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Zu
den bisherigen Portraits und Reportagen
2003
Champagne-sur-Loire
von Eckhard Supp
Einst hatte man 8.000 Einzelkunden, und für fast
jeden von ihnen gab es eigene Etiketten. Was die Produktionsmengen
betraf, schaute man eher mitleidig auf die kleinen Brüder in der
Champagne. Aber so beeindruckend die sorgfältig gepflegte
Etikettensammlung und ihr geschichtlicher Background heute auch
wirken mögen, zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts bedeuteten sie
den wirtschaftlichen Tod. Angesichts der stark aufkommenden
Champagne, die früh auf starke, einheitliche Marken gesetzt hatte,
befand sich Bouvet Ladubay in Saumur an der Loire schnell auf der
Verliererstraße. Erst in den letzten Jahren konnte das einst so
erfolgreiche Haus wieder an seine Erfolgsgeschichte anknüpfen.
 
(Fotos: Eckhard Supp)
Zu Anfang des 20. Jahrhunderts zählte der 1851
gegründete Schaumwein-Erzeuger in Saumur zu den größten der Welt.
Seine Produktion überstieg im Jahre 1900 mit sieben Millionen
Flaschen bei weitem die der damals bekannten Champagner-Häuser - die
produzierten alle zusammen damals nur 14 Millionen Flaschen -, auch wenn natürlich das Prestige der Champagne
vor allem im angelsächsischen Ausland größer war als das der
Loire-Prickler.
Allerdings machte man bei Bouvet damals einen
entscheidenden Fehler: Das Geschäft mit den bis zu 8.000 Einzelkunden
lief dermaßen gut, dass man fast die gesamte Produktion unter so
genannten "Eigen-Etiketten" der Kunden abfüllte, anstatt,
wie es die Champagne frühzeitig begriff und praktizierte, dem
aufkommenden Markentrend zu folgen und den eigenen Firmennamen in den
Vordergrund zu stellen. Das Resultat war nicht nur die lang anhaltende
Bedeutungslosigkeit der Firma Bouvet Ladubay selbst, sondern die der
gesamten Schaumweinproduktion von Saumur.
Überzeugende Qualitäten
Seit
einigen Jahren aber sind Qualität und Marktdynamik zurück an den
Ufern der Loire. Mit einem ausgewogenen Gesamtkonzept von qualitativ
hochwertigen Produkten, kulturellem Rahmenprogramm und aktiven
Auslandsvertretungen hat die Firma aus Saumur, die seit 1974 zum
Imperium der Champagner-Familie Taittinger gehört, es geschafft,
wieder im Orchester der Großen mitzuspielen. Eine Gesamtproduktion
von drei Millionen Flaschen - davon 10 Prozent im Stillweinbereich und
fast ein Drittel unter dem Etikett Saphir - und ein ausgewogenes
Produktportfolio haben aus ihr wieder einen der führenden
Schaumweinerzeuger Frankreichs gemacht, der unter anderem fast eine halbe Million Flaschen
auf dem deutschen Markt absetzt.
Das hübsche Stadtzentrum und der Versand von Bouvet,
wo auch die alte Kutsche aufbewahrt wird, mit der die
Saumur-Schaumweine früher ausgeliefert wurden.
Von der Konkurrenzfähigkeit der Schaumweine aus den Tuffsteinkellern
von Saumur zeugte nicht zuletzt die große Schaumweinprobe, die Ende
letzten Jahres für "Die Zeit" in Hamburg stattfand, und auf
der die Cuvée Instinct von Bouvet unter den besten Produkten einkam (vgl.
unser entsprechendes Weinhighlight).
Die Weine
 Im
Unterschied zur Champagne werden bei Bouvet sämtliche Schaumweine aus
Chenin blanc und Chardonnay verschnitten, lediglich der Rosé (Cabernet
franc) und der Chardonnay 150 bilden hierin eine Ausnahme.
Spitzenprodukte sind die bereits erwähnte Cuvée Instinct, ein Brut,
der durch feines Perlage, Würze und Frucht in der Nase sowie durch
Saft und Kraft am Gaumen überzeugt. Von ähnlich hoher Qualität sind
die beiden Markensekte der Linie "Trésor", der Brut und der
Rosé brut, von denen vor allem der Rosé mit seiner festen Struktur
gefällt.
Das Jugendstil-Ambiente des modernen Kunstmuseums und
der von Philippe Cormand gestaltete Lagerkeller
unterstreichen die künstlerischen Ambitionen von Bouvet Ladubay.
Auch die Stillweine brauchen sich nicht zu verstecken, und das gilt sowohl
für die Roten der Linie Les Nonpareils wie auch für den weißen
Saumur blanc sec La Nompareille, von dem der 2000er Jahrgang zu den
besten der Appellation zählt. Dass Bouvet keine eigenen Weinberge
besitzt, wirkt sich auf die Qualität der Produkte nicht negativ aus,
da man mit zahlreichen Winzern langfristige Lieferverträge
geschlossen hat, die auch Einfluss auf die Bewirtschaftung der
Weinberge zulassen.
Die
Kultur
Fast noch beeindruckender als die Produktpalette
ist das Marketing-Gesamtkonzept der Firma aus Saumur, das sich
zahlreicher kultureller Aktivitäten bedient. Es beginnt in den acht
Kilometer langen, beeindruckenden Kellern, die unterhalb eines alten
Klosters in den Tuffstein gegraben wurden und im vergangenen Jahren
von Philippe Cormand im Stil einer Klosterruine ausgestaltet wurden,
einem einheimischen Bildhauer, dem die Region auch einen
wunderschönen, unterirdischen Miniaturpark mit spektakulären
Tuffstein-Reproduktionen berühmter Loire-Denkmäler verdankt. 
Philippe Cormand bei der Arbeit
Mit
den alljährlich im April in Saumur stattfindenden "Journées
nationales du Livre et du Vin" hat sich Bouvet Ladubay kulturelle
Meriten erworben, die weit über die Region hinausreichen und in ihrer
Bedeutung für das Markenimage das einstige Engagement im
Auto-Rennsport weit übertreffen. Am meisten liegt den Machern von
Bouvet, allen voran Patrice Monmousseau, dem Generaldirektor, aber das
hauseigene Museum moderner Kunst am Herzen, das in einem ehemaligen
Betriebsgebäude eingerichtet wurde und in regelmäßigen Abständen
einige der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler nach Saumur
bringt.
Bouvet-Ladubay, 1, rue de l'Abbaye
St.-Hilaire, St-Florent,
F - 49400 Saumur, Tel: +33-(0)241838383, Fax: +33-(0)241502432,
e-mail: bouvet-ladubay@saumur.net,
Website: www.bouvet-ladubay.fr
Unser Punktesystem:
Weine
| -- / ??
|
offen fehlerhafter oder nicht
zu beurteilender Wein (Flaschenproblem) |
| * |
zu einfacher, evtl.
auch leicht fehlerhafter Wein, nicht empfehlenswert |
| ** |
Wein mit einem Minimum
an Qualitäten, akzeptabel wenn im unteren Preisbereich |
| *** |
befriedigender,
ansatzweise typischer Wein, angenehm zu trinken |
| **** |
guter bis sehr guter Vertreter
seiner Art und seines Jahrgangs |
| *****
|
Spitzenwein
von internationalem Format |
| *****
|
Traumweine,
die kleine Elite 1) |
| *
- **** ?
|
nicht
eindeutig zu bewertender Wein |
Weinproben von Eno WorldWine werden
soweit wie möglich unter optimalen Bedingungen, wenn es geht blind
durchgeführt, um eine eventuelle Verfälschung der Resultate,
Voreingenommenheit und Irrtümer auszuschalten. Auch dann aber sind
Verkostungs-Urteile immer nur subjektive Momentaufnahmen und hängen
nicht zuletzt von der Authentizität der Proben ab, die uns präsentiert
werden. Die Redaktion lehnt deshalb jede Haftung für Weine ab, deren
geschmackliche Qualitäten nicht den hier geschilderten Eindrücken
entsprechen. Unsere Bewertungen stellen eine Synthese aus aromatischem
und geschmacklichem Volumen, Typizität, Alterungsfähigkeit und
Trinkgenuss dar. Eno-Verlag distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt
aller evtl. in diesen Reports verlinkten Seiten und übernimmt keinerlei
Verantwortung für die Verfügbarkeit der Weine sowie
für den Geschäftsverkehr mit den jeweiligen Firmen wird keine Haftung
übernommen.
1) Die
Unterscheidung zwischen Spitzen- und Traumweinen wird erst in unseren
Verkostungsreports ab Januar 2003 getroffen. Im Datenbank-Archiv sind
diese Traumweine mit *****+ gekennzeichnet.
Unser Punktesystem:
Weingüter
Die große Zahl von Verkostungen, die wir
in den letzten Jahren durchführen konnten, erlaubt es uns, auf dieser Basis jetzt auch die
Erzeugerbetriebe insgesamt zu bewerten. Um
diese Wertung deutlich gegenüber der Weinbewertung abzusetzen, vergeben
wir für Erzeuger maximal drei Sterne (@,
in älteren Reports auch P),
allerdings mit Zwischenstufen. Diese Weingutsbewertungen sind natürlich nur dort möglich, wo
wir eine gewisse Mindestanzahl Weine bzw. Jahrgänge verkosten konnten und
stellen eine Langzeitbewertung auf Basis der letzten 10 - 15 Jahrgänge dar, die vom Eindruck eines
bestimmten Tastingreports, d. h. einer Momentaufnahme, abweichen kann. Um die aktuelle Leistungsfähigkeit
eines Erzeugers korrekt einschätzen zu können, sollten daher immer
sowohl die Langzeitbewertung als auch die konkreten
Verkostungsergebnisse berücksichtigt werden.
| @@@ |
Die kleine
Elite der Region und des Landes, gehört zu den Spitzenweingütern
der Welt |
| @@ |
Sehr gute
Erzeuger mit stabiler Qualität |
| @ |
Erzeuger mit
meist guten Weinqualitäten |
| @ |
halbe Sterne |
EWW-Weinkategorien:
Um unseren Lesern jenseits aller
Herkunftsbezeichnungen und Geschmacksangaben auf den Etiketten einen
Hinweis zu geben, zu welchem Geschmackstyp die verkosteten Weine
gehören, haben wir das Weinspektrum in 14 Kategorien
eingeteilt, die ab 2006 hin und wieder zusätzlich zu den Bewertungen angeführt werden:
| 1 |
Leichte,
trockene Weißweine |
| 2 |
Kräftige,
trockene Weißweine |
| 3 |
Roséweine |
| 4 |
Leichte,
fruchtbetonte Rotweine |
| 5 |
Fruchtbetonte,
kräftige Rotweine |
| 6 |
Tanninbetonte,
kräftige Rotweine |
| 7 |
Schwere,
alkoholreiche Rotweine |
| 8 |
Deutlich
restsüße bzw. süße Weißweine |
| 9 |
Liebliche
bzw. süße Rotweine |
| 10 |
Edelsüße
und Eis-/Strohweine |
| 11 |
Trockene Likörweine |
| 12 |
Süße Likörweine |
| 13 |
Perlweine |
| 14 |
Schaumweine |
Natürlich ist eine solche, grobe
Kategorisierung zwangsläufig immer unvollkommen. Innerhalb jeder
einzelnen Gruppe wären beispielsweise Untergruppen vorstellbar. Man
könnte bei den leichten, trockenen Weißen zwischen den aromatisch
neutraleren und den Bukettweinen mit ausgeprägtem Sortenduft
unterscheiden. Bei den Edelsüßen könnte man darüber streiten, ob
nicht eine Unterteilung in alkoholschwache und alkoholreiche Weine
sinnvoll wäre, und bei den alkoholreichen Roten darüber, ob ihr nur
spezielle Weintypen wie der italienische Amarone angehören oder
generell alle Rotweine aus heißen Anbaugebieten bzw. heißen Jahren,
wenn sie ebenfalls hohe Gradationen erreichen. Aber eine solche,
weitergehende Untergliederung würde dem wichtigsten Nutzen dieser
Einteilung zuwider laufen – dem nämlich, dem Verbraucher eine erste
Orientierung im Ozean der Weintypen zu bieten.
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