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Zu
den bisherigen Portraits und Reportagen
2004
Der Bioprofessor
vom Mittelrhein
von André Liebe
Weinfreunden ist Randolf Kauer wahrscheinlich
eher wegen seiner Weine ein Begriff. Auf seinem Weingut am Rande
von Bacharach am Mittelrhein keltert der überzeugte Biowinzer
schon seit Jahren, die sich mit den besten des Gebiets messen
können. Mitte letzten Jahres war Kauer dann aus ganz anderem
Grunde Gespräch der interessierten Öffentlichkeit: seine
Dozentenstelle an der Forschungsanstalt Geisenheim wurde in eine
ordentliche Professur umgewandelt - die erste in Deutschland.
André Liebe traf den Bio-Weinprofessor und befragte ihn nach
seinen Ideen und Plänen.

Deutschlands Bioprofessor Randolf Kauer (Foto:
Kauer)
EWW:
Warum wurde gerade jetzt eine eigenständige Professur für
ökologischen Weinbau eingerichtet? Was wird sich dadurch im
Vergleich zu früher ändern?
Kauer:
Die ökologische Landwirtschaft und auch der
ökologische Weinbau sind spätestens seit der
Verabschiedung der EU-Ökolandbauverordnung fest definierte
und kontrollierte Bewirtschaftungssysteme. Die Verbände des
Ökologischen Weinbau und ihre Richtlinien sind schon seit
ihrer Gründung Mitte der 80er Jahre Vorreiter in Sachen
Umweltschutz und haben auch dem integrierten Weinbau
wesentliche Impulse gegeben. Der Fachbereich Weinbau und
Getränketechnologie der Fachhochschule Wiesbaden und die
Forschungsanstalt Geisenheim sind weltweit anerkannt für
Ihre Forschung und Ausbildungstätigkeit. Diplom Ingenieure
für Weinbau und Kellerwirtschaft aus Geisenheim finden Sie
weltweit in vielen Unternehmen der Branche. Da der ökologische
Weinbau derzeit stetig an Aktualität in der Welt zunimmt
und auch hier Fachleute gefragt sind, wurde bereits bei der
letzten Studienreform das Fach Ökologischer Weinbau in die
Reihe der Pflichtvorlesungen aufgenommen. 2002 wurde dann
eine eigene Professur ausgeschrieben und im Frühjahr 2003
besetzt, um einen optimalen Ausbildungsstand in diesem
Sektor zu gewährleisten und notwendige Forschungen
voranzutreiben.
EWW:
Wie beurteilen Sie die derzeitige Situation des ökologischen
Weinbaus in Deutschland, auch im Vergleich zu anderen Ländern,
und sein Entwicklungspotenzial?
Kauer:Der ökologische
Weinbau belegt in Deutschland derzeit nur eine Nische von
ca. 2% der Rebfläche, dennoch liegt Deutschland weltweit
gesehen prozentual an der Spitze. Starke Zuwächse werden
derzeit aus Frankreich und Italien gemeldet, wo zum Teil günstigere
Standortbedingungen für den Ökoweinbau zu finden sind.
Auch in Übersee nimmt das Interesse zu. Ich gehe davon aus,
dass auch in Deutschland noch deutliche Zuwächse möglich
sind, jedoch sind die Anbaubedingungen nicht immer einfach.
Hierdurch wird die Zunahme vermutlich langsamer stattfinden
als bei unseren Nachbarn.
EWW:
Welche Möglichkeiten
haben Sie, Akzeptanz und Bedeutung des ökologischen
Weinbaus weiter auszubauen?
Kauer:Für mich ist es
primär wichtig, unsere Studierenden mit dem ökologischen
Weinbau vertraut zu machen und die zum Teil noch zu feststellbare Scheu oder
Unkenntnis abzubauen. Auch wenn die Ökobewegung in den 80er
ihre Höhepunkte verzeichnen konnte, ist festzustellen, dass
von studentischer Seite derzeit reges Interesse besteht,
auch wenn der ein oder andere noch mit der Umstellung zögert.
Weiterhin stehen natürlich eine Fülle von Fachfragen an,
die ich zusammen mit meinen Kollegen von der
Forschungsanstalt bearbeiten möchte.
EWW:
Ökologisch
erzeugten Weinen haftet häufig der Beigeschmack an, in
Sachen Qualität nicht oder nur begrenzt mit konventionell
vinifizierten Produkten mithalten zu können. Trifft dies
zu? Wenn ja, warum und was müsste geändert werden?
Kauer:Wenn Sie an die
Anfänge des Ökoweinbaus denken, so muss ich Ihnen recht
geben. Zum Glück hat sich das grundlegend gewandelt. Ökologisch
erzeugte Weine stehen den konventionell erzeugten Weinen
qualitativ in nichts nach, dies haben auch unsere langjährigen
Vergleichsuntersuchungen ergeben.Wie im konventionellen
Anbau so sind jedoch auch im Ökoweinbau durchaus
unterschiedliche Qualitäten zu finden. Aktuell finden sich
in den Ranking Listen des deutschen Weinbaus jedoch
zunehmend Ökobetriebe auf den vorderen Plätzen, ein gutes
Zeichen, was das Qualitätstreben des deutschen Ökoweinbaus
angeht.
EWW:
Welche
Auswirkungen hat die ökologische Anbautechnik auf die
Weinqualität? Was sollte oder muss hier noch verbessert
werden?
Kauer:Grundsätzlich
muss festgestellt werden, dass die Weinqualität im Weinberg
entsteht. Nur gut ausgebildete Fachleute verstehen es, die
Reben so zu führen, dass sie zu qualitativer Höchstleistung
imstande sind. Auch die ökologische Anbautechnik hat dies
zum Ziel, sie setzt jedoch mehr auf
Selbstregulationsmechanismen im Anbausystem Weinberg, auf
eine gezielte Humus- und Begrünungswirtschaft sowie
Pflanzenstärkung bei gleichzeitigem Verzicht auf
Massenproduktion. Im Bereich der Pilzbekämpfungsmöglichkeiten
ist derzeit der höchste Forschungsbedarf gegeben, denn die
europäischen Reben sind gegen die eingeschleppten
Krankheiten "Falscher und Echter Mehltau" fast
machtlos. Reduzierung des noch notwendigen Kupfer-und
Netzschwefeleinsatzes stehen bei mir ganz oben auf der
Prioritätenliste, was Forschungsfragen angeht. Die
Umstellung auf resistente Rebsorten hat hierbei die größte
Aussicht auf Erfolg gegen diese Krankheiten, hier eröffnen sich interessante Perspektiven für eine
rasche Problemlösung.
EWW:
Warum sollte
ein Restaurant einen ökologisch erzeugten Wein auf seine
Karte setzen? Gibt es hier einen Zusatznutzen für Gast und
Gastgeber?
Kauer:Ökologisch
erzeugte Weine auf der Weinkarte zu führen sollte eine
Selbstverständlichkeit sein oder werden. Der Gast erhält
hierdurch die Möglichkeit, neben seinen eigenen, direkten
Ansprüchen an die Weinqualität, auch ein Stück
Umweltschutz im Weinbau mit zu unterstützen. Letztlich
kommt ihm und seinen Kindern dies wieder zugute. Wenn Qualität
und Preis stimmig sind, sollte das keine Frage sein. Genügend
erstklassige Erzeuger gibt es mittlerweile, sodaß das frühere
Argument mangelhafter Qualität von Weinen aus ökologischem
Anbau längst nicht mehr zählt.
EWW:
Welches Ziel
haben Sie sich ganz persönlich für Ihre Professur
gesteckt?
Kauer:Zunächst einmal möchte
ich meine Lehrtätigkeit auf diesem Gebiet so ausbauen, dass
bei den Studierenden Interesse am ökologischen Weinbau
geweckt wird und sie erkennen, das es sinnvoll ist dieses
Anbausystem oder auch nur Elemente hieraus für sich selbst
zu übernehmen. Desweiteren stehen Forschungsfragen zum
Kupfer-und Netzschwefeleinsatz oder zur Begrünungsführung
ganz oben auf meiner Liste. Aber auch die Weinqualität wird
mich mit Sicherheit weiter beschäftigen, da der ökologischer Weinbau letztendlich an ihr
gemessen wird. Man könnte auch sagen, der ökologische
Weinbau kann noch optimiert werden. Dazu möchte ich einen
Beitrag leisten.
Unser Punktesystem:
Weine
| -- / ??
|
offen fehlerhafter oder nicht
zu beurteilender Wein (Flaschenproblem) |
| * |
zu einfacher, evtl.
auch leicht fehlerhafter Wein, nicht empfehlenswert |
| ** |
Wein mit einem Minimum
an Qualitäten, akzeptabel wenn im unteren Preisbereich |
| *** |
befriedigender,
ansatzweise typischer Wein, angenehm zu trinken |
| **** |
guter bis sehr guter Vertreter
seiner Art und seines Jahrgangs |
| *****
|
Spitzenwein
von internationalem Format |
| *****
|
Traumweine,
die kleine Elite 1) |
| *
- **** ?
|
nicht
eindeutig zu bewertender Wein |
Weinproben von Eno WorldWine werden
soweit wie möglich unter optimalen Bedingungen, wenn es geht blind
durchgeführt, um eine eventuelle Verfälschung der Resultate,
Voreingenommenheit und Irrtümer auszuschalten. Auch dann aber sind
Verkostungs-Urteile immer nur subjektive Momentaufnahmen und hängen
nicht zuletzt von der Authentizität der Proben ab, die uns präsentiert
werden. Die Redaktion lehnt deshalb jede Haftung für Weine ab, deren
geschmackliche Qualitäten nicht den hier geschilderten Eindrücken
entsprechen. Unsere Bewertungen stellen eine Synthese aus aromatischem
und geschmacklichem Volumen, Typizität, Alterungsfähigkeit und
Trinkgenuss dar. Eno-Verlag distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt
aller evtl. in diesen Reports verlinkten Seiten und übernimmt keinerlei
Verantwortung für die Verfügbarkeit der Weine sowie
für den Geschäftsverkehr mit den jeweiligen Firmen wird keine Haftung
übernommen.
1) Die
Unterscheidung zwischen Spitzen- und Traumweinen wird erst in unseren
Verkostungsreports ab Januar 2003 getroffen. Im Datenbank-Archiv sind
diese Traumweine mit *****+ gekennzeichnet.
Unser Punktesystem:
Weingüter
Die große Zahl von Verkostungen, die wir
in den letzten Jahren durchführen konnten, erlaubt es uns, auf dieser Basis jetzt auch die
Erzeugerbetriebe insgesamt zu bewerten. Um
diese Wertung deutlich gegenüber der Weinbewertung abzusetzen, vergeben
wir für Erzeuger maximal drei Sterne (@,
in älteren Reports auch P),
allerdings mit Zwischenstufen. Diese Weingutsbewertungen sind natürlich nur dort möglich, wo
wir eine gewisse Mindestanzahl Weine bzw. Jahrgänge verkosten konnten und
stellen eine Langzeitbewertung auf Basis der letzten 10 - 15 Jahrgänge dar, die vom Eindruck eines
bestimmten Tastingreports, d. h. einer Momentaufnahme, abweichen kann. Um die aktuelle Leistungsfähigkeit
eines Erzeugers korrekt einschätzen zu können, sollten daher immer
sowohl die Langzeitbewertung als auch die konkreten
Verkostungsergebnisse berücksichtigt werden.
| @@@ |
Die kleine
Elite der Region und des Landes, gehört zu den Spitzenweingütern
der Welt |
| @@ |
Sehr gute
Erzeuger mit stabiler Qualität |
| @ |
Erzeuger mit
meist guten Weinqualitäten |
| @ |
halbe Sterne |
EWW-Weinkategorien:
Um unseren Lesern jenseits aller
Herkunftsbezeichnungen und Geschmacksangaben auf den Etiketten einen
Hinweis zu geben, zu welchem Geschmackstyp die verkosteten Weine
gehören, haben wir das Weinspektrum in 14 Kategorien
eingeteilt, die ab 2006 hin und wieder zusätzlich zu den Bewertungen angeführt werden:
| 1 |
Leichte,
trockene Weißweine |
| 2 |
Kräftige,
trockene Weißweine |
| 3 |
Roséweine |
| 4 |
Leichte,
fruchtbetonte Rotweine |
| 5 |
Fruchtbetonte,
kräftige Rotweine |
| 6 |
Tanninbetonte,
kräftige Rotweine |
| 7 |
Schwere,
alkoholreiche Rotweine |
| 8 |
Deutlich
restsüße bzw. süße Weißweine |
| 9 |
Liebliche
bzw. süße Rotweine |
| 10 |
Edelsüße
und Eis-/Strohweine |
| 11 |
Trockene Likörweine |
| 12 |
Süße Likörweine |
| 13 |
Perlweine |
| 14 |
Schaumweine |
Natürlich ist eine solche, grobe
Kategorisierung zwangsläufig immer unvollkommen. Innerhalb jeder
einzelnen Gruppe wären beispielsweise Untergruppen vorstellbar. Man
könnte bei den leichten, trockenen Weißen zwischen den aromatisch
neutraleren und den Bukettweinen mit ausgeprägtem Sortenduft
unterscheiden. Bei den Edelsüßen könnte man darüber streiten, ob
nicht eine Unterteilung in alkoholschwache und alkoholreiche Weine
sinnvoll wäre, und bei den alkoholreichen Roten darüber, ob ihr nur
spezielle Weintypen wie der italienische Amarone angehören oder
generell alle Rotweine aus heißen Anbaugebieten bzw. heißen Jahren,
wenn sie ebenfalls hohe Gradationen erreichen. Aber eine solche,
weitergehende Untergliederung würde dem wichtigsten Nutzen dieser
Einteilung zuwider laufen – dem nämlich, dem Verbraucher eine erste
Orientierung im Ozean der Weintypen zu bieten.
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