<%@ LANGUAGE="VBSCRIPT" %> <% if Session("login") = "" then Response.Redirect "formReportage.asp" else end if %> Eno WorldWine - Magazin
 

Homepage
Basiswissen
Editorial
EWW-News
Das Dokument

Gewinnspiel
Lexikon K&K

Modern Cooking
Neue Produkte

Portraits
Reportagen

Veranstaltungen
Verkostungen
Weinhighlights
Weinreisen
Weinwissen
Weltstatistik

Service/Archiv
EWW mobile
Fotoarchiv
Kartensuche EU

Kartensuche NAm
Kartensuche Oze
Kartensuche SAm

Leserbriefe
Linkpartner
Magazinarchiv
Newsarchiv
RSS Feeds
Terminplaner
Verkostungsarchiv
Volltextsuche
Weingutsdaten

Verlag
Anzeigenpreise
Mediastatistik

ENO-Bücher
Eno-Verlag

© 1997 - 2008 by
ENO-Verlag
GmbH

Postadresse:
Perckentinweg 27a

D - 22455 Hamburg
Tel: +49-40-47193475
Fax:+49-40-47193556 

info@enobooks.de
 

Geschäftsführer + 
verantw gem.§ 6 MDSV
Dr. Eckhard Supp
Firmensitz:
D - 63069 Offenbach
Amtsgericht OF
H-Reg. 5 HRB 842
U-ID: DE 114377683

Der ENO-Verlag hat auf die Gestaltung und den Inhalt der auf seinen Seiten verlinkten Fremdangebote keinen Einfluss und distanziert sich ausdrücklich von ihnen. Sobald uns rechts- bzw. sittenwidrige Elemente zur Kenntnis gelangen, werden die betreffenden Links entfernt.

PageRank Checker

e-mail-Brief.gif (300 Byte)

WorldWine Reportage

Die bisherigen Portraits und Reportagen     
   

Verkannte Neuzüchtungen 

von Dagmar Ehrlich

Der deutsche Sprachraum gilt traditionell als Hochburg der Rebenzüchter. Kaum ein anderes Land des Weltweinbaus hat dabei in den letzten hundert Jahren so viele Vinifera-Neuzüchtungen hervorgebracht wie Deutschland. Allerdings gehören Weine aus Faberrebe, Ortega, Kerner, Optima, Perle, Bacchus, Rieslaner oder Scheurebe nicht eben zu den qualitativen Aushängeschilder: Es sind eher für den Verschnitt geeignete Brot- und Butterweine. Dennoch verfügen einige der neuen Sorten - die richtige Behandlung vorausgesetzt - über ein viel höheres Qualitätspotenzial als ihnen meist zugetraut wird.

In den sechziger Jahren wurden langsam und spät reifende "klassische" Sorten wie der Riesling, die Burgundersorten oder auch der Silvaner über große Strecken von Neuzüchtungen verdrängt. Wie schon 1882 der Schweizer Hermann Müller, Vater des Müller-Thurgau, wollten deren Väter dem Weinbau Reben an die Hand geben, die die Fähigkeit zu höheren Mostgewichten, optimale Anbaueignung auch in weniger guten Lagen und geringere Neigung  Qualitätsschwankungen zeigten als die Traditionssorten des deutschen Weinbaus. Hauptzuchtziel waren also sichere und mengenmäßig stabile Erträge, nur in zweiter Linie spielten qualitative Überlegungen eine Rolle.

Riesling immer dabei

Die Praxis der meisten Winzer, die die neuen Sorten auspflanzten, war ein getreues Abbild dieser Philosophie - einer Philosophie, die Deutschland vor allem im Export über Jahre hinweg erheblich schadete. Erstaunlicherweise aber wissen meisten derjenigen, die diese neuen Sorten auf Grund ihrer Entstehungsgeschichte und der mediokren Qualität ihrer Weine gerne in Bausch und Bogen verschmähen und lieber Weine aus so genannten Edelsorten trinken nicht, dass bei vielen dieser Neuzüchtungen der Riesling als Vater- oder Muttersorte Pate gestanden hatte.

So auch im Fall der Scheurebe, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Georg Scheu aus Riesling und Silvaner gekreuzt wurde. Sie läuft vor allem in den höheren Prädikatsstufen und bei niedrigen Hektarerträgen zur Hochform auf. Dann entwickeln ihre Weine ihr schillerndes, explosives, fast exotisches Aroma und ihre Säure präsentiert sich Riesling-typisch und vielschichtig.

Qualitativ hochwertige Resultate liefert auch der Rieslaner, eine Würzburger Kreuzung aus Silvaner und Riesling. Vor allem, wenn die Trauben Vollreife erreichten, schmecken seine Weine herrlich rassig und gefallen mit erdigem Cassis-Aroma. Allerdings konnte sich die Sorte bis heute kaum über die Grenzen seiner fränkischen Heimat hinaus durchsetzen, weil sie sehr hohe Anforderungen an die Lage stellt.

Weiße und rote Kreuzungen

Exzellente Resultate kann auch die aus Weißburgunder und Müller-Thurgau gekreuzte Huxelrebe liefern, vorausgesetzt man drosselt ihren Ertrag konsequent. Der Lohn sind Weine, die im Bukett dem Muskateller ähneln, aber eine wunderbare, Riesling-artige Säure besitzen.

Auch die Faberrebe, eine der wenigen Züchtungen, in denen der Riesling keine Rolle spielte - sie wurde von Georg Scheu aus Weißburgunder und Müller-Thurgau gekreuzt -, zeigt sowohl im Anbau wie in der Qualität klare Stärken. Sie gedeiht auch in schwierigen Lagen und kann in reifen Jahrgängen wundervolle Prädikatsweine liefern, die sich durch gute Säure und hohe Mostgewichte auszeichnen.

Fragwürdige Erfolge

Zu den wenigen erfolgreichen roten Neuzüchtungen gehört der Dornfelder, eine Kreuzung aus Helfensteiner und Heroldrebe, der zur Zeit der absolute Shootingstar der deutschen Weinszene ist. Seine Anbaufläche verdoppelte sich innerhalb von nur vier Jahren und ist wächst weiter. Die Sorte ist im Anbau unempfindlicher als die meisten anderen roten Reben, dabei aber gleichmäßiger in der Reife. Die dunkel-violetten, fruchtigen und harmonischen Weine entsprechen zudem sehr weitgehend dem aktuellen Publikumsgeschmack.

Beim 1969 gezüchteten Kerner, einer Kreuzung aus dem roten Trollinger und Riesling, die inzwischen an vierter Stelle der in Deutschland meist verbreiteten Rebsorten steht, kann die Beliebtheit in der Winzerschaft, die vor allem der geringen Frostempfindlichkeit und der Ertragssicherheit zu verdanken ist, nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Sorte nur selten die Qualität ihres großen Vorbilds Riesling erreicht, das ihre Züchter geleitet hatte.

Riesling-ähnlicher wirkt da der Ehrenfelser, eine Züchtung aus dem Rheingauer Geisenheim, die sich jedoch auf Grund der geringen Alterungsfähigkeit ihrer Weine nicht durchsetzen konnte, obwohl die Erträge hoch sind und sie auch in kalten, schwierigen Lagen gut ausreift.

Die Entdeckungsreise lohnt

Fast so populär wie Kerner ist Bacchus, der Platz fünf der deutschen Rebsortenliste hält. Die Kreuzung aus Riesling x Silvaner mit Müller-Thurgau verdankt ihre Popularität allerdings eher der Tatsache, dass sie auf fast jedem Kartoffelacker gedeiht und mit ihren hohen Erträgen bei gutem Mostgewicht ein beliebter Verschnittpartner ist.

Summa summarum kann man sagen, dass die gängigen Vorurteile gegenüber vielen der Neuzüchtungen langsam verblassen, denn die besten liefern eindeutig überzeugendere Qualitäten als der Großteil der Modeweine vom Schlage eines Pinot grigio - und das zu günstigeren Preisen. Grund genug für jeden Weinfreund, auch einmal bei den verkannten Neuzüchtungen auf Entdeckungsreise zu gehen.

Verwöhnter Nordwesten

von Eckhard Supp

Der Weinbau im amerikanischen Nordwesten ist sehr viel jünger als der im südlichen Kalifornien, hat aber in den letzten Jahren eine fast unglaubliche Expansion erlebt. Washington State, wo europäische Kulturreben noch vor wenigen Jahrzehnten fast unbekannt waren, ist heute der zweitgrößte Weinerzeuger der USA, und die Weine des Staates genießen in Amerika so etwas wie Kultstatus: Preise von 60 Dollar und mehr pro Flasche sind keine Seltenheit. Obwohl das Potenzial des Weinbaus in Washington unbestritten ist, lässt das Qualitätsniveau der Weine noch manche Frage offen. Für die erfolgsverwöhnten Winzer könnte der Moment der Wahrheit gekommen sein.


Weinbau im Wüstenklima, das Columbia-Valley-Gebiet in Washington State ( Fotos: E. Supp)

Großer Verkostungsreport Washington / Oregon

 

“Walla, Walla, Walla, Walla …”. Was wie schlechte Faschings-Kreativität klang, war in Wirklichkeit banale Realität. Insgesamt sechs Mal war das merkwürdige Wort auf dem Etikett einer der Flaschen unserer kleinen Verkostung zu lesen: als Herkunftsbezeichnung, als Sitz des Erzeugers und schließlich tauchte es noch im Weinnamen auf. Dabei steht „walla“ in der Sprache der Indianer des amerikanischen Nordwestens für Wasser, Walla Walla bedeutet viel Wasser, und um Wasser zu verkosten, hatten wir die weite Reise ja eigentlich nicht unternommen.

Walla Walla oder balla, balla

Ein wenig „balla, balla“ hatten wir uns kurz zuvor gefühlt – wir, die Gruppe Weinjournalisten aus verschiedenen europäischen Ländern, die auf Einladung der Washington Wine Commission Gelegenheit bekommen sollten, den Weinbau des nordwestlichsten US-Bundesstaats kennen zu lernen, Washington State, wie die Amerikaner ihn zur besseren Abgrenzung von Washington DC meist nennen. „Balla, balla“ fühlten wir uns deshalb, weil die Diskrepanz zwischen den bis zum Anschlag mit riesigen Traubenpaketen vollgepackten Rebzeilen und dementsprechend dünnen, kurzen Weinen einerseits und dem Stolz der Winzer – sie heißen hier nicht zu Unrecht Traubenerzeuger – wie den ebenso stolzen Weinpreisen andererseits kaum zu verstehen war. Süditalienische oder spanische Kooperativen hätten bei vergleichbaren Maximalerträgen für ihre Weine wohl kaum mehr als zwei oder drei Dollar die Flasche erzielt, hier dagegen galten zehn bis 20 Dollar für die Weißen und 20 bis 50 oder gar 60 Dollar für die Roten als absolut normal. Was, um Himmels willen, sollte europäische Verbraucher motivieren, solche Fantasiepreise für mäßige Weine zu bezahlen? 
 


Pionier-Betrieb Chateau Ste Michelle


Zum Glück gab es dann aber auch wirklich gute, dichte und komplexe, fruchtige und strukturierte Weine zu genießen und zu bewundern. Sie zeigten, dass der Weinbau in Washington State nicht ganz zu Unrecht einen guten Ruf genießt. Aber fangen wir von vorne an! Washington State ist der nördlichste US-Bundesstaat an der Westküste und grenzt im Norden an Kanada, im Süden an Oregon, einen weiteren Weinbaustaat, der in jüngster Vergangenheit von sich reden gemacht hat. Auch wenn es die geografische Lage suggeriert: Washingtons Weinbaugebiete sind alles andere als „cool climate“-Regionen. Weinbau wird hier fast ausschließlich im Hinterland getrieben und gut 99 Prozent der Reben wachsen im Einflussbereich des mächtigen Columbia River und seiner Zuflüsse (auf der Karte gelb, s.u.), während der Puget Sound im Umfeld der Hauptstadt Seattle (auf der Karte rot) nur vereinzelte, kleinere Rebflächen besitzt.

Weinbau in der Wüste

Im Unterschied zur kühlen, regenreichen Küstenregion ist das Klima am Columbia River und seinen Zuflüssen – von zwei hohen Bergketten vor dem feuchten Meeresklima abgeschirmt – nämlich heiß und trocken. Nur 160 mm Regen fallen hier im Jahr – in Seattle sind es 1.000 mm und direkt an der Küste sogar mehr als das Fünffache davon – und bis Anfang des 20. Jahrhunderts war in dieser wüstenähnlichen Landschaft an Acker- oder Weinbau überhaupt nicht zu denken. Erst mit dem Aufkommen der künstlichen Bewässerung, die sich der enormen Wassermengen bediente, die der Columbia aus den Rocky Mountains zum Ozean führt, wurde das Gebiet einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeuger der USA, ein wahrer Garten Eden für Äpfel, Gemüse und in neuerer Zeit auch Weintrauben.
 


Gigantische Trauben-"Wände"
zeugen von viel zu hohen Erträgen


Es sollte bis in die 1960er Jahre dauern, bis europäische Qualitätsreben der Vinifera-Familie am Columbia River Einzug hielten. André Tschelistcheff, einer der Väter der Weinindustrie Kaliforniens, war auch Initiator und önologischer Berater des ersten Qualitäts-Projekts in Washington, Chateau Ste. Michelle, dessen Kellerei allerdings fernab der Weinberge in Woodinville, einem Vorort von Seattle angesiedelt wurde – ein Beispiel, dem viele Kellereigründungen späterer Jahre folgen sollten.

Explosion in den neunziger Jahren 

Noch 1981 gab es im gesamten Staat nur 19 Wein erzeugende Betriebe, und 1989, als deren Zahl auf 60 gestiegen war, wurden gut 3.500 Hektar Weinbergsfläche kultiviert. Beim Vergleich dieser Zahlen mit europäischen Verhältnissen muss allerdings berücksichtigt werden, dass Traubenproduktion und Weinerzeugung sich in Washington lange Zeit getrennt voneinander entwickelten: Während vor allem Gemüse- und Obstbauern das Geschäft mit den Trauben in die Hand nahmen, beschränkten sich die Gründer der neuen „wineries“ meist auf die Kellerarbeit und kauften ihr Traubengut bei den alteingesessenen Farmern.

Im Sog der Entwicklung des kalifornischen Weinbaus und getragen von der zunehmenden Popularität des neuen Modegetränks in fast allen Staaten der USA erhöhte sich die Zahl der Weinerzeuger in den neunziger Jahren dann auf fast 200 und die der Traubenproduzenten stieg auf über 300, die mehr als 12.000 Hektar Rebfläche bewirtschafteten – fast soviel wie im Napa Valley. Insgesamt 11.000 Arbeitsplätze hängen derzeit direkt oder indirekt von einer Weinindustrie ab, die 2001 bereits mehr als 64 Millionen Flaschen Wein vermarktete und ein Geschäftsvolumen von 2,4 Mrd US$ bewegte.


Walla Walla: An der Three Rivers Winery


Im Zuge der Einrichtung von Appellationen (American Viticultural Area, AVA) wurden auch in Washington Anbaugebiete definiert. Wichtigstes dieser Gebiete ist das Columbia Valley (seit 1984 AVA), das sich fast 175 Kilometer weit in nord-südlicher wie in ost-westlicher Richtungs erstreckt und bis ins benachbarte Oregon hineinreicht. Noch vor dem Columbia Valley wurde Yakima 1983 zur Appellation erklärt, ist aber heute genauso Teil dieser Groß-Appellation wie Walla Walla (1984) und Red Mountain (2001), während der geographisch riesige, weinbaumäßig aber eher zwergenhafte Puget Sound (1995) eigenständig blieb. Für die kommenden Jahre ist die Einrichtung weiterer Appellationen und Sub-Appellationen geplant, deren Namen aber teilweise schon heute auf Weinetiketten auftauchen: Horse Heaven, Columbia Gorge, Alder Ridge, Canoe Ridge, Zephyr Ridge, Wahluke Slope & Mattawa, Cold Creek, Columbia Basin & Snake River und Wallula Area.

Klimafragen und Sortenwahl 

Was Böden und Mikroklimate betrifft, unterscheiden sich diese Appellationen zwar teilweise recht deutlich voneinander, besitzen aber auch viele Gemeinsamkeiten: Die Böden bestehen vor allem aus Sand und Kies, gemischt mit verschiedenen Lehm- und Schlammanteilen, und liegen auf einem Untergrund aus Basalt-Verwitterungsgestein, das eine gute Drainage garantiert, was insbesondere bei der noch immer betriebenen üppigen Sprinkler-Bewässserung von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Denn auch wenn sich als Konsequenz einer groß angelegten Studie unter Federführung von Chateau Ste. Michelle das Prinzip der Defizit-Irrigation mittels Tröpfchen-Bewässerung als sinnvollstes herausgestellt hat, so gibt es – wie man auf einer Fahrt durch das Land leicht konstatieren kann – immer noch viele Farmer, die am althergebrachten Fluten mittels riesiger Sprinkleranlagen festhalten.

Die enormen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht – in der Reifeperiode können es mehr als 15 oC sein – , die für deutliche höhere Säurewerte als in Kalifornien führen, veranlassten die Weinbau-Pioniere in Washington, anfänglich vor allem auf weiße Sorten und hier besonders auf die deutschen Starreben Riesling und Gewürztraminer zu setzen. Dieser Irrtum wird aber bereist seit Mitte der neunziger Jahre korrigiert, und der Sortenspiegel weist heute fast zwei Drittel rote Sorten auf. Chardonnay ist mit 3.000 Hektar zwar immer noch die meist kultivierte Einzelsorte, dicht dahinter aber rangieren bereits Merlot (2.900 ha) und Cabernet Sauvignon (2.600 ha). Die anderen roten (Syrah, Cabernet franc, Pinot noir, Lemberger, Sangiovese) und weißen (Riesling, Sauvignon blanc, Semillon, Chenin blanc, Gewürztraminer) Sorten folgen mit gebührendem Abstand.

Auch wenn die Jugend des Weinbaus in Washington noch kein definitives Urteil zulässt, scheinen die Weine gegenwärtig ein größeres Qualitätspotenzial für Syrah im Yakima Valley, für Cabernet in Walla Walla widerzuspiegeln. Das richtige Rebenalter einmal vorausgesetzt, könnte der Weinbau Washingtons es durchaus erlauben, an Qualitäten anzuknüpfen, wie sie in Europa vor der Reblaus erzeugt wurden, denn sämtliche Reben sind hier Direktträger: Die Reblaus konnte sich auf den sandigen Böden nicht verbreiten.

Paradigmenwandel zu mehr Qualität 

Eine solche Entwicklung würde aber voraussetzen, dass man sich stärker als bisher an der Erzeugung hochwertigen Traubenmaterials orientierte. Die aktuellen, meist im doppelten Kordon erzogenen Reben sind viel zu häufig auf hohe Erträge getrimmt, um wirklich auf breiter Front Qualität liefern zu können. Voller Stolz zeigten die Winzer ihren Besuchern auch auf unserer Reise Weinberge, in denen gigantische Cabernet Trauben – bis zu 45 pro Stock konnten wir gelegentlich zählen – wahre „Beeren-Wände“ bilden. Hinzu kommt, dass auch die Kellerarbeit noch lange nicht auf dem Niveau des kalifornischen oder europäischen Weinbaus steht – auffällig ist zum Beispiel, dass viele Fassproben deutlich sauberer sind als die endgültigen Füllungen, was Fehler beim Ausbau vermuten lässt.

Dass der amerikanische Markt bereit ist, für solche Weine die erwähnten Preise von 50 und mehr Dollar zu bezahlen, kann wohl nur mit der Unerfahrenheit der Konsumenten und dem hohen Absatzanteil auf dem lokalen Markt der Boom-Stadt Seattle, in deren überhitzer Yuppie-Kultur auch die Gastronomie Phantasiepreise verlangen darf, erklärt werden. Immerhin aber kann man im Gespräch mit den Weinmachern einen klaren Paradigmenwandel erkennen. Nicht nur, dass viele von ihnen inzwischen Wert auf eigenen Weinbergsbestand legen, der sie von den mengenorientierten Traubenproduzenten unabhängig macht. Auch Dogmen wie die des systematischen Aufsäuerns der Rotweine fallen nach und nach, da viele Önologen zur Überzeugung gelangt sind, dass reifes Traubengut und eine solide Tanninstruktur im Zusammenspiel mit dem ohnehin hohen Alkoholgehalt der Weine für ausreichend Stabilität und Alterungsfähigkeit sorgen.


Vier der Protagonisten des Weinbaus in Washington: Bob Betz (Chateau Ste Michelle), Brian Carter (Washington Winery), Rick Small (Woodward Canyon) und Mark Maiocco (Yakima Cellars)


Zu den Betrieben, in denen dieser Paradigmenwandel am weitesten fortgeschritten ist, gehört unzweifelhaft der Pionierbetrieb Chateau Ste Michelle der Stimson-Lane-Gruppe – zu ihr gehören in Washington auch Columbia Crest, Northstar und die Snoqualmie Winery, in Kalifornien Conn Creek und Villa Mt. Eden sowie in Australien die Petaluma-Gruppe –, der mit dem roten Col Solare einen der ganz wenigen auch international konkurrenzfähigen Spitzenweine des Staates hervorbringt. Auch wenn die vollmundige Selbstdarstellung einiger Betriebe der Gruppe – bei Northstar liest sich das ganz unbescheiden: „... will produce the world’s best Merlot and provide the definitive showcase for Columbia Valley grapes (...wird der Welt besten Merlot erzeugen und eine ultimative Bühne für Trauben des Columbia Valley darstellen)“ – der Realität noch um Meilen, wenn nicht Welten voraus eilt, so kann man doch nicht umhin, dem Chefönologen Bob Betz eine der besten Produktpaletten des Staates und die weitest reichenden Visionen zu bescheinigen.

Qualitätsorientierte Erzeuger

Bob Betz ist übrigens im Privatleben auch einer der erfolgreichsten Garagenwinzer, die in den letzten Jahren auch in Washington von sich reden machen konnten. In seinem Miniaturkeller in einem Gewerbegebiet des nördlichen Seattle verarbeitet er ausschließlich zugekaufte Trauben, erzeugt aber mit sehr traditionellen Methoden – die Maischegärung findet in offenen Bottichen statt, wobei der Tresterhut von Hand untergestoßen wird – exzellente Rote mit Namen, die eindeutig auf ihre französischen Vorbilder Bezug nehmen: Clos de Betz, Syrah La Serenne oder Cabernet Sauvignon père de familie heißen sie.

Die Erzeugerbetriebe, die vergleichbare Qualitäten erzeugen, kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Woodward Canyon in Walla Walla mit seinen exzellenten Cabernet-Sauvignon-Füllungen, die Yakima Cellars in Yakima City, ein Betrieb, der praktisch nur aus einem schönen Verkaufsraum und einem Hangar im nahen Industrieviertel besteht, aber wunderbare Sangiovese und Cabernet Sauvignon in die Flasche zaubert, die McCrea Cellars aus Rainier mit ihrer Syrah Boushey Grande Côte Vineyard, Three Rivers und Dunham in Walla Walla oder auch noch JM Cellars in Woodinville gehören dazu.

Zu ihren Verfolgern, die zwar ein gutes Sortiment aber keinen ausgesprochenen Spitzenwein vorzeigen können, obwohl sie das Zeug dazu hätten, gehören Namen wie Bookwalter, Columbia Crest, Canoe Ridge, Pepper Bridge, R. Sandidge, DeLille, L'Ecole No. 41, Seven Hills, Hedges, Washington Winery oder Arbor Crest. Daneben gibt es allerdings auch viel zu viele Erzeuger, deren Existenz man besser verschweigt, und die das Gesamtbild deutlich negativ beeinflussen. Noch nie hatten wir es bei unseren Verkostungen (vgl. dazu unseren großen Verkostungs-Report in dieser Ausgabe von Eno WorldWine) jedenfalls in den letzten Jahren mit Regionen zu tun, in denen fast ein Viertel der getesteten Weine nicht mehr als zwei unserer fünf Sterne verdient hatten.
 

On the road in WallaWalla

Natürlich kann man vieles im Staate Washington mit der Jugend des dortigen Weinbaus und der Unerfahrenheit seiner Protagonisten entschuldigen oder mit der übertriebenen, patriotisch motivierten Akzeptanz der Weine durch den Verbraucher. Solche Entschuldigungen helfen jedoch nicht mehr viel in einer Situation, in der sich auch auf dem amerikanischen Markt nicht nur die kalifornische, unter enormen Übermengen leidende, sondern auch die australische Konkurrenz immer drängender bemerkbar macht. Beide bieten Weine ähnlichen Stils und konsistenterer Qualität zu wesentlich interessanteren Preisen. Die Winzer von Washington werden sich wohl nicht nur in diesem Winter warm anziehen müssen, wenn sie ihren guten Ruf wirklich einlösen und ihre hohen Verkaufspreise rechtfertigen wollen.

Die besten Erzeuger von Washington:

Chateau Ste Michelle & Col Solare, Woodinville, WA 98072, Tel: 425-4881133, Internet: www.ste-michelle.com 

Woodward Canyon Winery, Lowden, WA 99360, Tel: 509-5254129, Internet: www.woodwardcanyon.com 

Yakima Cellars, Yakima, WA 98901, Tel: 509-5770461

McCrea Cellars, Rainier, WA 98576, Tel: 800-3786212, Internet: www.mccreacellars.com 

Three Rivers Winery, Walla Walla, WA 99362, Tel: 509-5269463, Internet: www.threeriverswinery.com 

Betz Family Winery, Woodinville, WA 98072, Tel: 425-4151751, Internet: www.betzfamilywinery.com 

JM Cellars, Woodinville, WA 98702, Tel: 206-3210052, Internet: www.jmcellars.com 

Dunham Cellars, Walla Walla, WA 99362, Tel: 509-5294685, Internet: www.dunhamcellars.com 

Bookwalter Winery, Richland, WA 99352, Tel: 509-6275000, Internet: www.bookwalterwines.com 

DeLille Cellars, Woodinville, WA 98072, Tel: 425-4890544, Internet: www.delillecellars.com 

R. Sandidge Winery, Prosser, WA 99350

Canoe Ridge Vineyard, Walla Walla, WA 99362, Tel: 509-5270885, Internet: www.canoeridgevineyard.com 

Pepper Bridge Winery, Walla Walla, WA 99362, Tel: 509-5256502, Internet: www.pepperbridge.com 

L'Ecole No. 41, Lowden, WA 99360, Tel: 509-5250940, Internet: www.lecole.com 

Hedges Cellars, Benton City, WA 99320, Tel: 509-5883155, Internet: www.hedgescellars.com 

Die bisherigen Reportagen und Portraits

Ein Teil der älteren Artikel ist nur zu mit Acrobat Reader zu öffnen. Sie können hier ihn kostenlos herunter laden.

Get Acrobat Reader 

Verzeichnis nach Ländern

Allgemeines Bio allein macht keinen guten Wein (2003)
Die Gesundheitsdebatte (2003)
Verkannte Neuzüchtungen (2002)
Kork - Die unendliche Geschichte (2002)
 
Australien Neue Welt mit Charme - Hunter Valley (2003)
Weinbau in den Roaring Fourties - Tasmanien (2002)
Edle Tropfen in down under - Südaustralien (2001)
 
Chile Die Erben der Konquistatoren (2002)
  
Deutschland Weingut direkt ... aus dem Internet (2004)
Der Bioprofessor vom Mittelrhein (2004)
Weinberg in Not - Homburger Kallmuth (2002)
Aufbruch in der Südpfalz (2002)

Weine von der Hütt' - St. Antony (2002)
Frankreich Klein und begehrt - Les-Baux-de-Provence (2003)
Champagne-sur-Loire - Bouvet Ladubay (2003)

Charles Philipponnat (2003)

Elsass von gestern? (2003)
Chablis - Der andere Chardonnay (2002)

Bordeaux-Connection (2002)

Ein Württemberger im Bordelais (2002)

Monsieur BiB - Bernard Ducourt (2002)

Achterbahn am Rhein - Das Elsass (2002)

Dom Pérignon und die Witwe - Champagne-Story (2000)

Tannat kommt von Tannin - Weine der Gascogne (2000)
Päpste, Händler, Genossen - Das Rhônetal (1999)
Süße, wilde Orchidee - Vanille auf Réunion (1999)
Kleiner Bruder mit Pfiff - Unbekannter Armagnac (1999)
Scharfes Handwerk - Das schönste Messer der Welt (1998)
Neuer Anlauf für Villages - Côtes-du Rhône auf dem deutschen Markt (1998)
Abschied vom deutschen Markt? - Das Elsaß übt sich im freien Fall (1998)
Der schüchterne Superstar - Syrah-Weine an der Rhône (1998)
Das Salz des Lebens - Guérande und seine Salzgärten (1998)
Großbritannien:  Whisky trails - Auf den Spuren der Schnapsbrenner in Schottland (1997)
 
Italien Ureinwohner - Südtirol (2003)
Neuer Wind - La Stoppa (2002)

Mode und Wein - Vittorio Giulini (2002)

Krieg der Stile - Barolo (2002)

Der Kämpfer von La Morra - Elio Altare (2002)

Marketing-Frühling in Südtirol - wein.kaltern (2002)

Im Schatten der Toskana - Die mittelitalienischen Regionen (2000)

Weinkarriere am Brenner - Das Trentino (1999)
Der Erfolg geht weiter - Italiens Prosecco sucht Identität (1998)
Die Revolution auf samtenen Füßen - Das Piemont auf dem Weg in die Moderne (1998)
Karriere mit Grenzen - Franciacorta - Italiens kleine Champagne (1998)
Der schlafende Riese - Das Piave-Gebiet (1998)
Die ideale Weinreise - Portrait des toskanischen Lebensgefühls (1997)
 
Kanada Okanagan - Kanadas Napa Valley (2006) 
Österreich Ambitionierte Genossen - Zantho (2002)
Gestörter Dornröschenschlaf - Stefan Köstenbauer (2002)

Viel Glück gehabt - Willi Bründlmayer (2002)

Miniatur-Toskana - Die Steiermark (1999)
 
Portugal Der Portwein, der keiner ist (2003)
 
Schweiz Energie pur: Marie-Thérèse Chappaz (2002)
 
Spanien Fino, Amontillado oder Oloroso - Jerez sucht seine Zukunft (2002)
Rioja 2002 - zwischen Tradition und Moderne (2002)
Das Jahrzehnt nach der Krise - Rioja wieder im Aufwind (1998)
 
Südafrika Der Visionär vom Kap - Alexander von Essen (2005)
Künstler am Kap - Christoph Dornier (2002)

Ein Land hat Hoffnung - Südafrika Teil 1 (2002)
, Teil 2 (2002)
Ästhet mit Mantra - Hamilton Russel (2002)
  
USA Der alte Mann und der Wein - Mondavi 90 (2003)
Verwöhnter Nordwesten - Washington (2002)

Burgunder-Träume in Carneros (2002)

Gallo - Ein Gigant macht sich schön (2002)

Großes Kalifornien-Dossier - Trends, Betriebe, Sorten, Export (1999)

It never rains in Southern California (1998)

Nicht nur Napa und Sonoma - Weinbau außerhalb Kaliforniens (1998)

© 2001 by Eno-Verlag, Offenbach/Germany