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Zu den bisherigen Portraits und Reportagen     

 

2002 

Der Kämpfer von La Morra

Barolo-Erzeuger Elio Altare

von Eckhard Supp

  

Dass ihn der Kampf mitgenommen hat, merkt man noch heute, ein halbes Jahr nach dem Sieg. Noch immer schwankt Elio Altare zwischen hektisch-optimistischer Aktivität und tiefen Selbstzweifeln, Spuren, die die fast zweijährige Auseinandersetzung bei ihm hinterlassen haben. Dabei ist Altare, Spitzenwinzer im piemontesischen La Morra, vielleicht der erste oder zumindest einer der ersten, die von der Korkindustrie jemals eine substanzielle Entschädigungen für verdorbene Weine erhielten. Und Kampf war Altare ja durchaus gewohnt, denn der Erfolg fiel dem sympathischen Starwinzer noch nie in den Schoß. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Barolo-Erzeugers...

 

Wer Elio Altares Weingut in La Morra, einer der Hauptgemeinden des piemontesischen Barolo-Gebiets, heute besucht, bekommt nicht viel mehr als eine riesige Baustelle zu sehen. Während im Tiefgeschoss die Arbeiten am letzten und Vorbereitungen für den neuen Jahrgang laufen, und in der Verkostungsstube eine Besuchergruppe der nächsten die Klinke in die Hand gibt, hämmern und werkeln über dem Ganzen Bauarbeiter, Zimmerleute, Klempner und Poliere, dass es eine Freude ist.

Die geschäftige, manchmal regelrecht hektische Athmosphäre steht in krassem Kontrast zur Grabesruhe, die hier noch vor wenigen Monaten gelegentlich herrschte. Wein zu verkaufen hatte Altare damals kaum, in der Öffentlichkeit präsentierte er sich selten, und den eigenen Keller betrat er nur noch auf Zehenspitzen, ständig in Angst, Beweise zu zerstören. Der Grund für den ungewöhnlichen Zustand lag schon einige Zeit zurück. Im Frühjahr 2000 hatte Altare, aufgeschreckt durch eigene Verkostungen und Reklamationen, Dutzende von Flaschen seiner letzten Füllung in verschiedenen wissenschaftlichen Instituten analysieren lassen. Das Verdikt, das in der Vergangenheit schon andere Erzeuger getroffen hatte, war eindeutig: Sämtliche Proben zeigten mehr oder weniger manifeste Korkschmecker.
      


Vor allem die Unterstützung seiner Frau Lucia, der beiden Töchter und vieler Kollegen aus La Morra und Umgebung half Elio Altare über zwei schwierige Jahre hinweg. (alle Fotos: Eckhard Supp)

  
Perfektionist und Kämpfer

Aus Altare dem Winzer wurde Altare der Kämpfer. Mit bis dato nie gesehener Akribie ließ er seinen gesamten Keller bis auf den letzten Quadratzentimeter nach Spuren von TCA - der Substanz, die Verursacher des Korkschmeckers ist - untersuchen. Gleichzeitig verklagte er den deutschen Erzeuger der Korkpartie, mit der er einen Gutteil seiner besten Lagen-Barolos Jahrgang 1997 und einige Flaschen des Jahrgangs 1998 verschlossen hatte. Da Altare - unvorsichtigerweise, wie ihm manche Kollegen ankreideten, aber hinterher weiß man ohnehin immer alles besser! - nur Korken eines einzigen Herstellers benutzt hatte, war die Suche nach dem Schuldigen dabei nicht allzu schwer.

Die Sache ging ihren - in Italien - gewohnten Gang und jedermann, Altare eingeschlossen, erwartete jahrelange Rechtsstreitigkeiten mit unsicherem Ausgang. Dem Starwinzer drohte trotz massiver Solidarität der Kollegen aus La Morra, trotz der moralischen und finanziellen Hilfe aus der eigenen Familie, der Konkurs. Aber Altare wäre nicht Altare, wenn er den Kampf nicht generalstabsmäßig, perfektionistisch angepackt hätte. Dutzende von Expertisen ließ er anfertigen, und in seinem Keller durfte praktisch keine Flasche der inkriminierten Füllungen mehr bewegt, geschweige denn entsorgt werden, um nur ja keine gerichtsrelevanten Spuren zu vernichten.

Es war nicht das erste Mal, dass Altare um sein Lebenswerk kämpfen musste. Bereits der Übergang des Weinguts vom Vater auf den Sohn war ein wahrer Leidensweg gewesen. Das Weingut war 1948 von Elios Großvater Giuseppe und Vater Giovanni in Dogliani gegründet worden, wo Elio auch 1950 geboren wurde. Gleich nach der Geburt zog die Familie dann in die Cascina Nuova, einem Hof der Borgata Pozza im Ortsteil Annunziata von La Morra. Elio, jüngstes von fünf Kindern, trat schon frühzeitig in den Betrieb ein und brach dafür sogar die Schulausbildung ab. Zu dieser Zeit wurde die Cascina Nuova noch in Mischkultur bewirtschaftet, und Elios erste Aktivitäten bestanden im ambulanten Verkauf von Pfirsischen und Wein in Korbflaschen. Der Großteil des Produkts ging damals an die Genossenschaft Terre del Barolo, in deren Vorstand Elio sogar zwischen 1969 und 1975 saß.

Prediger des Modernismus

Im Jahr seiner Hochzeit mit Lucia entschloss er sich dann, aus der Coop auszutreten. Die Krise des Weinmarkts - der Barolo besaß lange nicht das Prestige von heute - ließ ihn nach neuen Wegen suchen. "Warum kaufen die Leute Wein zu 1.800 Lire bei mir und zu 100.000 Lire im Burgund," fragte sich Altare, konnte aber noch keine schlüssige Antwort finden. Mehrere Reisen ins Burgund gaben Ideen, wie die Qualität der Weine und ihre Herstellung zu ändern seien, aber auch sofort den Konflikt mit dem Vater. 1978, im ersten guten Jahrgang nach zwei Missernten beschloss Altare zum ersten Mal Trauben auszudünnen. Der Vater, noch ganz in der Logik einer Massenproduktion mit Erträgen von über 100 Hektolitern / Hektar verhaftet, enterbte den Sohn, der sich das Weingut in der Folge von den Geschwistern zurück kaufen musste.
  


Einen wunderschönen Blick genießt man von der Terasse der Cascina Nuova, Altares Weingut. Über die Dächer des Ortsteils l'Annunziata von La Morra schweift der Blick über die Höhenzüge des Barolo-Gebiets nach Castiglione Falletto und Serralunga d'Alba bis zur fernen Alta Langa. 

  
Bereits 1983 unternimmt Elio erste Versuche mit dem Ausbau der Weine in kleinen französischen Eichenholzfässern, die allerdings der Barbera gelten. Die größte Anerkennung erringt er dagegen mit dem noch traditionell gemachten Lagen-Barolo Arborina Jahrgang 1982, der in der Jungfern-Ausgabe des italienischen Weinführers Gambero Rosso auf Anhieb die damals noch seltenen drei Gläser erhält. Von jetzt an steigert Altare den Rhythmus seiner Experimente von Jahr zu Jahr. Die Maischestandzeiten werden dramatisch verkürzt - statt der früher üblichen vier oder sechs Wochen läßt Altare den Nebbiolo in manchen Jahren schließlich nur noch drei oder vier Tage auf den Schalen ziehen - und der Barrique-Ausbau perfektioniert.

 

Kurze Maische und Ausbau im Barrique

Erlauben kann er sich die kurze Mazeration, weil sein Traubenmaterial aus fast lächerlich niedrigen Erträgen stammt und deshalb eine Konzentration besitzt, wie man sie im Barolo-Gebiet früher praktisch nicht kannte. Trotz der Kürze des Maischens erzielt er gute, nie überkonzentrierte Extrakte von 26 oder 28 g / l, wie sie denen großer Burgunder oder Bordeaux-Weine entsprechen. Die Bewahrer der Tradition im Gebiet werfen ihm vor, den "wahren" Barolo verraten zu haben. Worauf Altare nur kontert: "Ich will Wein machen, der gut ist. Und zwar vom ersten bis zum letzten Tag. Mich interessiert es nicht, Weine zu verkaufen, die untrinkbar sind, und bei denen der Verbraucher nur hoffen kann, dass sie in zehn oder zwanzig Jahren vielleicht etwas zugänglicher werden." 
 


Die Rebstöcke der Lage Arborina in La Morra, von der Altares bekannteste Weine stammen: der Barolo Vigneto Arborina und der Langhe rosso Vigna Arborina, beide aus Nebbiolo gekeltert.

   
Der Glaubenskrieg zwischen Modernisten und Traditionalisten ist heute endgültig vorbei. Beide Lager haben ihre Trümpfe ausgespielt, und beide brachten in den letzten zehn, fünfzehn Jahren immer bessere, reicher, komplexere und alterungsfähigere Weine hervor, die mit den oft ausgezehrten, schon in der Jugend oxidierten und überalterten Barolos der Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Auf Seiten der Modernisten, die der Qualitätsrevolution in der Langa ihre entscheidendenden Impulse gaben, haben manche - Altare ausgeschlossen - das Rad wieder ein wenig zurückgedreht, auf Seiten der Traditionalisten die meisten inzwischen auch das Barrique und kürzere Maischestandzeiten akzeptiert.

Eigentlich hätte Altare in Ruhe die Früchte der Unruhe und der Arbeit genießen können. Aber er sollte noch einmal kämpfen müssen, auf einem Feld diesmal, das ganz ungewohnt für ihn war - dem juristischen. Ende 2001 fand dieser Kampf dann aber ein für ihn versöhnliches, schnelles Ende. Vor der erdrückenden Last der Beweise, die Altare gesammelt und hatte sammeln lassen, gab die Versicherung des beklagten Korkproduzenten nach und willigte ein, den Großteil des von Altare geltend gemachten Schadens zu ersetzen.

Die Weine Elio Altares in unseren Verkostungen:

***** Barolo Vigneto Arborina 1998: dickes Rot, verschlossen, am Gaumen süße Fülle, Teer, sehr langer und eleganter Wein, 2. Probe: warmes, gutes Rot, intensive Frucht, leicht vegetale Spur, am Gaumen schöne, samtene Tannine, Frucht, süßer Extrakt, im Abgang typische, schöne Barolo-Aromen

***** VdT La Villa 1999: (Fass) dickes, schwarzes Rubin, tiefe, aber noch verschlossene Nase, großes Extraktpaket mit reifen Tanninen, langer Abgang

***** Langhe Vigna Larigi 1998: (Fass) dickes Rot, schöne Röstaromen und viel Frucht in der Nase, sehr eleganter Bukettansatz, viel süßer Extrakt, wunderbare Barbera

***** Langhe Vigna Arborina 1999: (Fass) dichtes Rot, Nase noch etwas gestört, süße Fülle mit eleganten Tanninen, sehr maskuline Retro-Aromen

***** VdT Insieme 1999: dichtes, geschlossenes Rot, die Nase wirkt zimtig-fruchtig, sehr fein ziseliert, mit Spuren von Vanille, auch Frucht und balsamische Noten, am Gaumen Fruchtextrakt, Alkohol, reife Tannine, gute Konzentration und Länge, 2. Probe: dichtes, intensives Rot, feine, tiefe Nase, süße, große Fülle, schöne Tannine, perfekt gearbeiteter, moderner Wein

***** Barolo 1997: frisches, schönes Rot, sehr feine, tiefe Nase, harmonisch und dicht

***** Barolo Brunate 1998: (Fass) verschlossen, am Gaumen feinwürzig, weiche Tannine, harmonisch, etwas wenig Tiefe, 2. Probe: dichtes, schönes Rot, Tee, schönes offenes Bukett, dichter, saftiger Körper, schöne Länge im Abgang, besser als in Vorverkostung

**** Langhe Vigna Arborina 1998: gutes, schon recht reifes Rot, Nase mit viel Minze, Backwerk, dichter Körper, sehr reife Tannine, große Länge im Abgang

**** Langhe Vigna Larigi 1999: (Fass) dickes, schwarzes Brombeerrot, verhaltene Aromen, feste Struktur, leichtes Brennen, Länge, Stoff, noch etwas klebrige Tannine

**** Barolo 1998: (Fass) dichtes Rot, Tabak, Kraft, elegante Tannine, sehr schöne Basis, 2. Probe: schönes, noch frisches Rot, saubere, tiefe Nase, Saft, Stoff, gute Tannine, schöner, moderner Wein

**** Dolcetto d'Alba Cascina Nuova 1999: dichtes Purpur-Rubin, Kirschfrucht, sehr tief, Fülle und Dichte,  harmonischer Wein

**** Barbera d'Alba 2000: schönes, frisches Rot, etwas vegetale Frucht, sauber, Saft, gute Fülle


Unser Punktesystem: Weine
 
-- / ?? offen fehlerhafter oder nicht zu beurteilender Wein (Flaschenproblem)
* zu einfacher, evtl. auch leicht fehlerhafter Wein, nicht empfehlenswert
** Wein mit einem Minimum an Qualitäten, akzeptabel wenn im unteren Preisbereich 
*** befriedigender, ansatzweise typischer Wein, angenehm zu trinken
**** guter bis sehr guter Vertreter seiner Art und seines Jahrgangs
***** Spitzenwein von internationalem Format
***** Traumweine, die kleine Elite 1)
* - **** ? nicht eindeutig zu bewertender Wein

Weinproben von Eno WorldWine werden soweit wie möglich unter optimalen Bedingungen, wenn es geht blind durchgeführt, um eine eventuelle Verfälschung der Resultate, Voreingenommenheit und Irrtümer auszuschalten. Auch dann aber sind Verkostungs-Urteile immer nur subjektive Momentaufnahmen und hängen nicht zuletzt von der Authentizität der Proben ab, die uns präsentiert werden. Die Redaktion lehnt deshalb jede Haftung für Weine ab, deren geschmackliche Qualitäten nicht den hier geschilderten Eindrücken entsprechen. Unsere Bewertungen stellen eine Synthese aus aromatischem und geschmacklichem Volumen, Typizität, Alterungsfähigkeit und Trinkgenuss dar. Eno-Verlag distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt aller evtl. in diesen Reports verlinkten Seiten und übernimmt keinerlei Verantwortung für die Verfügbarkeit der Weine sowie für den Geschäftsverkehr mit den jeweiligen Firmen wird keine Haftung übernommen.

1) Die Unterscheidung zwischen Spitzen- und Traumweinen wird erst in unseren Verkostungsreports ab Januar 2003 getroffen. Im Datenbank-Archiv sind diese Traumweine mit *****+ gekennzeichnet.

Unser Punktesystem: Weingüter

Die große Zahl von Verkostungen, die wir in den letzten Jahren durchführen konnten, erlaubt es uns, auf dieser Basis jetzt auch die Erzeugerbetriebe insgesamt zu bewerten. Um diese Wertung deutlich gegenüber der Weinbewertung abzusetzen, vergeben wir für Erzeuger maximal drei Sterne (@, in älteren Reports auch P), allerdings mit Zwischenstufen. Diese Weingutsbewertungen sind natürlich nur dort möglich, wo wir eine gewisse Mindestanzahl Weine bzw. Jahrgänge verkosten konnten und stellen eine Langzeitbewertung auf Basis der letzten 10 - 15 Jahrgänge dar, die vom Eindruck eines bestimmten Tastingreports, d. h. einer Momentaufnahme, abweichen kann. Um die aktuelle Leistungsfähigkeit eines Erzeugers korrekt einschätzen zu können, sollten daher immer sowohl die Langzeitbewertung als auch die konkreten Verkostungsergebnisse berücksichtigt werden.

@@@ Die kleine Elite der Region und des Landes, gehört zu den Spitzenweingütern der Welt
@@ Sehr gute Erzeuger mit stabiler Qualität
@ Erzeuger mit meist guten Weinqualitäten 
@ halbe Sterne 

EWW-Weinkategorien:

Um unseren Lesern jenseits aller Herkunftsbezeichnungen und Geschmacksangaben auf den Etiketten einen Hinweis zu geben, zu welchem Geschmackstyp die verkosteten Weine gehören, haben wir das Weinspektrum in 14 Kategorien eingeteilt, die ab 2006 hin und wieder zusätzlich zu den Bewertungen angeführt werden:

1 Leichte, trockene Weißweine 
2 Kräftige, trockene Weißweine
3 Roséweine
4 Leichte, fruchtbetonte Rotweine
5 Fruchtbetonte, kräftige Rotweine
6 Tanninbetonte, kräftige Rotweine
7 Schwere, alkoholreiche Rotweine
8 Deutlich restsüße bzw. süße Weißweine
9 Liebliche bzw. süße Rotweine
10 Edelsüße und Eis-/Strohweine
11 Trockene Likörweine
12 Süße Likörweine
13 Perlweine
14 Schaumweine

Natürlich ist eine solche, grobe Kategorisierung zwangsläufig immer unvollkommen. Innerhalb jeder einzelnen Gruppe wären beispielsweise Untergruppen vorstellbar. Man könnte bei den leichten, trockenen Weißen zwischen den aromatisch neutraleren und den Bukettweinen mit ausgeprägtem Sortenduft unterscheiden. Bei den Edelsüßen könnte man darüber streiten, ob nicht eine Unterteilung in alkoholschwache und alkoholreiche Weine sinnvoll wäre, und bei den alkoholreichen Roten darüber, ob ihr nur spezielle Weintypen wie der italienische Amarone angehören oder generell alle Rotweine aus heißen Anbaugebieten bzw. heißen Jahren, wenn sie ebenfalls hohe Gradationen erreichen. Aber eine solche, weitergehende Untergliederung würde dem wichtigsten Nutzen dieser Einteilung zuwider laufen – dem nämlich, dem Verbraucher eine erste Orientierung im Ozean der Weintypen zu bieten.

Die bisherigen Reportagen und Portraits

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Verzeichnis nach Ländern

Allgemeines Bio allein macht keinen guten Wein (2003)
Die Gesundheitsdebatte (2003)
Verkannte Neuzüchtungen (2002)
Kork - Die unendliche Geschichte (2002)
 
Australien Neue Welt mit Charme - Hunter Valley (2003)
Weinbau in den Roaring Fourties - Tasmanien (2002)
Edle Tropfen in down under - Südaustralien (2001)
 
Chile Die Erben der Konquistatoren (2002)
  
Deutschland Weingut direkt ... aus dem Internet (2004)
Der Bioprofessor vom Mittelrhein (2004)
Weinberg in Not - Homburger Kallmuth (2002)
Aufbruch in der Südpfalz (2002)

Weine von der Hütt' - St. Antony (2002)
Frankreich Klein und begehrt - Les-Baux-de-Provence (2003)
Champagne-sur-Loire - Bouvet Ladubay (2003)

Charles Philipponnat (2003)

Elsass von gestern? (2003)
Chablis - Der andere Chardonnay (2002)

Bordeaux-Connection (2002)

Ein Württemberger im Bordelais (2002)

Monsieur BiB - Bernard Ducourt (2002)

Achterbahn am Rhein - Das Elsass (2002)

Dom Pérignon und die Witwe - Champagne-Story (2000)

Tannat kommt von Tannin - Weine der Gascogne (2000)
Päpste, Händler, Genossen - Das Rhônetal (1999)
Süße, wilde Orchidee - Vanille auf Réunion (1999)
Kleiner Bruder mit Pfiff - Unbekannter Armagnac (1999)
Scharfes Handwerk - Das schönste Messer der Welt (1998)
Neuer Anlauf für Villages - Côtes-du Rhône auf dem deutschen Markt (1998)
Abschied vom deutschen Markt? - Das Elsaß übt sich im freien Fall (1998)
Der schüchterne Superstar - Syrah-Weine an der Rhône (1998)
Das Salz des Lebens - Guérande und seine Salzgärten (1998)
Großbritannien:  Whisky trails - Auf den Spuren der Schnapsbrenner in Schottland (1997)
 
Italien Ureinwohner - Südtirol (2003)
Neuer Wind - La Stoppa (2002)

Mode und Wein - Vittorio Giulini (2002)

Krieg der Stile - Barolo (2002)

Der Kämpfer von La Morra - Elio Altare (2002)

Marketing-Frühling in Südtirol - wein.kaltern (2002)

Im Schatten der Toskana - Die mittelitalienischen Regionen (2000)

Weinkarriere am Brenner - Das Trentino (1999)
Der Erfolg geht weiter - Italiens Prosecco sucht Identität (1998)
Die Revolution auf samtenen Füßen - Das Piemont auf dem Weg in die Moderne (1998)
Karriere mit Grenzen - Franciacorta - Italiens kleine Champagne (1998)
Der schlafende Riese - Das Piave-Gebiet (1998)
Die ideale Weinreise - Portrait des toskanischen Lebensgefühls (1997)
 
Kanada Okanagan - Kanadas Napa Valley (2006) 
Österreich Ambitionierte Genossen - Zantho (2002)
Gestörter Dornröschenschlaf - Stefan Köstenbauer (2002)

Viel Glück gehabt - Willi Bründlmayer (2002)

Miniatur-Toskana - Die Steiermark (1999)
 
Portugal Der Portwein, der keiner ist (2003)
 
Schweiz Energie pur: Marie-Thérèse Chappaz (2002)
 
Spanien Fino, Amontillado oder Oloroso - Jerez sucht seine Zukunft (2002)
Rioja 2002 - zwischen Tradition und Moderne (2002)
Das Jahrzehnt nach der Krise - Rioja wieder im Aufwind (1998)
 
Südafrika Der Visionär vom Kap - Alexander von Essen (2005)
Künstler am Kap - Christoph Dornier (2002)

Ein Land hat Hoffnung - Südafrika Teil 1 (2002)
, Teil 2 (2002)
Ästhet mit Mantra - Hamilton Russel (2002)
  
USA Der alte Mann und der Wein - Mondavi 90 (2003)
Verwöhnter Nordwesten - Washington (2002)

Burgunder-Träume in Carneros (2002)

Gallo - Ein Gigant macht sich schön (2002)

Großes Kalifornien-Dossier - Trends, Betriebe, Sorten, Export (1999)

It never rains in Southern California (1998)

Nicht nur Napa und Sonoma - Weinbau außerhalb Kaliforniens (1998)

 

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Monsieur BiB

von André Liebe

Wer sich die Mühe macht, in Bordeaux einmal nicht nur von einem hochdekorierten Château zum nächsten zu ziehen, wird meist reich belohnt. Weingüter, die bemerkenswerte Qualitäten zu kleinen Preisen bieten, geben dem Reisenden seinen Glauben an die Gerechtigkeit in der Weinwelt zurück.

Das Gebiet der Appellation Entre-deux-Mers im Osten der Stadt ist solch eine Gegend, in der sich noch positive Überraschungen finden lassen. Zu ihnen zählt ohne Zweifel Bernard Ducourt in Ladaux, der nicht nur gute Weine auf Flaschen zieht. Ducourts Spezialgebiet ist der Weinschlauch, von Fachleuten Bag-in-Box (BiB) genannt.

In Frankreich längst ein fester Bestandteil des Alltagslebens und in jedem Haushalt präsent, in dem ordentlich gegessen und getrunken wird, haftet dem BiB hier zu Lande noch immer ein "mégout" an, ein Gschmäckle. Kenner und solche, die es gern sein möchten, rümpfen schon beim Anblick des seltsamen Gebildes die Nase.

Das muss angesichts der merkwürdigen Gebindeform auch nicht verwundern. Abgefüllt wird der Wein in eine Kunststofffolie, die von Karton ummantelt ist. Keine Spur mehr von schönen Flaschen mit ästhetischen Etiketten.

Dass in der Box dennoch oft mehr als nur trinkbare Weine verkauft werden, haben die Franzosen seit langem verstanden, und auch bei Ducourt kommt nur beste Qualität in den BiB. "Auch wenn das viele Leute nicht glauben wollen, aber wir füllen hier wirklich den gleichen Wein ab wie in die Flaschen", bekräftigt er.

Die Vignobles Ducourt haben in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung erfahren. Als Bernards Vater Henri den Familienbetrieb Anfang der fünfziger Jahre übernahm, besaß dieser gerade zehn Hektar Rebfläche. Heute regiert der Sohn über 400 Hektar der Appellationen Bordeaux, Entre-deux-Mers und Montagne-Saint-Émilion. Die Verdienste von Vater Ducourt um die Weiterentwicklung im Entre-deux-Mers sind unbestritten. Zusammen mit André Lurton zählte er zu den ersten, die Ende der siebziger Jahre erkannten, dass Bordeaux nach den Jahren der überschwefelten, süßen Weine fruchtigere Gewächse brauchte, denen vor allem Sauvignon blanc einen unverwechselbaren Charakter geben sollte.

Bernard Ducourt erbte den Pioniergeist des Vaters und wandte sich einer Disziplin zu, die erheblich schwieriger war, als das traditionelle Abfüllen der Weine in Flaschen. "Die Vinifikation eines Weines für den BiB stellt erst einmal die gleichen Anforderungen wie die für den Flaschenwein, " erklärt er. "Die Weißweine bleiben dabei nach der Gärung noch einige Zeit auf der Hefe liegen, was ihre Frische konserviert, während die Roten traditionell etwa zehn Monate im Stahltank ausgebaut werden."

Der Unterschied beginnt erst beim Füllen, denn das ist beim BiB erheblich komplizierter. "Vor allem darf man in hygienischer Sicht keine Fehler machen," so Ducourt, "damit die Gefahr einer Nachgärung ausgeschlossen ist." Bei den Weißen erfordert auch der Umgang mit der Kohlensäure höchste Aufmerksamkeit. "Im Sommer müssen wir sehr behutsam vorgehen, da sich durch die hohe Temperatur der Inhalt stark ausdehnen und den Plastikschlauch zum Platzen bringen kann.

Der eigentliche Durchbruch bei der BiB-Füllung kam auch für Ducourt mit dem so genannten Intasept-System. Dabei wird der Kunststoffschlauch unter Vakuum befüllt, was dazu führt, dass er mit sukzessiver Entlehrung in sich zusammenfällt. Da der speziell entwickelte Zapfhahn verhindert, dass Luft von außen eindringen kann, ist der Wein vor Oxidation geschützt und bietet bis zu sechs Monate lang gleichbleibende Qualität - auch wenn die Packung bereits angebrochen wurde.

Bernard Ducourt hat die Technik perfektioniert und profitiert dabei natürlich auch von der Größe seines Betriebes, die solch aufwändige Investitionen erst möglich macht. Als echter Technik-Freak ist er selbst darüber hinaus ständig auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten.

Von den Weißweinen Ducourts werden inzwischen 40, von den Rotweinen immerhin 15 Prozent in BiB gefüllt. "Der unvergleichliche Reiz dieser Verpackungsform", merkt Ducourt an, "liegt darin, dass sie sich für viele Gelegenheiten eignet. Die Weine sind ideale Begleiter für den Camping-Urlaub, das Picknick oder auch die festliche Gartenparty."