<%@ LANGUAGE="VBSCRIPT" %> <% if Session("login") = "" then Response.Redirect "formReportage.asp" else end if %> Eno WorldWine - Magazin
 

Homepage
Basiswissen
Editorial
EWW-News
Das Dokument

Gewinnspiel
Lexikon K&K

Modern Cooking
Neue Produkte

Portraits
Reportagen

Veranstaltungen
Verkostungen
Weinhighlights
Weinreisen
Weinwissen
Weltstatistik

Service/Archiv
EWW mobile
Fotoarchiv
Kartensuche EU

Kartensuche NAm
Kartensuche Oze
Kartensuche SAm

Leserbriefe
Linkpartner
Magazinarchiv
Newsarchiv
RSS Feeds
Terminplaner
Verkostungsarchiv
Volltextsuche
Weingutsdaten

Verlag
Anzeigenpreise
Mediastatistik

ENO-Bücher
Eno-Verlag

© 1997 - 2008 by
ENO-Verlag
GmbH

Postadresse:
Perckentinweg 27a

D - 22455 Hamburg
Tel: +49-40-47193475
Fax:+49-40-47193556 

info@enobooks.de
 

Geschäftsführer + 
verantw gem.§ 6 MDSV
Dr. Eckhard Supp
Firmensitz:
D - 63069 Offenbach
Amtsgericht OF
H-Reg. 5 HRB 842
U-ID: DE 114377683

Der ENO-Verlag hat auf die Gestaltung und den Inhalt der auf seinen Seiten verlinkten Fremdangebote keinen Einfluss und distanziert sich ausdrücklich von ihnen. Sobald uns rechts- bzw. sittenwidrige Elemente zur Kenntnis gelangen, werden die betreffenden Links entfernt.

PageRank Checker

e-mail-Brief.gif (300 Byte)

WorldWine Reportage

Die bisherigen Portraits und Reportagen     
   

Bordeaux Connection

von Dagmar Ehrlich

Rund 600 Millionen Euro setzten die Bordeaux-Güter, die ihre Weine per Subskription "en primeur" verkaufen, im vergangenen Jahr um. Damit brachte der schon heute legendäre 2000er genau doppelt so viel ein wie frühere Jahrgänge - ein sensationeller Rekord, wie das Fachmagazin "Wein + Markt" zu Recht schreibt. Mit der Subskription des 2001er Jahrgangs fragt sich die Weinwelt deshalb, ob auf den Höhenflug jetzt der Absturz folgt.

- : - : - : - 

So etwas hatte selbst das erfolgsverwöhnte Bordeaux noch nicht oft erlebt. Sämtliche Tranchen des 2000er Jahrgangs, die im Frühjahr des vergangenen Jahres "en primeur" angeboten wurden, waren im Handumdrehen vom Markt aufgesogen. Und das zu bis dato nicht gesehenen Preisen! Lagen die Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr bei den kleineren Châteaux noch bei vertretbaren fünf  bis dreißig Prozent, so hatten sich die großen Namen offenbar entschlossen, nicht zu kleckern, sondern zu klotzen. Subskriptionspreise mit bis zu hunderprozentigen Aufschlägen waren die Folge.

Mit ihrem Subskriptions-Umsatz von 600 Millionen Euro erwirtschafteten nur 300 von insgesamt 10.000 Bordelaiser Châteaux über zwanzig Prozent des Jahresumsatzes der gesamten Region - vor allem für sie boomte der Jahrgang 2000 wie kein anderer zuvor.


Château Petrus, einer der Stars des 
Bordeaux-Gebiets und der 2000er 
Subskription (Foto: Supp)

Das hatte seine Gründe: Der 2000er sei der beste Jahrgang, der je produziert worden sei, hatte der amerikanische Weinpapst Robert Parker erklärt, und "unbedingt kaufen" empfohlen. Die Händler reagierten über Nacht mit Preisaufschlägen von zwanzig und mehr Prozent. Und die Weinfreunde in aller Welt kauften, koste es, was es wolle. Obwohl die Nachfrage nach hochklassigem Bordeaux in Amerika und Europa stagniert hatte - Märkte, die bis dato eher als Nichttrinker-Länder gegolten hatten, orderten alles, was Rang und Namen hatte.

Der Trick

Der entscheidende Trick der Primeur-Subsription ist, dass die Weine in mehreren Tranchen angeboten werden. Mit der ersten dieser Tranchen wird der Markt auf Angebot und Nachfrage hin getestet. Verkauft sich der Jahrgang gut, wird die zweite Tranche of wesentlich teurer. Die letzte Partie eines Jahrgangs vom selben Château kann dann mehr als doppelt so viel kosten wie die erste. Ähnlich wie an der Börse können die Preise für viel gefragte Weine buchstäblich über Nacht explodieren. So erklären sich vor allem die exorbitanten Preise der so genannten Garagenweine - das sind Weine, die es nur in Kleinstauflagen gibt, und in den letzten Jahren zu heiß begehrten Sammler-Objekten avancierten.

Dieses Verfahren, das im Idealfall viel Geld in die Kassen der Weingüter spült, kann auch für den Verbraucher vorteilhaft sein: Er deckt sich beizeiten mit den gewünschten Weinen ein, zahlt gegen Vorkasse und erhält seine Flaschen zwei Jahre später, wenn der Wein definitiv gefüllt ist, zum Fixpreis, auch wenn der Tagespreis in der Zwischenzeit deutlich gestiegen ist. 

Aber Achtung! Verlässliche Vorhersagen sind bei dieser Art von Spekulation, die nach der großen Pansch-Affäre des Jahres 1973 kreiert wurde, um den damals danieder liegenden Markt neu zu beleben, kaum möglich. Denn mit den Bordeaux-Preisen, das bestätigt jeder Händler, geht es wie mit den Börsenkursen: Sie sind einem ständigen, unsteten Auf und Ab unterworfen.

Lohnt die Subskription?

Die Primeur-Subskription lohnt bei berühmten Namen fast immer, selbst in schwächeren Jahrgängen, denn mit den Mitteln der modernen Önologie gelingen auch in solchen Jahren hervorragende Resultate, wie man bei Château Latour oder Château Margaux im Jahrgang 1991 sehen konnte.  Auch für den jüngst vorgestellten 2001er Jahrgang gilt diese Regel. Wo die Trauben penibel ausgelesen und behutsam gekeltert wurden, führte die Mühe zu hervorragenden Ergebnissen.

Allerdings hingen die Trauben des Jahrgangs fast noch am Stock, als schon weithin über die mögliche Preisentwicklung spekuliert wurde. Nach dem gigantischen 2000er Preisniveau - so die vorherrschende Meinung - kam eine weitere Preissteigerung nicht mehr in Frage. Nach der spektakulären Hausse erwartete der Handel, der sich die Keller in den Vorjahren mit vielen Kisten unbekannterer Châteaux voll stopfen musste, um überhaupt ein paar Flaschen der berühmten Namen ergattern zu können, eine generelle Baisse.

Einige der einflussreichsten Händler in Bordeaux griffen sogar zu offenen Drohungen. Sie würden bei zu hohen Preisen den Markt zum Erliegen bringen, signalisierten sie den Château-Besitzern. Und noch einen Super-Gau wie 1997 - die Preise für diesen Jahrgang liegen heute unter (!) dem Niveau der Primeur-Verkäufe - wollten sie nicht noch einmal erleben.

Der 2001er braucht Zeit 

Entsprechend zurückhaltend wird denn auch seit dem Start der Kampagne des 2001ers geordert, fast wie beim 90er, bei dem sich die Weinfreunde ebenfalls zunächst sehr zurück hielten. Im Unterschied zu den 2000er Schmeichlern im Stil der Neuen Welt mit ihrer Fruchtfülle und ihren reifen Tanninen, wird der 01er seine wahre Größe - ganz wie der 98er - erst mit der Alterung zeigen. 2001 ist endlich wieder ein Klassiker-Jahrgang, der das Terroir, nicht aber in jedem Fall beste Bordelaiser Handwerkskunst widerspiegelt. Wer beispielsweise überextrahierte, holzbetonte Weine zu keltern versuchte, erntete nur unharmonische, bittere Qualitäten. Die gute Weine des Jahrgangs dagegen, vor allem in den Appellationen Margaux und Saint-Julien, sind herrlich rassig und frisch geraten und zeigen eleganten, konzentrierten Fruchtaufbau. 

Südafrika sucht seine Zukunft (II)

von Eckhard Supp

  
Die Weinberge von Groote Post an der Atlantik-Küste des  Swartlands, 
einem der Weinbaugebiete mit dem größten, noch unentwickelten 
Qualitätspotenzial Südafrikas. (alle Fotos: E. Supp)

 

Das enorme Qualitäts- und Marktpotenzial der alten Weinbaunation Südafrika haben wir im ersten Teil unseres Berichts dargestellt. In diesem zweiten Teil geht es um die Frage, mit welchen Weinen Südafrika auf dem Weltmarkt Karriere machen kann, und vor welchen Problemen das Land dabei steht.

 

Das Ende des Apartheid-Regimes bot Südafrika Erzeugern eine einmalige Chance. Vorbei die Zeit des internationalen Boykotts, vorbei die Isolierung und Ächtung südafrikanischer Produkte auf den wichtigsten Weinmärkten der Welt! Innerhalb weniger Jahre schaffte es das Land, vor allem den britischen Markt mit preiswerten, in großen Mengen produzierten Alltagsweinen zu erobern. Im Unterschied zu Kalifornien oder Australien, deren eigentliche internationale Karriere in den siebziger Jahren mit Achtungserfolgen bei hochkarätig besetzten Weinwettbewerben in Frankreich begann, startete Südafrika damit am unteren Ende der Marktpalette, hatte aber dennoch rasch und durchschlagend Erfolg.
 

 

 

 

Großflächige Weinbergsanlagen, moderne Kelleranlagen, billige Arbeitskräfte und ein niedriger Randkurs erlauben es Südafrikas Erzeugern, mit ihren Produkten zu sehr konkurrenzfähigen Weinen auf dem Weltmarkt aufzutreten - hier das Weingut Alto in Stellenbosch.

 

  
Vor allem das wirtschaftliche Potenzial der südafrikanischen Massensorte Chenin blanc, von der in manchen Gebieten bis zu 95 Tonnen pro Hektar eingefahren werden, wurde in diesem Sinne voll ausgereizt. Wie so oft in der Geschichte des Weinbaus, zog der leichte, schnelle Erfolg aber auch gravierende Probleme nach sich und blockierte vor allem die Entwicklung eines wirklich hochwertigen und hochpreisigen Produktspektrums. Was Großbritanniens Einkäufer diktierten, wurde Gesetz, und mit dieser Haltung verschlossen Südafrikas Erzeuger nicht nur die Augen vor den Anforderungen der restlichen Märkte, die sich von denen der Briten ja oft deutlich unterschieden, sondern eiferten auch falschen Vorbildern nach.

Ein Beispiel für diese falschen Vorbilder ist der neuseeländische Sauvignon blanc, für dessen perfekte Imitation viele Südafrikaner ihre Seele verkaufen würden. Ihnen zu erklären, dass Aroma- und Geschmacksprofil dieser Stachelbeer-Weine durchaus nicht überall auf Gegenliebe stoßen, ist fast zwecklos. Zu stark ist die Fixierung auf das, was der britische Markt als Vorbild propagiert.
 

 

Welche Sorten für die Zukunft
  

 

Diese Fixierung beginnt sich heute zu rächen. Schon jetzt haben viele der britischen Einkäufer die Kehrtwende begonnen, und reden der Abkehr der verbreitetsten Sorten Chenin und Pinotage das Wort, ja halten südafrikanische Weine trotz ihres lächerlich niedrigen Preisniveaus sogar generell für überteuert. Gefragt, ob sie an die Zukunft des Chenin glaube, aus dem sie immerhin ihre beiden vielleicht besten Weine keltert, erklärte die Weinmacherin von Hazendal im Stellenbosch-Gebiet, die Einkäufer der britischen Supermarkt-Ketten könnten der Sorte nichts mehr abgewinnen und beurteilten sie nur noch negativ. Deshalb sei ihre Antwort: Nein. Und auch in unseren jüngsten Blindverkostungen waren unter 100 angestellten Gewächsen nur drei Chenins zu finden – ein beschämender Beweis, wie wenig die Südafrikaner selbst an ihre Stärken glauben.
   

 

 

Ein Blick von den Weinbergen der Delaire Winery an den Hängen oberhalb Stellenboschs, wo ein schöner Cape-blend namens Botmaskop erzeugt wird, ins Tal von Franschhoek.

 

   
Tatsache ist, dass die Sorte von der Loire in Südafrika ein enormes Qualitätspotenzial zeigt. Natürlich darf sie nicht in hochproduktiven Feldern im heißen Flachland kultiviert werden, sondern benötigt die kühleren Süd- und Osthänge. Was sie auch benötigt, sind Winzer und Weinmacher, die an sie glauben und mit ihr umgehend können. Wie Anton Beukes von Môreson erklärt: „Wenn Sie hier bei uns einen Weinmacher nach den Aromen von Sauvignon blanc fragen, rasselt er ihnen die ganze Palette herunter. Bei Chenin blanc ernten Sie nur verlegenes Grinsen...“

Dabei gibt es sogar eine recht beachtliche Gruppe von Erzeugern guten Chenins. Zu ihnen gehören Villiera, Old Vines, Groote Post oder Beaumont genau so wie die erwähnten Hazendal und Môreson. Für Ken Forrester, einen der aufstrebenden Erzeuger der neuen Generation in Stellenbosch, ist Chenin gar „meine Saga“ und sein Grand Chenin vielleicht einer der allerersten südafrikanischen Weine überhaupt, die in den kommenden Jahren so etwas wie Kultstatus - die Südafrikaner sagen Ikonen-Status – erreichen könnte. Stoff, ein feines Bukett, aromatische Fülle und große Länge am Gaumen machen aus ihm einen wirklichen Modellwein für Südafrikas Weinwirtschaft, der alle Stachelbeer-Weine aus Neuseeland schnell vergessen läßt.

Einzigartige Weine

Ähnlich steht es mit der zweiten Standardsorte des Landes, dem Pinotage, einem einheimischen Verschnitt aus Cinsaut und Pinot noir, der zwar zu hohen Erträgen neigt, aber bei entsprechender Pflege hervorragende Weine geben kann. Der Vorteil des Pinotage, so erklärt Pieter Ferreira, der Weinmacher auf Graham Beck in Robertson, liegt darin, dass er Zucker- und Phenolreife zum selben Zeitpunkt erreicht, was bei vielen anderen Sorten nicht der Fall ist. Wird er aber in hochproduktiven Plantagen kultiviert zeigen seine Weine jene garstige Rustikalität mit untrinkbar bitteren Tanninen, vor denen sich die südafrikanischen Weinmacher zu Recht fürchten, wie der Teufel vor dem Weihwasser.

Es reicht aber, einmal die herrlich saftigen, modernen Weine von Mont Destin, L'Avenir, Vriesenhof, Laibach, Scali oder Kaapzicht zu probieren, um nur die Erzeuger zu nennen, die mit exzellenten Sortenweinen auf dem Markt sind, um das ganze, enorme Qualitätspotenzial dieser Sorte zu erkennen. Statt auf diese beiden urtümlich südafrikanischen Sorten aber setzen die meisten Weinmacher des Landes heute auf Syrah / Shiraz, Cabernet, Chardonnay und Sauvignon blanc. Nun haben zumindest die beiden Roten Standardsorten zumindest unter klimatischen Aspekten eine gewisse Daseinsberechtigung am Kap. Wirklich großen Chardonnay aber hat das Land bis dato nicht mehr als ein halbes Dutzend Mal, Sauvignon blanc noch nie gezeigt, was nicht heißen soll, dass es nicht den einen oder anderen schönen Wein aus dieser Sorte gibt.
 

 


Robertson, das Weinbaugebiet, in dem Graham Beck seinen modernen Betrieb aufbaute (li), gehört zu den vielversprechenden, noch unbekannten Regionen Südafrikas. Hier werden vor allem hervorragende Weißweine erzeugt.  Der Ziegenturm auf dem Gelände von Fairview in Paarl nimmt dagegen traditionelle Elemente der südafrikanischen Landwirtschaft auf.

 
  
Am Beispiel der Syrah aber zeigt sich die Problematik des bedingungslosen Setzens auf internationale Standard-Sorten. Nicht nur, dass hier – neben dem französischen Original von der Rhône – mit Australien ein absolut übermächtiger Konkurrent auf dem Markt ist, der sein Prestige fast ausschließlich über diese Sorte definiert. Auch andere Länder, wie die USA, wo in den letzten Jahren massiv Shiraz ausgepflanzt wurden, sind längst auf den "Geschmack" dieser neuen Modesorte gekommen. Da hilft es auch wenig, wenn die Südafrikaner darauf pochen, dass die Stilistik ihrer Syrah-Weine sich deutlich von der der australischen abhebt oder abheben soll. Für den Endverbraucher fehlt jedem „Shiraz“ aus Südafrika die „unique selling proposition“, die Einzigartigkeit des Angebots, die alleine Erfolg garantiert, wenn man nicht auf alle Ewigkeit unter „auch in Südafrika wird ...“ rangieren will.

Internationales Prestige

Dies soll nicht heißen, dass internationale Sorten gar keinen Platz an Südafrikas Sonne hätten. Denn natürlich werden aus Syrah (Boekenhoutskloof, Slaley, Graham Beck, Flagstone, Hoopenburg und Saxenburg) und Cabernet Sauvignon (Meinert, Dornier, Springfield, Boekenhoutskloof, Thelema, Delheim, Mischa), Merlot (Thelema, Dornier, Slaley oder Spice Route) und sogar Pinot noir (Hamilton Russel, Flagstone, Meerlust, Vriesenhof, Bouchard Finlayson) herrliche Weine gekeltert, die auch international konkurrenzfähig sind. Mit ein wenig mehr Rebalter, noch strenger limitierten Erträgen und einem besseren, imagbildenden Marketing lassen sich auch aus diesen Weinen Stars der Weltweinszene zimmern, die das ganze Land einen Schritt nach vorne bringen würden. Aber es wären immer noch keine USP-, sondern allenfalls "Auch"-Produkte: Auch (!) Südafrika keltert hervorragenden Shiraz....

Eine Möglichkeit, das Potenzial dieser Sorten mit den Qualitäten und vor allem den Realitäten des Pinotage zu versöhnen, liegt in der Schaffung eines typischen (!) Cape-Verschnitts, wie ihn einige Güter in den letzten Jahren ansatzweise geschaffen haben. Solche Weine, die ohne die Angabe von Rebsorten vermarktet werden und werden sollten, könnten die Weine der Paul Sauer (Kanonkop), Le Sommet (Mont du Toit), Royale (Vriesenhof), Cobblers Hill (Jordan), Steytler Vision (Kaapzicht), Botmaskop (Delaire) oder Vergelegen (Vergelegen) fortsetzen, die aktuell für das internationale Prestige des Landes sorgen.
  


Li: Vater und Sohn Barns vom Weingut Mischa in Wellington, einem der jungen, aufstrebenden Betriebe des Landes. Re: Das Barrique-Lager gehört zur Thelema Winery in Stellenbosch, die sich durch hervorragenden Merlot und Cabernet einen Namen gemacht hat.

 

  
Um auf breiterer Basis Weine dieser Klasse erzeugen zu können, müssen jedoch noch eine Reihe von Vorbedingungen erfüllt sein. Zum einen liegen die Erträge noch immer zu hoch. Zum Beweis muss nicht einmal der oben erwähnte Ertragsrekord mit Chenin blanc bemüht werden. Es reicht, gute Winzer zu fragen, was sie selbst für normale beziehungsweise niedrige Erträge halten. „Normal“ wird dann meist mit Hekarerträgen zwischen 10 und 20 Tonnen definiert, „niedrig“ mit sechs bis acht Tonnen.

Zu hohe Erträge 

Der Kellereichef von Bergkelder erzählte so im Verlaufe einer Diskussion über den Jahrgangsverlauf 2001/02, viele Winzer hätten viel zu spät gespritzt: „Da hat dann manch einer statt 20 nur 10 Tonnen geerntet.“ Internationale Spitzenweine jedoch, das belegen die Zahlen aus vielen Weinbaugebieten, sind bei Erträgen von mehr als fünf bis sechs Tonnen pro Hektar eigentlich kaum darstellbar. Zum Vergleich sei der Durchschnittsertrag (!) aller Weinberge Chiles, eines der direkten Konkurrenten Südafrikas auf dem Weltmarkt, erwähnt: Er liegt bei 48 Hektolitern pro Hektar, was nicht mehr als sieben oder acht Tonnen Trauben bedeutet. Lynlie Schultz, neuer australischer Weinmacher der Distell-Gruppe, erklärt, dass oft im Weinberg falsch gearbeitet und zu viel gedüngt wird: „Die Erträge sind entweder viel zu hoch oder aber so niedrig, dass sie kein wirtschaftliches Arbeiten mehr erlauben!“

Das Resultat sind Weine, die zwar ausreichend Alkohol, oft aber wenig Struktur und Frucht zeigen. Dabei spielt auch die Angst der Weinmacher vor Tanninen eine Rolle. Geprägt von den erwähnten, ungenießbaren Tanninen, die schlechter Pinotage entwickeln kann, setzen sie alles daran, weiche und runde Weine zu keltern, die oft aber keinerlei Rückgrat zeigen und auch nicht sonderlich lagerfähig sind. Auch hier ist wieder der fatale Einfluss des britischen Weinmarkts zu spüren, denn wer nur nach Weinen für den schnellen Konsum aus dem Supermarkt-Regal sucht, der wird die Entwicklung, großer, komplexer und strukturierter Gewächse kaum fördern. Wie weit die Tannin-Phobie der Südafrikaner geht, verdeutlicht auf anekdotische Weise der Spitzname, den sich Bruce Jack von Flagstone selbst gegeben hat: „No fear of tannins“, keine Angst vor Tanninen.

Auch andere, liebgewordene Praktiken müssten die Südafrikaner überdenken, wie beispielsweise das Aufsäuern der Rotweine, obwohl dies noch bei weitem nicht mit den australischen Praktiken vergleichbar ist. Wenn einige der Winzer behaupten, der heftige Bakterienbefall in den Weinbergen zwänge sie dazu, entgegnet Bernd Philippi, der Pfälzer Berater von Mont du Toit: „Alles Unsinn! Schwefeln reicht allemal, um der Bakterien Herr zu werden.“

Terroircharakter gefragt

Was Südafrika braucht, ist eine wirkliches Segment individueller, charaktervoller Weine mit Terroircharakter, auch wenn das schwierig zu realisieren scheint, da beispielsweise das südafrikanische Weingesetz völlig unverständlicherweise das Führen von Lagenbezeichnungen auf dem Etikett verbietet – eine gesetzgeberische Gleichmacherei, die an deutsche Widerstände gegen Lagen-Klassifizierungen erinnert. Zu wünschen wäre auch, dass nicht nur die Handvoll meist junger Betriebe, die eine eher moderne, fruchtbetonte Stilrichtung verfolgen wie Mont du Toit oder Mont Destin internationales Niveau anstreben, sondern auch die eher traditionell arbeitenden wie Kanonkop, Welgemeend, Delheim und wie sie alle heißen. Auch sie müssten es in den nächsten Jahren schaffen, die Märkte mit einem Überflieger-Wein, vielleicht einer roten Cuvée, aufzurütteln.

Natürlich wird sich dabei auch der geographische Schwerpunkt des südafrikanischen Weinbaus weiter verschieben. Schon heute hat das traditionelle Weinbauzentrum Stellenbosch-Paarl neue Konkurrenz bekommen, und die touristischen Zentren wie Franschhoek oder Constantia laufen in Bezug auf Weinqualitäten sogar Gefahr, den Zug in die Zukunft zu verpassen. Dagegen versprechen Gebiete wie Swartland oder Robertson, deren Potenzial wir im ersten Teil dieses Berichts erläuterten, in dieser Hinsicht Großes. Ob Südafrika es schafft, diesen Quantensprung an die Weltspitze zu organisieren, wird über die Zukunft und den Charakter seines Weinbaus – und angesichts der Bedeutung von Weinbau und Weintourismus auch über die Zukunft des Landes schlechthin – entscheiden.

 

Die bisherigen Reportagen und Portraits

Ein Teil der älteren Artikel ist nur zu mit Acrobat Reader zu öffnen. Sie können hier ihn kostenlos herunter laden.

Get Acrobat Reader 

Verzeichnis nach Ländern

Allgemeines Bio allein macht keinen guten Wein (2003)
Die Gesundheitsdebatte (2003)
Verkannte Neuzüchtungen (2002)
Kork - Die unendliche Geschichte (2002)
 
Australien Neue Welt mit Charme - Hunter Valley (2003)
Weinbau in den Roaring Fourties - Tasmanien (2002)
Edle Tropfen in down under - Südaustralien (2001)
 
Chile Die Erben der Konquistatoren (2002)
  
Deutschland Weingut direkt ... aus dem Internet (2004)
Der Bioprofessor vom Mittelrhein (2004)
Weinberg in Not - Homburger Kallmuth (2002)
Aufbruch in der Südpfalz (2002)

Weine von der Hütt' - St. Antony (2002)
Frankreich Klein und begehrt - Les-Baux-de-Provence (2003)
Champagne-sur-Loire - Bouvet Ladubay (2003)

Charles Philipponnat (2003)

Elsass von gestern? (2003)
Chablis - Der andere Chardonnay (2002)

Bordeaux-Connection (2002)

Ein Württemberger im Bordelais (2002)

Monsieur BiB - Bernard Ducourt (2002)

Achterbahn am Rhein - Das Elsass (2002)

Dom Pérignon und die Witwe - Champagne-Story (2000)

Tannat kommt von Tannin - Weine der Gascogne (2000)
Päpste, Händler, Genossen - Das Rhônetal (1999)
Süße, wilde Orchidee - Vanille auf Réunion (1999)
Kleiner Bruder mit Pfiff - Unbekannter Armagnac (1999)
Scharfes Handwerk - Das schönste Messer der Welt (1998)
Neuer Anlauf für Villages - Côtes-du Rhône auf dem deutschen Markt (1998)
Abschied vom deutschen Markt? - Das Elsaß übt sich im freien Fall (1998)
Der schüchterne Superstar - Syrah-Weine an der Rhône (1998)
Das Salz des Lebens - Guérande und seine Salzgärten (1998)
Großbritannien:  Whisky trails - Auf den Spuren der Schnapsbrenner in Schottland (1997)
 
Italien Ureinwohner - Südtirol (2003)
Neuer Wind - La Stoppa (2002)

Mode und Wein - Vittorio Giulini (2002)

Krieg der Stile - Barolo (2002)

Der Kämpfer von La Morra - Elio Altare (2002)

Marketing-Frühling in Südtirol - wein.kaltern (2002)

Im Schatten der Toskana - Die mittelitalienischen Regionen (2000)

Weinkarriere am Brenner - Das Trentino (1999)
Der Erfolg geht weiter - Italiens Prosecco sucht Identität (1998)
Die Revolution auf samtenen Füßen - Das Piemont auf dem Weg in die Moderne (1998)
Karriere mit Grenzen - Franciacorta - Italiens kleine Champagne (1998)
Der schlafende Riese - Das Piave-Gebiet (1998)
Die ideale Weinreise - Portrait des toskanischen Lebensgefühls (1997)
 
Kanada Okanagan - Kanadas Napa Valley (2006) 
Österreich Ambitionierte Genossen - Zantho (2002)
Gestörter Dornröschenschlaf - Stefan Köstenbauer (2002)

Viel Glück gehabt - Willi Bründlmayer (2002)

Miniatur-Toskana - Die Steiermark (1999)
 
Portugal Der Portwein, der keiner ist (2003)
 
Schweiz Energie pur: Marie-Thérèse Chappaz (2002)
 
Spanien Fino, Amontillado oder Oloroso - Jerez sucht seine Zukunft (2002)
Rioja 2002 - zwischen Tradition und Moderne (2002)
Das Jahrzehnt nach der Krise - Rioja wieder im Aufwind (1998)
 
Südafrika Der Visionär vom Kap - Alexander von Essen (2005)
Künstler am Kap - Christoph Dornier (2002)

Ein Land hat Hoffnung - Südafrika Teil 1 (2002)
, Teil 2 (2002)
Ästhet mit Mantra - Hamilton Russel (2002)
  
USA Der alte Mann und der Wein - Mondavi 90 (2003)
Verwöhnter Nordwesten - Washington (2002)

Burgunder-Träume in Carneros (2002)

Gallo - Ein Gigant macht sich schön (2002)

Großes Kalifornien-Dossier - Trends, Betriebe, Sorten, Export (1999)

It never rains in Southern California (1998)

Nicht nur Napa und Sonoma - Weinbau außerhalb Kaliforniens (1998)

© 2001 by Eno-Verlag, Offenbach/Germany