|
Weingastlichkeitsarchiv
Ein Hof mit Winzern
Südpfälzer
Gastfreundschaft
von André Liebe
Dass
die Beschränkung auf Weine einer Region, ja sogar auf die Weine
einer einzelnen Gruppe von Winzern ein durchaus schlüssiges
gastronomisches Konzept demonstrieren kann, beweist seit drei
Jahren der Salische Hof im pfälzischen Schifferstadt. Carina und
Karsten Möller bieten mehr als nur Unterkunft und Verflegung.
Es
gibt Leute, die behaupten, Schifferstadt habe außer Rettich und
Ringern nichts zu bieten. Nun ist gegen das Wurzelgemüse ebenso
wenig etwas einzuwenden, wie gegen die Körperkunst, die
Schifferstadt schon zu Zeiten des Schwarz-Weiß-Fernsehens über die
Grenzen der Region hinaus bekannt machte. Den Freund feinsinniger
Lebensart aber werden sie kaum zum Besuch in der Kleinstadt auf
halbem Wege zwischen dem industriellen Ludwigshafen und der Pfälzer
Weinstraße bewegen. Gleichwohl erweist sich ein Abstecher
inzwischen auch unter genießerischen Aspekten als äußerst
rentierlich.

Das Restaurant mit seiner großen Fensterfront
zum Garten wie auch die Zimmer sind geschmackvoll eingerichtet
und zeigen deutlich die Handschrift der Möllers, die das Haus
seit drei Jahren gepachtet haben und hier vor allem
"Emotionen" bieten wollen. (Firmenfotos) |
“Wir
verkaufen nicht Schlafen, Essen und Trinken, sondern bieten
Emotionen“, erklärt Karsten Möller, der das Hotel zusammen mit
seiner Frau Carina vor drei Jahren pachtete, sein Konzept. Und damit
übertreibt er keineswegs. Nicht nur, dass die Beiden dem
Drei-Sterne-Haus mit Charme und großem persönlichen Einsatz eine
liebevoll individuelle Note verliehen haben. Seit der Übernahme im
Mai 1999 legte das Paar noch einmal kräftig Hand an das einstige
Hofgut aus dem Jahre 1723, das Mitte der neunziger Jahre komplett
renoviert worden war und eine gelungene Mischung aus historischen
und modernen Elementen darstellt. Fas südländisches Ambiente
herrscht im Restaurant- und Barbereich mit seinen kräftigen Orange-
und Gelbtönen. Individueller
Charme  Zunächst
einmal freilich ist der Salische Hof ein Hotel, “das vor allem von
Geschäftsreisenden frequentiert wird“, wie Möller betont. Dies
ist ebenso bedauerlich wie erfreulich. Ersteres, weil das Haus mit
seinen 24 geschmackvoll und komfortablen gestalteten Zimmern mehr Gäste
verdient hätte. Letzteres, weil sich so am Wochenende auch für
Kurzentschlossene in der Regel ein Bett finden lässt. Zum Erlebnis
wird der Aufenthalt hier vor allem durch das Restaurant mit seinen
60 Plätzen, und in dem wechselnde Ausstellungen regionaler Künstler
die Symbiose aus Tradition und Moderne unterstreichen, die so
typisch ist für den Salischen Hof. Maßstäbe haben die Möllers
aber vor allem mit ihrer Karte gesetzt, auf der zur aromenreichen Küche
mit mediterranem Einschlag zu fast 90 Prozent Weine aus der Pfalz
geboten werden. Um
diese Weine dreht sich denn auch bei den Möllers fast alles. Dabei
dominieren vor allem drei Namen: Philipp Kuhn aus Laumersheim, Axel
Neiss aus Kundenheim und Jochen Schmitt aus Bad Dürkheim, allesamt
Jahrgang 1972, die unter dem gemeinsamen Namen “Die junge Pfalz“
auftreten. Seit zwei Jahren sind sie ein fester Bestandteil auf der
Weinkarte des Salischen Hofs, und in den vergangenen Monaten
bestritten sie dort bemerkenswerte kulinarisch-vinologische Abende -
jedes Mal vor ausverkauftem Haus.
Unter
dem Motto “Der Salische Hof trifft die junge Pfalz - ein
kulinarischer Freundeskreis tischt auf“
kreierte Küchenchef Christian Grimm ein Sechs-Gang-Menü, bei dem
die drei Winzer ihre darauf abgestimmten Weine kommentierten. “Das
war nicht nur beeindruckend, sondern auch ein Riesenerfolg“,
strahlt Karsten Möller.
Dass sehr dieses Aufeinandertreffen auch den Weinmachern gefällt,
unterstreicht Philipp Kuhn mit einem eher ungewöhnlichen Kompliment
an die Adresse des Hausherrn: “Der Möller ist genauso verrückt
wie wir.“
Ganz
schön verrückt!
Das
äußert sich in einer Experimentierfreudigkeit des Küchenchefs,
Christian Grimm, der seit August 2000 im Salischen Hof das Zepter
schwingt, und der Althergebrachtes mit Modernem verbindet: In Kräuterpanade
gebackene Tintenfische zum Beispiel, zu denen eine Riesling-Spätlese
von Neiss gereicht wird, oder Blätterteig-Rhabarber-Tarte mit
Erdbeerparfait, die von Kuhns Beerenauslese aus der Huxelrebe
begleitet wird. Grimm hat sich darauf spezialisiert, seinen
italienisch wie französisch angehauchten Speisen-Mix fast ausschließlich
aus Produkten der Region zusammenzustellen - die Puy-Linsen
und das Pyrenäen-Lamm einmal ausgenommen.

Die jungen Pfälzer bei einem ihrer
kulinarischen Abende
unter dem Motto "Der Salische Hof trifft
die junge Pfalz"
Das
Wechselspiel zwischen regionaler Verbundenheit und dem Blick über
den Tellerrand hinaus ist auch kennzeichnend für die drei
Jungpfälzer. Zum Beispiel Philipp Kuhn: Der scheut sich nicht, in
seinen Weinbergen Huxelrebe zu kultivieren, gleichzeitig aber auch -
mitten in der Pfalz - Sauvignon blanc, den er so auszubauen versucht
wie an der Loire. Und das, wo er doch eigentlich als Rotwein-Fex
gilt, der beim Deutschen Rotweinpreis mit steter Regelmäßigkeit
ins Finale vordringt. Oder Axel Neiss, der das Zertifikat für
umweltschonenden Weinbau in der Tasche hat, konsequent auf
Spitzensorten wie Riesling und Burgunder setzt, aber zugleich
erstaunliche Ergebnisse mit Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah
erzielt. Oder Jochen Schmitt, der von sich selbst behauptet, dass
jeder seiner Weine ein Experiment sei, der aber trotzdem (oder
gerade deshalb?) schon mehrfach bei wichtigen, sehr klassisch
ausgerichteten Vergleichen wie dem Riesling- und Rotweinpreis reüssierte.
Zeitgemäß
und traditionsverbunden 
“Unsere
gemeinsame Vision ist es, zeitgemäße Weintypen zu realisieren.
Dabei wollen wir unter Beweis stellen, dass Intuition und Feingefühl des
Winzers wichtiger sind als große Namen, Crus und Kapital“,
betont Philipp Kuhn stellvertretend für alle und schießt damit
auch gleich eine Breitseite auf die einige der berühmteren Namen
der Pfalz und ihre Klassifizierungs-Politik ab.
Dieser
Glaube an die eigene Leistung ist es auch, was die Winzer vor allem
mit dem Gastronomen verbindet. Immerhin verkauft der beachtliche 64
Prozent seiner Weine in der Flasche - eine Quote, von der manch
anderer in dieser traditionellen Schankwein-Gegend nicht mal zu träumen
wagt. “Dafür“, so Möller, “muss man auch was tun und
besondere Highlights anbieten.“ Zum Beispiel die
Aroma-Degustationsprobe, bei der Küchenchef Grimm nicht nur die
Speisen konsequent auf die Aromatik der begleitenden Weine abstimmt,
sondern bei der auch Früchte und ätherische Öle als
Vergleichsmuster für die Weinaromen auf den Tisch kommen.
Auch
mit anderen "Specials" hebt sich Möller wohltuend von
der bodenständigen Schifferstädter Konkurrenz ab. Montags
beispielsweise, dem traditionellen Ruhetag, gibt's im Salischen Hof
das “Two for one": Für nur 50 Euro wird für zwei Personen
ein komplettes Vier-Gang-Menü inklusive einer Flasche Wein
aufgetragen. Am Dienstag und Donnerstag, wenn in der Region viele
Frauen ohne männliche Begleitung unterwegs sind, steht die “Lady's
Night“ mit Aperitif, einer Suppe, der Salatvariation mit Geflügel
oder Fisch und einem Dessert für zusammen 19 Euro auf dem Programm.
Am Freitag- und Samstagabend schließlich überrascht Christian
Grimm mit einem Sechs-Gang-Degustations-Menü für 42 Euro pro
Person - zwei Aperitifs, vier Weine und einen Digestiv inklusive.
Und an jedem Tag kann “Test your best“ für 33 Euro bestellt
werden, wobei der Gast aus der aktuellen und alle drei Wochen
wechselnden Karte vier Gänge wählt, die mit vier passenden Weinen
serviert werden.
Warum
der “Salische Hof“
bislang noch zu den Geheimtipps im Lande zählt, ist rasch erklärt:
“Wir machen kaum Werbung, sondern investieren dafür lieber in
eine vernünftige Preis- und Qualitätspolitik mit bescheidener
Kalkulation“, betont Möller. Dass er dabei einen längeren Atem
als ein Großteil der Konkurrenz braucht, ist ihm durchaus bewusst.
“Wir setzen eben darauf, dass ein zufriedener Gast wieder zu uns
kommt“.
Unser
Fazit: Wer einmal im Salischen Hof tafelte und sein müdes Haupt
hier bettete, riskiert, zum Wiederholungstäter zu werden.
Salischer Hof,
Burgstraße 12 - 14, 67105 Schifferstadt, Tel: 06235-9310, Fax:
06235-931200, e-mail: info@salischer-hof.de,
Internet: www.salischer-hof.de,
24 Zimmer - DZ 95 Euro (inkl. Frühstück), ganzjährig geöffnet,
Restaurant - 4-Gang-Menü: 38 Euro, 6-Gang-Degustationsmenü: 42
Euro.
Die bisherigen Reiseartikel -
Verzeichnis nach Ländern

eine
Seite zurück
zwei Seiten zurück
|