Der
Wein
Basiswissen
für Einsteiger
in 31 Folgen
von Eckhard Supp *
Folge
4: Was ist Wein? (4)
Alle Fotos: © Eckhard Supp
Auf
die Dosis kommt
es an
Natürlich
birgt
Alkoholkonsum
auch Risiken:
Suchtgefahr bei
übermäßigem
Alkoholkonsum,
die in
Alkoholkrankheit
enden kann, und
direkte
körperliche
Schäden. Nach
Angaben der
Deutschen
Hauptstelle für
Suchtgefahren
sind 10 Prozent
der Bevölkerung
hier zu Lande
stark
suchtgefährdet,
zwei bis 2,5
Mio. Deutsche
gelten als
alkoholkrank.
Körperliche
Schäden
entstehen vor
allem durch ein
Abbauprodukt des
Alkohols,
Acetaldehyd, das
in Magen und
Leber durch die
Arbeit des
Enzyms
Alkoholdehydrogenase
(ADH) produziert
wird. Es ist ein
Zellgift, das in
erhöhten
Konzentrationen
und über
längere
Zeiträume
Leberschäden
wie Fettleber,
Alkoholhepatitis
und
Leberzirrhose,
Bauchspeicheldrüsen-
und
Magenschleimhautentzündungen,
Magen- und
Darmgeschwüre,
Schädigungen
der
Lungenzellen,
Herzmuskelerkrankungen,
neurologische
Schäden,
Hirnschrumpfung
und epileptische
Anfälle, bei
Schwangeren
Fehlgeburten und
Missbildungen
des Neugeborenen
hervorrufen
kann.
Alkohol
wird
gelegentlich
auch als Krebs
fördernde
Substanz
eingestuft, vor
allem im
Zusammenspiel
mit Nikotin. Die
Ursache dafür
ist seine
Eigenschaft als
Zellgift, das
bei gesteigertem
Konsum die
Zellen der
Schleimhäute
schädigt,
wodurch diese
für andere
Krebs erregende
Stoffe anfällig
werden. Viel
geringer als
gemeinhin
angenommen, ist
dagegen die
Gefahr von
Leberschädigungen.
Nur bei
Fettleber-Hepatitis
ist
vollständige
Abstinenz
angesagt.

In
den
Mittelmeerländern
gehört Wein zu
jeder Mahlzeit,
erst recht, wenn
es sich um eine
Festmahlzeit
handelt wie hier
in der
italienischen
Weinbauregion
Piemont.
Kritiker
wie Befürworter
von Wein- bzw.
Alkoholgenuss
sind sich in
einer Frage
einig: Ob die
Auswirkungen von
Alkoholhonsum
positiver oder
negativer Natur
sind, hängt vor
allem von den
Mengen ab. In
höheren
Dosierungen ist
Alkohol
gesundheitsschädlich,
in moderaten
entfaltet er
seine
gesundheitsfördernde
Wirkung.
Generell wird
regelmäßiger
Konsum von mehr
als 40 Gramm
Reinalkohol pro
Tag bei Frauen
und 70 Gramm bei
Männern als
gesundheitsschädlich
betrachtet, aber
diese Mengen
sind abhängig
von der Art des
konsumierten
Alkohols, von
der Tatsache, ob
zur Mahlzeit
oder nüchtern
getrunken wird
und natürlich
vom allgemeinen
Gesundheitszustand
.
Auch
Alkoholkritiker
halten 10 bis 16
Gramm
Reinalkohol pro
Tag für Frauen
und 20 für
Männer für
absolut harmlos
– das
entspricht ein
bis zwei
Gläsern eines
10-prozentigen
Weins. Dass
Frauen weniger
Alkohol
vertragen als
Männer hat drei
Gründe: ihr
meist
niedrigeres
Körpergewicht,
ihr höherer
Körperfettanteil
sowie eine um
etwa 15 Prozent
geringere
Fähigkeit zum
Abbau von
Alkohol durch
die Leber. Viele
Mediziner gehen
davon aus, dass
Alkoholkonsum so
lange
unschädlich und
unbedenklich
ist, so lange
der
Blutalkoholspiegel
nicht über 0,5
Promille steigt
– bei einem
etwa 80 kg
schweren Mann
dürfte dieser
nach dem Trinken
einer halben
Flasche Weins im
Rahmen einer
längeren
Mahlzeit
unterhalb dieses
Wertes bleiben.
Alte
Weine zum
Sammeln
Im
Laufe der
letzten
Jahrzehnte wurde
Weinkonsum in
regelmäßigen
Abständen je
nachdem, welche
weltanschaulichen
oder politischen
Trends
vorherrschten,
mal als
förderlich,
dann wieder als
schädlich für
die Gesundheit
betrachtet.
Diese
Diskussionen
haben jedoch den
tatsächlichen
Verbrauch
insbesondere
hochwertiger
Weine meist
glücklicherweise
nur wenig
beeinflusst –
allenfalls wurde
ihr Einfluss in
den unteren
Preissegmenten
spürbar.
Weinfreunde
widmen sich aber
bevorzugt den so
genannten „großen",
das heißt
vielschichtigen
und vor allem alterungsfähigen,
oft auch
tatsächlich
sehr alten
Weinen. Mehr als
ein Nahrungs-
und
Genussmittel,
ist Wein im
ausgehenden 20.
Jahrhundert
nämlich auch
zum Sammel- und
Spekulationsobjekt
geworden. Die
faszinierende
Alterungsfähigkeit
bestimmter Weine
hatte man dabei
schon in der
Antike entdeckt.
Mit der
Erfindung der
Glasflasche und
des
Flaschenverschlusses
aus Naturkork
waren im 17.
Jahrhundert die
technischen
Bedingungen
dafür
geschaffen, dass
sie ihr
Alterungs- und
Qualitätspotenzial
auch wirklich
ausspielen
konnten.
Nicht
wenige
Weinliebhaber
betrachten Wein
vorrangig als
Sammel- und
Spekulationsobjekt,
und einige der
in den letzten
Jahren
entstandenen
Investmentfonds
im Weinbereich
rühmen sich der
Tatsache, dass
große Weine
eine sicherere
Rendite
versprechen als
in Aktien oder
Immobilien.
Tatsache ist,
dass man wie
beim Aktienkauf
auch bei Wein
ein
untrügliches
Gespür dafür
mitbringen
sollte, welche
„Titel",
das heißt
welche Etiketten
eine Geldanlage
wirklich wert
sind und eine
echte
Wertsteigerung
versprechen. Auf
die Spitze
getrieben wird
diese Art von
Spekulation bei
den
alljährlichen
Primeurverkäufen
im
französischen
Bordeauxgebiet
– dort werden
Weine des
jüngsten
Jahrgangs
verkauft, die
noch nicht
einmal ihre
Fassreife
vollendet haben.
Den
meisten
Weinfreunden
aber geht es gar
nicht um
solcherart
vermutete
Wertsteigerungen.
Ihnen geht es um
das
geschmackliche
und emotionale
Erlebnis beim
Trinken einer
alten Flasche
Wein. Wer einmal
an gut
erhaltenen,
50-jährigen
oder noch
älteren
Bordeauxweinen,
an uralten
Trockenbeerenauslesen
und Eisweinen,
an 100-jährigem
Portwein oder
mehr als
dreihundert
Jahre altem
Madeira
geschnuppert und
genippt hat,
wird dies nie
vergessen.
Solche Weine
beweisen auch
dem
Skeptischsten,
dass Wein mehr
als nur ein
Getränk ist –
er ist ein
Stück
Lebensgefühl,
ein Objekt von
Leidenschaften
und Träumen.
Wein
war schon vor dieser Entwicklung ein ungemein vielseitiges Getränk,
und das Aufkommen neuer Anbaugebiete und Weinbauländer hat
diese Vielfalt nur noch vergrößert. Es reicht, sich die
wichtigsten Weinarten zu vergegenwärtigen: Da gibt es so
genannte Stillweine, das heißt Weine, die nicht perlen und in
der Regel einen Alkoholgehalt weniger als 15 Vol.-% aufweisen,
dann die perlenden Weine und schließlich Likörweine, die mit
Alkohol versetzt und häufig süß sind. Innerhalb dieser
Kategorien wiederum differenziert man bei den Stillweinen etwa
zwischen Weißen, Roten und Rosés, bei den perlenden zwischen
Perl- und Schaumweinen. In jeder dieser Untergruppen wiederum
gibt es die verschiedenartigsten Weintypen, deren jeweiliger
Charakter von zahlreichen Faktoren abhängig ist: von der
Rebsorte, vom Klima und der Weinbergslage, vom Jahrgangsverlauf
und nicht zuletzt von der Arbeit des Weinmachers, die darüber
entscheidet, nach welcher Methode, mithilfe welcher Verfahren
die Trauben verarbeitet werden. Alles in allem ergibt das
Hunderte, wenn nicht Tausende unterschiedlicher
Geschmacksrichtungen.
Wie
wird Wein
gemacht? (1) 

Guter
Wein ist ein
Gemeinschaftsprodukt
der Natur und
des Menschen.
Die Natur stellt
mit der
Weinrebe, dem
Klima und den
Böden die
unabdingbaren
Voraussetzungen,
der Mensch
vollendet ihr
Werk durch
Selektion und
Zucht immer
besserer
Rebsorten, durch
die Wahl
geeigneter
Standorte und
schließlich
durch seine
Arbeit in
Weinberg und
Keller.
Grundlage
des Weinbaus ist
eine
Pflanzenart, die
vielleicht
bereits in der
Kreidezeit, vor
140 Mio. Jahren,
zum ersten Mal
auftauchte, mit
Sicherheit aber
zu Beginn des
Tertiärs, vor
65 Mio. Jahren
existierte: die
Weinrebe. Sie
ist eine von 65
verschiedenen
Arten der
großen Familie
der so genannten
Rebengewächse,
wissenschaftlich
Vitaceae
genannt, die in
den gemäßigten
Klimazonen der
nördlichen
Erdhalbkugel,
vor allem in
Amerika und
Asien verbreitet
sind.
Europäer-
und
Amerikanerreben 
Die
europäischen
Kulturrebsorten
– Riesling wie
Chardonnay,
Spätburgunder
wie Cabernet
Sauvignon –
entstammen alle
einer einzigen
Gruppe dieser
Rebengewächse,
der Gruppe der
so genannten
Viniferae,
genauer, sie
entstammen einer
einzigen
Unterart dieser
Gruppe mit dem
Namen Vitis
vinifera. Andere
Unterarten der
Viniferae-Gruppe
wie Vitis
berlandieri,
Vitis labrusca,
Vitis riparia,
Vitis rupestris
oder Vitis
aestivalis, so
genannte
Amerikanerreben,
die vorwiegend
in Nordamerika,
Mexiko und der
Karibik
vorkommen,
können zwar
auch zur
Weinbereitung
herangezogen
werden, Weine
aus ihren
Trauben finden
aber bei
europäischen
Konsumenten
aufgrund des
strengen oder
aufdringlichen,
„fuchsigen"
Geschmacks meist
nur wenige
Freunde.
Die
Weinbauzonen
Europas
Um
bestimmte
Praktiken
der
Weinbergs-
und
Kellerarbeit
zu
regulieren
(z. B.
die
Möglichkeit
des
Anreicherns
von
Weinmost
mit
Zucker
oder
des
Zufügens
von
Weinsäure)
hat
man in
der
Europäischen
Union
fünf
verschiedene
Weinbauzonen
(A, B,
C I, C
II und
C III)
definiert,
wobei
die
Zonen
C I
und C
III
ihrerseits
in a)
und b)
unterteilt
sind.
Zur
Weinbauzone
A
gehören
neben
Deutschland
(außer
Baden)
nur
noch
Belgien
und
Luxemburg
sowie
Großbritannien.
Die
Zone B
umfasst
Baden
sowie
den
Osten
und
Norden
Frankreichs
(Champagne,
Elsass,
Loire
etc.).
Das
gesamte
restliche
Europa
gehört
zur
Zone
C. Zur
Zone C
I a
gehören
beispielsweise
Bordeaux
und
Burgund,
zu C I
b
Südtirol.
Die
Zone C
II
besteht
aus
Languedoc-Roussillon,
fast
dem
gesamten
Nord-
und
Mittelitalien
sowie
den
wichtigsten
Anbaugebieten
Nordspaniens
(Rioja,
Penedés,
Ribera
del
Duero).
Die
französische
Insel
Korsika,
Süditalien
und
die
italienischen
Inseln,
Südspanien
und
Griechenland
gehören
zu den
beiden
Stufen
der
Zone C
III (a
und
b).
In
der
Weinbauzone
A darf
der
potenzielle
Alkoholgehalt
von
Mosten
maximal
um 3,5
Vol.-%
(etwa
28 g
Alkohol
pro
Liter
Wein)
gesteigert
werden,
wenn
der
nicht
angereicherte
Most
bereits
einen
potenziellen
Alkohol
von
mindestens
6, in
Deutschland
von
mindestens
5
Vol.-%
aufweist.
Für
die
Weinbauzone
B gilt
eine
Anreicherungs-Höchstgrenze
von
2,5
Vol.-%
bei
einem
bereits
vorhandenen
potenziellen
Alkoholgehalt
von
mindestens
7,5
Vol.-%
(in
Baden
6
Vol.-%).
In
Österreich
dürfen
Moste
für
Land-,
Tafel
und
Qualitätsweine
ohne
Prädikat
mit
maximal
4,5
kg/hl
Rübenzucker
angereichert
werden,
wobei
das
Gesamtmostgewicht
nach
der
Anreicherung
19 °KMW
bei
Mosten
für
Weißwein
und 20
°KMW
(das
entspricht
11,5
bis 12
Vol.-%
Alkohol)
bei
Mosten
für
Rotwein
nicht
übersteigen
darf.
In
den
Gebieten
der
Weinbauzonen
C I
und C
II ist
das
Anreichern
generell
bis zu
einem
zusätzlichen
Alkoholgehalt
von 2
Vol.-%
erlaubt,
wobei
der
natürliche
potenzielle
Alkoholgehalt
vor
dem
Anreichern
bei
mindestens
8,5
bis
9,5
Vol.-%
liegen
muss.
In der
Zone C
III
ist
das
Anreichern
generell
verboten.
|
Insgesamt
unterscheidet
man zwischen
17.000 und
20.000
verschiedener
Rebsorten –
10.250 von ihnen
gehören zur
Untergruppe
Vitis vinifera,
mehr als 4. 600
sind Hybriden,
das heißt
Kreuzungen aus
Europäer- und
Amerikanerreben.
Als kommerziell
verfügbar
gelten insgesamt
mehr als 7.000
Rebsorten, aber
nur zwischen
1.000 und 2.000
von ihnen werden
tatsächlich
genutzt;
wirtschaftliche
Relevanz
besitzen sogar
nur wenig mehr
als 100.
Ob
und wie aus
diesen so
unterschiedlichen
Rebsorten Wein
wird, ob dieser
Wein gut, das
heißt wohl
schmeckend und
ausdrucksvoll
wird, hängt von
einer Reihe von
Faktoren ab.
Einer der
wichtigsten ist
das Klima, die
Summe aller
Wetter bildenden
Elemente wie
Sonnenschein,
Temperaturen,
Niederschläge,
über einen
längeren
Zeitraum hinweg
betrachtet. Das
Klima bestimmt
die Eignung
einer bestimmten
Landschaft für
Weinbau im
Allgemeinen,
für bestimmte
Rebsorten im
Besonderen.
Weißen, Roten und Rosés, bei den perlenden
zwischen
Perl- und Schaumweinen. In jeder dieser Untergruppen wiederum
gibt es die verschiedenartigsten Weintypen, deren jeweiliger
Charakter von zahlreichen Faktoren abhängig ist: von der
Rebsorte, vom Klima und der Weinbergslage, vom Jahrgangsverlauf
und nicht zuletzt von der Arbeit des Weinmachers, die darüber
entscheidet, nach welcher Methode, mithilfe welcher Verfahren
die Trauben verarbeitet werden. Alles in allem ergibt das
Hunderte, wenn nicht Tausende unterschiedlicher
Geschmacksrichtungen.
(Forts. folgt)
*
sämtliche
Zahlenangaben in diesem Text stammen aus der Zeit von vor 2006.
Für aktuellere Angaben s. unsere Weltweinstatistik
oder das Lexikon.
