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verantw gem.§ 6 MDSV
Dr. Eckhard Supp
Firmensitz:
D - 63069 Offenbach
Amtsgericht
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Der
Wein
Basiswissen für
Einsteiger in 31 Folgen
von Eckhard Supp *
Folge
2: Was ist Wein? (2)
Alle Fotos: © Eckhard Supp
Wein
in der Antike
Diese
Art des
Austauschs und
der „Globalisierung"
des
Weingeschmacks
ist in der
Geschichte des
Weinbaus jedoch
nicht wirklich
neu. Von ihren
Ursprüngen im
Kaukasus an
waren Weinreben
und Wein fast
ständig Objekt
und Vehikel des
Austauschs
zwischen den
Kulturen.
Rebsorten wurden
von einem Land
ins nächste,
von einem
Kontinent in den
anderen
verpflanzt, und
mit ihnen die
Kunst des
Weinmachens,
bestimmte
Techniken der
Weinbereitung
und damit
natürlich auch
bestimmte Wein-
oder
Geschmackstypen.
Die
Entwicklung des
Weinbaus ist
untrennbar mit
der Geburt der
vorderasiatischen
und
europäischen
Zivilisationen
verbunden.
Obwohl
Nomadenvölker
bereits vor mehr
als 7000 Jahren
wilde Trauben zu
Wein vergoren,
im 8.
Jahrtausend vor
unserer
Zeitrechnung im
Nahen Osten
erste,
rudimentäre
Rebpflanzungen
angelegt wurden
und die
ältesten Funde
von Werkzeugen
im nördlichen
Kaukasus, die
dem Weinmachen
gedient haben
könnten, auf
das 5. oder 6.
Jahrtausend v.
Chr. datiert
werden, ist die
Existenz von
Rebkulturen
wissenschaftlich
erst für das 4.
Jahrtausend in
Ägypten und im
Zweistromland,
in der Ägäis
für etwa 2500
v. Chr.
nachgewiesen.
|
Die
Mönche
des
Zisterzienserklosters
Cîteaux
im
Burgund
legten
rund um
ihren
Wirtschaftshof
in
Vougeot
eine der
bekanntesten
Weinbergslagen
der Welt
an: Clos
Vougeot.
|
Wahrscheinlich
stammt der
Begriff Wein
selbst aus dem
Armenischen,
Hebräischen,
Arabischen oder
dem Sanskrit und
gelangte über
das griechische
„oinos"
und das
lateinische „vinum"
zu uns. Eine
erste Blüte
erlebte der
Weinbau im
Ägypten der
Pharaonen. Unter
ihnen
entwickelte sich
auch zum ersten
Mal ein reger
Weinhandel, und
mancher
Historiker
vermutet gar,
dass die
Grundlagen
unserer modernen
Ökonomie –
Geld, Verträge,
Gerichte,
Rechnungswesen
und vielleicht
sogar unser
Zahlensystem und
Zeitmaß – im
Rahmen dieses (Wein-)Handels
erfunden wurden.
Von
Ägypten nach
Griechenland
Griechenland
war die erste europäische
Etappe des Weinbaus, wobei die
minoische Kultur Kretas als
Brückenkopf diente. Bereits
im 2. Jahrtausend war Wein ein
fester Bestandteil der
griechischen Kultur. Vor allem
die meist mit Gewürzen,
Honig, Harz oder Duftstoffen
aromatisierten Produkte der
Ägäisinseln Lesbos, Rhodos
und Thasos genossen weit über
die Region hinaus Ansehen.
Chios, das Bordeaux der
Antike, exportierte gar bis
ins Gebiet des heutigen
Russland. Wein gewann für die
Griechen eine solche
wirtschaftliche und soziale
Bedeutung, dass sie ihm eine
eigene Gottheit widmeten:
Dionysos, den Gott der
Fruchtbarkeit und der Ekstase.
Modeweine
oder
Modellweine?
Nicht
jeder
Modewein
ist
ein
Modellwein,
und
leider
haben
sich
die
Erzeuger
vieler
Weinbauländer
im
Laufe
der
Geschichte
immer
wieder
dazu
verleiten
lassen,
es mit
der
Qualität
nicht
so
genau
zu
nehmen.
Das
galt
und
gilt
auch
für
viele
Erzeuger
von
Modeweinen
der
letzten
Jahrzehnte.
In
Deutschland
–
und
nicht
nur
hier
–
musste
ein
Wein
bis in
die
1970er-Jahre
ja
einfach
nur
süß
sein,
und
wenn
er die
Bezeichnung
Spät-
oder
Auslese
trug,
galt
er als
besonders
wertvoll.
Wie
fatal
diese
„Moderichtung"
war,
zeigte
sich
auf
besonders
drastische
Weine
im
österreichischen
Weinskandal
Mitte
der
1980er-Jahre,
als
eine
Handvoll
findiger
Winzer
entdeckten,
dass
man
die
Süße
im
Wein
billig
erzielen
konnte,
wenn
man
einfach
Frostschutzmittel,
Glykol,
beimischte.
Das
diese
Panscherei
der
Gesundheit
der
Kunden
nicht
eben
zuträglich
war,
interessierte
sie
nur
sekundär.
In
die
Hoch-Zeit
des
papp-
und
klebrigsüßen
Weins
fiel
der
Erfolg
des
französischen
Edelzwickers.
Vielen
Weinfreunden
galt
er als
der
Inbegriff
des
sauber
gemachten,
trockenen
Speisenbegleiters,
aber
dieses
Renommée
hielt
nur,
so
lange
die
Erzeuger
des
beliebten
„Elsässers"
noch
nicht
entdeckt
hatten,
dass
ihr
Zwicker
ein
wahrer
Goldesel
war.
Die
Konsequenz
dieser
Erkenntnis:
Immer
größere
Mengen
immer
schlechterer
Weine
überschwemmten
den
Markt
und
ruinierten
nicht
nur
die
Preise,
sondern
schließlich
auch
Gaumen
und
Mägen
der
Weinfreunde
in
aller
Welt.
Auf
der
Welle
von
Weinmoden
überschwemmt
leider
immer
wieder
viel
zu oft
schlechte
Qualität
den
Markt.
Wer
deshalb
phantasielos
nur
nach
„Prosecco",
„Beaujolais
Nouveau",
„Pinot
grigio"
oder
„Grünem
Veltliner"
verlangt,
weil
das
„in"
ist
und er
vor
den
Tischnachbarn
eine
gute
Figur
abgeben
will,
der
riskiert,
daß
ihm
irgendwann
nur
noch
minderwertige
Qualität
serviert
wird.
Darüber
hinaus
passen
Modeweine
ja oft
nur zu
wenigen
Anlässen
–
ein
Prosecco
beispielsweise
eignet
sich
als
Aperitif,
ein
Beaujolais
Nouveau
passt
vielleicht
zu
einfachen,
rustikalen
Gerichten
–
und
verderben
in den
restlichen
Fällen
eher
den
Brei,
pardon,
den
Geschmack.
Sicher
ist es
ein
wenig
anstrengender,
für
jede
Gelegenheit
den
richtigen
Wein
zu
wählen,
aber
der
Genuss
ist
dafür
auch
um ein
Vielfaches
größer.
|
Die
griechischen Siedler, die in
der ersten Hälfte des 1.
Jahrtausends v. Chr. neue
Lebensräume im restlichen
Mittelmeerraum eroberten,
führten den Weinbau in den
Kolonien ein: Sizilien,
Süditalien und Südfrankreich
wurden zu neuen Zentren der
europäischen Weinkultur und
lösten das alte Griechenland
ab. Es blieb den Römern
vorbehalten, den Weinbau zu
einem vollwertigen
Wirtschaftszweig zu entwickeln
und ihn in Mitteleuropa
einzuführen.
Dabei
wirkte eine Katastrophe als
Auslöser: Die Zerstörung der
Stadt Pompeji durch den
Ausbruch des Vesuvs im Jahre
79 unserer Zeitrechnung
führte dazu, dass das
römische Imperium auch in den
nördlicher gelegenen
Provinzen Weinbau entwickeln
musste. Im Kernland Roms, dem
heutigen Latium, war schon
bald das gesamte
landwirtschaftlich nutzbare
Land mit Reben bestockt. Dies
zwang Kaiser Domitian sogar
dazu, die Anlage neuer
Weinbergsflächen im gesamten
Reich zu verbieten, da er die
übrige Lebensmittelproduktion
durch die entstehende
Monokultur gefährdet wähnte.
Erst 200 Jahre später hob
Marcus Aurelius Probus, der
die Versorgung seiner Truppen
in den germanischen und
pannonischen Provinzen mit dem
kostbaren Nass sicherstellen
wollte, das Domitianische
Edikt wieder auf und sorgte so
für die Entstehung und
Entwicklung der mittel- und
westeuropäischen
Weinbaugebiete.
Gallier,
Kelten und Germanen
Im
Zuge der Konsolidierung ihres
Reiches und der Verdrängung
oder Unterwerfung von
Galliern, Kelten und Germanen
legten die Römer in der Folge
in jedem auch nur
einigermaßen geeigneten
Landstrich Rebkulturen an –
es war eine Globalisierung von
weitaus größerer Tragweite
als in unseren Tagen. Dabei
verbreiteten sie ihr Wissen
vom Weinmachen und die
dazugehörigen Instrumente wie
die Kelter sowie – nach
Ablösung der Amphore – das
Holzfass. Mosel und Rheingau,
Wachau, Burgund und die Pfalz,
Rioja und natürlich die
Region um Bordeaux wurden
unter ihnen zu dem, was sie
heute noch sind: Zentren der
europäischen Weinkultur.

Holländer
entdeckten, noch
lange vor den
Engländern, die
Qualität der
Weine aus dem
Dourotal. Sie
brachten
sie zunächst
flussabwärts in
die Hafenstadt
Porto, wo sie zu
Portwein
reiften, um dann
nach Amsterdam
und
in die ganze
Welt verschifft
zu werden.
Der Zerfall des römischen
Reiches führte zu einer
Stagnation des Weinbaus. Zwar
überlebte die Rebe diese
schwierigste Zeit der
europäischen Kulturgeschichte
– selbst die lange arabische
Herrschaft in Spanien mit
ihrem strengen Alkoholverbot
konnte ihren Kulturen
letztlich nichts anhaben –,
aber es sollte bis ins 7. und
8. Jahrhundert dauern, bis die
Weinwirtschaft des Kontinents
neuen Aufschwung erlebte.
Merowinger und Karolinger –
allen voran Karl der Große
–, vor allem aber die
mittelalterlichen Klöster
gehörten zu ihren wichtigsten
Förderern.
Im
12. Jahrhundert trat Bernard
de Fontaine, bekannter als
Bernhard von Clairvaux, in das
kleine Kloster Cîteaux in der
Nähe des Städtchens
Nuits-Saint-Georges ein, wo er
seine gegen den luxuriösen
Lebensstil der berühmten
Benediktinerabtei Cluny
gerichteten, asketischen
Glaubensgrundsätze predigte.
Cîteaux und sein
Wirtschaftshof in Vougeot
wurden zum Zentrum des
aufstrebenden Weinbaus der
burgundischen Côte d’Or.
Hier entstanden die Grundlagen
für die noch heute gültige
Klassifizierung der
Weinbergslagen des Burgund und
von hier aus trugen die
Zisterzienser, der neue Orden
Bernhards, die Kunst der
Weinbereitung ins restliche
Mitteleuropa: 1136 gründeten
sie Kloster Eberbach im
Rheingau, das schon bald zum
größten Weinbaubetrieb
Europas wurde und in seiner
Blütezeit fast 200 eigene
Handelsniederlassungen besaß.
Aufschwung
im Mittelalter
Auch
im Südwesten Frankreichs
begann die Erfolgsgeschichte
des Weinbaus im 12.
Jahrhundert. 1152 hatte
Aliénor von Aquitanien den
späteren König von England
und Herzog der Normandie,
Heinrich II. Plantagenet,
geheiratet: Die Gascogne
geriet unter englische
Herrschaft und konnte mit
Hilfe großzügiger
Zollprivilegien zum
bedeutendsten Weinlieferanten
des englischen Hofes und der
Londoner Gesellschaft
aufsteigen.
Nachdem
Karl der Große der Kirche das
Recht auf den Zehnten gewährt
und ihr damit die Möglichkeit
eröffnet hatte, in den
Weinhandel einzusteigen,
verwandelten Klöster nicht
nur den Rheingau, sondern ganz
Deutschland in ein Rebenmeer.
Im 15. Jahrhundert wurde am
Westhang des Schwarzwalds, in
Franken und an der Nahe
Weinbau betrieben. Mit 300.000
Hektar war die Rebfläche gut
drei Mal so groß wie heute,
und alleine die Kölner
Weinhändler schlugen im Jahr
100.000 Hektoliter um – eine
für die damalige Zeit
beachtliche Menge.
In
den Mittelmeerländern, wo die
Geschichte der europäischen
Weinkultur einst ihren Anfang
genommen hatte, ließ der
Aufschwung länger auf sich
warten – in Spanien bis zur
Rückeroberung des Landes von
den Mauren im 15. Jahrhundert,
wobei die iberische Halbinsel
dann allerdings gleich in
doppelter Hinsicht zu einem
der Hauptschauplätze des
Weltweinbaus wurde. Zum einen
konnten Anbaugebiete wie die
des Sherry in Andalusien oder
des Portweins im Dourotal von
der Schwäche anderer Länder
und Regionen profitieren und
die Einkäufer des wichtigsten
Weinmarktes der Welt, England,
für ihre Weine interessieren.
Zum anderen sorgten die
Spanier im 15. und 16.
Jahrhundert dafür, dass
europäische Weinreben zum
ersten Mal auch den
amerikanischen Kontinent
erreichten: Im Zuge der
spanischen Eroberungen und
Koloniegründungen führte
Hernando Cortez, der
berühmteste spanische
Eroberer, Setzlinge nach
Mexiko ein, und Mitte des 16.
Jahrhunderts entstanden
bereits im heutigen Chile die
ersten Rebgärten, lange vor
Nordamerika und den anderen
Ländern der so genannten
Neuen Welt.
Vom
Weinhandel zum Welthandel
Eine
maßgebliche Rolle bei der
Entwicklung des Weltweinbaus
kam auch den Holländern zu.
Sie verluden zum ersten Mal
Wein in Porto, ini-tiierten
das Schnapsbrennen in der
Gascogne (Armagnac) und der
Charente (Cognac) und legten
Anfang des 17. Jahrhunderts
die Sümpfe des Médoc
nördlich der Stadt Bordeaux
trocken. Als Einkäufer
füllten sie in Bordeaux die
Lücke, welche die Engländer
nach dem Verlust ihrer
Herrschaft über die Gascogne
in der Folge des
Hundertjährigen Kriegs
gelassen hatten. Dank ihrer
Unterstützung konnten
einheimische Familien wie die
Pontacs oder die Lestonnacs
mit einer Reihe von
Châteaugründungen die Basis
für den Bordeaux-Weinbau
späterer Jahrhunderte legen.
In
der zweiten Hälfte des 17.
Jahrhunderts errangen die
Engländer auf Grund ihrer
militärischen Schlagkraft
wieder die Herrschaft über
Weltmeere und Welthandel –
eine Entwicklung, die der
spanische Erbfolgekrieg noch
akzentuierte. London wurde zum
wichtigsten Weinhandelszentrum
der Welt, und englische
Familien avancierten zu neuen
Herrschern in Bordeaux, wo sie
dem Weinbau endgültig ihren
Stempel aufdrückten.
Die
Zeit zwischen dem 16. und dem
19. Jahrhundert war von
tiefgreifenden
wirtschaftlichen, sozialen und
politischen Veränderungen
geprägt – es war die Geburt
der von Europa dominierten
Weltwirtschaft und der
demokratischen
Staatsverfassungen. Englische
Siedler und toskanischer Adel
legten in Nordamerika erste
Rebflächen an, Südafrika
trat mit den berühmten
Süßweinen von Constantia in
Erscheinung, und auch in
Europa tauchten neue Länder
und Namen auf den
Weinbaukarten auf, unter ihnen
die Anbaugebiete von Tokaj,
Madeira und Marsala, die mit
den damals so beliebten Süß-
und Likörweinen glänzten.
(Forts.
folgt)
*
sämtliche
Zahlenangaben in diesem Text stammen aus der Zeit von vor 2006.
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