|
Weingastlichkeitsarchiv
Kapholländische
Idylle
Grande Roche und
Bosman's in Paarl
von
Wolfgang Fassbender
Soziale Ungerechtigkeit,
elende Zustände in den Townships, eine teilweise erschreckende
Kriminalität. Die politischen und sozialen Probleme machen im Südafrika
der neuen Zeitrechnung noch immer mehr Schlagzeilen, als
gastronomische Spitzenleistungen. Doch es gibt auch das andere Südafrika.
Das der begeisternden Weine, der einzigartigen Landschaft, der
aufstrebenden Gastronomie? Wie das “Bosman's” in Paarls Hotel
“Grande Roche”, dem nach Ansicht südafrikanischer Gourmets
besten Hotel-Restaurant des Landes. Mindestens.
Ein
altes Anwesen im kapholländischen Stil stellt den Rahmen für
eines der besten Hotels und Restaurants des Landes. Berühmt:
der gut bestückte Weinkeller mit vielen alten Raritäten aus
Südafrikas Weinbaubetrieben. (Fotos: E. Supp)

Die Zeit des politischen
Umbruchs, Anfang der neunziger Jahre, war auch die Stunde Null für
eine dramatisch veränderte Wein- und Gastronomiekultur. Junge
Winzer mit höchsten Qualitätsansprüchen etablierten sich gleich
dutzendweise, und auf der Farm “De Nieuwe Plantatie”, einem
Anwesen mitten in Paarl aus dem Jahr 1717 entstand das “Grande
Roche”. Mit luxuriösen Suiten, einem traumhaften Blick über
Reben und die nahen Berge, mit großem Pool, mit Südafrikas
bestsortiertem Weinkeller ... und mit dem ersten Zigarrenclub Südafrikas.
Unter den vielen Gründen, die
Villa im kapholländischen Stil aufzusuchen, ist die Weinauswahl
seines Restaurants einer der wichtigsten. Zwar reicht die südafrikanische
Rebkultur bis ins 17. Jahrhundert zurück, doch reife Flaschen sind
eine unerhörte Rarität in einem Land, das bis vor 20 Jahren fast
ausschließlich auf billige Süße und jung zu trinkende Weiße
setzte. Ans Aufheben der wenigen roten Spitzenweine dachte fast
niemand. Nur in Paarls guter Stube, die nach dem einstigen
Gutsbesitzer Hermanus Bosman benannt wurde, war das anders.
In
der südafrikanischen Gastronomie leider noch immer eine Seltenheit:
perfekt geschultes Personal und Sommeliers, die ihr Handwerk
verstehen. Die komfortablen Zimmer und Suiten des Grande Roche sind
zum größten Teil in den alten Gebäuden des Gehöfts
untergebracht, die sich über den malerischen Park des Anwesens
verteilen.

Unter den gut 10.000 Flaschen,
die Einzug in den Keller des Bosman’s hielten, finden sich nicht
nur der 1981 Fleur du Cap oder ein 1989er Merlot vom
Renommierbetrieb Meerlus, sondern auch ein süßer Muscadel der
Kellerei KWV aus dem Jahr 1930: Noch ältere Südafrika-Weine wären
auch auf dem internationalen Raritätenmarkt nur mühsam zu finden.
Derlei Abgelagertes ist selbst für deutsche Verhältnisse teuer, für
südafrikanische ist es schier unbezahlbar. Übrigens: Nicht alle
Weine des Kellers kann der Gast schon heute bestellen. Viele der
Flaschen befinden sich noch in der Reifephase und werden erst dann
serviert, wenn der Sommelier sie für trinkreif erachtet.
Aber es geht glücklicherweise
auch preiswerter. Fast alle großen und alle aufstrebenden Namen des
südafrikanischen Weinbaus sind auf der Weinliste vertreten,
Veenwouden, Saxenburg oder Thelema, Rustenburg oder
Kanonkop. Auch
wie der legendäre Süßwein “Constantia” - im 19. Jahrhundert
ein Exportschlager nach Europa - einst geschmeckt haben könnte, ist
zumindest im Ansatz nachzuvollziehen. Das Weingut Klein Constantia
lancierte vor wenigen Jahren einen Nachfolger des historischen
Vorbildes: rosinig duftend, würzig, samtig süß und ein herrlicher
Begleiter der Desserts aus der Küche von Frank Zlomke.
Wie wäre es mit überbackenen
Kap-Früchten mit Beereneis oder gebackenem Apfel mit Vanilleeis.
Zuvor empfehlen sich das Dreierlei vom Karoo-Lamm: Carpaccio,
Biltong - getrocknetes Fleisch - und Piccata oder ein Springbock mit
geschmolzener Gänsestopfleber an Pinotage-Sauce. Auch Krustentiere
und Fische spielen eine tragende Rolle in der “Bosman's”-Küche
- schließlich sind es nur 60 Kilometer zum Atlantik oder zum
Indischen Ozean.
Grande Roche - Restaurant Bosman's,
7622 Paarl, Südafrika, Tel. +27-(0)21-8632727, Fax
+27-(0)21-8632220, e-mail: salesm@granderoche.co.za,
www.granderoche.com,
Restaurant 12 - 14.30 Uhr, 19 -21.30 Uhr geöffn., kein Ruhetag,
Juni bis August geschlossen. DZ / Suiten ab ca. 200 Euro. Menüs ab
25 Euro.
Die bisherigen Reiseartikel -
Verzeichnis nach Ländern

eine
Seite zurück
zwei Seiten zurück
|