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Juli 2007
Georgia on my mind ...

Das sprichwörtliche Schwarze Loch wäre wohl ein eher beschönigendes Bild für den Zustand, in den die georgische Weinwirtschaft nach dem vor gut einem Jahr verhängten, kompletten russischen Importstopp für die Weine aus der Kaukaususrepublik fiel. Schlagartig war der gesicherte Absatz von 60 Millionen Flaschen Wein im Jahr null und nichtig, Ersatzmärkte gab es nicht. Dass Georgiens Winzer und Weinmacher sich jetzt neue Märkte in Europa und der Neuen Welt suchen müssen, stellt sie vor zuvor nicht gekannte Probleme, v. a. hinsichtlich der Typologie und Qualität ihrer Weine.

Dabei besitzt das Land mit gut 500 einheimischen Rebsorten ein gigantisches, allerdings bis dato leider nur marginal genutztes genetisches Reservoir und müsste, so gesehen, exzellente Karten für die Produktion von eigenständigen, authentischen "Terroir"-Weinen haben. In Weinbau und Kellertechnik liegt allerdings noch einiges im Argen: Zu hohe Erträge, lange Zeit sträflich vernachlässigte Sortenpflege, nicht wirklich auf Qualität angelegte Weinberge dominieren das Bild auf Seiten des Weinbaus; bei der Kellertechnik findet man von ultramodernen bis zu hoffnungslos archaischen Anlagen alles. Nur wenige Önologen beherrschen die Vinifizierung und den Ausbau der Weine wirklich perfekt, was sich häufig in unsauberen Aromen, in kratzigen Strukturen (kein Säureabbau bei den Roten!), in Oxidation und mangelnder Konzentration bemerkbar macht.

Die international "kompatibelste" Sorte scheint der rote Saperavi zu sein, der insbesondere in Weinen der kachetischen Herkunftsbezeichnung Mukuzani zur Höchstform aufläuft. Bei ihr könnte allerdings noch deutlich mehr mit Verschnittanteilen anderer roter Sorten experimentiert werden, um Nase und Gaumen mehr Komplexität zu verleihen. Bei den weißen Sorten zeigt der weit verbreitete Rkaziteli schöne Eigenständigkeit. Interessant sind auch die amphorenvergorenen und häufig anschließend im Barrique ausgebauten Weine, die eine alkoholleichte, knochentrockene Aperitif-Alternative zu Sherry darstellen könnten.

Im Folgenden stellen wir die besten Weine einer Reise vor, die auf Einladung der deutschen GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) zustande kam, und auf der ENO WorldWine im Rahmen eines "Benchmark Tastings" der versammelten önologischen Kompetenz Georgiens internationale Weine vorstellen konnte, die nicht nur in unseren Verkostungen Höchstnoten erhalten hatten, sondern auch ein Stück authentisches Terroir darstellen. Eine kleine Zahl Weine konnten wir auch bereits auf der vergangenen ProWein verkosten und haben die Ergebnisse hier integriert.

Auf alle Fälle, eine Entwicklung, die weiter zu verfolgen sein wird ....

Die Verkostungs-Highlights von Eno WorldWine stellen eine Auswahl aus umfangreicheren Proben dar, die jedoch nicht immer den repräsentativen Charakter besitzen, um Thema unserer großen (Profi-)Verkostungsreports werden zu können. Die Weine sind - auch bei gleicher Punkte(Sterne)zahl - in der Reihenfolge ihrer Beurteilung (absteigend) aufgeführt. Weine aus diesen Proben, die hier nicht aufgeführt werden, können Sie mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung in unserem Verkostungs-Archiv finden.


Maisuradze Wines, 2200 Telavi, Mukuzani 2005: dichtes, intensives Rot, Nüsse, Pflaumen und Banane in der Nase, am Gaumen Saft, gute Struktur, sandiges Tannin *****
  
Maisuradze Wines, 2200 Telavi, Akhaseni Saperavi 2005: dichtes, leuchtendes Rubin, in der Nase würzige Frucht, die etwas von Spuren des Holzausbaus maskiert ist, festes Tannin, noch jung, aber ausgewogen und entwicklungsfähig, guter Wein, 2. Probe: dichtes, sehr frisches Rubin, Kirschen, Vanille, etwas Schokolade, feste, schöne Tanninstruktur, noch entwicklungsfähig ****
  
Kakhuri Ltd., 2200 Telavi, Mukuzani red 2004: frisches, dichtes Rot, am Gaumen schlank, elegant, Aromen von Kirschen und Beeren, guter, fester Wein, 2. Probe: gutes Rubin, saubere, recht tiefe Beerenfrucht, weißer Pfeffer, reife Birnen, Struktur und genügend Extrakt ****
  
Maisuradze Wines, 2200 Telavi, Kisi 2005: leuchtendes Goldgelb, frische Frucht im Duft, fester Stoff, Struktur ****
  
Shumi Ltd., 2217 Tsinandali, Kachetien Saperavi 2005: ichtes, intensives Rubinrot, weißer Pfeffer, schöne aromatische Tiefe, fest, klassisch strukturiert, Syrahtyp, 2. Probe: intensives Rubin, sehr pfeffrige Frucht mit Rosenduft, auch etwas balsamische Noten, am Gaumen noch raues, kompaktes Tannin ****
Vinoterra, 2200 Kisiskhevi, Kachetien Saperavi 2004: dichtes Rot, saubere, leicht balsamische, aber etwas zu eindimensionale Nase, mit der Lüftung leichte Minzespur, dicht, Kraft vom Alkohol, guter Wein ****
  
Vinoterra, 2200 Kisiskhevi, Tsinandali weiss 2005, : helles Stroh, recht feine, saubere Frucht, am Gaumen sehr eigenwillige Aromatik, erinnert an wilde Reben, sehr charakteristischer Wein aus Rkaziteli ****
  
Teliani Valley, 0159 Tbilisi, Kachetien Saperavi 2004: dichtes Rubin, Bienenwachs und Banane im Duft, am Gaumen recht elegant, noch junges Tannin ***
  
Vinoterra, 2200 Kisiskhevi, Kachetien Kisi Clay Jar Fermented 2005: dunkles, oxidatives Gelb, nussig in der Nase, Banane, sehr trocken, recht leichter, aber guter und fester Aperitivwein ***
  
Georgian Wine & Spirits Copany, 2200 Telavi, Kachetien Saperavi 2005 Reserve: dichtes, frisches Rubin, Nase verhalten, wenig Ausdruck, Säure und Stoff fallen auseinander ***
  
Teliani Valley, 0159 Tbilisi, Kachetien Tsolikuri 2005: leuchtendes Gelb, etwas muffig, Eigelb in der Nase, am Gaumen besser, recht saftig und stoffig ***

Die bisherigen Verkostungs-Highlights

ProWein Highlights 2008 03/08
Erschwinglicher Bordeaux 11/07
Georgien - Georgia on my mind ... 7/07
Portugal - Großes im Verborgenen 4/06
Listrac-Vertikale 02/06
Altehrwürdige Vinx Doux Naturels 01/06
Südafrika in London 11/05

Klassifizierte Australier 10/05

Swiss - on Top 09/05

Languedoc - preiswert & gut 01/05

Spanische Legende - Único 11/04

Cabernet aus Österreich 09/04
Bordeaux-Grands-Crus 08/04
Gewürztraminer 07/04
Anteprima Toskana 06/04
Südafrikanische Icon-Wines 05/04
Venetien & Sardinien 03/04

Toskana in Hamburg 02/04
Ungarn und Griechenland 01/04

Highlights vor 2004

Navarra und Ribera del Duero 11/03 ++ Baden-Toskana in HH 10/03 ++ Toskanische Küste 09/03 ++ Ardèche 02/03 ++ Traumweine des Jahres 2002 01/03 ++ Louis Jadot - Corton und Vougeot12/02 ++ Lageder - Römigberg-Vertikale 11/02 ++ Champagner - und die anderen .... 10/02 ++ Sassicaias Jünger - en primeur 09/02 ++ Unbekanntes weißes Bordeaux 08/02 ++ Süsses aus Österreich 07/02 ++ Rote Spitzen-Australier 06/02 ++  Neuseeland in Hamburg 06/02 ++ Österreich - Rotweingipfel 06/02 ++ Rheinhessen 05/02 ++ Reifer Barolo 05/02 ++ California meets Berlin 04/02 ++ Sachsen & Sachsen-Anhalt 04/02 ++ Deutscher Pinot 03/02 ++ Portwein 02/02 ++  Gallo's California 02/02 ++ Spanische Klasse 01/02 ++ Schweizer Spitzen 01/02 ++ Stilvergleich F/I/D 01/02 ++ Bourg-Sauternes 12/01 ++ Italien - Antinori 12/01 ++ Verschiedenes Frankreich 11/01 ++ Verschiedenes Portugal 11/01

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Unser Punktesystem: Weine
 
-- / ?? offen fehlerhafter oder nicht zu beurteilender Wein (Flaschenproblem)
* zu einfacher, evtl. auch leicht fehlerhafter Wein, nicht empfehlenswert
** Wein mit einem Minimum an Qualitäten, akzeptabel wenn im unteren Preisbereich 
*** befriedigender, ansatzweise typischer Wein, angenehm zu trinken
**** guter bis sehr guter Vertreter seiner Art und seines Jahrgangs
***** Spitzenwein von internationalem Format
***** Traumweine, die kleine Elite 1)
* - **** ? nicht eindeutig zu bewertender Wein

Weinproben von Eno WorldWine werden soweit wie möglich unter optimalen Bedingungen, wenn es geht blind durchgeführt, um eine eventuelle Verfälschung der Resultate, Voreingenommenheit und Irrtümer auszuschalten. Auch dann aber sind Verkostungs-Urteile immer nur subjektive Momentaufnahmen und hängen nicht zuletzt von der Authentizität der Proben ab, die uns präsentiert werden. Die Redaktion lehnt deshalb jede Haftung für Weine ab, deren geschmackliche Qualitäten nicht den hier geschilderten Eindrücken entsprechen. Unsere Bewertungen stellen eine Synthese aus aromatischem und geschmacklichem Volumen, Typizität, Alterungsfähigkeit und Trinkgenuss dar. Eno-Verlag distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt aller evtl. in diesen Reports verlinkten Seiten und übernimmt keinerlei Verantwortung für die Verfügbarkeit der Weine sowie für den Geschäftsverkehr mit den jeweiligen Firmen wird keine Haftung übernommen.

1) Die Unterscheidung zwischen Spitzen- und Traumweinen wird erst in unseren Verkostungsreports ab Januar 2003 getroffen. Im Datenbank-Archiv sind diese Traumweine mit *****+ gekennzeichnet.

Unser Punktesystem: Weingüter

Die große Zahl von Verkostungen, die wir in den letzten Jahren durchführen konnten, erlaubt es uns, auf dieser Basis jetzt auch die Erzeugerbetriebe insgesamt zu bewerten. Um diese Wertung deutlich gegenüber der Weinbewertung abzusetzen, vergeben wir für Erzeuger maximal drei Sterne (@, in älteren Reports auch P), allerdings mit Zwischenstufen. Diese Weingutsbewertungen sind natürlich nur dort möglich, wo wir eine gewisse Mindestanzahl Weine bzw. Jahrgänge verkosten konnten und stellen eine Langzeitbewertung auf Basis der letzten 10 - 15 Jahrgänge dar, die vom Eindruck eines bestimmten Tastingreports, d. h. einer Momentaufnahme, abweichen kann. Um die aktuelle Leistungsfähigkeit eines Erzeugers korrekt einschätzen zu können, sollten daher immer sowohl die Langzeitbewertung als auch die konkreten Verkostungsergebnisse berücksichtigt werden.

@@@ Die kleine Elite der Region und des Landes, gehört zu den Spitzenweingütern der Welt
@@ Sehr gute Erzeuger mit stabiler Qualität
@ Erzeuger mit meist guten Weinqualitäten 
@ halbe Sterne 

EWW-Weinkategorien:

Um unseren Lesern jenseits aller Herkunftsbezeichnungen und Geschmacksangaben auf den Etiketten einen Hinweis zu geben, zu welchem Geschmackstyp die verkosteten Weine gehören, haben wir das Weinspektrum in 14 Kategorien eingeteilt, die ab 2006 hin und wieder zusätzlich zu den Bewertungen angeführt werden:

1 Leichte, trockene Weißweine 
2 Kräftige, trockene Weißweine
3 Roséweine
4 Leichte, fruchtbetonte Rotweine
5 Fruchtbetonte, kräftige Rotweine
6 Tanninbetonte, kräftige Rotweine
7 Schwere, alkoholreiche Rotweine
8 Deutlich restsüße bzw. süße Weißweine
9 Liebliche bzw. süße Rotweine
10 Edelsüße und Eis-/Strohweine
11 Trockene Likörweine
12 Süße Likörweine
13 Perlweine
14 Schaumweine

Natürlich ist eine solche, grobe Kategorisierung zwangsläufig immer unvollkommen. Innerhalb jeder einzelnen Gruppe wären beispielsweise Untergruppen vorstellbar. Man könnte bei den leichten, trockenen Weißen zwischen den aromatisch neutraleren und den Bukettweinen mit ausgeprägtem Sortenduft unterscheiden. Bei den Edelsüßen könnte man darüber streiten, ob nicht eine Unterteilung in alkoholschwache und alkoholreiche Weine sinnvoll wäre, und bei den alkoholreichen Roten darüber, ob ihr nur spezielle Weintypen wie der italienische Amarone angehören oder generell alle Rotweine aus heißen Anbaugebieten bzw. heißen Jahren, wenn sie ebenfalls hohe Gradationen erreichen. Aber eine solche, weitergehende Untergliederung würde dem wichtigsten Nutzen dieser Einteilung zuwider laufen – dem nämlich, dem Verbraucher eine erste Orientierung im Ozean der Weintypen zu bieten.