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Zu den bisherigen Portraits und Reportagen     

 

2002 

 

Burgunder-Träume

von André Liebe

Mit Träumen ist es so eine Sache. Manche erfüllen sich nie, bei anderen wiederum dauert es eine halbe Ewigkeit bis sie endlich Realität werden. Bei Walter Schug dauerte es immerhin dreiundreißig Jahre, bis er sich seinen größten Traum, einen der, wie er glaubt, besten Pinot noirs auf Erden zu produzieren, erfüllen konnte. Dass dieser Spätburgunder ihn, den Deutschen aus dem Rheingau, zeitlebens faszinierte, muss nicht verwundern, eher schon die Tatsache, dass er sein Meisterstück erst in Kalifornien verwirklichen konnte, wo lange Zeit guter Rotwein nur aus Cabernet oder Merlot gekeltert wurde.


Weinberge und Weingut von Walter Schug im Carneros Gebiet, dessen Klima entscheidend von den 
morgendlichen Nebeln der nahen Bay Area geprägt wird. ( Fotos: E. Supp, Schug Winery)

     

Auf dem Staatsweingut in Assmannshausen, lange Zeit der einzige Ort auf der deutschen Weinkarte, der auch außerhalb der Landesgrenzen für seinen Spätburgunder Anerkennung fand, war Walter Schug quasi mit den roten Pinot-Trauben aufgewachsen. Schugs Vater Ewald hatte das Gut zwischen 1923 und 1959 geleitet. Den Sohn jedoch, der gerade sein Weinbaustudium in Geisenheim abgeschlossen und erfolgreich ein Praktikum bei der Genossenschaft California Grape Products Corporation in Delano hinter sich gebracht hatte, hielt es nicht in den heimatlichen Gefilden. Schon 1961 lockte ihn der Ruf aus der damals noch geheimnisvollen Neuen Weinwelt. 

Vom Rheingau nach Carneros

Im Carneros-Gebiet, einem der kleinsten Anbaugebiete an der amerikanischen Westküste, eine knappe Autostunde nördlich von San Francisco und am Südzipfel der berühmten Napa und Sonoma Valleys, besitzt Walter Schug heute einen 17-Hektar-Betrieb, auf dem er neben einem respektablen Chardonnay, etwas Sauvignon blanc und ebenfalls bemerkenswerten Cabernet Sauvignon und Merlot vor allem eines erzeugt: einen Pinot Noir, der es mit den besten Gewächsen des Burgund aufnehmen kann.

Man schrieb das Jahr 1961, als sich Walter Schug entschloss, den Rheingau hinter sich zu lassen. Am 6. April des Jahres ging er mit seiner Frau Gertrud in New York von Bord des Dampfers “Bremen“. Der Weinbau in Kalifornien lag zu dieser Zeit am Boden, und die Nachwirkungen der Prohibition waren noch allgegenwärtig. Auch 30 Jahre nach Al Capones besten Tagen litt die Branche unter einem miserablen Ruf. “Es fehlte überall an Fachkräften mit einer fundierten Ausbildung. Die Chancen für Europäer waren einfach enorm“, erinnert sich Walter Schug und fügt nicht ohne Stolz hinzu: “Deshalb hatte ich von Anfang an auch eine leitende Position inne.“


Walter Schug auf der ProWein Düsseldorf im März 2002, wo er seine Roten und Weißen aus Burgundersorten vorstellte (li). Ein Stück Rheingau im nördlichen Kalifornien hat er sich, vierzig Jahre nach dem Auszug aus der Heimat Assmannshausen, mit seinem Weingutsgebäude im Fachwerk-Stil verwirklicht.

Fünf Jahre arbeitete der junge Rheingauer bei der Genossenschaft, die ihm noch aus dem Praktikum heraus einen Job angeboten hatte. Anschließend hatte er bis 1973 bei Ernest und Julio Gallo die Überwachung der Vertragsbetriebe in Napa, Sonoma und Mendocino County unter seinen Fittichen. Seinem Traum allerdings, einen perfekten Pinot zu produzieren, war er in dieser Zeit noch nicht viel näher gekommen. Viel zu sehr waren die Amerikaner noch damit beschäftigt, der Weinwelt ihren eigenen, kalifornischen Weinstil zu präsentieren. Es war der Stil der wuchtigen, vom Holzausbau geprägten Chardonnays und nicht minder gewaltiger Cabernets. Wollte Walter Schug in jenen Tagen einen ordentlichen Pinot noir trinken, blieb ihm keine andere Wahl, als eine Flasche aus Frankreich zu entkorken. 

Kellermeister bei Joseph Phelps

Anfang der siebziger Jahre verschlug es Schug dann zu Joseph Phelps, einem Betrieb, der noch heute zu den besten des Napa Valley gehört, und wo er als stellvertretender Direktor arbeitete. Hier sorgte er schon rasch mit zwei ungewöhnlichen Weinen für Aufsehen. “Ich habe den ersten Syrah der USA vinifiziert und auch den ersten kalifornischen Top-Cabernet.“ Trotz des Erfolgs aber träumte er noch immer davon, endlich mit dem Pinot Ernst machen zu können. “Mein Herz schlug und schlägt für diese Rebsorte, weil sie unvergleichliche Finesse und Eleganz bietet. Statt für Power und Wucht steht sie für delikate Aromen“, beschreibt er die große Liebe. 

1980 gab der Chef seinem Kellermeister schließlich grünes Licht. Schug pachtete einen ersten Weinberg, schuf seine eigene Marke und durfte den ersten Pinot noir in den Kellern von Phelps ausbauen. Danach ging es Schlag auf Schlag weiter. Das Ergebnis der ersten Versuche und die Resonanz machten ihm so viel Mut, dass er am 1. Januar 1984 seinen eigenen Betrieb gründete. Pech für Phelps, der seinen besten Mann verloren hatte! Nur fünf Jahre später erwarb Walter Schug 20 Hektar Weinbergsfläche im Carneros-Gebiet und 1991 bezog er das eigene Weingut, die Schug Carneros Estate Winery.

Nicht ein einziges Mal in den über vierzig Jahren, die Schug inzwischen in den USA verbracht hat, verschwendete er einen ernsthaften Gedanken an die Rückkehr nach Deutschland. Neben seiner Frau Gertrud sind heute auch zwei der drei Kinder im Weingeschäft aktiv: Sohn Axel arbeitet als Marketing-Manager für den Vater und Tocher Claudia, die den Deutschen Christoph Schütz heiratete und sich in Deutschland niederließ, gründete eine Weinimport-Firma, die natürlich Papas edle Tropfen auf dem deutschen Markt vertreibt.

Ideales Pinot-Terroir

Zufall war es übrigens nicht, dass Schug seinen Betrieb ausgerechnet in dem damals noch wenig bekannten Carneros gründete: "Es ist das erste Anbaugebiet der Welt, das einzig wegen des Terroirs und nicht auf Grund politischer Entscheidungen ausgewiesen wurde", betont er. In der Tat bietet der Carneros District klimatische Besonderheiten, die stark an die Champagne und ans Burgund erinnern. Dies liegt vor allem an der nahen San Francisco Bay. "Durch den Einfluss des Wassers sind die Winter hier wärmer, was uns im Frühjahr einen relativ raschen Austrieb beschert," erklärt Schug und fügt hinzu: "Im Sommer und Herbst findet dann der Kampf des Nebels statt." Ein Spezifikum, das entsteht, wenn die kalte Luft des Pazifik auf die Hitze des Binnenlands trifft, und das dafür sorgt, dass sich der Reifeprozess der Trauben auf natürliche Weine verlangsamt.

"Wir lesen", so Schug, "bis zu 20 Tage später als im Napa Valley. Das ergibt bessere Extraktwerte und intensivere Fruchtaromen." Ideale Voraussetzungen also für den Pinot noir, die empfindliche Sorte, die nur dann Spitzenresultate bringt, wenn das Wechselspiel zwischen Warm und Kalt stimmt. "Ich bin nur wegen des Klimas nach Carneros gegangen. Alles andere ist für den Wein sekundär", betont Schug.


Die drei Protagonisten der Schug Carneros Estate Winery, 
Schug-Sohn Axel, der Gründer selbst und Weinmacher Michael Cox.

Hinter der Fassade des heimeligen Fachwerk-Imitats, das auf einem Hügel mit prächtigem Blick hinüber ins Sonoma Valley errichtet wurde, verbirgt sich modernste Kellertechnik, die Schug allerdings - wenn nichts Besseres auf dem US-Markt zu finden ist - gerne auch aus "good old Germany" holt. Walter Schug ist ein Weinmacher, der konsequent das Wissen des tradierten Weinbaus mit den Errungenschaften der modernen Technik paart. Die Grundlage seiner Weinqualität aber sind für ihn immer noch die Weinberge. "Im Weinberg können wir immer noch neue Erfahrungen sammeln, ob bei der Unterlage, der Klonenselektion oder bei der Frage, ob die Sorte wirklich am richtigen Platz ausgepflanzt wurde."

Deshalb hat Schug auch in den vergangenen 15 Jahren seine Anlagen mit neuen Pinot-Klonen aus Frankreich aufgefrischt. Französisch, so sein "winemaker" Michael Cox, ist auch seine ganze Philosphie, was ihn von der Mehrheit seiner kalifornischen Kollegen unterscheidet. Was er damit meint, wird schnell klar. Schugs Weine fallen nie wuchtig und übermäßig holzbetont aus. Dies wird vor allem beim Chardonnay deutlich, dessen einfachster Vertreter im Stahltank ausgebaut wird und nur zur Abrundung kurz in 3.000-Liter-Fässern lagert. Selbst für den Spitzenwein "Chardonnay Heritage Reserve", der im Barrique gärt und bis zu zwölf Monate in den kleinen Fässchen lagert, verwendet Schug nut 35 Prozent neue Eiche.

Drei Mal Pinot nero

Der Chardonnay übrigens erlaubte Schug erst den Sprung an die Spitze. "Das war einmal unsere dominierende Rebsorte," erklärt Schug, "und angesichts des internationalen Chardonnay-Booms hatten wir auch gar keine andere Wahl. Schließlich musste mein Pinot-Hobby ja irgendwie bezahlt werden." Inzwischen jedoch wird die Chardonnay-Menge langsam zu Gunsten des Roten zurückgefahren. 

Seine Passion für den Burgunder brachte Schug anfänglich nicht nur Anerkennung ein. Typisch deutsch, einer der immer alles besser weiß, dachten und sagten die Kollegen. Das Ergebnis aber belehrte sie eines Besseren. Denn die drei Pinots des deutschen Besserwissers genießen inzwischen weithin Anerkennung. Der zarteste des Trios aus dem Sonoma Valley wird im Stahltank vergoren und ein halbes Jahr im großen Holz ausgebaut. Das Ergebnis: ein Wein voller Frucht mit erstaunlicher Länge. Der ungleich dichtere, extraktvollere Carneros-Pinot wird nach zwei Monaten in mittelgroßen Fässern noch ein Dreivierteljahr in Barriques gelegt.

Eine Sonderbehandlung genießen die Trauben für den Spitzen-Roten Schugs, den Pinot noir Carneros Heritage Reserve. Das beginnt schon bei der Gärung, während der alle sechs Stunden umgepumpt wird. Zwei Monate dauert der biologische Säureabbau in großen Fässern, und anschließend wird ein Drittel des Weins in neuen Barriques als Allier- und Vogesen-Eiche, zwei Drittel in gebrauchten Fässern gelagert. Der Lohn für die Mühe ist ein Wein mit dichten Aromen und markanter Frucht, mit nicht enden wollendem Abgang am Gaumen.

Die Weine von Walter Schug werden in Deutschland von Weinimport Schütz - Schug Europe in D - 58300 Wetter vertrieben.

 

Unser Punktesystem: Weine
 
-- / ?? offen fehlerhafter oder nicht zu beurteilender Wein (Flaschenproblem)
* zu einfacher, evtl. auch leicht fehlerhafter Wein, nicht empfehlenswert
** Wein mit einem Minimum an Qualitäten, akzeptabel wenn im unteren Preisbereich 
*** befriedigender, ansatzweise typischer Wein, angenehm zu trinken
**** guter bis sehr guter Vertreter seiner Art und seines Jahrgangs
***** Spitzenwein von internationalem Format
***** Traumweine, die kleine Elite 1)
* - **** ? nicht eindeutig zu bewertender Wein

Weinproben von Eno WorldWine werden soweit wie möglich unter optimalen Bedingungen, wenn es geht blind durchgeführt, um eine eventuelle Verfälschung der Resultate, Voreingenommenheit und Irrtümer auszuschalten. Auch dann aber sind Verkostungs-Urteile immer nur subjektive Momentaufnahmen und hängen nicht zuletzt von der Authentizität der Proben ab, die uns präsentiert werden. Die Redaktion lehnt deshalb jede Haftung für Weine ab, deren geschmackliche Qualitäten nicht den hier geschilderten Eindrücken entsprechen. Unsere Bewertungen stellen eine Synthese aus aromatischem und geschmacklichem Volumen, Typizität, Alterungsfähigkeit und Trinkgenuss dar. Eno-Verlag distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt aller evtl. in diesen Reports verlinkten Seiten und übernimmt keinerlei Verantwortung für die Verfügbarkeit der Weine sowie für den Geschäftsverkehr mit den jeweiligen Firmen wird keine Haftung übernommen.

1) Die Unterscheidung zwischen Spitzen- und Traumweinen wird erst in unseren Verkostungsreports ab Januar 2003 getroffen. Im Datenbank-Archiv sind diese Traumweine mit *****+ gekennzeichnet.

Unser Punktesystem: Weingüter

Die große Zahl von Verkostungen, die wir in den letzten Jahren durchführen konnten, erlaubt es uns, auf dieser Basis jetzt auch die Erzeugerbetriebe insgesamt zu bewerten. Um diese Wertung deutlich gegenüber der Weinbewertung abzusetzen, vergeben wir für Erzeuger maximal drei Sterne (@, in älteren Reports auch P), allerdings mit Zwischenstufen. Diese Weingutsbewertungen sind natürlich nur dort möglich, wo wir eine gewisse Mindestanzahl Weine bzw. Jahrgänge verkosten konnten und stellen eine Langzeitbewertung auf Basis der letzten 10 - 15 Jahrgänge dar, die vom Eindruck eines bestimmten Tastingreports, d. h. einer Momentaufnahme, abweichen kann. Um die aktuelle Leistungsfähigkeit eines Erzeugers korrekt einschätzen zu können, sollten daher immer sowohl die Langzeitbewertung als auch die konkreten Verkostungsergebnisse berücksichtigt werden.

@@@ Die kleine Elite der Region und des Landes, gehört zu den Spitzenweingütern der Welt
@@ Sehr gute Erzeuger mit stabiler Qualität
@ Erzeuger mit meist guten Weinqualitäten 
@ halbe Sterne 

EWW-Weinkategorien:

Um unseren Lesern jenseits aller Herkunftsbezeichnungen und Geschmacksangaben auf den Etiketten einen Hinweis zu geben, zu welchem Geschmackstyp die verkosteten Weine gehören, haben wir das Weinspektrum in 14 Kategorien eingeteilt, die ab 2006 hin und wieder zusätzlich zu den Bewertungen angeführt werden:

1 Leichte, trockene Weißweine 
2 Kräftige, trockene Weißweine
3 Roséweine
4 Leichte, fruchtbetonte Rotweine
5 Fruchtbetonte, kräftige Rotweine
6 Tanninbetonte, kräftige Rotweine
7 Schwere, alkoholreiche Rotweine
8 Deutlich restsüße bzw. süße Weißweine
9 Liebliche bzw. süße Rotweine
10 Edelsüße und Eis-/Strohweine
11 Trockene Likörweine
12 Süße Likörweine
13 Perlweine
14 Schaumweine

Natürlich ist eine solche, grobe Kategorisierung zwangsläufig immer unvollkommen. Innerhalb jeder einzelnen Gruppe wären beispielsweise Untergruppen vorstellbar. Man könnte bei den leichten, trockenen Weißen zwischen den aromatisch neutraleren und den Bukettweinen mit ausgeprägtem Sortenduft unterscheiden. Bei den Edelsüßen könnte man darüber streiten, ob nicht eine Unterteilung in alkoholschwache und alkoholreiche Weine sinnvoll wäre, und bei den alkoholreichen Roten darüber, ob ihr nur spezielle Weintypen wie der italienische Amarone angehören oder generell alle Rotweine aus heißen Anbaugebieten bzw. heißen Jahren, wenn sie ebenfalls hohe Gradationen erreichen. Aber eine solche, weitergehende Untergliederung würde dem wichtigsten Nutzen dieser Einteilung zuwider laufen – dem nämlich, dem Verbraucher eine erste Orientierung im Ozean der Weintypen zu bieten.

Die bisherigen Reportagen und Portraits

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Verzeichnis nach Ländern

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Die Gesundheitsdebatte (2003)
Verkannte Neuzüchtungen (2002)
Kork - Die unendliche Geschichte (2002)
 
Australien Neue Welt mit Charme - Hunter Valley (2003)
Weinbau in den Roaring Fourties - Tasmanien (2002)
Edle Tropfen in down under - Südaustralien (2001)
 
Chile Die Erben der Konquistatoren (2002)
  
Deutschland Weingut direkt ... aus dem Internet (2004)
Der Bioprofessor vom Mittelrhein (2004)
Weinberg in Not - Homburger Kallmuth (2002)
Aufbruch in der Südpfalz (2002)

Weine von der Hütt' - St. Antony (2002)
Frankreich Klein und begehrt - Les-Baux-de-Provence (2003)
Champagne-sur-Loire - Bouvet Ladubay (2003)

Charles Philipponnat (2003)

Elsass von gestern? (2003)
Chablis - Der andere Chardonnay (2002)

Bordeaux-Connection (2002)

Ein Württemberger im Bordelais (2002)

Monsieur BiB - Bernard Ducourt (2002)

Achterbahn am Rhein - Das Elsass (2002)

Dom Pérignon und die Witwe - Champagne-Story (2000)

Tannat kommt von Tannin - Weine der Gascogne (2000)
Päpste, Händler, Genossen - Das Rhônetal (1999)
Süße, wilde Orchidee - Vanille auf Réunion (1999)
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Das Salz des Lebens - Guérande und seine Salzgärten (1998)
Großbritannien:  Whisky trails - Auf den Spuren der Schnapsbrenner in Schottland (1997)
 
Italien Ureinwohner - Südtirol (2003)
Neuer Wind - La Stoppa (2002)

Mode und Wein - Vittorio Giulini (2002)

Krieg der Stile - Barolo (2002)

Der Kämpfer von La Morra - Elio Altare (2002)

Marketing-Frühling in Südtirol - wein.kaltern (2002)

Im Schatten der Toskana - Die mittelitalienischen Regionen (2000)

Weinkarriere am Brenner - Das Trentino (1999)
Der Erfolg geht weiter - Italiens Prosecco sucht Identität (1998)
Die Revolution auf samtenen Füßen - Das Piemont auf dem Weg in die Moderne (1998)
Karriere mit Grenzen - Franciacorta - Italiens kleine Champagne (1998)
Der schlafende Riese - Das Piave-Gebiet (1998)
Die ideale Weinreise - Portrait des toskanischen Lebensgefühls (1997)
 
Kanada Okanagan - Kanadas Napa Valley (2006) 
Österreich Ambitionierte Genossen - Zantho (2002)
Gestörter Dornröschenschlaf - Stefan Köstenbauer (2002)

Viel Glück gehabt - Willi Bründlmayer (2002)

Miniatur-Toskana - Die Steiermark (1999)
 
Portugal Der Portwein, der keiner ist (2003)
 
Schweiz Energie pur: Marie-Thérèse Chappaz (2002)
 
Spanien Fino, Amontillado oder Oloroso - Jerez sucht seine Zukunft (2002)
Rioja 2002 - zwischen Tradition und Moderne (2002)
Das Jahrzehnt nach der Krise - Rioja wieder im Aufwind (1998)
 
Südafrika Der Visionär vom Kap - Alexander von Essen (2005)
Künstler am Kap - Christoph Dornier (2002)

Ein Land hat Hoffnung - Südafrika Teil 1 (2002)
, Teil 2 (2002)
Ästhet mit Mantra - Hamilton Russel (2002)
  
USA Der alte Mann und der Wein - Mondavi 90 (2003)
Verwöhnter Nordwesten - Washington (2002)

Burgunder-Träume in Carneros (2002)

Gallo - Ein Gigant macht sich schön (2002)

Großes Kalifornien-Dossier - Trends, Betriebe, Sorten, Export (1999)

It never rains in Southern California (1998)

Nicht nur Napa und Sonoma - Weinbau außerhalb Kaliforniens (1998)

 

  

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Die Entdeckung des Monats
Ein Künstler am Kap

von Eckhard Supp
  

Am Hang der Berge von Stellenbosch liegt das Weingut von Christoph Dornier. (Firmenfotos)

Mit Wein und Kunst verbindet sich der Name Dornier, der in den letzten Monaten eher unrühmlich in die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse geraten war, nicht unbedingt. Dennoch haben beide ganz unmittelbar und direkt mit Dornier zu tun, mit Christoph Dornier, dem bekannten Maler, der seine Kunst-Kollektion jetzt um eine nicht weniger gelungene Sammlung südafrikanischer Spitzenweine ergänzt hat.

Dorniers Weine gehörten zu den Überraschungen der diesjährigen Südafrika-Wineshow im Mainzer Hyatt-Hotel, wo sie viel Aufsehen erregten. Dabei ist es noch nicht einmal ein Jahr her, dass der Künstler seine ersten Weine vorstellte. Zuvor hatte der 1938 geborene Deutsch-Schweizer vom Bodensee nur mit seinen Gemälden von sich reden gemacht, in denen er ungewöhnlich gegenständlich und figürlich Gegensätze wie Heiterkeit und Ernst, Tag und Nacht, Erde und All thematisiert.

1995 begann Dornier, sich für Südafrikas Weine zu interessieren und kaufte das erste seiner inzwischen drei Weingüter mit insgesamt 70 Hektar Rebfläche im Gebiet von Stellenbosch am Kap der Guten Hoffnung. Die Wahl der benachbarten Güter verriet schon damals die glückliche Hand: in einer Höhe von 170 bis 200 m ü. M. gelegen, profitieren die Rebflächen von den kühlen Winden, die aus der False Bay nach Stellenbosch herüber wehen. Tiefe, rote und gelbe Granit-Verwitterungsböden bilden ein ideales Feuchtigkeits-Reservoir, was die Trauben stressfrei reifen lässt. 


Die sorgfältig restaurierten Gebäude des Dornier'schen Besitzes wurden im typisch kapholländischen Stil errichtet.

Dorniers Sortenspiegel ist typisch für einen Großteil der modernen, südafrikanischen Weingüter der jüngeren Generation wie Mont du Toit, Mont Destion oder Ken Forrester: Shiraz, Pinotage, Cabernet Sauvignon und Chenin blanc werden ergänzt durch Cabernet franc, Merlot, Semillon und Sauvignon blanc.

Wie die Gemälde, so auch die Weine: farbintensiv, vielschichtig und von reicher Textur! Das  zeigten auch die drei Gewächse, die in Mainz präsentiert wurden. Der vielleicht schönste der drei war ein Cabernet Sauvignon des 2001er Jahrgangs, der reife Frucht mit Pflaumen, Cassis und Schokolade in der Nase zeigte, und am Gaumen von großen, reifen Tanninen exzellent strukturiert war , hinterlegt mit viel süßem Extrakt - einer der besten, wenn nicht gar der beste Wein der Show.

Nicht viel schwächer war auch der Merlot des selben Jahrgangs, der in einer Fassprobe präsentiert wurde und von dichtem, süßem Extrakt geprägt war. Auch die Fassprobe des 2001er Shiraz überzeugte voll und ganz. Alle drei Weine zeigten, dass auch in Südafrika bei voller physiologischer Reife gelesen werden kann, was nicht überall selbstverständlich ist.

Winemaker Ian Naudé, der in Europa, den USA und Neuseeland arbeitete, bevor er wieder in die südafrikanische Heimat zurückkehrte, hat mit den drei Roten eine exzellente Probe seines Könnens abgelegt, die für die Zukunft mehr erwarten lässt. Da die Gesamt-Rebfläche der Dornier'schen Güter bis 2003 auf insgesamt 100 Hektar vergrößert werden soll, kann man davon ausgehen, den Namen Dornier in den nächsten Jahren immer häufiger im Zusammenhang mit Wein erwähnt zu finden.


Gegensätze wie Tag und Nacht, Gegenwart und Zukunft, Sommer und Winter thematisiert Dornier in seinen ungewöhnlich dichten, fast gegenständlichen Gemälden, die von der selben Intensität sind wie die Weine des Künstlers. Die Werke können unter www.dornier.ch/home.html bewundert werden.

Dornier Wines, P. O. Box 7518, STELLENBOSCH 7599, Südafrika,  Tel: 021-8800557, Fax: 021-8801499, e-mail: info@dornierwines.co.za, Website: www.dornierwines.co.za, zu beziehen über: Weingenuss aus Südafrika - Kloos & Kloos, im Internet: www.afrika-wein.de