|
Zum News- und Presse-Archiv
(Stichwort: Produkte)
Hier gewinnt niemand
Millionen, aber ... update
von Eckhard Supp
Wissen ist in! Das
zeigen nicht nur die Erfolge des Rattenschwanzes an
TV-Quizzsendungen, die sich seit einigen Jahren im Gefolge des
Quotenbrechers "Wer wird Millionär?" über das
Fernsehpublikum ergießen. Egon Mark, österreichischer
Sommelier und Weinautor, hat jetzt aus mehr als 1.000 Fragen
ein, wie er es selbst beschreibt, "ultimative(s)
Weinquiz" unter dem Motto "Wein erlernen ist Spass"
zusammen gestellt, das für 31,00 bzw. 29,40 (Österreich) Euro
im Internet (www.diplomsommelier.at) erhältlich ist.
Die
3. Auflage (31.3.2008): Mit der nun vorliegenden dritten
Auflage des Weinquiz' wurde nicht nur der Umfang der
Fragen erweitert und es kam eine neue Kategorie
(Schweiz) hinzu, sondern auch die inhaltliche Qualität
wurde erheblich verbessert. Auch bei mehrmaligem
Durchspielen verschiedener Varianten konnten wir nur
noch wenige Ungenauigkeiten entdecken: So wird in der
Frage nach der meist kultivierten Rebsorte Frankreichs
noch immer der Carignan angegeben, der seine
Spitzenposition aber schon seit einiger Zeit an Merlot
abgegeben hat und nur noch auf Rang vier erscheint,
weltweit (Zitat Mark: "Auch bei den häufigst
angebauten Rebsorten der Welt liegt Carignan ganz
vorne") sogar nur noch auf Rang acht. Auch die
Fragestellungen sind nicht immer sprachlich korrekt und
eindeutig: "Wie viel
potenziellen Alkohol erzielt man aus 1% Zucker im
Traubenmost durch die alkoholische Gärung?",
heißt es da u. a. unter Missachtung der Tatsache, dass
durch die Gärung nur "tatsächlicher" Alkohol
erzielt wird, während der "potenzielle"
Alkohol lediglich eine aus dem Zuckergehalt der Trauben
errechnete theoretische Größe darstellt. Leider wurden
auch die von uns kritisierten technischen Aspekte, v. a.
die "Gesellschaftsfähigkeit" des Spiels,
nicht verändert.
-.-.-.-.-.-.-
Der erste Kontakt ist freundlich,
benutzerfreundlich besser gesagt. Wo andere Weinlexika und
Ratespiele zunächst einmal zu aufwändigen
Installationsprozeduren einladen, öffnet sich beim Einlegen von
Marks CD sofort ein Browser mit der Startseite - vorausgesetzt,
man hat unter den Browsereinstellungen die "aktiven
Inhalte" zugelassen.

Auch der Start des Spiels geht
völlig unproblematisch von der Hand. "Bitte wählen Sie jene
Kategorien aus,
aus denen die Fragen stammen sollen" heißt es, und der
Nutzer kann zwischen den sieben Kategorien Allgemeines,
Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, International und
Weingeschichte sowie zwischen 10, 20, 30, 40, 50 und allen Fragen
pro Spielrunde auswählen.
Auch für
Fachleute knifflig
Soviel gleich vorneweg: nicht alle
Fragen sind leicht zu beantworten, und einige erfordern sogar
ausgesprochenes Spezialwissen, wie zum Beispiel die nach den
Kreuzungspartnern der Heroldrebe oder nach dem Reifezeitpunkt der
Zweigeltrebe. Auch die Frage, wer denn die Sektsteuer in
Deutschland einführte (Wilhelm II.) erfordert zumindest
kurzfristiges Kramen in den hinteren Hirnwindungen. Bei anderen
Punkten dagegen muss man sich fragen, ob sie wirklich zum
notwendigen Weinwissen gehören, wie beispielsweise die nach der
Anzahl der österreichischen Masters of Wine, deren Aufnahme in
den Fragenkatalog wohl eher dem gefestigten Nationalstolz des
Autors zu verdanken ist als ihrer Relevanz für Weinfreunde.
Ärgerlich wird es allerdings da, wo
die Antworten den Nutzer in die Irre führen - sprich, schlichtweg
falsch sind. Da wird ein Weinbaugebiet namens Mount Baker
abgefragt, das der Antwort zufolge in Westaustralien liegen soll.
Nun gibt es tatsächlich ein Weingut (!) Mount Baker im
US-Bundesstaat Washington State, Yakima Valley - der Staat wird
wie Western Australia mit "WA" abgekürzt -, aber
deshalb heißt das Anbaugebiet in Westaustralien immer noch Mount
Barker und nicht Baker.
Störender noch ist die Frage, was
Quercus suber mit Wein zu tun habe. Wer brav auf die Antwort
"Kork" klickt, wird flugs eines Besseren belehrt.
Quercus suber sei die Eiche, und deren Holz werde im Fassbau
verwendet. Die deutsche Sprache ist ja schon ziemlich schwer, aber
die lateinische offenbar noch sehr viel mehr. Quercus suber ist
eine "im Mittelmeergebiet verbreitete Eichenart ...mit ...
starker Borkenbildung ... Der ab etwa dem 20. Jahr gebildete
»weibliche« Kork wird alle 8-12 Jahre (bis zu einem Alter von
etwa 150 Jahren) in Platten vom Stamm geschält und zur
Herstellung von Flaschenverschlüssen (Korken), Dekorations- und
Dämmmaterial sowie Linoleum verwendet." So zumindest will es
der Große Brockhaus, und auch im Internet findet der fleißige
Nutzer keine davon abweichende Definition. Die im Fassbau
verwendeten Eichensorten dagegen hören auf die Namen Quercus alba,
Quercus petraea bzw. Quercus sessiliflora und Quercus robur bzw. Quercus
pedunculata.
Nun kommen überall Fehler vor, aber
zwei falsche Antworten bei 60 beantworteten Probefragen und ein
Schreibfehler (Goûte de Goudron) erscheinen doch eine etwas hohe
Quote. Nun ist das Internet ja nicht eben arm an Weinlexika, und
zumindest für die Online-Version des Mark'schen Ratespiels sollte
Nachbesserung möglich sein.
Einsames
Vergnügen
So leicht der Start der CD-Software
auch war, beim weiteren Gebrauch fehlt es nicht an dem einen oder
anderen Stolperstein. Wer einmal eine falsche Antwort angeklickt
hat, der erfährt zunächst nur, dass sie falsch war. Erst beim
Klick auf den Button "Erklärung" erhält er die
richtige Antwort und eine kleine - wie man gesehen hat, nicht
immer ganz zutreffende - Erläuterung. Auch
Geselligkeit wird von der CD nicht gefördert. Wie schön wäre
es, wenn man das Ratespiel auch zu viert spielen, und die
Software, die nach jedem Rateturnus ein Auswertungsprotokoll der
beantworteten Fragen erstellt, diese Auswertung auch für die
verschiedenen Mitspieler separat vornehmen könnte. So aber wirkt
das "Wein erlernen mit Spass" eher wie dröge Abfragerei
für einsame Wein-Besserwisser. Aber vielleicht ändert sich das
ja nach der ersten Flasche Wein?
|