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Weingastlichkeitsarchiv
Brunello-Himmel
von Eckhard Supp
Noch
vor wenigen Jahren galt das italienische Montalcino, die Heimat
eines der berühmtesten und teuersten italienischen Weine, des
Brunello, als gastronomische Wüste. Ein, maximal zwei anständige
Restaurants gab es im Ort und in der Umgebung, und was die Hotels
betriff, so deckte man über deren Niveau besser einen Mantel des
Schweigens oder der Barmherzigkeit. Die Situation hat sich in den
letzten Jahren gewandelt. Zwar haben gute Hotels noch immer
Seltenheitswert, aber zumindest die Gastronomie macht
Riesen-Fortschritte. Ein wenig Schuld daran ist auch Roberto
Minnetti, ein "exilierter" Römer.
Dass Weingüter nicht nur Verkostungsräume und Souvenir-Shops,
sonderen auch vollwertige Restaurants mit hochkarätigem Angebot
beherbergen, ist in der Weinwelt so selten nicht. In Amerika,
Australien, Südafrika, Deutschland, Österreich und sogar in
Frankreich findet man solche Etablissements. Nur in Italien, dem
Land, in dem der Wein-Tourismus immer noch in den Kinderschuhen
steckt, sind sie eine absolute Ausnahmeerscheinung. Poggio
Antico,
das bekannte Weingut vor den Toren der toskanischen Gemeinde
Montalcino, hat vor mehr als einem Jahrzehnt den Schritt gewagt, ein
solches Restaurant zu eröffnen, mehr noch, es einem schon damals
bekannten Koch zu übergeben, der es in absoluter Selbständigkeit
führen sollte. Der Auserwählte war Roberto Minnetti, einer der
bekanntesten römischen Köche der achtziger Jahre, der sich
zusammen mit seiner Frau Patrizia auch um das junge Pflänzchen der
italienischen Weinkultur verdient gemacht hatte.

Vom Rugby-Spielfeld an die Herde des Poggio
Antico - Roberto Minnettis Karriere war alles andere als
geradlinig. Nach gerühmten Anfängen in Roms Altstadt fand er
in in den Hügeln der Toskana eine neue Heimat und kocht heute
im Restaurant des Weinguts Poggio Antico der Brunello-Stadt
Montalcino. (alle Fotos: Ristorante Poggio Antico) |
Ganz freiwillig war Minnetti nicht aus "seinem" Rom in
die Hügel der Toskana gekommen. Vielmehr zwang ihn die generelle
Flaute in der italienischen Gastronomie Anfang der neunziger Jahre
zu diesem Schritt, den unter anderem auch Enrico Casini, ein
römischer Freund und Kollege, und der berühmte Mailänder Starkoch
Gualtiero Marchesi vollzogen hatten. Und
eigentlich hatte
Minnetti ursprünglich ja nicht einmal eine gastronomische Karriere
im Sinn, was man ihm heute noch ansieht. Der großgewachsene,
breitschultrige Chef der Herde und Töpfe auf Poggio Antico war in
seiner Jugend ein begnadeter Rugby-Spieler. Seinem
feinen Händchen, was die Komposition der Speisen betrifft, hat der
raue Sport offenbar nichts anhaben können, und paradoxerweise hat
sich Minnetti mitten in einem Gebiet, in dem Wildschwein die große
Spezialität ist, auf delikate Fischgerichte spezialisiert. Das
Rohmaterial für seine Fischmenüs bezieht er aus dem toskanischen
Küstenort Castiglione della Pescaia in der nahen Maremma. Nicht
nur Brunello Dass
Minnetti und seine Frau in Montalcino erlesene Weine ausschenken,
versteht sich von selbst. Es sind beileibe nicht nur Produkte des
beherbergenden Weinguts, die natürlich auch serviert werden. Von
Barolo (der unglaubliche Vecchie Vigne 97 von Corino) bis Tignanello,
von Gaja bis Biondi Santi ist mehr oder weniger alles vertreten, was
in Italien Rang und Namen hat - ergänzt durch eine Handvoll
internationaler Schmankerln wie Cassagne Montrachet, Elsässer und
Rheingauer Riesling oder Süßweine vom Neusiedlersee. Natürlich
kosten die Romanée Conti 1982 oder Château Margaux 1967 ihren
Preis (1000 - 1500 EUR), aber echte Altwein-Freunde lassen sich
davon ja bekanntlich nicht schrecken.
Dass
Patrizia Minnetti jüngst zur besten Sommelière Italiens gekürt
wurde, ist Garantie für einen perfekten Weinservice, auch wenn die
Weinkarte den einen oder anderen Lapsus enthält, wie die Zuordnung
des Solaia (statt Sassicaia) zur Tenuta San Guido.

Das hübsche Gutshaus von Poggio Antico liegt wenige
Kilometer außerhalb Montalcinos, nur wenig entfernt vom höchsten
Punkt der Gemeinde, wo der Bergrücken zum Orcia-Tal hin abzufallen
beginnt.
Das
Ristorante di Poggio Antico hat sich in wenigen Jahren in der
ilcinesischen - so heißt alles, was aus Montalcino kommt, auch
seine Einwohner - Gastronomie eine Spitzenposition erobert, die aus
ihm eine lohnenswerte Etappe machen. Und wo in der noch etwas
hinterher hinkenden Hotellerie der Umgebung doch noch exzellente
Zimmer zu finden sind, verraten ihnen die Besitzer sicher auch
gerne.
Ristorante di Poggio Antico,
Località Poggio Antico, 53024 MONTALCINO, Tel & Fax:
+39-0577-849200, e-mail: rist.poggio.antico@libero.it,
So geschl., Preise - Antipasti: 16 - 21 EUR, Primi: 13 - 18 EUR,
Secondi: 21 - 52 EUR.
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