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Eine privat organisierte Verkostung in Hamburgs
Spitzen-Italiener Poletto (Eppendorf) bot Gelegenheit, die Alterungsfähigkeit
des "Weins der Könige und Königs der Weine" einmal auf die Probe
zu stellen. Aus den privaten Kellern der Teilnehmer waren fast zwanzig Weine
zusammen gekommen, die jüngsten aus dem 97er Jahrgang, der älteste von 1982.
Wenn in den letzten Jahren viel von Modernisten und Traditionalisten im
Barolo-Gebiet die Rede war, dann konnte man nach der Probe nur feststellen,
dass über alle ideologischen Schützengräben hinweg König Barolo
triumphiert hatte. Nach zehn oder mehr Jahren ließ sich bei den wirklich
guten Weinen kaum noch sagen, ob sie mit kurzen Maischestandzeiten und
Barrique-Ausbau oder klassisch mit langer Mazeration und Ausbau im großen
Fass vinifiziert worden waren. Die fünf besten Weine kamen sowohl aus
Traditionalisten-Kellern wie dem von Bruno Giacosa, wie auch aus den
Modernisten-Betrieben von Enrico Scavino oder Luciano Sandrone.
Bruno Giacosa,
I - 12057 Neive - Barolo Rionda 1990 Ris.: reifes Rubin, Schokolade, am Gaumen dichte, filigrane Fülle, sehr weiche Tannine mit samtener Textur, eleganter,
ein ausgereifter, außergewöhnlicher Wein
*****
Pio Cesare Srl,
I - 12051 Alba - Barolo Ornato 1990: noch sehr frisches Rot, tiefe
Teer-und-Rosen-Nase, kandierte Früchte, am Gaumen Fülle, Frische, gute
Tannine, weiterhin entwicklungsfähiger Wein
*****
Rocche Costamagna,
I - 12064 La Morra - Barolo Vigna Francesco 1990: dichtes Rot, wirkt noch sehr frisch, Nase sehr elegant mit Teer und Rauch, große, süße Fülle im Mund, reife
Tannine, langer Abgang, sehr guter Wein, deutlich besser, als vor acht Jahren
*****
Luciano Sandrone,
I - 12060 Barolo - Barolo Cannubi Boschis 1987: leuchtendes Granatrot, sehr feine Tee-Pilz-Aromen, geht im Glas immer würziger auf, süße Fülle und Länge, gereifter Wein mit viel Leben
*****
Paolo Scavino,
I - 12060 Castiglione Falletto - Barolo Bric del Fiasc 1997: gutes, frisches Rubin, saubere, tiefe Nase, am Gaumen Stoff und Alkohol, sehr schöne
Tannine, viel süßer Extrakt
*****
Poderi e Cantine di Marengo-Marenda & C. Sas,
I - 12064 La Morra - Barolo Cerequio 1989: gutes, noch frisches Rot, Leder, Gerbnoten, Stall und Tabak, strenges Bukett, am Gaumen dichte, süße Fülle, sehr gute Länge im Abgang
*****
Prunotto Srl,
I - 12051 Alba - Barolo Bussia 1997: frisches, leuchtendes Rubin, noch verschlossene Nase, sehr feste, reife
Tannine, Länge im Abgang
*****
Marchesi di Barolo Spa,
I - 12060 Barolo - Barolo Cannubi 1997: schönes, leuchtendes Rubin-Granat, saubere, klassische Aromen, Stoff und Kraft, reife, gute Tannine
****
Paolo Scavino,
I - 12060 Castiglione Falletto - Barolo Carobric 1997: leuchtendes, frisches Rot, weit entfaltetes Bukett, Rosen, verschließt sich im Glas wieder, etwas herber Charakter, gute Struktur und Abgang
****
Pio Cesare Srl,
I - 12051 Alba - Barolo Ornato 1997: frisches, gutes Rot, etwas floraler
Duf, wirk leicht gestört, 2. Flasche mit frischerer Farbe und sauberen Aromen, süße Fülle am Gaumen
****
Silvio Grasso,
I - 12064 La Morra - Barolo Bricco Luciani 1990: sehr dichte, reife Farbe, Aromen verhalten, aber fein, gute Eleganz, aber auch leichte Schärfe
****
Poderi Rocche dei Manzoni,
I - 12065 Monforte d'Alba - Barolo Vigna d'la Roul 1997: CO2, frisches Rot, in der Nase Kirscharomen, etwas schlank, aber gute, elegante Struktur
****
Cav.Pierino Icardi & figli,
I - 12053 Castiglione Tinella - Barolo Surí d'la Gesa 1990: reife Farbe, noch recht lebendig und frisch in der Nase und am Gaumen, würzige und mit Finesse
****
Bruno Giacosa,
I - 12057 Neive - Barolo Rionda 1982: sehr weit gereifte Farbe, nicht ganz brillant, in der Nase Lakritz, Stall, Kraut, wird im Glas besser, süße Fülle und schöne Länge im Abgang, am Gaumen besser als in der Nase
****
Poderi Rocche dei Manzoni,
I - 12065 Monforte d'Alba - Barolo Big d'Big 1997: viel CO2, schönes frisches Rubin, Nase recht tief und reich, Teeblätter und Würze, moderner Wein mit etwas süßem Extrakt
****
Virna - Virna Borgogno,
I - 12060 Barolo - Barolo Preda Sarmassa 1997: etwas helles Rot, Erdbeeren, breit in der Anlage und wenig Stoff und Finesse, dennoch recht geradliniger Wein
****
Prunotto Srl,
I - 12051 Alba - Barolo Bussia 1986: reifes Rot, Stall und
Liebstöckl, am Gaumen noch harmonisch und gut zu trinken
***
Poderi Aldo Conterno,
I - 12065 Monforte d'Alba - Barolo 1997: reifes Rot, Nase sauber, typisches Teerbukett, am Gaumen leichte Schärfe, wenig Stoff und Kraft, wird im Glas unsauber
***
Gigi Rosso Srl,
I - 12060 Castiglione Falletto - Barolo Arione Sorì dell'Ulivo 1990
Ris.: sehr reife Farbe, etwas Stallgeruch, am Gaumen wenig Stoff, zu kurz
offen fehlerhafter oder nicht
zu beurteilender Wein (Flaschenproblem)
*
zu einfacher, evtl.
auch leicht fehlerhafter Wein, nicht empfehlenswert
**
Wein mit einem Minimum
an Qualitäten, akzeptabel wenn im unteren Preisbereich
***
befriedigender,
ansatzweise typischer Wein, angenehm zu trinken
****
guter bis sehr guter Vertreter
seiner Art und seines Jahrgangs
*****
Spitzenwein
von internationalem Format
*****
Traumweine,
die kleine Elite 1)
*
- **** ?
nicht
eindeutig zu bewertender Wein
Weinproben von Eno WorldWine werden
soweit wie möglich unter optimalen Bedingungen, wenn es geht blind
durchgeführt, um eine eventuelle Verfälschung der Resultate,
Voreingenommenheit und Irrtümer auszuschalten. Auch dann aber sind
Verkostungs-Urteile immer nur subjektive Momentaufnahmen und hängen
nicht zuletzt von der Authentizität der Proben ab, die uns präsentiert
werden. Die Redaktion lehnt deshalb jede Haftung für Weine ab, deren
geschmackliche Qualitäten nicht den hier geschilderten Eindrücken
entsprechen. Unsere Bewertungen stellen eine Synthese aus aromatischem
und geschmacklichem Volumen, Typizität, Alterungsfähigkeit und
Trinkgenuss dar. Eno-Verlag distanziert sich ausdrücklich vom Inhalt
aller evtl. in diesen Reports verlinkten Seiten und übernimmt keinerlei
Verantwortung für die Verfügbarkeit der Weine sowie
für den Geschäftsverkehr mit den jeweiligen Firmen wird keine Haftung
übernommen.
1) Die
Unterscheidung zwischen Spitzen- und Traumweinen wird erst in unseren
Verkostungsreports ab Januar 2003 getroffen. Im Datenbank-Archiv sind
diese Traumweine mit *****+ gekennzeichnet.
Unser Punktesystem:
Weingüter
Die große Zahl von Verkostungen, die wir
in den letzten Jahren durchführen konnten, erlaubt es uns, auf dieser Basis jetzt auch die
Erzeugerbetriebe insgesamt zu bewerten. Um
diese Wertung deutlich gegenüber der Weinbewertung abzusetzen, vergeben
wir für Erzeuger maximal drei Sterne (@,
in älteren Reports auch P),
allerdings mit Zwischenstufen. Diese Weingutsbewertungen sind natürlich nur dort möglich, wo
wir eine gewisse Mindestanzahl Weine bzw. Jahrgänge verkosten konnten und
stellen eine Langzeitbewertung auf Basis der letzten 10 - 15 Jahrgänge dar, die vom Eindruck eines
bestimmten Tastingreports, d. h. einer Momentaufnahme, abweichen kann. Um die aktuelle Leistungsfähigkeit
eines Erzeugers korrekt einschätzen zu können, sollten daher immer
sowohl die Langzeitbewertung als auch die konkreten
Verkostungsergebnisse berücksichtigt werden.
@@@
Die kleine
Elite der Region und des Landes, gehört zu den Spitzenweingütern
der Welt
@@
Sehr gute
Erzeuger mit stabiler Qualität
@
Erzeuger mit
meist guten Weinqualitäten
@
halbe Sterne
EWW-Weinkategorien:
Um unseren Lesern jenseits aller
Herkunftsbezeichnungen und Geschmacksangaben auf den Etiketten einen
Hinweis zu geben, zu welchem Geschmackstyp die verkosteten Weine
gehören, haben wir das Weinspektrum in 14 Kategorien
eingeteilt, die ab 2006 hin und wieder zusätzlich zu den Bewertungen angeführt werden:
1
Leichte,
trockene Weißweine
2
Kräftige,
trockene Weißweine
3
Roséweine
4
Leichte,
fruchtbetonte Rotweine
5
Fruchtbetonte,
kräftige Rotweine
6
Tanninbetonte,
kräftige Rotweine
7
Schwere,
alkoholreiche Rotweine
8
Deutlich
restsüße bzw. süße Weißweine
9
Liebliche
bzw. süße Rotweine
10
Edelsüße
und Eis-/Strohweine
11
Trockene Likörweine
12
Süße Likörweine
13
Perlweine
14
Schaumweine
Natürlich ist eine solche, grobe
Kategorisierung zwangsläufig immer unvollkommen. Innerhalb jeder
einzelnen Gruppe wären beispielsweise Untergruppen vorstellbar. Man
könnte bei den leichten, trockenen Weißen zwischen den aromatisch
neutraleren und den Bukettweinen mit ausgeprägtem Sortenduft
unterscheiden. Bei den Edelsüßen könnte man darüber streiten, ob
nicht eine Unterteilung in alkoholschwache und alkoholreiche Weine
sinnvoll wäre, und bei den alkoholreichen Roten darüber, ob ihr nur
spezielle Weintypen wie der italienische Amarone angehören oder
generell alle Rotweine aus heißen Anbaugebieten bzw. heißen Jahren,
wenn sie ebenfalls hohe Gradationen erreichen. Aber eine solche,
weitergehende Untergliederung würde dem wichtigsten Nutzen dieser
Einteilung zuwider laufen – dem nämlich, dem Verbraucher eine erste
Orientierung im Ozean der Weintypen zu bieten.