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verantw gem.§ 6 MDSV
Dr. Eckhard Supp
Firmensitz:
D - 63069 Offenbach
Amtsgericht
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Zu
den bisherigen Portraits und Reportagen
2002
Der Kämpfer von La
Morra Barolo-Erzeuger
Elio Altare von
Eckhard Supp
Dass
ihn der Kampf mitgenommen hat, merkt man noch heute, ein halbes
Jahr nach dem Sieg. Noch immer schwankt Elio Altare zwischen
hektisch-optimistischer Aktivität und tiefen Selbstzweifeln,
Spuren, die die fast zweijährige Auseinandersetzung bei ihm
hinterlassen haben. Dabei ist Altare, Spitzenwinzer im
piemontesischen La Morra, vielleicht der erste oder zumindest
einer der ersten, die von der Korkindustrie jemals eine substanzielle
Entschädigungen für verdorbene Weine erhielten. Und Kampf war Altare
ja durchaus gewohnt, denn der Erfolg fiel dem sympathischen
Starwinzer noch nie in den Schoß. Die Geschichte eines
ungewöhnlichen Barolo-Erzeugers...
Wer Elio Altares Weingut in La
Morra, einer der
Hauptgemeinden des piemontesischen Barolo-Gebiets, heute besucht,
bekommt nicht viel mehr als eine riesige Baustelle zu sehen.
Während im Tiefgeschoss die Arbeiten am letzten und Vorbereitungen
für den neuen Jahrgang laufen, und in der Verkostungsstube eine
Besuchergruppe der nächsten die Klinke in die Hand gibt, hämmern
und werkeln über dem Ganzen Bauarbeiter, Zimmerleute, Klempner und
Poliere, dass es eine Freude ist. Die geschäftige,
manchmal regelrecht hektische Athmosphäre steht in krassem Kontrast
zur Grabesruhe, die hier noch vor wenigen Monaten gelegentlich
herrschte. Wein zu verkaufen hatte Altare damals kaum, in der
Öffentlichkeit präsentierte er sich selten, und den eigenen Keller
betrat er nur noch auf Zehenspitzen, ständig in Angst, Beweise zu
zerstören. Der Grund für den ungewöhnlichen Zustand lag schon
einige Zeit zurück. Im Frühjahr 2000 hatte Altare, aufgeschreckt
durch eigene Verkostungen und Reklamationen, Dutzende von Flaschen
seiner letzten Füllung in verschiedenen wissenschaftlichen
Instituten analysieren lassen. Das Verdikt, das in der Vergangenheit
schon andere Erzeuger getroffen hatte, war eindeutig: Sämtliche
Proben zeigten mehr oder weniger manifeste Korkschmecker.

Vor allem die Unterstützung seiner Frau Lucia, der
beiden Töchter und vieler Kollegen aus La Morra und Umgebung half
Elio Altare über zwei schwierige Jahre hinweg. (alle Fotos: Eckhard
Supp)
Perfektionist und Kämpfer
Aus Altare dem Winzer wurde Altare der Kämpfer. Mit
bis dato nie gesehener Akribie ließ er seinen gesamten Keller bis
auf den letzten Quadratzentimeter nach Spuren von TCA - der Substanz,
die Verursacher des Korkschmeckers ist - untersuchen. Gleichzeitig
verklagte er den deutschen Erzeuger der Korkpartie, mit der er einen
Gutteil seiner besten Lagen-Barolos Jahrgang 1997 und einige
Flaschen des Jahrgangs 1998 verschlossen hatte. Da Altare -
unvorsichtigerweise, wie ihm manche Kollegen ankreideten, aber
hinterher weiß man ohnehin immer alles besser! - nur Korken eines
einzigen Herstellers benutzt hatte, war die Suche nach dem
Schuldigen dabei nicht allzu schwer. Die Sache ging ihren -
in Italien - gewohnten Gang und jedermann, Altare eingeschlossen,
erwartete jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit unsicherem Ausgang.
Dem Starwinzer drohte trotz massiver Solidarität der Kollegen aus
La Morra, trotz der moralischen und finanziellen Hilfe aus der
eigenen Familie, der Konkurs. Aber Altare wäre nicht Altare, wenn
er den Kampf nicht generalstabsmäßig, perfektionistisch angepackt
hätte. Dutzende von Expertisen ließ er anfertigen, und in seinem
Keller durfte praktisch keine Flasche der inkriminierten Füllungen
mehr bewegt, geschweige denn entsorgt werden, um nur ja keine
gerichtsrelevanten Spuren zu vernichten. Es
war nicht das erste Mal, dass Altare um sein Lebenswerk kämpfen
musste. Bereits der Übergang des Weinguts vom Vater auf den Sohn
war ein wahrer Leidensweg gewesen. Das Weingut war 1948 von Elios
Großvater Giuseppe und Vater Giovanni in Dogliani gegründet
worden, wo Elio auch 1950 geboren wurde. Gleich nach der Geburt zog
die Familie dann in die Cascina Nuova, einem Hof der Borgata Pozza
im Ortsteil Annunziata von La Morra. Elio, jüngstes von fünf
Kindern, trat schon frühzeitig in den Betrieb ein und brach dafür
sogar die Schulausbildung ab. Zu dieser Zeit wurde die Cascina Nuova
noch in Mischkultur bewirtschaftet, und Elios erste Aktivitäten
bestanden im ambulanten Verkauf von Pfirsischen und Wein in
Korbflaschen. Der Großteil des Produkts ging damals an die
Genossenschaft Terre del Barolo, in deren Vorstand Elio sogar
zwischen 1969 und 1975 saß.
Prediger des
Modernismus 
Im Jahr seiner Hochzeit mit Lucia entschloss
er sich dann, aus der Coop auszutreten. Die Krise des Weinmarkts -
der Barolo besaß lange nicht das Prestige von heute - ließ ihn
nach neuen Wegen suchen. "Warum kaufen die Leute Wein zu 1.800
Lire bei mir und zu 100.000 Lire im Burgund," fragte sich
Altare, konnte aber noch keine schlüssige Antwort finden. Mehrere
Reisen ins Burgund gaben Ideen, wie die Qualität der Weine und ihre
Herstellung zu ändern seien, aber auch sofort den Konflikt mit dem
Vater. 1978, im ersten guten Jahrgang nach zwei Missernten beschloss
Altare zum ersten Mal Trauben auszudünnen. Der Vater, noch ganz in
der Logik einer Massenproduktion mit Erträgen von über 100
Hektolitern / Hektar verhaftet, enterbte den Sohn, der sich das
Weingut in der Folge von den Geschwistern zurück kaufen musste.

Einen wunderschönen Blick genießt man von der
Terasse der Cascina Nuova, Altares Weingut. Über die Dächer des
Ortsteils l'Annunziata von La Morra schweift der Blick über die
Höhenzüge des Barolo-Gebiets nach Castiglione Falletto und
Serralunga d'Alba bis zur fernen Alta Langa.
Bereits 1983 unternimmt Elio erste Versuche mit dem Ausbau der Weine
in kleinen französischen Eichenholzfässern, die allerdings der
Barbera gelten. Die größte Anerkennung erringt er dagegen mit dem
noch traditionell gemachten Lagen-Barolo Arborina Jahrgang 1982, der
in der Jungfern-Ausgabe des italienischen Weinführers Gambero Rosso
auf Anhieb die damals noch seltenen drei Gläser erhält. Von jetzt
an steigert Altare den Rhythmus seiner Experimente von Jahr zu Jahr.
Die Maischestandzeiten werden dramatisch verkürzt - statt der
früher üblichen vier oder sechs Wochen läßt Altare den Nebbiolo
in manchen Jahren schließlich nur noch drei oder vier Tage auf den
Schalen ziehen - und der Barrique-Ausbau perfektioniert.
Kurze Maische
und Ausbau im Barrique
Erlauben kann er sich die kurze Mazeration,
weil sein Traubenmaterial aus fast lächerlich niedrigen Erträgen
stammt und deshalb eine Konzentration besitzt, wie man sie im
Barolo-Gebiet früher praktisch nicht kannte. Trotz der Kürze des
Maischens erzielt er gute, nie überkonzentrierte Extrakte von 26
oder 28 g / l, wie sie denen großer Burgunder oder Bordeaux-Weine
entsprechen. Die Bewahrer der Tradition im Gebiet werfen ihm vor,
den "wahren" Barolo verraten zu haben. Worauf Altare nur
kontert: "Ich will Wein machen, der gut ist. Und zwar vom
ersten bis zum letzten Tag. Mich interessiert es nicht, Weine zu
verkaufen, die untrinkbar sind, und bei denen der Verbraucher nur
hoffen kann, dass sie in zehn oder zwanzig Jahren vielleicht etwas
zugänglicher werden."

Die Rebstöcke der Lage Arborina in La
Morra, von der Altares
bekannteste Weine stammen: der Barolo Vigneto Arborina und der
Langhe rosso Vigna Arborina, beide aus Nebbiolo gekeltert.
Der Glaubenskrieg zwischen Modernisten und Traditionalisten ist
heute endgültig vorbei. Beide Lager haben ihre Trümpfe
ausgespielt, und beide brachten in den letzten zehn, fünfzehn
Jahren immer bessere, reicher, komplexere und alterungsfähigere
Weine hervor, die mit den oft ausgezehrten, schon in der Jugend
oxidierten und überalterten Barolos der Vergangenheit nichts mehr
zu tun haben. Auf Seiten der Modernisten, die der
Qualitätsrevolution in der Langa ihre entscheidendenden Impulse
gaben, haben manche - Altare ausgeschlossen - das Rad wieder ein wenig zurückgedreht, auf
Seiten der Traditionalisten die meisten inzwischen auch das Barrique und
kürzere Maischestandzeiten akzeptiert.
Eigentlich hätte Altare in Ruhe die Früchte der Unruhe und der
Arbeit genießen können. Aber er sollte noch einmal kämpfen
müssen, auf einem Feld diesmal, das ganz ungewohnt für ihn war -
dem juristischen. Ende 2001 fand dieser Kampf dann aber ein für ihn
versöhnliches, schnelles Ende. Vor der erdrückenden Last der
Beweise, die Altare gesammelt und hatte sammeln lassen, gab die
Versicherung des beklagten Korkproduzenten nach und willigte ein,
den Großteil des von Altare geltend gemachten Schadens zu ersetzen.

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Die Weine Elio
Altares in unseren Verkostungen:
*****
Barolo Vigneto Arborina 1998: dickes Rot, verschlossen, am Gaumen süße Fülle, Teer, sehr langer und eleganter Wein,
2. Probe: warmes, gutes Rot, intensive Frucht, leicht vegetale Spur, am Gaumen schöne, samtene
Tannine, Frucht, süßer Extrakt, im Abgang typische, schöne Barolo-Aromen *****
VdT La Villa 1999: (Fass) dickes, schwarzes Rubin, tiefe, aber noch verschlossene Nase, großes Extraktpaket mit reifen
Tanninen, langer Abgang *****
Langhe Vigna Larigi 1998: (Fass) dickes Rot, schöne Röstaromen und viel Frucht in der Nase, sehr eleganter Bukettansatz, viel süßer Extrakt, wunderbare Barbera *****
Langhe Vigna Arborina 1999: (Fass) dichtes Rot, Nase noch etwas gestört, süße Fülle mit eleganten
Tanninen, sehr maskuline Retro-Aromen *****
VdT Insieme 1999: dichtes, geschlossenes Rot, die Nase wirkt
zimtig-fruchtig, sehr fein ziseliert, mit Spuren von Vanille, auch Frucht und balsamische Noten,
am Gaumen Fruchtextrakt, Alkohol, reife Tannine, gute Konzentration und Länge,
2. Probe: dichtes, intensives Rot, feine, tiefe Nase, süße, große Fülle, schöne
Tannine, perfekt gearbeiteter, moderner
Wein *****
Barolo 1997: frisches, schönes Rot, sehr feine, tiefe Nase, harmonisch und dicht *****
Barolo Brunate 1998: (Fass) verschlossen, am Gaumen feinwürzig, weiche
Tannine, harmonisch, etwas wenig Tiefe,
2. Probe: dichtes, schönes Rot, Tee, schönes offenes Bukett, dichter, saftiger Körper, schöne Länge im Abgang, besser als in Vorverkostung ****
Langhe Vigna Arborina 1998: gutes, schon recht reifes Rot, Nase mit viel Minze, Backwerk, dichter Körper, sehr reife
Tannine, große Länge im Abgang ****
Langhe Vigna Larigi 1999: (Fass) dickes, schwarzes Brombeerrot, verhaltene Aromen, feste Struktur, leichtes Brennen, Länge, Stoff,
noch etwas klebrige Tannine ****
Barolo 1998: (Fass) dichtes Rot, Tabak, Kraft, elegante
Tannine, sehr schöne Basis,
2. Probe: schönes, noch frisches Rot, saubere, tiefe Nase, Saft, Stoff, gute
Tannine, schöner, moderner Wein ****
Dolcetto d'Alba Cascina Nuova 1999: dichtes Purpur-Rubin, Kirschfrucht, sehr tief, Fülle
und Dichte, harmonischer Wein ****
Barbera d'Alba 2000: schönes, frisches Rot, etwas vegetale Frucht, sauber, Saft, gute Fülle |
Unser Punktesystem:
Weine
| -- / ??
|
offen fehlerhafter oder nicht
zu beurteilender Wein (Flaschenproblem) |
| * |
zu einfacher, evtl.
auch leicht fehlerhafter Wein, nicht empfehlenswert |
| ** |
Wein mit einem Minimum
an Qualitäten, akzeptabel wenn im unteren Preisbereich |
| *** |
befriedigender,
ansatzweise typischer Wein, angenehm zu trinken |
| **** |
guter bis sehr guter Vertreter
seiner Art und seines Jahrgangs |
| *****
|
Spitzenwein
von internationalem Format |
| *****
|
Traumweine,
die kleine Elite 1) |
| *
- **** ?
|
nicht
eindeutig zu bewertender Wein |
Weinproben von Eno WorldWine werden
soweit wie möglich unter optimalen Bedingungen, wenn es geht blind
durchgeführt, um eine eventuelle Verfälschung der Resultate,
Voreingenommenheit und Irrtümer auszuschalten. Auch dann aber sind
Verkostungs-Urteile immer nur subjektive Momentaufnahmen und hängen
nicht zuletzt von der Authentizität der Proben ab, die uns präsentiert
werden. Die Redaktion lehnt deshalb jede Haftung für Weine ab, deren
geschmackliche Qualitäten nicht den hier geschilderten Eindrücken
entsprechen. Unsere Bewertungen stellen eine Synthese aus aromatischem
und geschmacklichem Volumen, Typizität, Alterungsfähigkeit und
Trinkgenuss dar. Eno-Verlag distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt
aller evtl. in diesen Reports verlinkten Seiten und übernimmt keinerlei
Verantwortung für die Verfügbarkeit der Weine sowie
für den Geschäftsverkehr mit den jeweiligen Firmen wird keine Haftung
übernommen.
1) Die
Unterscheidung zwischen Spitzen- und Traumweinen wird erst in unseren
Verkostungsreports ab Januar 2003 getroffen. Im Datenbank-Archiv sind
diese Traumweine mit *****+ gekennzeichnet.
Unser Punktesystem:
Weingüter
Die große Zahl von Verkostungen, die wir
in den letzten Jahren durchführen konnten, erlaubt es uns, auf dieser Basis jetzt auch die
Erzeugerbetriebe insgesamt zu bewerten. Um
diese Wertung deutlich gegenüber der Weinbewertung abzusetzen, vergeben
wir für Erzeuger maximal drei Sterne (@,
in älteren Reports auch P),
allerdings mit Zwischenstufen. Diese Weingutsbewertungen sind natürlich nur dort möglich, wo
wir eine gewisse Mindestanzahl Weine bzw. Jahrgänge verkosten konnten und
stellen eine Langzeitbewertung auf Basis der letzten 10 - 15 Jahrgänge dar, die vom Eindruck eines
bestimmten Tastingreports, d. h. einer Momentaufnahme, abweichen kann. Um die aktuelle Leistungsfähigkeit
eines Erzeugers korrekt einschätzen zu können, sollten daher immer
sowohl die Langzeitbewertung als auch die konkreten
Verkostungsergebnisse berücksichtigt werden.
| @@@ |
Die kleine
Elite der Region und des Landes, gehört zu den Spitzenweingütern
der Welt |
| @@ |
Sehr gute
Erzeuger mit stabiler Qualität |
| @ |
Erzeuger mit
meist guten Weinqualitäten |
| @ |
halbe Sterne |
EWW-Weinkategorien:
Um unseren Lesern jenseits aller
Herkunftsbezeichnungen und Geschmacksangaben auf den Etiketten einen
Hinweis zu geben, zu welchem Geschmackstyp die verkosteten Weine
gehören, haben wir das Weinspektrum in 14 Kategorien
eingeteilt, die ab 2006 hin und wieder zusätzlich zu den Bewertungen angeführt werden:
| 1 |
Leichte,
trockene Weißweine |
| 2 |
Kräftige,
trockene Weißweine |
| 3 |
Roséweine |
| 4 |
Leichte,
fruchtbetonte Rotweine |
| 5 |
Fruchtbetonte,
kräftige Rotweine |
| 6 |
Tanninbetonte,
kräftige Rotweine |
| 7 |
Schwere,
alkoholreiche Rotweine |
| 8 |
Deutlich
restsüße bzw. süße Weißweine |
| 9 |
Liebliche
bzw. süße Rotweine |
| 10 |
Edelsüße
und Eis-/Strohweine |
| 11 |
Trockene Likörweine |
| 12 |
Süße Likörweine |
| 13 |
Perlweine |
| 14 |
Schaumweine |
Natürlich ist eine solche, grobe
Kategorisierung zwangsläufig immer unvollkommen. Innerhalb jeder
einzelnen Gruppe wären beispielsweise Untergruppen vorstellbar. Man
könnte bei den leichten, trockenen Weißen zwischen den aromatisch
neutraleren und den Bukettweinen mit ausgeprägtem Sortenduft
unterscheiden. Bei den Edelsüßen könnte man darüber streiten, ob
nicht eine Unterteilung in alkoholschwache und alkoholreiche Weine
sinnvoll wäre, und bei den alkoholreichen Roten darüber, ob ihr nur
spezielle Weintypen wie der italienische Amarone angehören oder
generell alle Rotweine aus heißen Anbaugebieten bzw. heißen Jahren,
wenn sie ebenfalls hohe Gradationen erreichen. Aber eine solche,
weitergehende Untergliederung würde dem wichtigsten Nutzen dieser
Einteilung zuwider laufen – dem nämlich, dem Verbraucher eine erste
Orientierung im Ozean der Weintypen zu bieten.
Die bisherigen Reportagen
und Portraits
| Ein Teil der älteren Artikel
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Monsieur BiB
von André Liebe
Wer sich die Mühe macht, in Bordeaux einmal nicht
nur von einem hochdekorierten Château zum nächsten zu ziehen, wird
meist reich belohnt. Weingüter, die bemerkenswerte Qualitäten zu
kleinen Preisen bieten, geben dem Reisenden seinen Glauben an die
Gerechtigkeit in der Weinwelt zurück. Das
Gebiet der Appellation Entre-deux-Mers im Osten der Stadt ist solch
eine Gegend, in der sich noch positive Überraschungen finden
lassen. Zu ihnen zählt ohne Zweifel Bernard Ducourt in Ladaux, der
nicht nur gute Weine auf Flaschen zieht. Ducourts Spezialgebiet ist
der Weinschlauch, von Fachleuten Bag-in-Box (BiB) genannt. In
Frankreich längst ein fester Bestandteil des Alltagslebens und in
jedem Haushalt präsent, in dem ordentlich gegessen und getrunken
wird, haftet dem BiB hier zu Lande noch immer ein "mégout"
an, ein Gschmäckle. Kenner und solche, die es gern sein möchten,
rümpfen schon beim Anblick des seltsamen Gebildes die Nase. Das
muss angesichts der merkwürdigen Gebindeform auch nicht verwundern.
Abgefüllt wird der Wein in eine Kunststofffolie, die von Karton
ummantelt ist. Keine Spur mehr von schönen Flaschen mit
ästhetischen Etiketten. Dass in der Box
dennoch oft mehr als nur trinkbare Weine verkauft werden, haben die
Franzosen seit langem verstanden, und auch bei Ducourt kommt nur
beste Qualität in den BiB. "Auch wenn das viele Leute nicht
glauben wollen, aber wir füllen hier wirklich den gleichen Wein ab
wie in die Flaschen", bekräftigt er. Die
Vignobles Ducourt haben in den letzten Jahrzehnten eine
bemerkenswerte Entwicklung erfahren. Als Bernards Vater Henri den
Familienbetrieb Anfang der fünfziger Jahre übernahm, besaß dieser
gerade zehn Hektar Rebfläche. Heute regiert der Sohn über 400
Hektar der Appellationen Bordeaux, Entre-deux-Mers und
Montagne-Saint-Émilion. Die Verdienste von Vater Ducourt um die
Weiterentwicklung im Entre-deux-Mers sind unbestritten. Zusammen mit
André Lurton zählte er zu den ersten, die Ende der siebziger Jahre
erkannten, dass Bordeaux nach den Jahren der überschwefelten,
süßen Weine fruchtigere Gewächse brauchte, denen vor allem
Sauvignon blanc einen unverwechselbaren Charakter geben sollte. Bernard
Ducourt erbte den Pioniergeist des Vaters und wandte sich einer
Disziplin zu, die erheblich schwieriger war, als das traditionelle
Abfüllen der Weine in Flaschen. "Die Vinifikation eines Weines
für den BiB stellt erst einmal die gleichen Anforderungen wie die
für den Flaschenwein, " erklärt er. "Die Weißweine
bleiben dabei nach der Gärung noch einige Zeit auf der Hefe liegen,
was ihre Frische konserviert, während die Roten traditionell etwa
zehn Monate im Stahltank ausgebaut werden." Der
Unterschied beginnt erst beim Füllen, denn das ist beim BiB
erheblich komplizierter. "Vor allem darf man in hygienischer
Sicht keine Fehler machen," so Ducourt, "damit die Gefahr
einer Nachgärung ausgeschlossen ist." Bei den Weißen
erfordert auch der Umgang mit der Kohlensäure höchste
Aufmerksamkeit. "Im Sommer müssen wir sehr behutsam vorgehen,
da sich durch die hohe Temperatur der Inhalt stark ausdehnen und den
Plastikschlauch zum Platzen bringen kann. Der
eigentliche Durchbruch bei der BiB-Füllung kam auch für Ducourt
mit dem so genannten Intasept-System. Dabei wird der
Kunststoffschlauch unter Vakuum befüllt, was dazu führt, dass er
mit sukzessiver Entlehrung in sich zusammenfällt. Da der speziell
entwickelte Zapfhahn verhindert, dass Luft von außen eindringen
kann, ist der Wein vor Oxidation geschützt und bietet bis zu sechs
Monate lang gleichbleibende Qualität - auch wenn die Packung
bereits angebrochen wurde. Bernard Ducourt
hat die Technik perfektioniert und profitiert dabei natürlich auch
von der Größe seines Betriebes, die solch aufwändige
Investitionen erst möglich macht. Als echter Technik-Freak ist er
selbst darüber hinaus ständig auf der Suche nach
Verbesserungsmöglichkeiten. Von den
Weißweinen Ducourts werden inzwischen 40, von den Rotweinen
immerhin 15 Prozent in BiB gefüllt. "Der unvergleichliche Reiz
dieser Verpackungsform", merkt Ducourt an, "liegt darin,
dass sie sich für viele Gelegenheiten eignet. Die Weine sind ideale
Begleiter für den Camping-Urlaub, das Picknick oder auch die
festliche Gartenparty."
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