namen verkauft – eine Irreführung des Verbrauchers, der inzwischen ein Ende gesetzt wurde. Entwicklungsmöglichkeiten bietet das Tal kaum noch, da viele gute Weinbergsflächen in den letzten Jahren von der galoppierenden Urbanisierung des Umfelds der Hauptstadt aufgefressen wurden.

Hier haben die meisten der renommierten Güter und Kellereien des Landes ihren Hauptsitz und ihre wichtigste Produktionsstätte: Almaviva, der Gigant Concha y Toro, William Fèvre, Los Vascos, Cousiño Macul, Odfjell Vineyards, Los Vascos, Carmen, Tarapaca und der Betrieb der Bordeaux-Stars Pontallier und Prats, Aquitania. Auch eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des chilenischen Weinbaus, Alejandro Hernandez, betreibt hier sein Weingut mit dem klingenden Namen Portal del Alto. Seine Weinpalette reicht von Chardonnay über Carmenère bis Cabernet Sauvignon und zeichnet sich durch sehr gleichmäßige Qualitäten aus. Insbesondere mit den Jahrgängen 99 und 2000 haben die Weine gute Dichte und Komplexität erreicht.

Alejandro Hernandez, Eigner des Weinguts Portal del Alto, einem der Spitzenbetriebe des Maipotals, ist im Hauptberuf Professor an der Universität von Santiago und gilt als einer der besten Kenner des chilenischen Weinbaus.

  
Colchagua und Cachapoal

Etwas gemäßigter als in Maipo ist das Klima in der im Süden angrenzenden Anbauregion Valle del Rapel, wo vor allem Semillon und Cabernet Sauvignon kultiviert werden. Zu Rapel gehört Cachapoal, ein Gebiet, das erst am Anfang seiner Entwicklung steht und nicht nur enormes Qualitätspotenzial besitzt, sondern auch noch Raum für weitere Weinbergsanlagen bietet. Den Beweis für die Möglichkeiten des Gebiets, dessen schottrige, karge Kiesböden fast ständig bewässert werden müssen, da hier nur 400 mm Niederschläge im Jahr fallen, liefern die Weine von Viña de Larose, das zu Château Larose-Trintaudon im Bordeauxgebiet gehört. Rote und Weiße (Cabernet, Chardonnay, Sémillon) gleichermaßen stehen hier auf sehr hohem Niveau, und der Chardonnay Leyenda, einer der besten Chiles, kann gleich auch noch als Beleg dafür dienen, dass Casablanca durchaus nicht das einzige Anbaugebiet mit Weißweinpotenzial ist.

Die südliche Hälfte von Rapel heißt Colchagua. Hier ist der Weinbau im letzten Jahrzehnt zum dominierenden Wirtschaftszweig geworden. Im Umkreis des Städtchens Santa Cruz findet man Betriebe wie Viña Lapostolle, das zu Grand Marnier gehört und sich durch Merlot und wiederum Chardonnay einen guten Namen gemacht hat. Einige der schönsten Weine der Gegend kommen derzeit von Viña Montgras und von Casa Silva. Dichte und intensive Carmenère, der übliche Sauvignon, ein überragender Malbec (von Montgras), sowie die beiden Spitzenroten Ninquén (Montgras) und Altura (Casa Silva) und nicht zuletzt wieder dicht-fruchtige, elegante Chardonnays sind die Stärken der beiden Erzeuger. Auch El Huique, Ravanal, Santa Laura, Viu Manent und Joel Bouchon arbeiten auf sehr hohem Niveau und machen aus Colchagua den derzeit größten Konkurrenten von Maipo, was Klasse und Renommée der Weine betrifft. 

Kühler, feuchter Süden

Je weiter man in den Süden kommt, desto kühler und feuchter wird es, und desto mehr dominiert wieder die Sorte Paìs auf den Rebfeldern. Im Gebiet von Curicò gibt es derzeit noch nicht allzu viel zu bestaunen. Allenfalls die Weine von Alempue und die Biowein-Linie von La Fortuna zeigen etwas überdurchschnittliche Qualität. Bio-Weinbau spielt in Chile im Übrigen fast kaum eine Rolle, und das liegt nicht nur am Desinteresse der Konsumenten, sondern auch daran, dass aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen ohnehin kaum je gespritzt werden muss.

Interessanter wird es dann wieder im Valle del Maule, wo mit Terranoble und der Domaine Oriental zwei absolute Spitzenbetriebe agieren. Insbesondere die 2000er Gran Reserva-Roten von Terranoble und der rote Donoso der Domaine Oriental lassen für die Zukunft dieses Gebiets hoffen. Gute Qualitäten und noch besseres Preis-Leistungs-Verhältnis zeigen auch die Weine von Cremaschi Barriga (Cremaschi Furlotti) und die der Genossenschaft in Cauquenes.

Das südlichste und größte Weinbaugebiet des Landes, Bìo-Bìo, das knapp 400 Kilometer südlich von Santiago liegt, muss zusätzlich zu seiner extremen geographischen Lage auch auf den Schutz gegen den klimatischen Einfluß der kalten Meeresströmungen des Pazifiks verzichten, da das Zentral-Tal sich hier zum Meer hin öffnet. Das Resultat sind wenig überzeugende Weinqualitäten und eine für europäische Gaumen wenig interessante Massenproduktion.

Chancen für die Zukunft

Chile hat seine Zukunft noch vor sich. Was die Spitze der Produktion betrifft, so können sich chilenische Gewächse heute ohne große Minderwertigkeitskomplexe neben den Top-Weinen aus Kalifornien oder Australien einreihen und genießen dabei noch den Vorteil, nicht ganz so dick und überkonzentriert zu wirken wie mancher der Konkurrenten. Überraschend und positiv ist, dass sich langsam so etwas wie eine Terroir-Idee durchzusetzen scheint, wie man aus Gesprächen mit Alejandro Hernandez erfährt oder wie es sich im Einzellagen-Projekt Ninquén von Montgras widerspiegelt.

Ein großes Potenzial liegt im Carmenère, der nicht nur exzellente Qualitäten hervorbringt, sondern als Sortenwein auch weltweit ohne mögliche Nachahmer ist - die ideale "unique selling proposition", wie Marketing-Strategen in Chile sagen. Dass unter dem Erfolg des Carmenère gelegentlich der nunmehr wirklich reinsortig gekelterte Merlot leidet, dem ein wenig Rückgrat zu fehlen scheint, darf man als "Kollateralschaden" wohl getrost in Kauf nehmen. Vielversprechend sind auch Cuvées aus Cabernet Sauvignon, Carmenère und evtl. anderen Sorten, die der alten Weinbauregel gehorchen, dass in nördlichen, kalten Anbaugebieten die besseren Sortenweine, in wärmeren - und dazu gehört Chile - dagegen die besseren Cuvées zu erzeugen sind.

Bei den Weißen ist man versucht, Chile zuzurufen, doch eher solche Weine zu keltern, die dem Klima entsprechen, das heißt kräftige, exotische, intensive Chardonnays und Sémillons, anstatt sich in der vergeblichen Kunst des frisch-fruchtigen Sauvignons zu versuchen, der meist nur unreif und zu dünn geraten kann. Chiles Weinbau ist derzeit noch vom Billig-Image geprägt, hat aber schon heute weit mehr zu bieten als nur billige, angenehme Alltagsweine. Einige der Prestige-Füllungen erreichen ja tatsächlich schon ein beachtliches Preisniveau, aber insgesamt erscheint das Preisgefüge weit weniger solide und etabliert, als in Kalifornien und Australien, wo man allerdings die Übertreibungen in Richtung Phantasiepreise beklagen muss. Noch gibt es in Chile Weltklasse zu Spottpreisen, aber die chilenischen Marketing-Strategen werden sich in nächsten Jahren sicherlich um eine Korrektur dieses Billig-Images bemühen.

In den letzten Jahren haben sich in Chile auch Anfänge eines Weintourismus entwickelt. Im Bild das wunderschöne Plaza-Hotel in Santa Cruz, das vollständig auf Wein ausgerichtet ist. Ein eigener Weinladen mit allen wichtigen Gewächsen Chiles, ein gutes Restaurant mit hervorragender Weinkarte und Ausflüge in die umgebenden Weinbaugebiete gehören zu den Angeboten dieses "Weinhotels".

Die wichtigsten Erzeugerbetriebe

Adressen und Detailinformationen der wichtigsten Erzeugerbetriebe finden Sie in unserer Weingutsdatenbank.

 

Die bisherigen Reportagen und Portraits

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Verzeichnis nach Ländern

Allgemeines Bio allein macht keinen guten Wein (2003)
Die Gesundheitsdebatte (2003)
Verkannte Neuzüchtungen (2002)
Kork - Die unendliche Geschichte (2002)
 
Australien Neue Welt mit Charme - Hunter Valley (2003)
Weinbau in den Roaring Fourties - Tasmanien (2002)
Edle Tropfen in down under - Südaustralien (2001)
 
Chile Die Erben der Konquistatoren (2002)
  
Deutschland Weingut direkt ... aus dem Internet (2004)
Der Bioprofessor vom Mittelrhein (2004)
Weinberg in Not - Homburger Kallmuth (2002)
Aufbruch in der Südpfalz (2002)

Weine von der Hütt' - St. Antony (2002)
Frankreich Klein und begehrt - Les-Baux-de-Provence (2003)
Champagne-sur-Loire - Bouvet Ladubay (2003)

Charles Philipponnat (2003)

Elsass von gestern? (2003)
Chablis - Der andere Chardonnay (2002)

Bordeaux-Connection (2002)

Ein Württemberger im Bordelais (2002)

Monsieur BiB - Bernard Ducourt (2002)

Achterbahn am Rhein - Das Elsass (2002)

Dom Pérignon und die Witwe - Champagne-Story (2000)

Tannat kommt von Tannin - Weine der Gascogne (2000)
Päpste, Händler, Genossen - Das Rhônetal (1999)
Süße, wilde Orchidee - Vanille auf Réunion (1999)
Kleiner Bruder mit Pfiff - Unbekannter Armagnac (1999)
Scharfes Handwerk - Das schönste Messer der Welt (1998)
Neuer Anlauf für Villages - Côtes-du Rhône auf dem deutschen Markt (1998)
Abschied vom deutschen Markt? - Das Elsaß übt sich im freien Fall (1998)
Der schüchterne Superstar - Syrah-Weine an der Rhône (1998)
Das Salz des Lebens - Guérande und seine Salzgärten (1998)
Großbritannien:  Whisky trails - Auf den Spuren der Schnapsbrenner in Schottland (1997)
 
Italien Ureinwohner - Südtirol (2003)
Neuer Wind - La Stoppa (2002)

Mode und Wein - Vittorio Giulini (2002)

Krieg der Stile - Barolo (2002)

Der Kämpfer von La Morra - Elio Altare (2002)

Marketing-Frühling in Südtirol - wein.kaltern (2002)

Im Schatten der Toskana - Die mittelitalienischen Regionen (2000)

Weinkarriere am Brenner - Das Trentino (1999)
Der Erfolg geht weiter - Italiens Prosecco sucht Identität (1998)
Die Revolution auf samtenen Füßen - Das Piemont auf dem Weg in die Moderne (1998)
Karriere mit Grenzen - Franciacorta - Italiens kleine Champagne (1998)
Der schlafende Riese - Das Piave-Gebiet (1998)
Die ideale Weinreise - Portrait des toskanischen Lebensgefühls (1997)
 
Kanada Okanagan - Kanadas Napa Valley (2006) 
Österreich Ambitionierte Genossen - Zantho (2002)
Gestörter Dornröschenschlaf - Stefan Köstenbauer (2002)

Viel Glück gehabt - Willi Bründlmayer (2002)

Miniatur-Toskana - Die Steiermark (1999)
 
Portugal Der Portwein, der keiner ist (2003)
 
Schweiz Energie pur: Marie-Thérèse Chappaz (2002)
 
Spanien Fino, Amontillado oder Oloroso - Jerez sucht seine Zukunft (2002)
Rioja 2002 - zwischen Tradition und Moderne (2002)
Das Jahrzehnt nach der Krise - Rioja wieder im Aufwind (1998)
 
Südafrika Der Visionär vom Kap - Alexander von Essen (2005)
Künstler am Kap - Christoph Dornier (2002)

Ein Land hat Hoffnung - Südafrika Teil 1 (2002)
, Teil 2 (2002)
Ästhet mit Mantra - Hamilton Russel (2002)
  
USA Der alte Mann und der Wein - Mondavi 90 (2003)
Verwöhnter Nordwesten - Washington (2002)

Burgunder-Träume in Carneros (2002)

Gallo - Ein Gigant macht sich schön (2002)

Großes Kalifornien-Dossier - Trends, Betriebe, Sorten, Export (1999)

It never rains in Southern California (1998)

Nicht nur Napa und Sonoma - Weinbau außerhalb Kaliforniens (1998)

 

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Die Weine 

In unserem Archiv finden Sie den ausführlichen Verkostungs-Report aus der Magazin-Ausgabe von Februar 2002 mit insgesamt 250 chilenischen Weinen.
   

Chiles Weinbau

Entwicklung der Rebfläche (ohne Tafeltrauben und Pisco) zwischen 1985 und 2000 (ha)
  

1985

67.132

1990

65.202

1995

55.146

1997

63.550

1998

75.388

1999

85.357

2000

103.876

  
Das Sortenspektrum (ha)