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Marketing-Frühling
in Südtirol
von
André Liebe
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Zur
Apfelblüte zeigt Südtirol, Italiens nördlichste und nach
wechselvoller Geschichte einzige deutschsprachige Provinz, am
besten seine Reize. Während die Berge unter dem Schnee des
Winters liegen, hat sich das Etschtal bei Bozen, das so genannte
Unterland, in ein einziges Blütenmeer verwandelt - so wie in jedem
Frühjahr, und doch ist heuer Einiges ganz anders.
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Sighard Rainer, dem Präsidenten des Kalterer Tourismusvereins,
steht der Stolz über sein neues Konzept ins Gesicht geschrieben,
wenn er über Erlebnisprofile, Besucher-Analysen, Image,
Positionierung und veränderte Marktgewohnheiten referiert. "wein.kaltern"
- Wein-Punkt-Kaltern mit einem dicken, roten Punkt nach Dotcom-Art
in der Mitte - heißt sein Baby, von dem schon am Ortseingang ein
steinern-stählerner Monolith in dezent-moderner Typographie
kündete. "Gäste, die nach Kaltern kommen, sollen den Eindruck
haben, dass sie ein ganz besonderes Weindorf besuchen," setzt
Rainer, der auch als Obmann von "wein.kaltern" fungiert,
die Ziele des neuen Vermarktungskonzepts, das mittlerweile von 53
Kooperationspartnern aus Weinwirtschaft, Gastronomie,
Beherbergungsgewerbe und der Gemeindeverwaltung getragen und aktiv
vorangetrieben wird.
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Wo sich das
Etschtal hinter Bozen zum sogenannten Unterland weitet, liegt
Kaltern: Schauplatz der neuesten Marketing-Initiative Südtirols, in
der Weinwirtschaft und Tourismus endlich einmal an einem Strang
ziehen. (alle Fotos:
Eckhard Supp) |
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Dass man gerade in Kaltern innovative Wege beschreitet, hat viel mit
der Ambivalenz zu tun, die im Namen dieser berühmten Gemeinde
mitklingt. "Kalterer See Auslese", der Name des nach Soave,
Frascati, Chianti und Asti bekanntesten italienischen Weins,
bescherte den Kalterern nämlich zuletzt immer weniger Freude,
dafür aber immer mehr Probleme. Mit dem vergleichsweise
unkomplizierten Rotwein aus der Vernatsch-(Trollinger)-Traube
ließen sich zwar Jahr für Jahr Tausende in schunkelnde Glückseligkeit
versetzen, er sorgte aber auch zunehmend dafür, dass dem Ort
Kaltern der Stempel eines "Ballermanns" der italienischen
Weinszene aufgedrückt wurde.
Dem gegenüber steht die Tatsache,
dass die italienischen Wein-Bibeln "Gambero Rosso" und
"Veronelli" mit schöner Regelmäßigkeit unter den am
höchsten bewerteten Gewächsen nicht nur die Spitzen aus Piemont
und Toskana aufführen, sondern auch - als Nachweis bester
Weinqualität - Weine aus Kaltern, dem Ort mit dem berühmten See,
der der erwähnten Auslese seinen Namen gab.
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Schluss
mit Lustig
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Mit
der Schunkelei und dem Ballermann-Image soll jetzt Schluss sein.
"Wir wollen den Namen Kalterns mit der Idee höchster Qualität
verbinden," doziert Tourismus-Chef Rainer und spricht in diesem
Zusammenhang von einer "Image-Korrektur". Dass der Wein
dabei als Vehikel dient, um die sonstigen Reize des Dorfes, die
wunderschöne Landschaft, die versierte Gastronomie und die vielen
historischen Gebäude, die von einer langen, bewegten Geschichte
zeugen, wieder ins rechte Licht zu rücken, wird gerne in Kauf
genommen. "Der Gast identifiziert Kaltern nun einmal
zuallererst mit Wein. Allerdings ist das nur die halbe Formel. Denn
hinter dem roten Punkt steht Kaltern, das Dorf in seiner
Gesamtheit." Diese
Gesamtheit, die Geschlossenheit des Auftritts, ist das eigentlich
Verblüffende am Konzept von "wein.kaltern". Wer die
Südtiroler Weinszene kennt, weiß, wie gegensätzlich die
Interessen der großen Genossenschaften und der kleineren, selbst
vermarktenden Winzer oft sind. "Das Faszinierende in Kaltern
ist, dass hier wirklich alle an einem Tisch sitzen und alle an einem
Strang ziehen", bestätigt Graf Georg Kuenburg, dessen Schloss
Sallegg schon seit langem hohes Ansehen genießt. Kleinstwinzer mit
zwei Hektar Rebfläche und ein paar Fremdenzimmern auf dem Weingut
sind deshalb in das Konzept "wein.kaltern" ebenso
integriert, wie das Luxus-Hotel mit Wellness-Oase, die
Frühstückspension, das Sterne-Restaurant und die Jausenstation.
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Wie
kaum eine andere Region Europas zieht Südtirol unterschiedlichste
Besucherströme an: Wandern im Frühling, Kultur im Sommer, Wein im
Herbst und Skifahren im Winter - für jeden ist etwas dabei. Für
Wein-Wanderer ist in Kaltern mit dem "wein.weg" bestens
gesorgt. Hoffentlich interpretieren die Besucher den Namen des
Wanderwegs nicht als Aufforderung "Weg mit dem Wein!" |
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Entstanden ist das Projekt "wein.kaltern" aus einer vor
drei Jahren gegründeten Arbeitsgruppe "Weindorf Kaltern",
in dem sich Vertreter aus Weinwirtschaft, Gastronomie und
Beherbergungsgewerbe trafen. Die ersten Schritte zur Umsetzung der
neuen Ideen wurden nach langer Vorbereitung in diesen Tagen getan.
"An 57 historischen Gebäuden haben wir Hinweistafeln
angebracht, die die Geschichte des jweiligen Hauses erklären."
Werner Zanotti, Geschäftsführer von "wein.kaltern" weist
darauf hin, dass natürlich auf jeder Tafel der markante Schriftzug
mit dem roten Punkt prangt. Auch die Arbeiten an einem "wein.weg"
sind fast abgeschlossen. Der Rundwanderweg, der sich wie eine
Achterschleife durch den Ort zieht, wurde gänzlich umgestaltet und
bietet dem Besucher jetzt jede Menge Informationen über
Weingeschichte und Weine Kalterns. Auch auf die richtige
Kennzeichnung der Riegel - so heißen Weinbergslagen hier - wurde
geachtet, und deren Grenzen durch Bodenschwellen mit eingraviertem
Namenszug markiert. "Passend dazu
gibt es einen Kurzführer mit Wanderkarte. Außerdem geben wir
regelmäßig das "wein.kaltern"-Brevier heraus, das auf
rund hundert Seiten umfassende Informationen über den Ort
enthält," betont Zanotti. Ein "wein.kaltern"-Magazin,
das zwei Mal pro Jahr erscheint, ergänzt das Maßnahmen-Paket, das
in den nächsten Jahren noch durch ein spezielles Kulturprogramm
komplettiert werden soll. Dass all dies erst der Anfang ist, weiß
auch Graf Kuenburg. "Es war höchste Zeit, dass wir zeigen, was
Kaltern alles zu bieten hat. Dazu muss jetzt aber auch die
Bevölkerung aufgerüttelt werden. Wir müssen erreichen, dass die
Menschen in Kaltern dem Besucher vermitteln, in einem Weindorf mit
Niveau zu Gast zu sein."
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Der
allgegenwärtige Weinbau prägt nicht nur die Landschaft Südtirols,
seine Produkte und seine Protagonisten gelten auch als die
wichtigsten Botschafter für das neue Konzept von "wein.kaltern".
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Information
und Identifikation Um diese
geforderte Identifikation der Menschen mit ihrem Ort zu erreichen,
wurde ein umfangreiches Schulungsprogramm für die Mitarbeiter der
Partnerbetriebe aufgelegt. "Nur so können wir unserem
Qualitätsanspruch wirklich gerecht werden," ist Sighard Rainer
überzeugt. Bei diesen kostenlosen Seminaren handelt es sich zwar
nicht um spezialisierte Sommelier-Kurse, aber es werden dennoch
fundierte Kenntnisse über den Wein und den Ort Kaltern vermittelt.
"Für alle Service-Mitarbeiter in "wein.kaltern"-Betrieben
ist die Teilnahme übrigens Pflicht, betont Rainer. In
Zusammenarbeit mit Josef Sölva, dem Obmann der Kalterer Weintage,
und den Kellermeistern der örtlichen Genossenschaften, erläutert
er dabei auch die verschiedenen Weinlinien der 14 Partner-Betriebe
im Weinbereich, gibt Verkostungs-Tipps und weist auf die häufigsten
Fehler beim Weinservice hin. Dass bei den Gastronomie-Partnern von
"wein.kaltern" mindestens fünf Rote und fünf Weiße der
Wein-Partner glasweise ausgeschenkt werden müssen, macht das neue
Angebot auch den Besuchern der Gemeinde buchstäblich schmackhaft. "Kaltern
hat mit diesem Programm einen neuen Qualitätsanspruch formuliert.
Der rote Punkt dient als sichtbarster Beweis dafür, dass hier eine
besondere Identifikation mit dem Wein, mit der Kultur und dem Ort
als Ganzem gelebt wird." Dass bei diesen Anstrengungen auch die
Qualität des berühmtesten Weins von Kaltern, der Kalterer See
Auslese nicht außen vor bleiben kann, versteht sich von selbst. Als
Beweis für die Neu-Orientierung im Weinbereich sieht Graf Kuenburg
die Tatsache, dass man den Kufsteiner Glas-Hersteller Riedel als
Kooperationspartner gewinnen konnte. Der kreierte ein spezielles
"wein.kaltern"-Glas, das die geschmacklichen Eigenschaften
der Vernatsch-Weine zur Geltung bringen soll und in den
Partnerbetrieben Vorschrift ist.
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Tourismus-Präsident Rainer sieht sich
mit "wein.kaltern" von der Marktforschung bestätigt.
"Vor allem der Urlauber aus Deutschland, Österreich und der
Schweiz sucht in den Ferien eine attraktive Genusslandschaft",
merkt er an, "und deshalb glaube ich auch, dass wir mit unserem
Projekt im Trend liegen." Zumindest in Kaltern gibt es
niemanden, der ihm hier widersprechen würde.
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