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Zu den bisherigen Portraits und Reportagen     

 

Mai 2007 

Steile Lagen - steile Weine

von Erich Grasdorf


Auch im Winter gehört der südsteirische Grassnitzberg zu den faszinierendsten 
Weinlandschaften Europas (Foto E. Supp)

  

Sauvignon blanc gibt es überall auf der Welt. Der aus Österreichs tiefstem Süden aber hängt alle ab. Er gehört nicht nur zur Weltspitze, er ist sie. Und die Region hat noch mehr zu bieten: Traminer, Muskateller, Welschriesling, Weißburgunder und Chardonnay bzw. Morillon bilden das Weißweinland Südsteiermark. Rotweine sind dagegen eine Seltenheit.

 

Der gemeine Klapotetz ist ein hölzernes Windrad, das in der steirischen Landschaft herumsteht. Eigentlich soll er mit seinem Klappern die Vögel von den Weinbeeren fernhalten. Das heißt aber auch, dass er die meiste Zeit arbeitslos ist. Er wird erst entriegelt, wenn die Trauben reifen. Dann mach er laut und vernehmlich - sofern der Wind weht - klickediklack. Den Rest des Jahres erfreut sein Anblick immerhin noch Touristen, und von denen gibt es hier etliche, ohne dass sie sich jedoch auf den Füßen stehen würden.

Steirische Klassik

Als weininteressierter Reisender kann man sich in der Südsteiermark in aller Ruhe von einem Weingut zum nächsten "degustieren". Kann den Gelben Muskateller probieren, der nicht nur der klassische Aperitifwein der Region ist, sondern auch gut zu den herzhaften Würsten und Rohschinken passt, die hier produziert werden. Man kann sich über die diversen Traminer und Welschrieslinge bis zum Sauvignon blanc vorarbeiten, dem eigentlichen Star des Gebiets. Spätestens dann dürfte man gemerkt haben, das die Steiermark, insbesondere die Südsteiermark, Weissweinland ist. Rotweinfans stehen hier im Schilf.

Bei vielen Weißweinen ist auf dem Etikett die Bezeichnung "Steirische Klassik" zu finden - häufig handelt es sich dabei um sortenreine Cuvées aus Weinen verschiedener Lagen, die im Stahltank oder großen, weitgehend geschmacksneutralen Holzfässern ausgebaut werden und so ihre typische Frische, Fruchtigkeit und Würze behalten. Diese Weine sind eher schlank als wuchtig.

Den Gegenpart geben die Einzellagenweine, deren Trauben von den besten Weinbergen stammen. Sie sind in der Regel kraftvoller, konzentrierter, aromatischer, kurz: opulenter. Viele dieser Weine haben im kleinen oder großen Holzfass gelegen und wurden sogar in ihm vergoren. Ihr Stil ist aber dennoch in erster Linie nicht vom Holzausbau sondern vom Terroir, vom Charakter der Weinbergslage bestimmt. Im Gegensatz zu den Weinen der "Steirischen Klassik", die nach zwei, drei Jahren den Weg aller Weine gegangen sein sollten, können die Lagenweine ein reifes Alter erreichen - besonders, wenn es sich um Sauvignon blanc handelt.

Das Maß allen Sauvignons

Diese Weißweine aus Sauvignon blanc gehören nicht zur Weltspitze, sie bilden sie. Sie heißen Zieregg vom Weingut Tement, Nussberg von Gross,  Obegg und Hochgrassnitzberg von den Brüdern Polz oder Kranachberg und Pfarrweingarten von Sattler .... aber lassen wird die Aufzählerei. Wohin man auch kommt: Das Ah! für die Qualität der Weine und nicht selten auch das Oh! für deren Preise sind garantiert. Während man bei den Klassikern ab Hof mit etwa 7-8 Euro gut durchkommt, kosten die Lagenweine um 20-25 Euro. Einige Winzer selektionieren ihre Lagenweine zusätzlich und zeichnen diese Auslesen als "Privat", "Reserve" oder sogar - französisch - "Merveilleux" aus.

"Auch in Slowenien und der Steiermark entstehen meisterliche Sauvignons", schrieb Jancis Robinson - mit Blick auf Loire, Kalifornien und Neuseeland - in ihrem vor zehn Jahren erschienenen Rebsortenbuch. Inzwischen wurde aus den steirischen Weinen das Maß aller Sauvignons. Dass diese Sorte gerade hier zu solcher Form aufläuft, liegt v. a. daran, dass sie sich in eher kühlen Gebieten mit gleichzeitig viel Sonnenschein besonders wohl fühlt. Genau dieses Zusammenspiel kann die dramatische Hügellandschaft mit ihren Steillagen in Perfektion bieten. Eine geschmacksprägende Rolle spielen natürlich auch die je nach Lage Kalk-, Schiefer- und Feuersteinböden.

Kulturlandschaft

Am schönsten ist die Südsteiermark im Sausal rund um den Ort Kitzeck. Und dort, wo sich die aus Weinbergen, Obstgärten, Wäldern und Wiesen geformte Kulturlandschaft bis weit nach Slowenien hinein fortsetzt. Weil sich Terroir nicht um staatliche Grenzen kümmert, haben sich einige steirische Winzer im Hinblick auf eine zukünftige Expansion auch im südlichen Nachbarland Rebflächen gesichert. Mit EU-Zuschüssen, die in der Vergangenheit den Bau einiger der Prachtkeller im Grenzland ermöglichten, ist in Zukunft allerdings nicht mehr zu rechnen.

An vielen Privathäusern hängt in der Steiermark ein "Kernöl"-Schild. Dort kann man Kürbiskernöl aus eigener Produktion erwerben. Ohne dieses dickflüssige, grüne, aromatisch-nussige Öl ist die die regionale Küche schlicht nicht denk- und machbar. Ob Salat, Suppe oder Aufschnitt - alles wird mit Kernöl aromatisiert. Es wird in zahlreichen Varianten, von leicht bis schwer, angeboten. Für die Produktion wird das Fruchtfleisch der Kürbisse von den allgegenwärtigen Feldern entsorgt, die Kerne werden geröstet, gemahlen und gepresst. Sehr gutes Kernöl gibt es beispielsweise bei Fink Delikatessen in Riegersburg, bei der Greisslerei De Merin in Straden und auf vielen Weingütern.

Wo Öl eine so große Rolle spielt, ist auch der Essig nicht mehr fern. Der feinste Balsam aus heimischen Äpfeln und Trauben stammt von Gölles in Riegersburg. Ein Besuch in dieser Schnapsbrennerei und Essigmanufaktur gehört für viele Steiermarkreisende zu den kulinarischen Pflichtübungen. Da kann man sich den Unterschied zwischen Bier-, Kirschen-, Tomatenessig auf der Zunge zergehen lassen und anschließend zur Schnüffel-Degustation von rund zwanzig Premiumbränden schreiten. Dann geht es ab in die nächste Buschenschank oder ins Haubenrestaurant.

Übrigens: Die Chancen, einem Klapotetz "bei der Arbeit zuhören" zu können, stehen schlecht. Es hat sich unter den Vögeln herumgesprochen, dass es dort, wo es besonders heftig klapotetzt, auch viel zu picken gibt. Weshalb heute viele Winzer auf die Dienste ihres klappernden Windrades lieber verzichten.

 

Die bisherigen Reportagen und Portraits

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